Traversierung Kebnekaise


Publiziert von sigi , 9. November 2008 um 11:47.

Region: Welt » Schweden
Tour Datum: 3 August 2007
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: S 
Zeitbedarf: 4 Tage
Unterkunftmöglichkeiten:Hütten von STF-Turist
Kartennummer:Fjällkartan BD 6

31. Juli
Wir starten um ca. 10 Uhr mit dem Bus von Gällivare, der uns über Porjus und Vietas nach Vakkotavare bringt. Der Bus ist gleichzeitig Personentransport und Postauto. Die weit über 100 km lange Strecke führt größtenteil über einspurige Schotterwege. Wir steigen bei Vakkotavare aus. Von dort führt der gut sichtbare Pfad des Kungsleden über 15 km an einen See (eine Verbreiterung des Flusses Suorggejohla). Dort stehen Ruderboote bereit, mit deren Hilfe man ans andere Ufer kommt, wo die Teusajaurestugorna (499mNN), ein Hütten des STF (www.stfturist.se), stehen. Die Hütten sind, wie die meisten Hütten, Selbstversorgerhütten und bewartet. Der Hüttenwart sorgt für die Sauberkeit und Energie. Schwierigkeit: T2                

1. August   
 Wir starten unsere gemütliche Tagesetappe Richtung Kaitumjaure, die uns über eine Hochebene, viel Birkenwald und einen überbrückten, reißenden Fluss führt. Am frühen Nachmittag sind wir dort und beschließen noch eine Etappe dranzuhängen, die uns zur Singistugorna (ca. 720mNN) bringt. Der zweite Teil der Etappe ist von Weg her recht langweilig, die Landschaft jedoch großartig. Ein frischer, stürmischer Wind begleitet uns und wir sehen die ersten Rentiere. Schwierigkeit: T2,T1, Entfernung 9+13km. 

2. August
Wir starten entlang des Kungsleden Richtung Norden. Nach ca. 1,5 km kommt eine Brücke. Dort verlassen wir den Weg und gehen auf der rechten Seite des Baches, zunächst über Gras, dann über große Steinblöcke Richtung E. Der Weg ist anfangs mit ein paar Steinmännchen, später jedoch kaum noch gekennzeichnet. Wegspuren gibt es nicht. Bei etwa 920mNN erreichen wir ein Plateau, wo einige Bäche zusammenfließen. Der weitere Aufstieg erfolgt an der östlichen Seite des Tälchens, das sich nach N öffnet. Dazu muss zunächst das komplette Bachsystem überquert werden, was je nach Wasserführung mal leichter mal schwieriger sein kann. Auf ca. 1360mNN, dort wo der Bach, der uns begleitet, endet und wo sich Schneefelder befinden wechselt man zur nördlichen Talseite und muss einige abschüssige, z.T. unterspülte,  Schneefelder queren (T4). Den Schluss des Anstiegs bis zum Normalweg auf den Kebnekaise, im namenlosen Sattel zwischen Vierranvarri und Kebnekaise, bildet ein Schneefeld, das in der Falllinie angegangen wird. Dort, auf 1580mNN, beginnt ein heftiger Schneesturm. Wir kämpfen uns durch Schneeregen, der begleitet durch den Sturm überall eindringt, bis zur Toppstugan vor, die sich auf ca. 1900mNN befindet. Wir sehen sie allerdings erst, als wir 20m davor stehen. Diese Notunterkunft ist ziemlich verwahrlost, bietet uns aber die Möglichkeit, eine warme Suppe und Tee im mitgebrachten Kocher zu kochen und erst einmal abzuwarten, bis sich der Sturm gelegt hat. Wir lassen die nassen Kleider am Leib, denn dort trocknen sie am schnellsten.

3. August
Um 2 Uhr lässt der Sturm nach und der Himmel wird klar. Eigentlich wollten wir vor Sonnenaufgang, d.h. etwa um 1 Uhr, auf dem Gipfel des Kebnekaise (2111mNN) stehen. Daraus wird jedoch nichts, denn draußen ist alles mit Blankeis bedeckt. Also warten wir ab, bis die Sonne das Eis weggetaut hat, lassen die Rucksäcke in der Hütte und machen uns an den Gipfelanstieg, der ziemlich leicht ist. Nach einer halben Stunde sind wir oben. Die Sicht ist gigantisch. Im Westen die Grenzberge zu Norwegen, im Süden der Sarek. Der Kebnekaise bedeckt normalerweise sein Haupt mit einer Wolkenschicht, so dass man überhaupt keine Aussicht hat.
Nach einer Stunde am Gipfel treten wir den Rückweg an: zunächst zur Hütte, wo wir die Rucksäcke mitnehmen, dann hinunter zum Sattel auf 1580mNN, dann hinauf auf den Vierranvarri (1720mNN). Dort steht eine große Ansammlung von Steinmännchen und wir treffen auf einige Wanderer, die morgens um 4 von der Kebnekaise Fjällstation gestartet sind. Es geht nun zunächst nach SW und dann NW direkt in der Falllinie bis auf ca. 1200mNN hinunter. Nun muss ein Bach mit starker Strömung überquert werden. Die in der Karte eingezeichnete Brücke existierte im Jahr 2007 nicht mehr und wir mussten eine geeignete Stelle finden, um den Bach zu überqueren. Diese Bachquerung ist etwas heikel. Der Rest des Wegs zur Fjällstation ist mühelos.
Nach kurzer Rast im Trubel der Fjällstation (Helikopter-Landeplatz) beschließen wir, den 19 km langen Rückweg nach Nikkaluokta anzugehen. Nach etwa 6 km finden wir eine offene Hütte und schlagen dort unser Nachtlager auf. Zuvor, um 23 Uhr, treffen wir noch auf Wanderer, die rasten und uns Kaffee anbieten.

4. August
Ausschlafen war nötig und wir starten um ca. 8 Uhr. Nach einigen Kilometern treffen wir in Laddjujavri ein. Dort stehen einige Sami-Hütten und man hat die Möglichkeit, im Freien Kaffee (übrigens das Nationalgetränk der Schweden) zu trinken. Vor Nikkaluokta machen wir uns nochmal an einem Bach frisch und nehmen den ersten Nachmittagsbus nach Kiruna. Dort haben wir eine Stunde Aufenthalt, bis der nächste Bus nach Gällivare fährt. Schwierigkeit: T1

Allgemeine Infos:
Lebensmittel und Zwischenverpflegung für die gesamte Tour müssen mitgebracht werden. Es ist ratsam einen Tag Sicherheit einzuplanen. Kochmöglichkeiten und Holz bzw. Gas sind in den Hütten, mit Ausnahme der Toppstugan, die nur eine Notunterkunft ist, vorhanden. Wir haben die Tour mit Schlafsack, jedoch wegen des Gewichts ohne Zelt gemacht. Wenn man ein Zelt mitnimmt, hat man bzgl. der Übernachtung mehr Flexibilität.
Es gibt, mit Ausnahme in der Nähe der Kebnekaise-Fjällstation, keinen Handy-Empfang. Die STF-Hütten haben ein Nottelefon.
Gegen die lästigen Moskitos hilft "Mygga",ein Mittel, das man in schwedischen Apotheken besorgen kann. Die Unterkunft in den STF-Hütten ist mit ca. 250 skr pro Person und Nacht ziemlich teuer. Wenn man einen Jugendherbergsausweis besitzt, bekommt man etwas Ermäßigung.
Klimatisch ist der Kebnekaise ein 3500er der Alpen. Die Vegetationsgrenze liegt bei 600 .. 700 mNN.


Tourengänger: sigi

Galerie


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