Pico de la Zarza (810 m) - nach Jahren wieder einmal auf Fuerteventuras Höchsten


Publiziert von dulac Pro , 22. Mai 2013 um 17:58.

Region: Welt » Spanien » Kanarische Inseln » Fuerteventura
Tour Datum: 7 Mai 2013
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: E 
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 800 m
Abstieg: 800 m
Strecke:Esquinzo - Jandia Playa Kreisel vor Barceló - Tabla de Vinamar - Pico de la Zarza - Tabla de Vinamar - Nortes Colorades - Valle Butihondo - Esquinzo
Kartennummer:Kompass 1:50.000 Fuerteventura bzw. Mapa General 1:50.000 Blätter Cofete und Gran Tarajal

diesmal allerdings unter "erschwerten Bedingungen" - doch dazu später mehr.
 
In den Jahren davor war der Pico entweder über längere Phasen wolkenverhüllt oder ich hatte mehr mit anderen Aktivitäten im Sinn, die man eher mit Fuerte assoziiert als ausgerechnet Bergwandern.
 
Die längere Phase, in der die Gipfel dieses Jahr nicht in Wolken lagen, schien mir drum eine gute Gelegenheit, mal wieder dem höchsten unter ihnen einen Besuch abzustatten. Der bisherige direkte Weg von meinem üblichen Domizil im Esquinzo war im unteren Teil bisher zwar weglos aber unschwierig: Einfach die Überlandstraße, etwas oberhalb am Hang gelegen, überqueren und dann nach Gefühl den Grat ansteuern.
 
Doch infolge der Bauwut der örtlichen Behörden war das Teilstück zwischen Costa Calma und Morro Jable inzwischen zur Autobahn mutiert. Zwar war es möglich, sie über den nahegelegenen Zubringer zu unterqueren, doch auf der anderen Seite war der Zubringer in den Berg gefräst, mit einer gut 3 m hohen Wand in bröckligem Gestein. Und zu allem Überfluß ist die Autobahn beidseitig von einem Zaun (wohl um die Ziegen abzuhalten) eingefaßt (Ärger verursachte die Autobahn im übrigen nicht nur bei mir, sondern auch bei einem Kollegen, der für seine Rennrad-Touren Richtung Inselmitte das Rad zunächst per Mietwagen zur Costa Calma verfrachten mußte, da er das Benutzungsverbot für Radfahrer einhalten wollte, andererseits aber keine für Rennvelos geeignete Parallelstraße finden konnte).
 
Um nicht unnötig Zeit zu verlieren, habe ich am Autobahnzubringer nicht lange nach einer Überquerungsmöglichkeit gesucht, sondern bin auf der Meerseite dem Pannenstreifen Richtung Morro Jable gefolgt. Mit der Idee im Hinterkopf, sie bei einer Unterführung, rund einen Kilometer weiter, durchqueren zu können. Dort dann an geeigneter Stelle über den Zaun und hinab zur Unterführung, diese allerdings gekennzeichnet mit „Privatbesitz“ „Betreten verboten“. Ich habe mich davon beeindrucken lassen. Wohl unnötigerweise wie ich später von anderen Wanderern/Bergläufern erfahren habe. Manchmal zahlt es sich aus, ganz einfach kein Spanisch verstehen zu wollen. ;-)
 
Also weiter, jetzt allerdings auf einer parallelen Erschließungsstraße bis zum Kreisel am Ende der Autobahn bei den großen Barceló-Hotelkomplexen am Beginn von Jandia Playa.
 
Hier beginnt der offizielle und markierte Aufstieg zum Pico. quacamozza hat in seinem *Bericht diesen Wegabschnitt bis zum Gipfel sehr detailliert beschrieben, einschließlich eines Verhauers, den ich mir erspart habe. Gleichermaßen erspare mir drum auch Wiederholungen und verweise statt dessen auf seinen Bericht. Auch hatte er noch ein wenig mehr Glück mit dem Wetter: Seine Gipfelfotos von der Westküste sind tatsächlich von keiner einzigen Wolke getrübt.
 
Der Gipfel war nach einer Gehzeit von 3 Stunden erreicht, davon mindestens eine halbe Stunde für den unnötigen Umweg.
 
Die Aussicht zur Westküste war unerwarteterweise bereits durch heranziehende Wolken beeinträchtigt, die sich in der folgenden halben Stunde noch weiter verstärkten bis von der Westküste gar nichts mehr zu sehen war und die dabei mittlerweile auch über die Degollada de Cofete auf die Ostseite herüberzuschwappen begannen.
 
Dann Aufbruch zum Abstieg. Der Wegverlauf zunächst wie beim Aufstieg. Erst dort, wo sich der Grat am oberen Ende des Valluelo de la Cal auf ca. 400 m teilt, leicht nach links, mehr östlich und dem neuen Grat folgend. Kein Weg, doch die meiste Zeit eine deutlich erkennbare Spur.
 
In einer Einsattelung vor dem Anstieg auf eine kleine Kuppe schien mir eine gute Gelegenheit über den Hang weglos in den Talgrund des Valle de Butihondo abzusteigen (T3). Dabei peilte ich die deutlich erkennbare Brücke der quer durch das Tal führenden, derzeit absolut nutzlosen Alphalt-Fahrstraße an.
 
Danach auf dieser Straße bis zu ihrem Endpunkt, einem Wendekreisel oberhalb von Esquinzo. Von dort ein kurzer direkter Abstieg zur Autobahn in der Hoffnung, jetzt vielleicht doch eine Überquerungsmöglichkeit zu finden. Doch hier zunächst keine Chance.
 
Ich folge dem Zaun in östlicher Richtung. Nahe dem hangseitigen Zubringer entdecke ich, daß wenige Meter weiter eine Stichstraße in ihn mündet. Also weiter den Zaun entlang, nun wieder etwas bergwärts. Dann ist zu erkennen, wohin die Stichstraße führt: Zur Kläranlage des Robinson Club Esquinzo, doch auch diese eingezäunt. An einer Stelle ist dieser ein wenig niedergedrückt und einfach zu überwinden. Ich bin auf der Straße! Doch dann stehe ich vor einem geschlossenen Tor, ziemlich hoch. Links hat es jedoch eine Art Podest, das es erlaubt, mit einem weiten Grätschschritt auf die Brüstung zu gelangen. Der Rest ist dann nur noch Routine.
 
Und ja, durch diese Abkürzung habe ich es tatsächlich geschafft rechtzeitig zum Mittagessen wieder am Ausgangspunkt zurück zu sein. :-)
 
Die letzte Passage ist freilich nicht  zur Nachahmung empfohlen (ich hatte zumindest die Entschuldigung, Gast ebendieses Clubs, dem auch die Kläranlage gehörte, zu sein), statt dessen sollte man eher die schon von trainman in der Gegenrichtung beschriebene *Variante nutzen, weiter östlich auf die die Autobahnbrücke unterquerende alte Lokalstraße zu wechseln.
 
 Abgesehen von dem weglosen Abstieg über den Hang bewegen sich die Schwierigkeiten maximal im Bereich von T2.


Jetzt noch einige Anmerkungen zur Kompass-Karte:
 
So begrüßenswert es ist, daß es diese Karte überhaupt gibt, etwa im Vergleich zur früheren Situation wo man auf (veraltete) spanische Militärkarten zurückgreifen mußte, so sind m.E. doch einige Vorbehalte angebracht: Bereits in dem geographisch kleinen Bereich, den ich persönlich beurteilen kann, enthält die Karte nämlich einige Fehler bzw. Ungenauigkeiten:
 
Etwa der Wegverlauf der 14. Etappe des GR 131 (Casas de Risco - Morro Jable): Lt. Kompass entlang der Westküste, tatsächlich entlang der Ostküste.
 
Zweites Bespiel: Lt. Kompass gibt es einen markierten Steig vom Pico de la Zarza zur Degollada de Cofete. Real von Markierung keine Spur, tatsächlich scheint es lediglich eine eher unscheinbare Wegspur zu geben, die aber nicht auf dem Gipfel wie eingezeichnet, sondern deutlich unterhalb abzweigt.
 
Die breite Asphalt-Sackstraße, die in weitem Bogen das Valle de Butihondo durchquert, ist auf der Kompass überhaupt nicht vermerkt, obwohl sie vermutlich nicht erst gestern erstellt worden ist.
 
Drum mein Rat: Dieser Karte nicht blind vertrauen!
 
Und noch eine letzte Anmerkung zu dem auf der Kompass-Karte fälschlicherweise an die Westküste verlegten Abschnitt Nr. 14 des GR 131. Dieses Stück habe ich bereits mehrmals begangen, zuletzt vor etwa 10 Jahren. Ich fand es überaus reizvoll. Inwieweit meine folgenden Ausführungen dazu aber noch den heutigen Gegebenheiten entsprechen, entzieht sich meiner Kenntnis. Drum bitte auch hier nicht blind darauf vertrauen, daß das alles noch so stimmt!
 
Zunächst muß man – es gibt dafür eine Reihe von Möglichkeiten – durch die Sandwüste „El Jable“ zu dem Punkt gelangen, der auf Kompass mit Morro del Rinconcillo benannt ist. Von dort wie auf der Karte vermerkt in Richtung Strand absteigen. Den letzten Abschnitt habe ich als etwas steil in Erinnerung (doch nicht mehr als max. T3). Dabei wird eine Zone durchquert, wo der meterdicke, zu Stein gepresste Sand zur Küste abfällt und Wind und Wetter zum Teil bizarre Formen daraus herausziseliert haben. Dann dem Sandstrand entlang etwa 5 km bis zu einem markanten, von weitem erkennbaren Felsen, der am Übergang von Strand zum Meer liegt, El Islote.
 
Zuvor sind jedoch sind 2 Felsstürze, es könnten auch 3 gewesen sein, zu überwinden, die wie Nasen in den Sandstrand hineinragen. Meerseitig waren sie in meinem Fall nie zu umgehen gewesen. Statt dessen mußte man sich seinen eigenen Durchgang durch das Gewirr der aufgehäuften, teils mehr als meterhohen Felstrümmer suchen.
 
Am Islote wird dann das Ende einer Piste erreicht. Dieser kann man nach Cofete folgen, wo es eine Bar mit Verpflegungsmöglichkeit gibt resp. gab. Von dort oder schon etwas früher, auf die Villa Winter zuhaltend, kann dann zur Degollada de Cofete auf- und über das Gran Valle abgestiegen und nach Morro Jable weitergewandert werden. Alternativ, und um abzukürzen, kann auch versucht werden, von der Degollada de Cofete in östlicher Richtung den Talschluß des Barranco de las Damas zu erreichen. In meinem Fall war das damals teilweise weglos, doch im Hinblick auf die Orientierung unschwierig. Das letzte Teilstück ab den Ausläufern von Morro Jable bin ich damals im – völlig trockenen – Bachbett gegangen. Das führte mich dann direkt an das westliche Ende der Strandpromenade.
 
 Damals auf einem großen Teil der Strecke weitgehend einsam.

 Die beste Zeit sind Tage (nach meinen Erfahrungen im Zeitraum Mai - Juni leider eher selten), an denen wenig Wind aus westlicher Richtung herrscht. Andernfalls kann es wirklich unangenehm stark blasen und die mitherangeführten Wolken verhindern dann den spektakulären Blick auf die Steilabstürze.
Außerdem sollte das Teilstück über den Strand möglichst nicht gerade bei Flut begangen werden.
Und Baden in diesem Bereich der Westküste unbedingt unterlassen!


Nachtrag Mai 2016:

Diese Tour zur Westküste Playa de Barlovento habe ich vor kurzem erneut unternommen. Sie ist weiterhin sehr lohnend. Der Bericht dazu findet sich *hier.


Tourengänger: dulac

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