Ein langer Tag im Riesengebirge


Publiziert von Bergmax , 17. Mai 2013 um 21:50.

Region: Welt » Tschechien » Krkonoše
Tour Datum: 4 Mai 2013
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: PL   CZ 
Zeitbedarf: 7:15
Aufstieg: 1000 m
Abstieg: 1000 m
Strecke:32 Kilometer im Riesengebirge
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Regionalexpress von Dresden nach Tannwald (Tanvald), weiter mit einem Regionalzug der Tschechischen Bahn nach Harrachsdorf (Harrachov). Der Bahnhof liegt ein gutes Stück außerhalb des Ortes!
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Regionalzug von (Ober-) Schreiberhau (Szklarska Poręba Górna) nach Harrachsdorf, weiter wie oben
Unterkunftmöglichkeiten:In Harrachsdorf oder Schreiberhau, evtl. auch in einer der "Bauden" im Gebirge
Kartennummer:Kompass 2087 "Riesengebirge" 1:50.000 (deckt leider nur den böhmischen Gebirgsteil ab)

Zugreise und Bergwanderung

Die Tour ins Riesengebirge stand schon einige Zeit auf meiner Wunschliste. Eigentlich sind die Berge nur gut 150 Straßenkilometer von meinem Wohnort entfernt und deutlich die höchsten und mächtigsten weit und breit. Da ich aber über kein Auto verfüge, plante ich eine Bahnreise.

Nachdem ich mir einen ersten Überblick verschafft hatte, war mir klar, dass auch für eine Tagestour etwas Vorbereitung vonnöten sein würde.
Zuerst besorgte ich mir eine brauchbare Wanderkarte. Eigentlich hatte ich vor, die Schneekoppe zu erwandern, doch als einziger vernünftiger Ausgangspunkt stellte sich Harrachsdorf (Harrachov) heraus, das mit dem Zug von Pirna in gut vier Stunden geradezu "blitzschnell" erreichbar ist (nach Krummhübel etwa fährt man sechs bis sieben Stunden!). Als Endpunkt bot sich Schreiberhau (Szklarska Poręba) auf polnischer Seite an, das über die Zackenbahn mit Harrachsdorf verbunden ist.
Somit war der Zeitrahmen für die Wanderung vorgegeben: Ankunft in Harrachsdorf ist um 10:46 Uhr, die letzte Abfahrt in Schreibershau um 18:40 Uhr, das macht fast acht Stunden Aufenthalt!
Im  Groben war mir schnell klar, dass ich durch das Mummeltal zur Elbquelle und zum Hauptkamm wandern würde, um dann nach Norden abzusteigen.

Das nächste Problem sollte der Fahrkartenkauf sein. Am Schalter in Pirna bekam ich nur eine Fahrkarte bis Tannwald (Tanvald) und zurück. Bald stellte ich fest, dass das sogenannte Euro-Neisse-Ticket auf allen gewünschten Strecken gilt, aber nur im Verkehrsverbund ZVON (rund um Bautzen und Görlitz) zu haben ist. Also machte ich mal schnell einen "Ausflug" von Pirna nach Bischofswerda, kaufte dort das Ticket und stornierte die andere Fahrkarte , die auch noch fünf Euro teurer war, wieder.
Vor der Abfahrt besorgte ich mir außerdem noch einen Wanderführer, Devisen und Proviant - was man eben so braucht, wenn man eine Reise ins Ausland macht.

Mein Zug in Pirna fuhr um 6:35 Uhr ab. Da um diese Zeit samstags kein Bus fährt, begann meine Tour mit drei Kilometern Fußweg unter der aufgehenden Sonne.
In Dresden nahm ich den Regionalexpress nach Tannwald, der nur am Wochenende fährt. Nach etwa 90 Minuten erreicht man die Grenze bei Zittau. Bevor man in Tschechien ist, fährt der Zug wenige Kilometer durch Polen, was man nur daran merkt, dass das Ruckeln auf den Schienen dort besonders stark ist! Die Bahnstrecke hinter Reichenberg (Liberec) durch das Isergebirge nach Tannwald ist dann recht abwechslungsreich und kurvenreich.

In Tannwald stieg ich in einen modernen Triebwagen der tschechischen Eisenbahn um, der knapp 30 Minuten später den Bahnhof von Harrachsdorf erreichte.

Die Station liegt etwa drei Kilometer vom Zentrum des recht reizvollen Feriendomizils entfernt. Auf kleinen Sträßchen wanderte ich durch den ganzen dicht bevölkerten Ort zum Beginn des Mummelgrunds und weiter zum Mummelfall. An diesem Ausflugsziel tummelten sich viele Wanderer, denn der Wasserfall war durch die Schneeschmelze ziemlich mächtig und herrlich anzuschauen!

Auch auf dem Fahrweg durch den landschaftlich reizvollen Mummelgrund war ich nicht gerade allein, doch die vielen Leute verliefen sich allmählich. Trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit erschwerten bald Schneefelder das Vorwärtskommen. Nach langen sechs Kilometern (ab dem Wasserfall) machte ich an "Rübezahls Frühstücksplatz" (ca. 1000 m.ü.M.) eine Pause. Der Rastplatz ist richtig gemütlich mit Tischen und Bänken ausgestattet!
Wegen dem Schnee war ich ziemlich verunsichert, ob ich weitergehen sollte. Doch der blau-weiß markierte Fußweg zum Nebenkamm war nicht nur fast schneefrei, sondern auch ausgezeichnet angelegt und instandgesetzt. Schneller als erwartet bewältigte ich die 320 Höhenmeter Aufstieg zur latschenbewachsenen Kammhöhe und wandte mich nordwärts in Richtung Elbquelle und Hauptkamm.

An der noch schneebedeckten Elbquelle machte ich wieder eine Rast. Ich hatte gut drei Stunden bis hierher gebraucht . An einer Steinmauer sind die Wappen von Städten am Flusslauf angebracht. Leider wurde das Wetter immer schlechter und die Gipfel am Hauptkamm hüllten sich in Nebel.

Trotzdem wanderte ich weiter und erreichte wenige Minuten später den "Freundschaftsweg" auf dem Hauptkamm. Hier waren trotz des trüben Wetters etliche Wanderer unterwegs - fast als wanderte ich auf der weltbekannten Basteibrücke entlang! ich ging nach Osten, um das Hohe Rad zu besteigen - es ist mit 1509 Metern der höchste Gipfel des westlichen Riesengebirges. Den Veilchenstein hob ich mir für den Rückweg auf, ebenso die tollen Aussichten in die Schneegrube. Im Nebel hätte ich eh' nicht viel gesehen. Sehr zu meiner Freude besserte die Sicht sich allmählich wieder und bald tauchte der Gipfel des Hohen Rads aus dem Nebel auf. 
Der Hauptweg umgeht den eigentlichen Gipfel, aber ein recht guter Pfad führt zum Gipfel, auf dem die Reste eines Kaiser-Wilhelm-Denkmals stehen.

Nach einer Fotopause ging  ich auf den Hauptweg zurück und machte Abstecher zu den verschiedenen abgesicherten Aussichtskanzeln an der Großen Schneegrube. Die Steilabstürze in dieses Kar wirken hochalpin und beeindruckend in der sonst eher sanft geneigten Mittelgebirgslandschaft..
Neben der TV-Station auf dem Vorgipfel des Hohen Rads kann man eine kleine Felsgruppe erklettern.
Auch dem Veilchenstein (1472 m) stattete ich nun einen Besuch ab. Die Gipfelklippen, deren höchsten Punkt ein Grenzstein der tschechisch - polnischen Grenze ziert, bieten eine besonders schöne Aussicht!
Da ich noch recht viel Zeit hatte, wanderte ich auf dem Kammweg weiter zum Reiftrager (1361 m), der den westlichen Eckpunkt des Haupfkamms bildet. Unterwegs verläft der Weg meist genau in der Grenzschneise zwischen Tschechien und Polen. Kurz vor dem Gipfel des Reiftrgers kommt man an den bizarren "Sausteinen" vorbei.

Den Gipfel des Reiftrages "ziert" ein altes Stahlgerüst - ob das ein ehemaliger Wachturm der Grenze ist? Auch die Baude am Gipfel macht einen eher mäßigen Eindruck, dafür ist die Aussicht auf den begangenen Kamm bemerkenswert., zumal nun die Sonne zu scheinen begann - zwei Stunden zuvor hatte ich das kaum für möglich gehalten.

Vom Gipfel stieg ich zur polnischen Sesselliftstation ab und wanderte leicht absteigend zur Neuen Schlesischen Baude, die recht einladend aussieht. Über einen ziemlich steilen Plattenweg verliert man rasch an Höhe und kommt am Zackelfall vorbei, der eine ziemlich große Fallhöhe hat. Da die Abfahrtszeit des Zuges inzwiesen deutlich nähergerückt war, verzichtete ich auf eine Besichtigung der Klamm.am Wasserfall.
Interessanterweise wird der Fahrweg immer schlechter, je weiter man absteigt und man muss mächtig aufpassen, um auf den ausgewaschenen Steinen nicht umzuknicken.
Eigentlich wollte ich noch ein kleines Mitbringsel kaufen, aber an den Verkaufsständen am Weg sah ich nur "Ramsch" und überhaupt nichts aus der Gegend - dann eben nicht.
Zum Glück liegt der Bahnhof von Schreiberhau nicht ganz soweit außehalb wie der in Harrachsdorf. Dennoch musste ich noch quer durch den Ort wandern. Schreibershau hinterließ bei mir einen etwas zwiespältigen Eindruck - mal ansehlich, mal heruntergekommen.

Am Bahnhof wartete ich noch eine halbe Stunde auf den Zug über die Grenze zurück nach Harrachsdorf.
Schließlich fuhr ein recht altmodischer, winziger "Schienenbus" ein. Eine ganze Gruppe von Leuten machte Fotos von dem Zug, doch nicht ein einziger Mensch stieg ein - der Triebwagen muss wohl eine Berühmtheit sein... Schließlich fuhr der Zug los und ich war der einzige Fahrgast.
Die sogenannte Zackenbahn wurde auf dem Abschnitt über die grenze erst vor wenigen Jahren wieder eröffnet. Davon merkt man aber nichts: der alte Wagen stampft und rattert mit etwa 40 km/h auf den Gleisen entlang. Nach einer spaßigen und etwas aufregenden knappen halben Stunde erreichte ich Harrachsdorf drei Minuten vor Plan und schaffte den Zwei-Minuten-Umstieg nach Tannwald problemlos.

In Tannwald stand der Regionalexpress nach Dresden Hbf schon bereit. Der Triebwagen der Baureihe 642 kam mir dort mit seinen 40 Metern Länge wie ein wahrer Riese vor...

Gegen 23:25 Uhr kam ich planmäßig im Bahnhof Pirna an. Natürlich fährt um diese Zeit auch wieder kein Bus mehr und ich marschierte die üblichen drei Kilometer nach Hause. Um Punkt Mitternacht schloss ich die Wohnungstür auf...

insgesamt legte ich etwa 38 Streckenkilometer und gut 1000 Höhenmeter zurück.

Abschließend will ich die exzellenten Wanderwege und ihre Ausschilderung besonders auf der Tscheschischen Seite nochmals ausdrücklich loben!





Tourengänger: Bergmax

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (3)


Kommentar hinzufügen

tschiin76 hat gesagt:
Gesendet am 17. Mai 2013 um 22:42
Das sind ja allesamt Autobahnen, diese Wege! Eindrücklich!

Bergmax hat gesagt: RE:Autobahnen...
Gesendet am 17. Mai 2013 um 23:27
den Eindruck hatte ich auch, als ich im Riesengebirge unterwegs war.
Mich hat das nicht weiter gestört, da man sehr zügig und bequem vorwärts kommt - besser so als in einem matschigen Hohlweg herumzurutschen :-).

Nur als Einsamkeitsfanatiker sollte man das Riesengebirge lieber meiden...

Viele Grüße aus Pirna,

Bergmax

tschiin76 hat gesagt: RE:Autobahnen...
Gesendet am 17. Mai 2013 um 23:35
wir hier in der schweiz haben zwar auch teilweise breite wege, aber die im riesengebirge sprengen alles...;) riesig halt!


Kommentar hinzufügen»