3 Tage: Maderanertal - Cavardirashütte - Disentis


Publiziert von 1Gehirner , 25. Juni 2012 um 22:48.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:22 Juni 2012
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS-
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   CH-UR 
Zeitbedarf: 3 Tage
Aufstieg: 2000 m
Abstieg: 2000 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem Zug nach Erstfeld (wegen Gotthard-Steinschlag), dann mit dem Alpentaxi (30CHF pro Person für fünf Personen) nach Hinter Etzliboden
Zufahrt zum Ankunftspunkt:mit der RhB von Disentis nach Chur, dann mit dem IC weiter nach Zürich HB
Unterkunftmöglichkeiten:Etzlihütte (bewartet), Cavardirashütte (noch unbewartet)
Kartennummer:map.wanderland.ch

Meine erste als solche angekündigte Hochtour: Das alljährliche Manneweekend führte diesmal mit Dänz, Tom, Matthias und Reto vom Maderanertal via Etzlihütte, Chrüzlipass und Stremtal über die Fuorcla da Strem Sut auf den Brunnifirn, zur Cavardirashütte und dann über den Brunnipass nach Disentis.

Tag 1: Hinter Etzliboden - Etzlihütte (720hm, T3 als Mittelwert aus T2 und T4, weils Schneefelder gab; ok, eigentlich T2 plus Angst ;) )
Mit dem Zug gehts um 13:06 Uhr nach Erstfeld, von da mit dem Alpentaxi in halsbrecherischer Fahrt ins Maderanertal hoch bis zum Hinter Etzliboden, um Zeit zu sparen (2h weniger als von Bristen aus). Zuerst unter, dann in den Wolken gehts ab 16:00 Uhr Richtung Etzlihütte aufwärts.

Ich hatte mich auf einen netten Zustieg ohne Herausforderungen gefreut, aber ab einer gewissen Höhe muss man dieses Jahr einfach mit Schneefeldern rechnen... und Schneefelder hab ich seit der Tour im April 2011 auf den Piz Linard GAR nicht gern. OK, mit Trekkingschuhen und ohne Stöcke oder Pickel geht man auch nicht auf den Linard... diesmal war ich ausgerüstet. Trotzdem war das erstmal ein wenig Stress für mich, überhaupt sollte sich die Tour zu einer fast fortwährenden Herausforderung an meine Nerven entwickeln... was hauptsächlich den besagten Schneefeldern zu verdanken war.

Ein Hikr hatte mich vorgewarnt, es hätte nochmal ordentlich geschneit. Tatsächlich gabs ab etwa 1500m immer wieder kleinere (und ziemlich weiche) Schneefelder, über die ich anfangs nur sehr misstrauisch und vooorsichtig drübergestakst bin. Dass sie nur etwa 20° geneigt waren, war mir da egal... Ich war sehr dankbar für die psychische Unterstützung meiner Mitwanderer, vor allem von Tom.

Knapp zwei Stunden später, immer noch in der dicksten Wolkensuppe, kamen wir an der Etzlihütte an. Hier wurden wir vom Hüttenwart, seiner Frau und der netten Gehilfin begrüsst und gleich mit Werbung für den Bottich überschwemmt ;) Drei von uns haben ihn dann begeistert ausprobiert.

Eigentlich hätte ja der Oberalpstock auf dem Programm gestanden, aber einige von uns waren gegen das Aufstehen vor 6 Uhr ;) So haben wir den Abend nett mit einem Etzli-Kaffee verbracht und sind nicht ganz so zeitig ins Bett.

Tag 2: Etzlihütte - Chrüzlipass - Stremtal - Fuorcla da Strem Sut - Brunnifirn - Cavardirashütte (1160hm hoch, 460hm runter, WS-, weil nicht aper, aber sonst sehr leicht; T4, vielleicht sogar T5, weil teils etwas heikle Schneefelder, aber nie ausgesetzt)
Nicht ganz so zeitig gings am nächsten Morgen los. Nach dem für uns etwas früher angerichteten Frühstück gings um 7:30 Uhr los Richtung Chrüzlipass - wieder/immer noch in nicht mehr ganz so dicker Wolkensuppe. Die sollte uns bis zur Stremlücke fast ununterbrochen begleiten... der Wind war einfach ungünstig und hat die Wolken immer bei uns aufgestaut.

Auch der Weg zum Chrüzlipass hatte seine schon steileren und etwas festeren Schneefelder... und wieder kam ich drüber, ohne zu sterben oder auch nur auszurutschen, und hatte was dazugelernt. Nicht an der oberen Kante festhalten und dabei zum Hang lehnen, auch wenns verlockend aussieht...

Weiter gings über den Pass (umziehen und per Natel die Fussballergebnisse Deutschland-Griechenland abfragen) und runter ins Stremtal. Hier gabs am Ende das erste Rutsch-Schneefeld, muss etwa bei P.2171 gewesen sein... Rutschfeld für meine Mitwanderer. Für mich wars eher ein panisches Mit-dem-Pickel-und-dem-Wanderstock-gleichzeitig-Rumeiern, leichte Schürfwunden und vereiste Finger inklusive. Überlebt hab ichs trotzdem ;) und seither weiss ich, wie man mit dem Pickel bremst und wie nicht. Learning by doing nennt man das wohl.

Im Stremtal wurde die (der?) Strem (bzw. jeder einzelne ihrer tausend Arme) überquert oder besser durchwatet. Schneeschmelze halt... weiter oben hätten wir über die unterspülten Schneereste laufen müssen, weiter unten hätte es eine wacklige Baumstammbrücke gegeben. So waren wir immerhin schnell drüben und konnten nach kurzer Fresspause den Anstieg zur Fuorcla in Angriff nehmen. Etwa am Ende der in der LK eingezeichneten Wegspur an P.2222 vorbei fing dann das Schneefeld an, das oben nahtlos in den Brunnifirn überging. Schnee, Schnee, Schnee... so langsam verlor ich meine Panik vor dem Ausrutschen und konnte sicherer zutreten. Zwischendrin konnten wir immer wieder auf Felsbänder ausweichen, ab dem kleinen See (P.2579) gabs aber nur noch Schnee. Anfangs flach, dann immer steiler gings die Fuorcla rauf, netterweise prima vorgetreten von Matthias und Tom, die uns weit voraus waren. Reto hatte Knieprobleme und musste alle fünf Minuten seine Knie mit Voltaren einschmieren... aber immerhin, die Sonne kam endlich mal raus!

Hier hab ich meine Grundpanik dann endgültig verloren - für den AUFstieg. Das Gefühl, im 35° steilen Gelände noch so viel Grip zu haben, hat mich doch sehr beruhigt.

Oben in der Fuorcla wurde dann Mittagspause gemacht, der Oberalpstock endgültig begraben und für den Gletscher angeseilt -- und die Steigeisen angelegt! Wir hatten sie gemietet, warum nicht benutzen? Auf den Brunnifirn lag allerdings so viel Schnee, dass wir sie wirklich nicht gebraucht hätten...

Weiter gings unspektakulär, aber sehr schön über den Gletscher zur unbewarteten Cavardirashütte, wo wir um 16 Uhr ankamen und Andreas trafen, der grade auf dem entgegengesetzten Kurs unterwegs war. Zu sechst hatten wir einen netten Abend und nach dem Anfeuern des dicken Ofens war auch der Schlafraum schön warm ;)

Tag 3: Cavardirashütte - Brunnipass - Lag Serein - Disentis (90hm hoch, 1600hm runter, WS, T5)
Los gings um 8:00 Uhr nach einem gemütlichen Frühstück in Richtung Brunnipass. Hier hatte meine Panik ihren grossen Auftritt: Wir seilten uns für den Gletscher nicht an und auch die Steigeisen blieben im Rucksack. Statt den LK-Wegspuren zu folgen (über den Gletscher ausholend zum weithin sichtbaren blau-weissen Kreis, der den Einstieg zum Weg auf den Pass anzeigt), stiefelten meine Begleiter schnurstracks ungefähr entlang dem Schriftzug "Brunnipass" auf der LK in Richtung Felswand. Steil und steiler gings das Schneefeld hinauf, schliesslich mussten sie unterhalb vom Pass einsehen, dass dort kein Hochkommen war, und versuchten ihr Glück 100m weiter (direkt unterhalb der Aluleiter zum Grat). Auf dem LK-Weg hätte es Seilsicherungen gegeben... hier nicht. Es waren zwar nur etwa 10m Kletterstrecke, aber ungesichert, ohne Übung oder alpine Klettererfahrung, im brüchigen und unzuverlässigen Fels mit 16kg Gepäck auf dem Rücken und dem Blick senkrecht nach unten auf den felsdurchsetzten Gletscher... brrrrrrrr! Tom half mir zum Glück und so konnte ich auch meine Schlüsselstelle überwinden. Ich gebe ihr ein persönlich empfundenes T6, obwohl sie vermutlich nicht mehr als T5 war (aber auch nicht weniger).

Oben gings weiter zum Pass und dort, wieder mit viel Hilfe von Tom und Dänz, an der Sicherungskette das Couloir hinab. Direkt unterhalb der Felswand fing dann auch gleich -- wer hätts gedacht -- wieder ein Schneefeld an... Wir hatten Andreas in der Hütte noch gefragt, der meinte lapidar: "Naja, ein paar wenige Schneefelder gibts noch..." Genauer gesagt gab es nur eins: von ganz oben bis auf etwa 2300m runter!

Hier konnte ich meine wieder aufsteigende Panik endlich überwinden, nach anfänglichen ängstlichen Serpentinen rutschte ich den Rest der Strecke auf dem Hosenboden und hatte erst noch Spass dabei... Im Rückblick war vieles lächerlich, aber wenn man seine Erfahrungen erstmal gemacht hat, wird man das schlechte Gefühl nicht so leicht wieder los. Ich war froh drum, es endlich angehen und überwinden zu können. In Zukunft werden mir Schneefelder wohl weniger Mühe machen... und Kletterstellen vielleicht auch?

Nach dem Schneefeld kam eine vom Schmelzwasser sumpfige Heidelandschaft mit tausenden von blühenden Enzianen, dann der immer breiter werdende Weg nach Disentis. Um 11:39 standen wir am Bahnhof -- um 11:44 Uhr fuhr der Zug und vier von uns hatten noch kein Billett... Es klappte dann quasi auf die Sekunde und wir sassen glücklich und müde im Zug nach Hause.

Tourengänger: 1Gehirner


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Kommentare (1)


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Runner hat gesagt: Schneefelder...
Gesendet am 26. Juni 2012 um 11:37
:-D das mit den Schneefeldern ohne Stöcke etc. kommt mir bekannt vor ;-). Schöne Tour...!


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