Der längste Singletrail der Schweiz, Pte de la Plaine Morte - Sion


Publiziert von danski , 8. September 2014 um 20:20.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Mittelwallis
Tour Datum: 6 September 2014
Mountainbike Schwierigkeit: SS - Fahrtechnisch sehr schwere Tour
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 3000 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV und Seilbahn bis Les Violettes

"Die längste Singletrail-Abfahrt der Schweiz" so titelte vor kurzem ein renommiertes Schweizer Bike-Magazin vollmundig. Da Superlative in Bezug auf Mountainbiking mittlerweile eine grosse Anziehungskraft entwickelt haben, wollten wir uns natürlich davon überzeugen, ob das Versprechen kein leeres ist. Unsere persönliche Messlatte war im Vorfeld schon recht hoch angesetzt, doch nach diesem Tag können wir sie nun getrost noch höher schrauben!

Wir starten relativ spät zu dieser anspruchsvollen und langen Tour, doch das vergleichsweise stabile Wetter verlangt keine Eile. Da die Plaine Morte Bahn ab Les Violettes wegen Erneuerungsarbeiten ausser Betrieb ist, muss man sich die versprochenen 3000HM Abfahrt mit etwas mehr Effort verdienen. Uns war es recht, denn ein saftiger Aufstieg gehört einfach zu einer anständigen Biketour. Wir wussten aus der Lektüre, dass dieser Aufstieg vor allem aus schieben bestehen würde. Und genau so war es dann auch. Die Unterhaltsstrasse für die Skipiste von der Pte de la Plaine Morte ist ultrasteil und dazu noch mit viel losem Geröll garniert. Landschaftlich bewegt man sich in einer Mondlandschaft deren unwirtlicher Eindruck noch durch menschliche Eingriffe, wie Planierungen, Sprengmasten und Kabel verstärkt wird. Nicht schön, aber dafür umso eindrücklicher, was getan werden muss, damit winters hier sorgenlos gecarvt werden kann. Nach gut 1.5 Stunden erreichen wir die momentan stillgelegte und fast endzeitlich anmutende Bergstation. Aber natürlich zieht der annähernd flache Glacier de la Plaine Morte unsere Aufmerksamkeit auf sich. Noch ein steiler Aufstieg muss bewältigt werden, bis man den geografischen Höhepunkt auf der Pointe de la Plaine Morte, 2927m erreicht. Hier erwartet einen nicht nur eine leider etwas vernebelete Rundsicht sondern auch ein summendes "Spaceship", das wahrscheinlich dem Zweck der Kommunikation zwischen Himmel und Erde dient.

Dem Winter nicht unähnlich, bereiten wir uns für die kommende Abfahrt vor. Knieschoner sind wärmstens zu empfehlen und selbstverständlich muss das gute bergtaugliche Zweirad nun auf den Abfahrtsmodus umgestellt werden. Es geht los mit dem nächsten Zwischenziel Wildstrubelhütte. Das Geröll ist angenehm fein und nur kurz unterbrochen durch eine verblockte Passage. Grosser Spass mit Gletscherblick! Der Gegenanstieg auf die Wisshorelücke, 2852m erfordert wieder mehr Krafteinsatz und das Bike muss zeitweise getragen werden. Doch die fantastische, karge Landschaft entschädigt abermals für die Mühen. Als einziger Wermutstropfen verhindern Quellwolken die Sicht auf die Walliser Gipfelprominenz. Nach der Überquerung eines Schneefeldes auf der Berner Seite klicken wir wieder fest in die Pedalen und balancieren zur Wildstrubelhütte, 2789m. Spätestens jetzt ist eine solide Fahrtechnik unabdingbar, will man hier noch Freude finden. Wir finden sie und können es kaum erwarten, den vielversprechenden Trail zum Rawilpass unter die Räder zu nehmen, doch unsere schon etwas leeren Mägen verlangen eine Pause.

Nach währschafter Käseschnitte, Wienerli und Suppe verstummen die Eingeweide und es geht ans Eingemachte, denn es folgen die fahrtechnisch anspruchvollsten Stellen. Wir fühlen uns gut und müssen unsere Bikes nur kurz tragen. Steile Spitzkehren fordern sofort wieder unsere maximale Konzentration. Vorsichtig zirkeln wir hinunter, bevor wir nun flacher Richtung Rawilpass queren. Ein Blick zurück offenbart nicht eben bikefreundliches Terrain, doch das täuscht. Es folgen weitere knifflige Passagen, bevor wir am Pass endgültig ins Wallis wechseln. Im flow flitzen wir über die ausgedehnte und landschaftlich eindrückliche Hochebene zum Plan des Roses. Abermals fordert der Trail mit Sicht auf den Lac de Tseuzier und die Walliser 4000er unsere Konzentration. Ein kurzer Tunnel ermöglicht die Abfahrt von Armillon zum Stausee. Glücklicherweise ist der Trail recht breit und nicht allzu schwierig dafür ordentlich exponiert. Nach der rasanten Abfahrt gönnen wir uns und unseren Bikes in Lourantse eine von Zitronenkuchen und Apfelsaft begleitete Zwangspause. Bremsbeläge wechseln und ein Kettenriss will ebenfalls noch rasch behoben werden. Erstere werden wir auch weiterhin stark beanspruchen. Die Strasse entlang dem Stausee ist einer der wenigen nicht singletrail-Abschnitte der Tour und dementsprechend eher langweilig. Gleich vor der Staumauer folgen wir dem Wegweiser zur Bisse d'Ayent. Steil und eng vernichten wir Höhenmeter und erreichen die Trassée der ehemaligen Bisse. Heute wie im Jahre 1448 steht man vor dem selben Hindernis: Der senkrechten Felswand von Les Rousses. Nur dass in jenem Jahr an dieser Stelle noch kein in den felsgehauener Pfad existierte. Wir staunen über den Mut und wahrscheinlich auch Verzweiflung der Erbauer und Wärtern dieser Meisterleistung mittelalterlichen "Engineerings". Kreuze und Madonnen sind unzweifelhafte Zeichen, dass hier der eine oder andere seine Seele an den Teufel verlor... Bis Luc folgen wir der nun wieder gut fahrbaren Bisse d'Ayent. Nach Luc wechseln wir sozusagen fliessend auf die parallel aber tiefer verlaufende Bisse de Clavau. Ein fantastischer, staubtrockener Trail führt uns zur Wasserfassung der Bisse de Clavau an der La Liène. Am Grund der Schlucht folgen wir dieser, bis der Pfad in einem abenteuerlichen schwarzen Loch verschwindet. Aha, das ist also nach dem eher schwindelerregenden der klaustrophobische Teil der Tour... Mit Müh und Not quetschen sich Mensch und Zweirad durch das Engnis. Das installierte Licht erlischt natürlich nach der Hälfte der Dunkelstrecke, doch zum Glück haben wir prophylakitsch eine Stirnlampe eingepackt. Auf der anderen Seite werden wir heil auf einen schönen Trail ausgespuckt. Bald ändert sich der Charakter und wir fahren abermals über einigermassen gut gesicherte Stege hoch über den schwindelerregenden Abgründen der La Liène. Bald wendet sich die Bisse nun endgültig den lieblichen Rebbergen zu. Entspannt rollen wir gemütlich Richtung Sion aus. Die mittlerweile tiefstehende Sonne lässt die die terrassierte Umwelt noch plastischer erscheinen. Wir staunen nicht zum ersten Mal über den Willen der Walliser. Einfach verrückt mit welchen Mauerwerken hier Flächen für den Weinbau den steilen Flanken abgetrotzt wurden. Die Bisse de Clavau ist sicherlich der müheloseste und spektakulärste "Highway" auf dem man zweirädrig und mit Stil in die Walliser Metropole rollen kann. Kaum in der pittoresken Altstadt gönnen wir uns ein Bier von hier, La Sierrvoise. Santé auf das grossartige Versprechen der längsten und spektakulärsten Singeltrail-Abfahrt der Schweiz! Es hält...

Tourengänger: danski


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Kommentare (1)


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dominik hat gesagt:
Gesendet am 9. September 2014 um 14:07
Sackstark aber technisch eine Nummer zu gross für mich. Gratulation!


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