Creux du Van


Publiziert von Wisi , 15. Juli 2008 um 21:58.

Region: Welt » Schweiz » Neuenburg
Tour Datum:13 Juli 2008
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-NE 
Zeitbedarf: 4:00
Aufstieg: 700 m
Abstieg: 700 m
Strecke:Noirague - Ferme Robert - Sentier du single - Creux du Van - Les Oeuillons - Noiraigue
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit der Bahn via Neuchâtel nach Noiraigue.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Noiraigue.

Schon vor längerem hat mich der Dänu von Bern gefragt, ob er nicht mal mit darf auf ein Wandertürli. Der Dänu von Bern ist ein alter Dienstkamerad von mir, den ich leider viel zu selten sehe. Gut, er ist selten in den Bergen unterwegs, aber er ist noch rüstig, und da ihm ein bisschen frische Luft sicher besser tut, als wenn er daheim mit seinem Kanarienvogel zusammen in der Coop-Zeitung die Aktionen anstreicht, habe ich so ganz spontan gesagt: Aber natürlich!

Er hatte sogar einen Vorschlag. Im "Beobachter" habe er in einem Artikel über Orte der Kraft ein Bild von der Creux du Van gesehen. Das wolle er sich genauer anschauen. Ich habe zuerst gedacht, oha lätz, jetzt fängt der auch noch an mit dem huäre Essotherik-Zeug, aber dann habe ich im Brockhaus nachgeschaut und gesagt: Momol, das wäre also schon was!

Also fahren wir mit der SBB nach Neuenburg, von da mit einem Bähnli weiter in dieses Val de Travers, wos doch diese Anarchisten hat, und steigen in Noiraigue aus. Zu sehen gibt es nicht allzu viel: Das kleine Örtli liegt tief im Tal, fest eingeschlossen von bewaldeten Hügeln. Wir folgen den Wegweisern. Durch den Wald. Man sieht also nicht weit und nicht viel und schon gar nichts von dieser Creux du Van, aber wir beschweren uns nicht. Denn das Wetter ist gar garstig, und die Bäume schützen wenigstens ein bisschen vor dem Regen.

Bald erreichen wir die Ferme Robert. Weder der Dänu von Bern noch ich hatten unsere Brillen geputzt, und so hatten wir die Wegweiser falsch verstanden und stets "Femme Robert" gelesen und uns gefragt, obs jetzt auch noch hier oben so Transveschtiten hat. Doch es heisst natürlich "Ferme Robert", und das ist ein uhuäre schönes Bauernhaus mit einem herzigen Beizli drin. Ich bestelle "un café et un Cola Zero", worauf die Serviertochter zwei Kaffee und ein Blötterliwasser bringt. Zwei Kaffee! Natürlich wage ich nicht zu reklamieren, weil mein Französisch tatsächlich so schlecht sein kann, dass man "deux" versteht, wenn ich "un" sagen will. Aber vielleicht ist das, so meint der Dänu von Bern, auch nur ein Trick der Welschen, um uns Deutschschweizer übers Ohr zu hauen. Ein "Bisiness Käis", wie die Junge vielleicht sagen würden.

Dann wollen wir weiter. Doch wir kommen nicht weit: Direkt vor der Ferme Robert steht sie, die Creux du Van. Mächtig und majestätisch, und der Dänu von Bern und ich haben ja bimeich schon so manches unser Läbtig lang gesehen, aber da haben wir also nicht schlecht gestaunt!

Wir gehen dann doch weiter, und nun gehts steil in die Höh'! Wir kommen also schon noch ins Schnaufen, und ich, weil ich einen Tschoppen zuviel anhabe, auch noch ins Schwitzen. Mit dem Restschnauf pressen wir immer wieder ein "Sakrament" hervor, weil wir durch den Wald immer wieder einen Blick auf die bigoscht einzigartige Wand werfen dürfen.

Endlich kommen wir oben an. Und oben ist alles ganz anders! Gerade noch waren wir auf einem richtig steilen Bergwegli, auf einer richtigen Wandertour, nun stehen wir plötzlich auf einer flachen, feissen Jurawiese, die den Blick frei gibt auf die Weite unseres schönen Schweizerlandes.

Von unserem Ausflugsziel sehen wir dafür nichts. Mittlerweile hat dicker Nebel den Felskessel eingehüllt. Jenusodehalt, sage ich und stopfe meine Tubakpfeife. Und just dann kommt der Wind und treibt den Nebel fort, und wir sehen die Creux du Van in ihrer eindrücklichen Eindrücklichkeit. "Sapperlot," ruft der Dänu von Bern, "so etwas Schönes habe ich nicht mehr gesehen, seit die Gilberte de Courgenay für uns Aktivdienstler gesungen hat." Ich kann nur noch ergriffen nicken.

Da sieht der Dänu von Bern plötzlich Tiere in der Wand, und dann sehe ich sie auch, aber wir haben ja die Brillen nicht geputzt und können nicht erkennen, um was für Viecher es sich dabei handelt. Spontan tippe ich auf: Luchse. Dänu von Bern meint, es könnte im Fall schon sein. Zum Glück stösst in diesem Augenblick ein Päärli mit einem Feldstecher zu uns. Wir fragen, was das ist, und sie sagen etwas, aber es sind Welsche. Wir nicken einfach mit dem Kopf, so als hätten wir sie verstanden, aber wir haben sie nicht verstanden, aber vielleicht haben sie auch etwas gesagt, das überhaupt nicht stimmt, und es ist nur ein Trick, um uns Deutschschweizer übers Ohr zu hauen. Wir eilen also weiter.

Und zwar dem Kraterrand entlang. Ich darf nicht zu fest runterschauen, sonst wird mir schwindlig, immerhin geht es über 150 Meter durab. Der Dänu von Bern fragt: "Und, spürst Du etwas von diesem Ort der Kraft?", aber ich schüttle den Kopf und sage: "Ich spüre nur, dass ich heute meine Blutdrucktabletten vergessen haben," und wir müssen wegen diesem träfen Spruch arg lachen.

Der Wegweiser führt uns zur nächsten Beiz. Dort ist die Spezialität Fondue, aber der Dänu von Bern und ich haben Bedenken wegen der Verdauung und wir bestellen einfach Wurst und Käse und Brot. Genau das bringt uns die Serviertochter. Es ist eine Deutschschweizerin.

In der gmüetlichen Gaststube wärmen wir uns und auch ein paar alte Miltärerinnerungen auf und wir sprücheln ein bisschen, und der Dänu von Bern meint, es sei kein Wunder, dass sich die heutige Jugend wie die heutige Jugend benimmt, wenn die Lehrer Lee Cooper tragen, und ich pflichte ihm bei, und wir brechen auf.

Nun gehts stotzig runter, und mir wird wieder schwindlig, denn der Weg hat vierzehn Spitzkehren, kein Wunder also, dass ich plötzlich ausschlipfe und auf den Ranzen fliege. Ich schlage mir ein bisschen das Knie an, aber sonst passiert mir nichts, und der Dänu von Bern erschreckt fast mehr als ich. Er weiss halt nicht, dass ich Mitglied bei der Rega bin.

In einer Besenbeiz nehmen wir nochmals einen Kaffee, und dann kommt eine Katze herangeschnurrt. Die Katze hat nur ein Auge, und ich habe natürlich Angst, dass ich die Krätze kriege, aber der Dänu von Bern lacht nur und ruft: "Weisst Du noch, der Truttmann, der Walliser in der Rekrutenschule? Der hätte der doch trotzdem das Fell über die Ohren gezogen und sie über dem Feuer gebraten, das huäre Kompanichalb!" und dann musste ich laut lachen.

Nach einer weiteren, gmögigen halben Stunde sind wir wieder im Tal, nehmen in der Auberge ein Bierli und steigen wieder in den Zug. Dänu von Bern bemerkt, dass das Bähnli hier fast das gleiche ist wie jedes neuere Bähnli auf irgendeiner kleinen Bahnstrecke, aber eben nur fast, und ob die verschiedenen Kleinbahnen denn nicht zusammenspannen könnten und bei diesem Stadler alle das tupfgenaugleiche Bähnli kaufen, das käme doch billiger und da könnte man viel Geld sparen. Genau, sage ich, das Geld würde man besser in die AHV investieren!

Dänu von Bern nickt nur. Er denkt genau das Gleiche wie ich. Vielleicht sehen wir uns nicht mehr so oft wie früher, als wir noch junge Burschen waren. Aber wir verstehen einander noch immer. Auch ohne Worte.


Tourengänger: Wisi

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Kommentare (4)


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zbudi hat gesagt: Herrlich
Gesendet am 27. Juli 2008 um 16:42
Da wir demnächst aud den Creux du Van wandern wollen, bin ich auf diesen Bericht gestossen. Einfach herrlich die Geschichte. Ich weiss nicht, ob der Wisi noch mehr Berichte in dieser Art geschrieben hat, aber das gäbe doch ein unterhaltenes Kapitel in ein Wanderbüchlein und damit liesse sich ja vielleicht auch noch die AHV aufbessern ;-)
Vielen Dank und hoffentlich noch viele solche Wanderungen.

Wisi hat gesagt: RE:Herrlich
Gesendet am 27. Juli 2008 um 21:45
Dr Wisi sagt: Merci, momol, das macht Froid!

Mel hat gesagt:
Gesendet am 4. Mai 2010 um 14:36
toller bericht, wisi. hab mich grad sehr amüsiert beim lesen :-)
liebe grüsse von der mel aus bern

Wisi hat gesagt: RE:
Gesendet am 4. Mai 2010 um 19:22
;-)


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