Unbekanntes Maggiatal – Val d’Aurigeno (Siegfriedkarte) oder Valle di Lareccio


Publiziert von Seeger Pro , 26. April 2013 um 19:34.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:24 April 2013
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Pizzo Cramalina 
Aufstieg: 949 m
Abstieg: 949 m
Strecke:7.08km: Aurigeno 341m – Ciossa – Costa di Sotto 860m – Rövoira – Pt. 926 Ri di Dentro – Kapelle Pt.654 – Pt. 526 – Aurigeno 341m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Ö.V.: FART von Locarno bis Haltestelle Ronchini – Fussmarsch über die Brücke nach Aurigeno. Auto: Locarno Richtung Maggiatal – Abzweigung nach Links Moghegno/Aurigeno – Parkplätze vorhanden
Zufahrt zum Ankunftspunkt:dito
Unterkunftmöglichkeiten:Einkehr: In Aurigeno, mit Gartenterrasse
Kartennummer:Maggia 1292 und Siegfriedkarte

Ein Ruinenzeichen ohne jegliches Wegzeichen auf der Landeskarte war der Auslöser. Da muss irgendein Weg hinauf, meint Frank von www.alpi-ticinesi.ch   und er suchte auf alten Landeskarten: Auf der Siegfriedkarte wurde er fündig. Und wie!
Rudi heisst er und ist ein junger Jagdhund. Irgendwie passt er zu uns: Eine Tessin erprobte Familie mit zwei aufgestellten Töchterchen, welche jede Sekunde zusammen rafft, um 600m oberhalb eines Käffchens im Val Verzasca möglichst viel Zeit zu verbringen und wir, welche – konstant auf der Suche nach einer fetten Beute – unsere Zeit dort verbringen, wo es für uns Freiheit und Aufgabe zugleich bedeutet. Allesamt Spürnasen der sympathischen Art – wie eben unser vitaler Begleiter Rudi, der Vierbeiner. Der Gerechtigkeit ist festzuhalten, dass nur er und wirklich nur er die Eigenheit hat, alles anzukläffen. Und das ist sympathisch. Bei ihm.
In Frühlingswetter beginnen wir in  Aurigeno 341m, städtisch mit Dorfcharakter. In Kürze erreichen wir über einen uralten Karrenweg (Carrea) und der Brücke über den Ri di Dentro – hangwärts sein schöner Wasserfall zu bewundern – den Dorfteil  Ciossa, danach hangwärts einen wilden Laubwald. Entlang der Grenzmauer steigen wir steil hinauf und treffen – kaum zu glauben – den auf der Siegfriedkarte eingezeichneten breiten, uralten Saumweg. Über Treppenanlagen gelangen wir auf einen Aussichtspunkt auf gleicher Höhe des Wasserfalles. Auch fehlt nicht der obligate Bildstock zu Ehren der Heiligen Susanna. Ein alter Saumweg ohne dieses Zeichen tiefer Religiosität ist wie Suppe ohne Salz. Bei den ernsten und lustigen Gesprächen verfliegt die Zeit im Nu und Rudi hat Spass an der illustren Gesellschaft. Da ist was los. Tatsächlich finden wir die Ruine eines stattlichen Hauses, welche noch in den 50-er Jahren intakt gewesen sein soll.
Und weiter geht’s etwas nach links ausholend zu den unteren Häuser von  Costa di Sotto 860m(T3). Unterwegs finden wir Relikte von einer gross angelegten Holzfäller-Aktion:  Drahtseile, Rollen und anderes lassen auf Anfangs des letzten Jahrhunderts schliessen.
Hier könnte man nach Costa 914m aufsteigen und ganz bequem über Cortone 1137m die orographisch linke Seite des Valle di Larecchio „bezwingen“(T3). Aber Rudi passt dies nicht und er stürzt sich auf jeden in Bewegung geratenen Stein – gleich welcher Grösse – mit lautstarkem Bellen.
Unsere Grösse ist das Aufsuchen des „Siegfried-Weges“. Wir stürzen uns auf dessen letzten Überbleibsel und freuen uns an jedem Stützmäuerchen. Ein Alpgebäude nach dem andern in der Region  Rövoira(T4) bezeugen, dass der ganze Hang einst eine riesen grosse Weide gewesen sein muss. Die Begeisterung nimmt kein Ende. Rutschungen machen die Unternehmung zu Akrobatikübungen und als dann zwei Wildschweine den Papa kurz und heftig erschrecken, bellt der Rudi zum Angriff. Diese Viecher müssen ja selber erschrocken sein, meine ich. Das Ganze geht so schnell, dass nicht einmal die ganze Gruppe alles mitbekommt. Rudi unser Retter und Helfer!
Nach dieser abenteuerlichen Traverse stossen wir auf den r/w-markierten Weg von Cortone herabkommend auf der Höhe 1000m. Dieser leitet uns in den breiten Flussgraben zum  Pt. 926 Ri di Dentro(T3). Der Weg ist entlang des Flusses grösstenteils verwüstet, bietet jedoch keine wesentlichen Probleme. Man hält sich an die orographisch linke Seite, quert nach etwa 120m zum Seitenbach, welcher rechts herunterkommt. Nach dessen Querung erscheinen auf der in Laufrichtung linken Seite Wegspuren, welche in Kehren in die Höhe führen.
Beim gelben Wegweiser geht’s links (Hier könnten wir rechts nach Garina aufsteigen um ins Centovalli/Loco zu gelangen). Verglichen mit der Traversierung von Rövoira kommt einem dieser Weg wie Autostrasse vor. Mit mässigem Gefälle hinunter zu einer sehr einfachen Kapelle, welche in der LK wiedergegeben ist. Bei Regenwetter bietet sie Unterschlupf. Der Weg muss viel begangen werden, denn er ist sehr breit angelegt. Kurz nach der Kapelle geht’s steil in einen Bachgraben hinein und anschliessend wieder sanft zur Kapelle Pt.654. Schön gelegen mit wunderbarer Aussicht ins Maggiatal und die noch verschneiten Berge.  Ausgedehnte Rast im Schatten der Kapelle.
Für die letzten 300 Höhenmeter  benützen wir den nur im oberen Teil markierten alten Weg über  Pt. 526 nach  Aurigeno 341m. Oberhalb von Aurigeno befindet sich ein Schutzwall, welchen man links angeht. Dann geradeaus rechts entlang der Rebberge hinunter ins Dorf. Mit etwas Glück „landet“ man direkt beim Restaurant mit Gartenterrasse.
Rudi, unser Held, legt sich hin und schläft. Verdienter Weise. Nur ein leises Zuflüstern von „Büsi“ lässt ihn wieder aufhorchen.
Bald lege ich mich wie Rudi zuhause hin. Nur bei „Siegfriedkarte“ horche ich auf!
 
  

Tourengänger: Seeger

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentar hinzufügen»