Alpe und Pizzo della Cazzana


Publiziert von Zaza , 30. September 2007 um 09:58.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:15 September 2007
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Pizzo Biela 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 3000 m
Abstieg: 1800 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Postauto Bignasco - Val Bavona bis Fontana bzw. Foroglio
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Postauto Bosco Gurin - Cevio (wenige Kurse)
Unterkunftmöglichkeiten:Allenfalls Alpe Cranzünasc (Corte di Cima ist offen)
Kartennummer:1271, 1291

Dies war eine zweitägige Aktion, wobei wir dazwischen ins Tal zurück kehrten. Ferien als Luxus-Hikrs...Wer Gebüsch nicht scheut, kann die beiden Touren zu einer strengen Tagestour verbinden und den Pizzo della Cazzana überschreiten.

Am ersten Tag war das Ziel die Erkundung des Pfades der Alpe Cazzana. Da die Alp bereits 1902 aufgegeben wurde, durften wir nicht von guten Wegverhältnissen ausgehen. Tatsächlich handelt es sich um einen der anspruchsvollsten Alpwege im Val Bavona. Da der Weg nie auf einer Karte eingetragen war, gestaltet sich die Orientierung nicht einfach.

Man startet in Foroglio und folgt zunächst dem guten, markierten Pfad ins Val Calnègia. Bei der Brücke in Puntid verlässt man den Weg und geht zu den Hütten von Puntid di La. Hier steigt man direkt Richtung Süden in den Wald hinauf. Wenn man etwas rechts hält, stösst man bald auf einen recht guten Pfad, der bis zu P. 1084 hinauf führt. Er wurde offenbar Mitte der 90er Jahre benutzt, als in diesem Wald, bis auf etwa 1100 m hinauf, Bäume gefällt wurden. Nun hält man ansteigend gegen die Flanke des Val Calnègia (etwa Richtung SSW), wobei der Weg stellenweise noch zu erkennen ist. Nach einiger Zeit macht er einen Schlenker zurück (SE) und führt dann über Reste von Treppen zu den interessanten, halb überwachsenen Ruinen von Corte di Fondo (1441 m). Diese Stelle ist auch auf wilden Routen, von Vezia (im Val Calnègia, SW von Puntid) oder von Dreiom (z.B. über die Corona die Cristiani) zu erreichen.

Der weitere Aufstieg nach Corte di Cima (1850 m)ist kaum präzis zu beschreiben. Zunächst erklimmt man links, neben der einzigen intakten Hütte (Reste von Treppen) einen Felsgürtel und folgt dann auf lange Strecke einem ansteigenden Band nach rechts. Sobald möglich, ersteigt man nun den nächsten Felsgürtel steil linkshaltend, bevor man zu einer Ruine auf etwa 1600 m kommt. Im weiteren steigt man grundsätzlich zwischen einer plattig-felsigen Rinne rechts und einer verbuschten Rinne links auf. Dazwischen stösst man immer wieder auf Felsgürtel. Wo sich diese nicht gut ersteigen lassen (1-2 Stellen), steigt man kurz in die verbuschte Rinne ein. Falls man die gleiche Route im Abstieg wieder begehen will, empfiehlt es sich, sich einige wichtige Punkte zu merken. Immerhin stösst man da und dort auf Steinmännchen.

Hinweis: Man sollte sich auf gemächliches Vorwärtskommen einstellen. Wir haben – ohne grosse Verhauer - etwa 3 ¾ h bis Corte di Cima gebraucht. Die Zeitangabe im SAC-Führer (R. 378) – 6 h von Foroglio zur Bocchetta d’Orsalia, via Cazzana, Pisom und Orsalietta – ist offensichtlich unrealistisch. Man rechne eher mit 8-9 Stunden.

Die Hütte bei Corte di Cima ist intakt und verschlossen. Es ist unklar, wie sie erreicht wird – der Besitzer wird kaum die gleiche Route wählen wie wir. Immerhin setzt etwas oberhalb eine geputzte Spur an, die sich bald verzweigt: Schnittspuren führen abwärts, Richtung Pisom. Eine andere Spur führt aufwärts und verliert sich alsbald. Wer den Kampf mit Erlen nicht scheut, kann auf dieser Route den Pizzo della Cazzana erreichen, oder zumindest bei P. 2141 seinen Ostgrat überqueren, um die Normalroute zu erreichen (siehe unten).

 

Anderntags war ein Besuch beim Pizzo della Cazzana vorgesehen. Dazu steigt man in Fontana aus, überquert eine schöne Steinbrücke und folgt dem Weg der Alpe Cranzünasc durch eine enorme Blockhalde zu P. 855. Es ist wichtig (aber nicht einfach), in diesem Abschnitt den Weg nicht zu verlieren. In der Folge ist er ziemlich gut erhalten und markiert. Auf etwa 1200 m stösst man auf einen enormen Erdrutsch. Auf eine Breite von etwa 100 m ist auf grosse Distanz der ganze Boden inkl. Bäumen abgerutscht, so dass der nackte Fels zum Vorschein kommt. Dieser Abschnitt ist mühsam, doch sind Aufräumarbeiten im Gange. Ab Corte di Fondo ist der Weg wieder ok und man erreicht ohne Probleme Corte di Cima, wo wir auf enorme Schaf- und Ziegenherden trafen. Man steigt von hier auf offensichtlicher Route auf den SW-Grat des Pizzo della Cazzana und folgt ihm bis kurz unter den Gipfel. Dann quert man nach links und kraxelt über den schwach ausgeprägten WNW-Grat auf den Pizzo della Cazzana, der einen schönen Tiefblick ins Val Calnègia bietet.

Der Abstieg erfolgt am besten ins Val Rovana. Dazu quert man die oberen Weiden der Alpe Cranzünasc und steigt in die Bocchetta di Cerentino auf. Von hier kann man (direkter, aber mehr Abstiegsmeter) nach Corino/Cerentino oder (weiter) nach Bosco Gurin absteigen.

 

Anforderungen:

Foroglio – Alpe Cazzana: T5

Fontana – Alpe Cranzünasc – Btta di Cerentino - Bosco Gurin: T4

Abstecher zum Pizzo della Cazzana: T5, II

Tourengänger: Zaza, Aurora

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen

T4
16 Sep 07
Alpe Schied · Zaza

Kommentar hinzufügen»