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Elferkofel Südspitze, Cima Undici Sud 3092m Normalweg


Published by bergteufel , 18 April 2018, 14h45.

Region: World » Italy » Trentino-South Tirol
Date of the hike: 1 August 2017
Hiking grading: T6 - Difficult High-level Alpine hike
Climbing grading: III (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: I 
Time: 10:00
Height gain: 1100 m 3608 ft.
Height loss: 1100 m 3608 ft.
Route:Carducci Hütte oder Zsigmondy-Comici-Hütte - Inneres Loch - Elferkofel
Accommodation:Carducci Hütte oder Zsigmondy-Comici-Hütte

Servus Bergsportler / -in!

Heute steht unsere letzte Wanderung in den Sextener Dolomiten an. Mein Vorhaben 5 Uhr Abmarsch bei der Carducci Hütte wurde pulverisiert. Gemütlich gefrühstückt um 7 Uhr, den Körper kurz begutachtet und festgestellt: extrem leistungsbereit! Also, Start zu einem weiteren Gang in mir unbekanntes Gelände.

Esgeht auf den "Elfer" Südgipfel 3092m (Hauptgipfel). Normalweg. Italienischer Name: Cima Undici. Geschichtsträchtigster Gipfel der Sextener Sonnenuhr.

Die Route:

Von der Zsigmondy-Comici-Hütte oder von der Carduccihütte dem Weg Nr. 101 Alpinisteig / Strada degli Alpini folgen. Dann abbiegen zur Hochbrunner Schneid und ins Innere Loch (Busa di Dentro). Erst spät im Kar, bei dem großen, trapezförmigen Karfelsen, tut sich der Blick links zur De Zolt Wand auf (von den Hütten hierher 1,5-2 Std.). Diese hoch, SG II, tja, das ist so eine Sache. Sage ich mal so, ab hier bist du in einsamsten Gelände. Ein schlappriges Drahtseil hängt am Einstieg, allerdings gibt es keinen Schnee mehr und so hat man ein normales Seil drangehängt. Wow, ich hab`s genommen, wenn nicht, hängst du da unten an einem hochgradigen IIIer auf 5m. Wir hatten keinen Schnee am Einstieg, sollten die Bedingungen anders sein, dann lernt man hier die Wertigkeit seiner Leichtsteigeisen schätzen. Nach dem Anfang wird es leichter und II paßt gut, allerdings ausgesetzt. Wir steigen orientierend an sehr verwaschenen, überproportionalen roten Markierungen aufwärts und schließlich geht es bei zwei eisernen Lasthaken (Überreste aus dem Weltkrieg) nach links, wo uns ein wackeliges Drahtseil aus der De Zolt Wand leitet. Alles seilfrei machbar, will man doch den Elfer besteigen. Danach langes Gehgelände, sehr gut markiert mit Steinmännchen, hoch zum Zsigmondygrat. Witzigerweise ist dieser gekrönt mit einer alten Holzleiter.

Nun steigt man von Steinmännern geführt am Grat ab. Zwischendrin ein "unsinniges", fast loses Drahtseil. Als Schmankerl quert man eine sehr brüchige Passage (I, ausgesetzt) nach rechts und weiter (rotweiße Markierung, hier betritt man den Boden von Trentino-Südtirol) zum schon lange sichtbaren Bivacco ai Mascabroni 2900m, direkt unter dem Elferkofel (ab Einstieg de Zolt Wand bis hierher 2,5-3 Std.). Geniales Ding, ich glaube, dieses Hüttchen hat noch nie einen Wanderhäuptling gesehen.

Rechts vom Bivacco (östlich) geht es ganz kurz die Rinne mit dem gewaltigen Klemmklotz hoch. Dann nach rechts in die Parallelrinne wechseln (Steinmann ist sehr spät erkennbar). Diese hoch bis zum Gendarm / Turm. Deutlich unter der Scharte auf einem hellen Band, an seinem Fuß, nach links, in die Kavernenscharte zwischen dem Turm und dem Vorgipfel queren (II, sehr brüchig). Man befindet sich jetzt direkt oberhalb des markanten Klemmblocks, den man vom Biwak aus als Bedrohung empfindet. Zur Scharte oberhalb des Klemmblocks kannst du auch gelangen, wenn du unterhalb des Querungsbandes durch einen Felsspalt schlüpfst und eine kurze Eisrinne absteigst, direkt zum Riesenschusser.

Du bist nun an der Kavernenscharte. Etwa 10 Hm unter der Scharte steigt man ostseitig in einer Rinne am Vorgipfel hoch. Ungefähr 15 Hm (II+). Dann nach rechts in die Wand queren (II) und weiter hoch bis zu einem Schlingenstand an einem Zacken (Stellen III). Vom Zacken einen beherzten Spreizschritt (III+) zurück zur Wand und hoch zum Vorgipfel (II, Schlingenstand). Auf dem Vorgipfel rechts zu seiner Nordkante queren. Hier trifft man auf eine kleine, nach Norden geneigte Felsnase. Normalerweise ein Schlingenstand, nicht so bei uns. Aber wenn man weiß, es wird zur Scharte abgeseilt, dann erkennt der erfahrene Bergsteiger die Möglichkeit. Trotzdem Vorsicht. Nun nordseitig abseilen in die Scharte vor dem Hauptgipfel. 50m Seil ein "Muß". Derjenige in der Gruppe, der am besten abseilen kann sollte vorangehen, denn es gilt am Schluß, aus Sicht des Abseilenden, nach rechts zur Scharte unter dem Hauptgipfel zu pendeln. Hier kann er das Seil fixieren. Denkt dran: die Schlinge, die ihr oben evtl. selber gesetzt habt, könnt ihr euch später wieder holen.
Anmerkung: Zur Scharte am Gipfel kannst du auch gelangen, wenn du die ostseitige Rinne aus der Kavernenscharte noch ein Stück weiter steigst und dann in der Südseite auf sehr brüchigen Band querst (SG ?). Dann abklettern zum Westkessel (SG II+) und die westliche Felsnase umsteigen (SG II) zur Gipfelscharte. Dies ist die Alternative. Hier stellt sich die Frage, ob man überhaupt ein Seil braucht. (vgl. Literatur Goedeke).
Ein Bekannter von mir, ein guter Bergsteiger, hat berichtet, daß er 2007, bei seinem Versuch den Elfer zu besteigen, auf keinerlei Sicherungspunkte am Vorgipfel gestoßen sei. Das ist unglaublich, aber vielleicht gibt es doch einen Haus(Berg-) meister?

Weiter problemlos (I+) zum Gipfel (vom Bivacco zum Gipfel 1,5 Std.). Von der Carduccihütte bis zum Gipfel haben wir 6 Std. gebraucht, wir hatten jedoch keine gute Beschreibung und die Touren der Vortage steckten uns in den Knochen. Die Zeitangaben sind eh überflüssig, denn jeder, der dort oben ankommt, der weiß, was er tut.

Es erwartet einen ein altes, eisernes Gipfelkreuz und ein Buch aus dem Jahr 1998. Pro Jahr tragen sich im Schnitt 8-10 Seilschaften ! ein. Lohn: auf einem stolzen, geschichtsträchtigen Dolomitenberg zu stehen. Für Dolomitengipfelsammler ein MUSS !

Das Panorama über die Dolomiten ist toll und die Schneeberge der Alpenhauptkette sind auch zum Greifen nahe. Nebenan steht der Elfer Nordgipfel. Er ist um paar Meter niedriger und wenn man so nach Sexten blickt, ist es wahrscheinlicher, daß die Menschen früher an ihm die Zeit ablasen.

Abstieg: Zurück zur Scharte unter dem Vorgipfel, dann nach rechts (südwestlich) weiter zu einer Kante mit Steinmann. Dahinter in ein kleines Becken. Ja, und jetzt? Durch die Westflanke zieht eine schwarzgelbe Rinne direkt hoch zum Vorgipfel, mittig eine Schlinge. Ich bin kein Freund solcher Rinnen, deshalb habe ich entschieden, die Wand rechts der Rinne hochzuklettern (1 SL, unten III, oben II, selbst absichern) zum Vorgipfel. Habe am Anfang der Seillänge, bei einem schmalen Band, einen kleinen Steinmann gesehen (Beginn südseitige Querung). Hinauf zum Schlingenstand an der Ostseite (bekannt vom Aufstieg). Von dort wird direkt zur Kavernenscharte über dem großen Klemmblock abgeseilt (auch hier 50m Seil ein Muß). Rest wird abgeklettert wie Aufstieg. 

Nochmal den traumhaften Blick über die Dolos beim Bivacco geniessen und dann über den Zsigmondygrat zurück. An der De Zolt Wand haben wir zweimal abgeseilt. 

Alles zusammen ist es eine geniale Route, selten begangen. Dolomiten pur.  Einige Teilbereiche sind steinschlaggefährdet, aber wer soll die denn lostreten!?. Das Geheimnis der Tour liegt im Abseiler vom Vorgipfel zur Scharte am Hauptgipfel, nicht wundern, wenn am Fels keine Schlinge hängt. Zufall ist das keiner. Ich kenne ein paar Leute, die haben am Vorgipfel ihren Besteigungsfrieden geschlossen. Er ist die Warmduscherbremse!

Fazit: Es ist eine sehr ernste Bergfahrt.
Egal welche Route ihr am Vorgipfel ausbaldowert, des dandschige Zackerl is hintafotzig.

Jetzt habt ihr eine Beschreibung mit Bildern, wenn man die deutschsprachige Literatur einsieht, dann ist das ein Juwel. Würde mich freuen, wenn ich demnächst ein Feedback von euren Besteigungen bekomme. Nicht vergessen, ohne das IIIer Händchen geht nix. Ich lasse die Dinge in der Literatur so, wie sie sind.

Literatur:
Sextener Dolomiten, Luca Visentini, 1983, Verlagsanstalt Athesia, Bozen, ISBN 88-7014-319-8
3000er in den Alpen - Die Normalwege, Richard Goedeke, 2004, Bruckmann Verlag, ISBN 3-7654-3661-5
... hat uns nicht wirklich geholfen, denn die Feinjustierung paßt nicht.
Sextener Dolomiten extrem AVführer, Richard Goedeke, 2003, Bergverlag Rother, S.191ff., ISBN 3-7633-1255-2. Hier wird der Vorgipfel südseitig umstiegen.

Hier findet ihr die weiteren Gipfel der Sextener Sonnenuhr.

http://www.hikr.org/tour/post128598.html

Jetzt noch ein paar Sätze zu unserer 4tägigen Wanderung durch die Sextner Dolomiten.
Für uns war dies die letzte Tour bei diesem Ausflug. Nach der Westlichen Zinne, der Kleinen Zinne, dem Zwölferkofel fügte sich die Elfertour perfekt in das Gesamtbild außergewöhnlicher Berge ein. Heute sah ich das Giralbajoch zum dritten Mal bei, nein nicht "Nacht", sondern Abendstimmung. Der Wetterkasperl hatte uns 4 Tage bestes Wetter prognostiziert, herausgekommen ist ein perfekter Tag, heute. Und auch das stimmt nur bedingt, denn auf dem Rückweg zur Auronzo Hütte erwischte uns ein Gewitter, mit diesen Gipfelzielen im Gepäck nimmst du das gar richtig war. So trafen wir um 23 Uhr bei unserem Auto ein und ab ging`s nach Hause.
Ein besonderer Dank an meine Begleiterin, dieses Ding durchzuziehen, superstark. Auf ein Neues in 2018. Das ich etwas bekloppt bin, das kennt ihr ja von meinen Beschreibungen.

Wer unsere Wanderung mitlesen möchte, hier hat es vor 4 Tagen begonnen:
http://www.hikr.org/tour/post130533.html

Berg Heil, habe die Ehre
der Bergteufel

Hike partners: bergteufel


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Comments (2)


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OlavoPhoen says: Respekt und Dank
Sent 23 October 2018, 13h55
Hiermit möchte ich meinen großen Respekt für diese alpine Tour zollen und außerdem hervorheben, wie außerordentlich verdienstvoll der ausführliche Tourenbericht ist. Alle Achtung, dass Du bei dem großen mentalen Druck, unter dem man bei einer Tour in derartig brüchigem Gelände und ungewissem Routenverlauf steht, noch so aussagekräftige Fotos machen konntest!!! Ich weiß ja nicht, ob ich als notorischer Alleingänger diese Tour jemals machen werde; aber Du hast mir eine sehr gute Vorstellung davon vermittelt. Herzlichen Dank dafür!!

bergteufel says: Danke
Sent 28 October 2018, 16h18
Servus OlavoPhoen,
möchte mich bei Dir für das Kompliment herzlichst bedanken. Wünsche Dir viel Erfolg, solltest Du die Tour wagen. Für mich ist der "Elfer" einer der "Top Ten" Berge der Dolomiten, immer einen Besuch wert. Auch das Bivacco ist in wirklich gutem Zustand. Und mit dem Ausblick (vorallem mit dem Sonnenuntergang) kann man da schon mal eine Nacht bleiben.
Ach ja, einige Fotos entstehen nur durch draufdrücken, ist halt so.
Beste Grüße bergteufel


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