Grenzwanderung Schweiz * Etappe 56 * Col du Gd. St. Bernard - Bourg St. Pierre


Published by laurentbor , 30 November 2018, 16h50.

Region: World » Switzerland » Valais » Unterwallis
Date of the hike:10 September 2018
Hiking grading: T3+ - Difficult Mountain hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-VS   I 
Time: 5:00
Height gain: 514 m 1686 ft.
Height loss: 1347 m 4418 ft.
Route:16,2 km
Access to start point:Zürich - Martigny - Orsieres - Hospice du Gd. St. Bernard
Access to end point:Bourg St. Pierre - Orsieres - Martigny - Zürich

Der Grosse St. Bernhard ist ein Mythos. Welches Kind kennt sie nicht - die Geschichte des unermüdlichen Bernhardiners Barry. Er soll auf dem Hospiz gelebt und über 40 Menschen aus Lawinen gerettet haben, bevor ihn Napoleon mit einem Bajonet erstach weil er ihn für einen Wolf hielt. Abseits von der Geschichte gibt es die Tatsachen: Ein mittelalterliches Kloster und Berghospiz für Durchreisende, denn dieser Alpenübergang war bereits für die Römer wichtig. Bis 1940 konnte man hier kostenlos die Gastfreundschaft der Mönche geniessen - heute übernachtet wer mit eigener Muskelkraft den Pass erreicht hat für einen geringen Obulus im Kloster. Die Bernhardiner welche seit dem Mittelalter hier gezüchtet wurden sind mittlerweile in Martigny untergebracht, doch jeden Sommer verbringen sie ihre Zeit auf dem Hospiz - zur Freude der Touristen.

Ich bin heute mit Ramona unterwegs und wir haben beschlossen als erstes einmal rund um den See zu spazieren - zum aufwärmen sozusagen. Auf der Westseite verläuft die Passstrasse hoch über dem See und genau in der Mitte erreichen wir das Zollhäuschen. Das die Landesgrenze sich genau hier befindet ist kein Zufall. Nach einem 300 jährigen Streit zwischen den Wallisern und den Savoyern über das strategisch wichtige Kloster wurde die Passhöhe 1752 geteilt. Der savyische (heute italienische) Teil des Klosters wurde danach säkularisiert. Die Gebäude auf der Südseite sind daher auch nicht ganz so interessant wie das eigentliche Hospiz. Ein Trampelpfad führt auf der Ostseite des Sees zurück in die Schweiz, von Ferne grüsst eine grosse Statute des heiligen Bernhard.

Nun wenden wir uns der eigentlichen Wanderung zu und entdecken die alte Pilger- oder Handelsstrasse welche mit unförmigen Pflastersteinen aus dem Gras hervorschaut. Hinab geht es - auf der linken Talseite ist ab und an ein Auto zu hören welches die steile Passstrasse hinauf schnaubt. Wir wenden uns nach zirka zwanzig Minuten rechts ab und steigen hinauf in das Tälchen von Barasson. Der 2729 Meter hohe Tour de Barason grüsst uns entgegen. In diesem abgeschiedenen Hochtal wandere ich nun so südlich wie kaum sonst auf der Grenztour. Dieser Teil des Unterwallis ist fast so südlich wie Chiasso. Um ein Haar wäre der südlichste Punkt des Landes also nicht im Tessin sondern im Wallis zu liegen gekommen. Mit diesen Gedanke wenden wir uns nun wieder nordwärts und gehen weglos hinauf zum wunderschönen Lac des Tronchets.

Wollgrass, fantastische Spiegelungen auf der Wasseroberfläche und stahlblauer Himmel machen die Rast hier oben zu einem Genuss. Kurz darauf geht es weiter hinauf über die Hochebene bis zum Einstieg in das Couloir beim Col Sud du Menouve. Alte Wegspuren im Gras und ein paar schwache Pinselstriche an Steinen lassen erahnen, dass hier früher ein offizieller Wanderweg war. Wir schaffen es hinauf bis zum Sattel zwischen den Becs Noir und dem Col Nord du Menouve auf knapp 2700 Metern. Eigentlich wollte ich nun weiter hinauf auf den Pass an der Landesgrenze und danach hinunter nach Bourg St. Bernard. Wie immer geht es mir bei der Routenwahl um möglichst viel Berührung mit der Landesgrenze. Zwar sind Wegspuren Richtung Col Nord de Menouve sichtbar und auch im Couloir welches Menouve heisst entdecken wir einen Trampelpfad. Jedoch scheint der Weg im steilen Geröllfeld sehr schwierig, rutschig und unsicher, so gehen wir auf dem gleichen Weg zurück zur Hochebene Tcholeire. Wir umwandern die Becs Noir und steigen ebenfalls weglos hinab ins Tal nach L'Hospitalet.

Nun geht es weiter auf dem offiziellen Wanderweg hinauf zum Gehöft La Pierre. Hier haben wir einen guten Überblick über die massiven Verbauungen bei Bourg St. Bernard. Hier liegt nämlich das Nordportal des Strassentunnels unter den Grossen St. Bernhard hindurch. Der 5,8 km lange Tunnel wurde 1964 eröffnet und somit kann die Verbindung vom Wallis ins Aostatal nun ganzjährig garantiert werden. Der Wanderweg führt nun direkt zum Lac des Toules auf 1800 Metern. Auf der Westseite führt ein wunderbarer, sanfter Wiesenpfad dem See entlang. Welcher Kontrast zum Fels und Geröll in den Stunden zuvor. Auch treffen wir hier auf andere Spaziergänger und Ausflügler. Wir machen Rast auf einem Grasrücken etwa in der Mitte des Sees.

Die letzte Strecke nach der Staumauer ist dann plötzlich im Nadelwald. Es scheint als bilde der Stausee gleichzeitig die Baumgrenze. Die Dranse d'Entremont rauscht unten im Tobel und schon bald müssen wir eine abenteuerliche Brücke überqueren um nach Bourg St. Pierre zu gelangen. Aus dem Flusstobel aufsteigend kommen wir direkt ins Dorfzentrum mit der mittelalterlichen Kirche und einem stattlichen Felsbrocken der hier rumsteht wie ein Haus.

Nächstes Mal geht es wieder in ein Seitental - ich möchte das Valsorey mit seinen SAC Hütten erkunden.


Hike partners: laurentbor


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