Der Höhlenwurm: Pfaffenstein und Quirl


Publiziert von Bergmax , 20. Februar 2013 um 22:24.

Region: Welt » Deutschland » Östliche Mittelgebirge » Elbsandsteingebirge
Tour Datum:18 Februar 2013
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 
Zeitbedarf: 4:30
Aufstieg: 400 m
Abstieg: 400 m
Strecke:8 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Bus oder S-Bahn zum Bahnhof Königstein, dort auch Parkplatz
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Pw, Bus oder S-Bahn ab Bahnhof Königstein
Unterkunftmöglichkeiten:In Königstein oder Pfaffendorf
Kartennummer:"Festung Königstein und die Tafelberge" (1:10.000) von Rolf Böhm

Höhlenwurm: "Höhlenfreund, der mit größtem Behagen in einer noch so lehmigen Höhle herumkraxelt" (Michael Bellmann: "Der Höhlenführer Elbsandsteingebirge", Heimatbuchverlag,  S. 65)

Nachdem ich im Bielatal bereits etwas Höhlenluft geschnuppert hatte, war der Entschluss, eine kleine Exkursion zu den beiden Tafelbergen Pfaffenstein und Quirl zu machen, schnell gefasst.
Insgesamt gibt es dort auf kleinem Raum über ein Dutzend Höhlen, die zum Teil im oben erwähnten Buch beschrieben sind. Auch sonst befinden sich dort eine ganze Menge Sehenswürdigkeiten, die im Sommer gut bis zu gut (sprich:überlaufen) sein dürften, während jetzt im Winter kaum jemand unterwegs ist.
Anders als im Bielatal machte ich auf dieser Tour der Höhlenwurm-Definition alle Ehre, die hier beschriebenen Höhlen sind bereits etwas "schärferer" Richtung (trotzdem noch eher leicht im Vergleich zu anderen im "Höhlenführer" beschriebenen Objekten).

Angekommen am Bahnhof Königstein ging ich ganz klassisch auf dem bekannten "Malerweg" das Pfaffenberg-Sträßlein hinauf nach Pfaffendorf und weiter auf einem Wiesenweg zum Beginn des Nadelöhr-Aufstiegs auf den Pfaffenstein.
Dieser Schluchtweg besitzt etwa 562 Stufen, im oberen Teil befindet sich eine kleine Leiter in einem Durchschlupf - sehr schön.
Kurz vor Beginn der eigentlichen Schlucht liegt ein großer Felsklotz mit Sitzbank ("Touristenhöhle") neben dem Weg. Dort machte ich einen Abstecher nach links und querte unterhalb des "Einsiedlers" zu einer "Steinernen Scheune" (Nachtrag: Wenn ich die Karte richtig interpretiere, liegt die "offizielle" Steinerne Scheune ein Stück entfernt von dieser Stelle am Rundweg um den Pfaffenstein).
Oberhalb davon in einer Felsschlucht befindet sich die kleine Höhle "Einsiedlers Eiskeller". Hinter dem Mundloch ist ein kleiner Raum, durch einen Kriechgang erreicht man den eigentlichen Eiskeller.
Dieser war bei meiner Befahrung voller glitzernder, wunderschöner Eiszapfen!

Oben auf dem Pfaffenstein traf ich keinen einzigen Menschen, das Gasthaus hatte ebenfalls geschlossen. Trotz der überfrorenen Wege besuchte ich einige Aussichtspunkte. Auf den rutschigen Abstieg zur ausgeschilderten Goldschmidthöhle verzichtete ich.
Eigentlich wollte ich die berühmte Barbarine besichtigen, doch ich musste feststellen, dass man auch an einem T2-Weg scheitern kann, wenn er völlig vereist ist! Hier würden Grödeleisen gute Dienste leisten :-).

Vorsichtig nahm ich den "Bequemen Abstieg", wobei ich den vereisen Weg örtlich als Rutschbahn gebrauchte - besser auf dem Hintern rutschen als auf den Hintern zu fallen!
Links des Weges befindet sich der Kleine Kuhstall, durch den man einfach durchgehen kann.

Bei der Einmündung des Klammwegs ragt der Jäckelfels (benannt nach dem touristischen Erschließer des Pfaffensteins) mit Gedenktafel steil auf. Dort, neben dem Hauptweg unter einem riesigen Block, liegt das Hauptmundloch der relativ großen Bellohöhle.
Die Höhle wurde erstmals 1909 befahren, wobei ein Hund namens Bello bei der Entdeckung mitgewirkt hat.

Am Einstieg muss man erstmal ca. fünf Meter nach unten klettern. Unten geht es geradeaus kaum noch weiter, aber sowohl nach rechts als auch nach links. Zuerst befuhr ich den Kriechgang (anstrengend)  nach rechts. Er führt zur Kammer der Dreiteilung. An ihrem Ende folgt ein enger Durchschlupf (Vorsicht!) zur Entdeckerabteilung mit Höhlenbuch. Ein sehr enges Mundloch stellt den naheliegenden Ausgang dar. Ich stieg außerhalb der Höhle zurück zum Einstieg und kletterte wieder hinab. diesmal krabbelte ich nach links zum großen, geteilten Hohen Raum. Ein Durchschlupf im unteren Teil führt zum Fledermausraum, in dem ich aber keine einzige fliegende Maus gefunden habe. Ein weiterer Schluf stellt die Verbindung zum tiefsten Teil der bereits bekannten Kammer der Dreiteilung dar. Diesmal verzichtete ich auf eine erneute Befahrung der Entdeckerabteilung und nahm den Ausgang durch das Hauptmundloch.
Wow, was für eine spannende Höhle!

Als nächstes wanderte ich auf dem Malerweg zum niedrigen Tafelberg Quirl. Der direkte Aufstieg heißt Kanonenweg - früher hatte der Quirl wegen der nahen Festung Königstein eine gewisse strategische Bedeutung.
Auf dem bewaldeten Plateau ging ich gleich nach links und suchte die Sterlsche Räuberhöhle I (es gibt noch eine zweite), die ich nur dank einiger Fußspuren im Schnee halbwegr schnell fand. Sie liegt auf einer Terrasse unterhalb des Plateaus. Der Durchstieg vom oberen zum unteren Mundloch ist kurz, erfordert aber etwas Kletterei. Im hinteren Höhlenteil erkundete ich noch zwei Kriechgänge und eine kleine Kammer. Ein Buch habe ich keins gesehen, falls es in der engen Kluft unerhalb des kleinen Raums liegt, dürfte es auch nur mühsam erreichbar sein (eine Befahrung ohne Seil erschien mir zu gefährlich).

Als Abstieg vom (langweiligen) Tafelberg wählte ich den unmarkierten Weg auf der Nordostseite, der in der Nähe vom Diebskeller (Rastmöglichkeit) rauskommt. Dieser ist eine breite, mächtige Höhle, in der man problemlos ca. 25 Meter hinein bis zum Ende gehen kann.
Südostlich vom Diebskeller an der Felswand des Massivs liegt das unscheinbare, sehr kleine Mundloch des "Atombunkers" (= Biwakhöhle). Der Einstiegsschluf muss kriechend "wie ein Wurm" befahren werden (Vorsicht!). Ich hätte nie gedacht, dass die Höhle innen so groß ist! Die Befahrung ist sehr lohnend, neben dem Höhlenbuch gibt es diverse Erkundungsmöglichkeiten und viel glänzendes Leuchtmoos!

In der Nähe gibt es eine Boofe (Rastplatz) mit dem Haupteingang der weniger lohnenden Baumannhöhle. Sie besteht aus einem nur mäßig dunklen Hauptraum mit meheren Mundlöchern (kein Höhlenbuch?!).

Die Boofe bietet sich auch an, um saubere Sachen anzuziehen. Ich kam mir nämlich nicht nur vor wie ein Wurm, sondern sah auch aus wie einer :-)!

Von der Boofe wanderte ich direkt hinab nach Pfaffendorf. Als Alternative zum Rückweg über den Pfaffenberg bietet sich der Treppenweg "Bornberg" mit herrlicher Aussicht an, der in der Straßenkehre der Hauptstraße nach Königstein beginnt. Unten angekommen ist man in wenigen Minuten am Bahnhof oder im Zentrum von Königstein.

Trotz des trüben Wetters war es eine ungemein lohnende Tour!

Wer die Tour nachmachen möchte, dem empfehle ich den Kauf eines entsprechenden Höhlenführers.

Tourengänger: Bergmax


Galerie


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