Kärpf - Chli Chärpf (2700 m) / Gross Chärpf (2794 m)


Publiziert von PStraub , 19. August 2008 um 17:33.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:19 August 2008
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Chärpfgruppe 
Aufstieg: 800 m
Abstieg: 1500 m
Unterkunftmöglichkeiten:Leglerhütte SAC
Kartennummer:1174 / 1173

Aufstieg zur erneuerten Leglerhütte ab Kies via Änetseeben - Ratzmatt mit einem echt erfrischenden Bad in einem der Ängiseen (fast 10 °C). Dann Bankett quer durch Speise- und Weinkarte ..

Am nächsten Tag Aufstieg zum Chli Chärpf über den Nordwestgrat (Route 937a). Bis ca. 2620 m ist dieser gut begehbar. Dann steht man vor einem überhängenden Gratabbruch, über den ein nicht mehr ganz taufrisches Seil herunter hängt. Das ignoriert man besser und klettert stattdessen in einem knappen Riss linkerhand ca. 5 m hoch und quert auf einem Bändchen mit guten Griffen horizontal nach rechts zum Haken, wo das erwähnte Seil befestigt ist. Ein wenig später ist eine Einbuchtung zu queren - je näher dem Abgrund, umso besser der Fels - ab dort einfach auf den Gipfel.
-> Die Bewertung der Route mit T5 ist nicht ganz falsch, aber je nach Kletterkünsten könnte man die Schlüsselstelle auch bei WS oder gar ZS ansiedeln.
Der Abstieg zur Chärpfscharte ist unspektakulär, wenn auch nicht ganz so einfach wie im Winter. Dafür hatte es dort Steinböcke.

Anschliessend in südlicher Richtung schräg hinunter, bis man auf ca. 2570 m den Normalaufstieg ab Obererbs (Route 943) erreicht. Auf dieser auf den Gross Chärpf.

Vor gut einem Jahr ist am Grat zwischen Kärpf und Hanenstock einer der "Kärpfmannen" eingestürzt. Das Bergsturzmaterial hat den bisherigen Aufstieg ab der Leglerhütte durchs Chärpftor teilweise verschüttet (Route 941). Noch heute gehen dort täglich grössere Steinmassen nieder (darum hats dort auch keinen Neuschnee), das Gebiet darf auf keinen Fall betreten werden.
Ich wollte eine alternative Route testen und bin deshalb vom Chärpftor nach Osten ausweichend abgestiegen.
Resultat des Versuchs:
1. Es ist möglich.
2. Es ist weniger empfehlenswert.
Wo Blockschutt liegt, geht es gut. Aber das Gelände ist echt steil und die Felsriffe sind komplett von feinem Schutt bedeckt und bieten darum kaum Halt.
-> Falls die Route bewertet werden müsste, wäre es ein klassisches T6: steil, nass, rutschig - und keine Spur von Sicherungsmöglichkeiten.

Tourengänger: PStraub

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Kommentare (3)


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R_Furrer hat gesagt: Chli Chärpf R. 937a/937
Gesendet am 28. Juni 2010 um 16:12
Durch diesen Bericht und den Alpinführer GL "glustig" gemacht, haben wir gestern den Chli Chärpf via Mettmenalp - Leglerhütte bestiegen. Alles in allem eine gelungene Tour, wenn auch mit etwas zu optimistischer Zeitplanung. Hier doch ein paar Bemerkungen:

Aufstieg über den NW-Grat (R. 937a): gute Wegfindung, Schlüsselstelle mit der Klettervariante über den Riss hat super geklappt, die darauf folgenden Höhenmeter sind für meine Verhältnisse doch recht ausgesetzt, dafür mit gutgriffigem Fels, danach einfach und direkt zum Gipfel.

Abstieg über die Chärpfscharte (R. 937): wir hatten anfangs etwas Mühe, vom Gipfel her absteigend, die richtige Route zu finden und verstiegen uns zweimal. Eine eigentliche T4 Routenmarkierung war nicht zu sehen, womöglich bedingt durch den herumliegenden Schnee. Nach sorgfältigem Absuchen wurde dann in Richtung Chärpfscharte ein Fixseil erkennbar, und der dortige Abstieg war kurz und ohne Probleme. Der Route von der Chärpfscharte zur Leglerhütte war sehr steil und durch den vielen Schnee eher mühsam und beschwerlich. Wir sind andauernd irgendwo eingesunken! Von der Leglerhütte im Eiltempo nach Mettmen, um noch das letzte Bähnchen zu erreichen...!

Wir benötigten für die Route Leglerhütte-Chli Chärpf-Leglerhütte (mit Pausen) doch 4 bis 4.5 Std., was wir auf den vielen Schnee und unseren Trainingsstand zurückführten (war es doch die erste Tour diesen Sommer!).

Jedenfalls hat es insgesamt viel Spass gemacht - diese herrliche Gegend wird uns wiedersehen!

PStraub hat gesagt: Abstieg zur Scharte
Gesendet am 12. Juli 2010 um 17:35
"Abstieg über die Chärpfscharte (R. 937): wir hatten anfangs etwas Mühe, vom Gipfel her absteigend, die richtige Route zu finden .. "

Klarer Fall von "Betriebsblindheit": Jeder Hiesige ist schon X-mal von der Scharte her aufgestiegen - in guten Wintern sogar mit den Ski. Er geht darum beim Abstieg völlig selbstverständlich bis an die südöstliche Kante des Plateaus. Wer das jedoch nicht weiss und nicht von dort herkam, ist versucht, direkt abzusteigen - was keine gute Idee ist.
Man braucht übrigens das Seil nicht: Noch etwas weiter ausweichend, kommt man über gute Stufen recht leicht hinunter.

R_Furrer hat gesagt: RE:Abstieg zur Scharte
Gesendet am 13. Juli 2010 um 18:32
Besten Dank für das Feedback. Das ist uns jetzt natürlich bewusst für zukünftige Bergtouren - die Variante 937a/937 hat nämlich durchaus ihren Reiz und ergibt eine schöne "Rundtour" mit Chli Chärpf und Scharte.


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