Erkundungstour um Domodossola – Start in die Wandersaison 2013


Publiziert von ABoehlen Pro , 17. Februar 2013 um 09:53.

Region: Welt » Italien » Piemont
Tour Datum:14 Februar 2013
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 350 m
Abstieg: 350 m
Strecke:Domodossola - Mocogna - Rione Oltrebogna - Preglia - Caddo - Mocogna - Domodossola
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Domodossola

«Bye the way, I forbid you to do any of your dare-devil climbing, nor will I have you acting about on the city wall, now that you have others here. I will not have them taking risks. Will you promise me this?» So wurde «Sooty» Lenoir von seinem Vater in «Five Go To Smuggler's Top» (Enid Blyton, 1945) aufgefordert, allerdings konnte er es durch geschicktes vom-Thema-ablenken umgehen, dies Versprechen zu geben. Die Mauer, um die es hier geht, erfährt der Leser weiter, «is wide enough to walk on», meist ziemlich hoch, weist aber auch mindestens eine Stelle auf, «where it's fairly low, and we can climb over it».

Genau vor solch einer Mauer stehe ich jetzt: Von der Bogna-Brücke in Mocogna zieht sie sich ca. 2 km dem breiten Bachbett des Torrente Bogna entlang, unterbrochen nur von der Bahnlinie. Die Mauer ist meist nur etwa eineinhalb bis zwei Meter breit, also breit genug, um darauf zu gehen. Allerdings ist dies verboten, wie ein Schild an besagter Brücke unmissverständlich ausdrückt. Da aber auch ich niemandem ein Versprechen gegeben habe, mich nicht auf der Mauer herum zu treiben (im Gegensatz zu Sooty allerdings zu einem solchen auch nicht ersucht wurde), betrete ich ohne schlechtes Gewissen diese Mauer und folge ihr talwärts.

Gut 90 Minuten vorher entweiche ich in Brig der mit Wintersportgeräten aller Art bewaffneten Menschenmenge, die vom eingefahrenen InterCity durch die Unterführung zum Vorplatz strömt, wo die Züge der MGB und die Postautos in Richtung der Skigebiete bereitstehen. Am Gleis 8 dagegen ist keine Menschenseele auszumachen – nur ein einsamer Schläfer im kleinen Wartesaal, dick eingepackt in eine Wolldecke. Ich lasse ihn in Ruhe schlummern, denn da die Sonne scheint und es windstill ist, kann man es auch draussen ganz gut aushalten.

Wenige Minuten vor der Abfahrt wird der InterRegio nach Domodossola bereit gestellt – wie seit eh und je ein altehrwürdiger EWI-Pendelzug (wie lange wohl noch…) In Steuerwagen bin ich der einzige Fahrgast und auch sonst steigen nur einige wenige Leute ein.

Im Simplontunnel sind bekanntlich Bauarbeiten im Gange, sodass im südlichen Teil derzeit nur eine Röhre benutzt werden kann. In der Tunnelmitte, bei der Kreuzungsstelle bremst der Zug daher stark ab, um dem Gegenzug passieren zu lassen. Eine gute Gelegenheit, zwischendurch eine Weile bei offenem Fenster zu fahren. Hier drin geht das zu jeder Jahreszeit – die Erdwärme machts möglich!

Wiederum mehr als zwei Stunden zuvor verlasse ich Worb, wo tiefster Winter herrscht, soeben eine der bisher kältesten Nächte zu Ende geht und Schneemengen liegen wie schon lange nicht mehr. Ich mag das allen Freunden dieser Jahreszeit von Herzen gönnen, ziehe es persönlich aber vor, bereits etwas Frühlingsluft schnuppern zu gehen.

Und tatsächlich: Oben auf der Mauer spüre ich wirklich einen Hauch vom Frühling. Die Sonne strahlt von einem tiefblauen Himmel und Schnee ist nur auf den höchsten Gipfeln auszumachen. So geniesse ich diesen unbeschwerten Spaziergang und kann die Jacke schon bald im Rucksack verstauen – der Pullover genügt! Ganz neu ist diese Mauer für mich freilich nicht. Bereits in den letzten Sommerferien habe ich sie öfters am Anfang und Ende grosser Touren benutzt. Heute will ich sie mal ganz kennenlernen, und auch sonst noch so einige Sachen auskundschaften, die mir nach dem Kartenstudium interessant scheinen oder auf früheren Touren aufgefallen sind. Schliesslich kann man in dieser Gegend bereits unmittelbar hinter den Siedlungen, in geringer Höhe, spannende Wege entdecken.

Die Mauer begrenzt erst Wiesen und Gärten, führt später dann aber direkt den Häusern von Domodossola entlang. So wirkt sie tatsächlich wie eine Stadtmauer! Nach links, zum Bachbett hin, fällt sie 5 – 10 Meter hoch ab, sodass etwas Vorsicht bei diesem Spaziergang durchaus angebracht ist. In Richtung der Stadt ist sie weniger hoch und teilweise durch einen vorgelagerten Damm auch mühelos erreichbar. So erreiche ich die Bahnlinie, wo mein Weg vorerst endet. Laut Karte geht die Mauer auf der anderen Seite zwar weiter, allerdings kann ich keinen Durchgang entdecken. Überhaupt scheint mir das Überqueren der Gleise an solch einer Stelle nicht besonders intelligent. Daher verlasse ich die Mauer und bin gleich wieder in der Stadt. Wie auf dem Stadtplan sichtbar ist, befindet sich dieser nördlichste Teil allerdings bereits auf dem Boden der Nachbargemeinde Crevoladossola. Auf einem Schild erfährt man auch den Namen dieses Quartiers: Rione Oltrebogna.

Ich begebe mich nun zur Hauptstrasse, der Via Sempione, kann so die Bahnlinie bequem überqueren und stosse so nach einiger Zeit wieder auf das Bachbett des Torrente Bogna und zur Mauer. In diesem Teil ist sie zwar eher ein Damm, aber ein dünner Pfad, der in der warmen Jahreszeit wohl ziemlich eingewachsen sein dürfte, zieht sich dort durch das Dickicht. Neben dem Sportzentrum vorbei erreiche ich dann von der anderen Seite her die Bahnlinie. Und jetzt entdecke ich den Durchschlupf, der mir zuvor nicht aufgefallen ist: In einem der typischen Beton-Zäune, die in Italien die Bahnareale abgrenzen, wurden drei Streben herausgebrochen, sodass man gerade so hindurchkriechen könnte. Ich lasse das bleiben, denn ich habe andere Pläne und das Überschreiten von Schnellzugstrecken mag ich wie erwähnt nicht.

Mittlerweile ist es halb Zwölf und eine gute Gelegenheit, den Hunger zu stillen. Die hier nur niedrige Mauer ist eine gute Sitzgelegenheit und warm genug ist es auch. Frisch gestärkt begebe ich mich anschliessend zurück zur Hauptstrasse, der ich noch ein Stück bis zum Kreisverkehr beim «IperCOOP» folge, wo ich rechterhand abbiege. Laut Karte soll ganz in der Nähe der Toce vorbeifliessen und sich ein Weg quer durch den Fluss ziehen. Das muss natürlich auch erkundet werden!

Es ist nur eine bescheidene Spur, die sich dort durchs Unterholz zieht. Aber bald weicht die Vegetation zurück, wobei von einem Fluss keine Spur zu sehen ist. Die nächsten Minuten fühle ich mich wie in der Wüste, denn der nun breitere Weg zieht sich quer durch Sanddünen und Kiesbänke. Dazwischen durchstreife ich auch wieder lockeren Wald und Buschland. Ich staune immer wieder, wie sich hier unmittelbar neben städtischem Gebiet solche ausgedehnten Brachflächen erstrecken. Bei uns würde sowas zubetoniert oder sonstwie «genutzt»! Wenn dann allerdings der Fluss mal richtig hoch daherkommt, was nach sommerlichen Unwettern in den Bergen ohne weiteres vorkommen kann, so kann sich das Wasser hier nach Belieben seinen Weg suchen ohne Schaden anrichten.

Im Moment aber führt der Toce nur wenig Wasser. Der Hauptarm verläuft dabei einiges weiter östlich als auf der Karte verzeichnet, aber der Weg geht tatsächlich mitten hindurch – eine typische Furt, für Geländewagen ohne weiteres benutzbar. Für mich ist natürlich Endstation, aber der Weg zurück durch die «Wüste» ist so interessant, dass ich ihn gerne nochmals begehe.

Weiter geht es nun, dem «hypergrossen» Bau des «IperCOOP» entlang, Richtung Caddo. Der Bahmdamm wird dabei in einem ca. 30 m langen Tunnel gequert. Im alten Ortskern von Caddo biegt ein auf der Karte nicht verzeichneter Weg ab, von wo wir im letzten Sommer von einer langen Tour zurückgekehrt sind. Nun kann ich ihn in Ruhe nochmals auskundschaften. Wegweiser sehe ich keine, nur ein Schild auf dem «Torre sec. XIII» steht. Weiter oben folgen aber die bekannten weiss-roten Farbmarkierungen in rascher Folge aufeinander und die Farbe glänzt noch so stark, dass man fast meinen könnte, sie sei noch feucht.

Ich steige bis auf ca. 580 m auf, von wo sich der Weg dann ohne nennenswerte weitere Steigungen bis nach Canei oberhalb von Preglia hinzieht. Allerdings gehe ich auf derselben Strecke wieder zurück und auch die bei ca. 500 m abbiegende Strecke nach Monte lasse ich aufgrund der vorgerückten Zeit unerforscht. Wird ja nicht die letzte Tour hier sein! Unter mittlerweile bedecktem Himmel erreiche ich im Laufe des Nachmittags wieder Domodossola, wo die Zeit noch für ein paar Einkäufe und ein Feierabend-Bier reicht, ehe sich der diesmal gut besetzte blau-weisse InterRegio wieder auf den Weg Richtung Schweiz macht. Oder auch: Zurück aus dem Vorfrühling in den tiefen Winter!

Tourengänger: ABoehlen


Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentar hinzufügen»