La Montagnola im Val Veddasca – Geschichten vom Mittelalter bis in die Gegenwart


Publiziert von Seeger Pro , 26. Januar 2012 um 20:57.

Region: Welt » Italien » Lombardei
Tour Datum:26 Januar 2012
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Aufstieg: 461 m
Abstieg: 461 m
Strecke:Garibiolo 566m – La Montognola 927m – La Montognola 931m – Pt. 819 Elektrizitätswerke – Alpe Inent 720m – Val Casmera – Ponte Romano 640m – Garabiolo 566m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto: Locarno-Magadino-Dirinella-Maccagno-Abzweigung Richtung Indemini-Garabiolo (Parkplatz ausgangs Dorf). Ö.V.: Private Autolinie Luino – Maccagno – Garibiolo
Zufahrt zum Ankunftspunkt:dito
Unterkunftmöglichkeiten:Restaurant in Garibiolo und Maccoagno (Lebensmittelgeschäft bei der Brücke)
Kartennummer:1332 Brissago 1:25’000

Val Veddasca ist ein abgeschiedenes Tal parallel zum Lago Maggiore, beginnt in Maccagno (an der Seestrasse nach Luino) und endet auf dem Passo di Neggia oberhalb Indemini. Dank seiner West-Ost-Lage ist die orographisch rechte Flanke ein Sonnenhang, entlang welchem sich die enge und kurvige Strasse von Dorf zu Dorf schlängelt.
In Garibiolo 566m mit seiner typisch italienischen Barock-Kirche und den vielen guterhaltenen Steinhäusern, durch welche sich enge Gässchen zwängen, starten wir, ausgerüstet mit der LK Brissago. Im obersten Teil führt die ehemalige, steingepflästerte Strasse in den Wald ins Val Casmera hinein, wo sie nach Cadero aus dem Graben wieder hinaus führt.
Rund 200m vom Dorfkern entfernt zweigt der Weg schlecht sichtbar – und gar nicht so wie auf der Karte angegeben – nach links über den breiten Rücken empor. Sonnenhang und angenehm warm. Mit viel Gespür können Wegspuren, ja sogar Steinmännchen ausgemacht werden. Das Gelände ist sehr geduldig. Nur immer schön aufwärts und plötzlich erscheint inmitten der Wildnis ein quasi Golfrasen – Umgebung eines schönen Anwesens. Dort erreichen wir die Zufahrtsstrasse „von oben“, welche uns nun begleitet bis La Montognola 927m. Bauten einer mittlerweile abgebrochenen Seilbahn von Campagnano herauf wittern ganz friedlich vor sich hin. Diese Seilbahn war im II. Weltkrieg für den Bau der Hochspannungsmasten und Druckröhren der Lago Delio-Anlagen gebaut worden. Ganz freiwillig sollen die Arbeiter hier oben nicht gewesen sein, erzählt die Geschichte.
Nun ist die Kuppe La Montognola 931m nur noch ein Katzensprung entfernt. Die Hochspannungsmasten wurden abgebrochen und weiter südlich neu aufgebaut. So ist diese Anhöhe recht unberührt. Man könnte aufgrund der Karte einen atemberaubenden Tiefblick zum Lago Maggiore erwarten. Dem ist aber wegen dem üppigen Birkenbewuchs rundweg nicht möglich. Doch lugen der Gridone, Monte Lema und eine Vielzahl von Hügel und Berge Richtung Varese über und durch den Wald.
Mittagessen: Menü 1 mit Appenzeller Biberli. Kalt trotz Sonnenschein. Windig.
Nach kurzer Rast zur Strasse und weiter an militärischen Anlagen und Druckröhrendeponie vorbei zu Pt. 819 Elektrizitätswerke hinunter. Geschichten über Garibaldi, Geschichten über Partisanenkriege, Geschichten über Zwangsarbeit, Geschichten über Grenzbesetzung im II. Weltkrieg. Mich schaudert. Wir erreichen die Fahrstrasse zum Lago Delio. Zur Rechten erscheint eine riesige Transformatoren-Station, umgeben von ausgedehnten Laubwäldern. Welch ein Kontrast!
Und gleich stechen wir nach rechts hinunter ins Val Casmera. Ein breiter, mit Geländefahrzeug befahrbarer, Weg führt in vielen Kurven entlang der orographisch rechten Flanke zur Alpe Inent 720m hinunter. Die oberen Häuser sind verwahrlost, als seien Aussteiger auf einem Hightrip auf die Idee gekommen, die Häuser zu restaurieren. Im Brake-Down haben sie es verlassen. Trostlos. Kindersitzli und Kinderspielzeug liegen lieblos hingeworfen in der ehemaligen Waschküche. Zeugen einer traurigen Geschichte. Wenn das Pandabärlein sprechen könnte? Weiter unten sind Häuser „da vendere“ und ganz unten eines in gutem Zustand. Liegt es am Tal? Liegt es an den Bewohnern?
Wir waten durch hüfthoches Laub Richtung Ponte Romano 640m. Mitten im Wald überspannt sie seit dem Mittelalter mit etwa 15m Länge in rund 10m Höhe den Bach, welcher in seinem tiefen Graben dahin plätschert. Der alte Veddasca-Weg ist wieder erreicht. Ein Weg, welcher für sich eine Geschichte schreiben könnte. Aber warten‘s wir ab! Ich hab da so eine Idee!
Nun auf der gleichen Seite weiter Richtung Garabiolo 566m.
Aus dem düstern Val Casmera an die Sonne. Hoffentlich ist es mit den Geschichten auch so. Oder wie es heisst: „Die Sonne bringt es an den Tag“. 

Tourengänger: Seeger


Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentar hinzufügen»