Brisi (2279m)


Published by Chrichen Pro , 14 April 2016, 08h25.

Region: World » Switzerland » St.Gallen
Date of the hike: 4 April 2016
Hiking grading: T2 - Mountain hike
Snowshoe grading: WT5 - Alpine snowshoe hike
Waypoints:
Geo-Tags: Churfirsten   CH-SG 
Time: 8:00
Height gain: 1150 m 3772 ft.
Height loss: 1150 m 3772 ft.
Route:ca. 12 km
Access to start point:Mit dem PW via Alt St. Johann und Tobel bis Hüttwis
Access to end point:Mit dem PW

Da die Prognose für jenen Montag durchaus passables Wetter versprach, war wieder einmal eine Tour mit Stevo47 auf dem Programm. Bei den aktuellen Bedinungen ist es nicht mehr ganz so einfach, ein passendes Ziel auszuwählen. Als aber das Stichwort Brisi fiel, war ich sogleich Feuer und Flamme, denn die Churfirsten, die ich schon so oft von anderen Gipfeln aus bestaunen konnte, waren immer noch Neuland für mich. Ausserdem erschien die nordseitige Ausrichtung vorteilhaft.

Hüttwis - Sellamatt
Da die Seilbahn zur Sellamatt bereits ausser Betrieb ist, starten wir in Hüttwis oberhalb von Alt St. Johann. Von dort gehen wir zunächst trockenen Fusses dem Wanderweg entlang und dann im gefrorenen Schnee am Rand der Skipiste nach Sellamatt hoch. Die gut 200 Höhenmeter sind rasch erledigt. Das Ski- und Wintererholungsgebiet macht nach Betriebsschluss einen einsamen und verlassenen Eindruck.

Sellamatt - Einstieg Brisi P.1797
Ab Sellamatt folgt ein längeres fast flaches Teilstück auf der geräumigen Geländeterrasse bis an den Fuss vom Brisi. Wir gehen kurz Querfeldein bis zu einer grösseren Lichtung, die einen wunderbaren Blick auf die Churfirsten von Nahem bietet. Hier montieren wir zum ersten Mal die Schneeschuhe, denn von nun an kann guten Gewissens eine mehr oder weniger geschlossene Schneedecke erwartet werden. Auf leicht feuchtem aber gut tragendem Schnee gehen wir ein Stück weit, bis wir die ehemalige Langlaufloipe erreichen. Auf der Loipe können wir nun recht lange kräfteschonend weiterlaufen. Winterromantik will nicht aufkommen, aber wer erwartet das schon im April! An Mittelstofel vorbei erreichen wir den Schribersboden, wo wir kurz vor dem P.1537 die Piste verlassen und an Brisizimmer vorbei den P.1797 ansteuern. Am Schluss geht es eine steile Flanke hoch. Etwas weniger steil wäre es, wenn man weiter nach Westen ausholt.

Von Sellamatt bis zum Fuss vom Brisi ist das Gelände meist sehr sanft, und es sind zahlreiche Varianten denkbar. Die Langlaufloipe sollte in der Saison natürlich nicht verwendet werden. Es gibt aber auch einen Winterwanderweg und Schneeschuh-Trails. Das Ziel ist meist sichtbar, und höchstens lichter Wald kann die Orientierung stellenweise minim erschweren.

Einstieg Brisi P.1797 - Brisi
Der P.1797 markiert den Einstieg zum langen breiten Rücken des Brisi. Hier befindet sich auch die Schlüsselstelle der Tour: eine kleine Geländestufe, die überwunden werden muss. Die vorhandenen Spuren folgen heute nicht dem Sommerwanderweg, sondern führen etwas weiter oben in Aufstiegsrichtung rechts über ein schneebedecktes Steilstück querend hoch. Das scheint, wie auch in anderen Berichten erwähnt, im Winter die bessere Lösung zu sein. Mit Blickrichtung zum Gipfel wird von rechts nach links gequert. Aus Respekt vor der WT5-Wertung führen wir Pickel und Steigeisen mit. Die Stelle lässt sich aber im Aufstieg gut mit Schneeschuhen überwinden und ist kaum ausgesetzt. Die Utensilien bleiben also im/am Rucksack. Nach den wenigen anspruchvollen Metern befinden wir uns auf dem steilen Rücken des Brisi.

Was jetzt folgt, ist Aufstiegsgenuss von der reinsten Sorte: 450 Höhenmeter zieht sich die meist 30-35° geneigte Flanke bis zum Gipfel hoch. Unser Programm für die nächste Stunde steht damit fest. Das Ziel zum Greifen nah und doch so fern geht es mehr oder weniger in Diretissima nach oben, das Toggenburg und der westliche Ausläufer des Alpsteins stets im Rücken. Immer ein gutes Stück über uns sind zwei Skitourengängerinnen, die ihre Zickzacklinien ziehen. Die Schneedecke trägt meist recht gut, manchmal sinke ich etwas tiefer ein und rutsche dabei leicht zurück, was sofort anstrengender ist. Stellenweise laufen wir auch über freiliegende Graspolster. Kurz vor dem Gipfel nimmt die Steilheit nochmals etwas zu (>35°). Hier herrschen pistenähnliche Verhältnisse, was für perfekten Grip sorgt. Nach vielen Pulsschlägen ist die Abbruchkante erreicht und der Gipfel in nächster Nähe. Unterhalb der Abbruchkante wenige Meter nach rechts querend erreiche ich mit ein bisschen Vorsprung schliesslich das Gipfelkreuz.

Wenig später kommt Stevo47 nach und wir wechseln ein paar Worte mit den Skitourengängerinnen. Anschliessend gehen wir noch zum weiter westlich gelegenen Steinmann. Ich mache zusätzlich einen kurzen Abstecher zum "Eck" ganz im Westen, bevor wir unsere Gipfelpause machen. Gewaltig ist der Tiefblick zum Walensee! Leider ist die Sicht heute nicht ganz so klar. Das Panorama ist aber auch so beeindruckend. Stets wechselnde Wolkenformationen beleben den Himmel.

Brisi - Sellamatt - Hüttwis
Nur ungern trennen wir uns vom Gipfel, aber wir sind für Frühlingsverhältnisse bereits eher spät dran. Deshalb beginnen wir zügig mit dem steilen Abstieg. Der mittlerweile sulzige Schnee ist bei der gegebenen Steilheit recht rutschig, und somit geht es ziehmlich unkontrolliert den Berg hinab. Ich fühle mich schon fast als Skifahrer, wobei die Schneeshuhe dazu etwas zu kurz sind. Endlich oberhalb der Schlüsselstelle angekommen, nehmen wir uns die bisherigen Erfahrungen im step-and-slide zu Herzen und wechseln für die kurze Steilpassage auf Steigeisen und Pickel. So geht es dann sehr kontrolliert und sicher weiter.

Wieder in einfachem Gelände können wir uns nun Zeit lassen. Nach einer Aktiv-Pause gehen wir gemütlichen Schrittes auf ähnlichem aber nicht ganz gleichem Weg wie am Morgen zur Alp Sellamatt zurück. Dieses Mal halten wir uns in Abstiegsrichtung rechts von der Bergstation. Bald wird der Hang steiler, und der Schnee endet. Zu Fuss gehen wir den restlichen Hang hinab, dann zurück zur Skipiste, und in einigen Minuten errreichen wir Hüttwis.

Steil ist der Brisi - schön ist der Brisi! Ein gebührender Abschluss der diesjährigen Schneeschuhsaison, aussichtsreich und rassig. Das Flachstück von der Alp Sellamatt bis ca. Brisizimmer zieht sich in die Länge. Die technischen Schwierigkeiten halten sich abgesehen von der kurzen Felsstufe in Grenzen, die anhaltende Steilheit des langen Rückens sollte aber nicht unterschätzt werden. Der Brisi hat Lust auf mehr Churfirsten gemacht!

SLF: Trockene Lawinen: gering / Nasse Lawinen im Tagesverlauf: erheblich

Hike partners: Chrichen, Stevo47


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Comments (2)


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Chrichen Pro says: RE:
Sent 14 April 2016, 17h50
Vielen Dank für den Kommentar! Wir waren fix und fertig nach der Tour und am nächsten Tag grüsste ein schöner Muskelkater :-)


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