Tälliklettersteig - Engstlensee - ein Sommertraum


Publiziert von Jackthepot , 11. Februar 2012 um 21:22.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Oberhasli
Tour Datum:31 August 2011
Klettersteig Schwierigkeit: ZS
Wegpunkte:
Geo-Tags: Titlis und Wendenstockgruppe   CH-BE 
Aufstieg: 670 m
Abstieg: 780 m
Strecke:Tällibahn -Tällihütte - Klettersteigeinstieg- Klettersteig bis zur Gadmerflug - Abstieg zum Engstlensee
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Susten(pass)strasse - Furen, Talstation Luftseilbahn der KWO.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Engstlenalp

Bei diesem Klettersteig darf man schon ins Schwärmen kommen. Der Tälli - erster Klettersteig der Schweiz - führt durch die steilen, grasgebänderten Wandfluchten unterhalb der Gadmerfluh. Je höher man kommt, umso gewaltiger wird der Ausblick, umso beindruckender der Tiefblick, umso abwechslungsreicher, spannender das Klettersteigvergnügen....und dann noch unterwegs bei bestem Wetter.
Klettersteiglerherz was will man mehr.

Ich will dieses Mal gar nicht so viel über die Route sinnieren (es sind ja einige Fotos zum Durchklicken, die geben den Routen verlauf fast vollständig wieder), sondern auch ein bischen die Eindrücke wiedergeben, die man gewinnt, wenn man in diesem Steig unterwegs ist.

Zum Einstieg: Mit der Luftseilbahn (fährt ohne Fahrplan nach Bedarf) fährt man hoch zur Tällihütte SAC. Dort steigt man rechts der Hütte dem Wegweisern folgend auf einem blau-weiss markierten Steig wenig steil hoch. Diesem Pfad folgt man eine halbe Stunde unter den imposanten Felswänden der Gadmerflueh bis zu den ersten Sicherungsseilen. Man quert zwei Geröllrinnen, steigt über einen Hügel hoch, quert wieder eine Rinne und gelangt über einen weiteren Hügel in eine Scharte. Dort beginnt der eigentliche Klettersteig (Klettersteigset anlegen – lohnt nicht früher) - siehe auch Topo (letztes Foto).
Der Klettersteig:  ... von nun an eigentlich immer dem Sicherungsseil folgen... ok - zwei, drei (Geh-)Stellen auch ohne Seil. Der Steig nutzt geschickt zumeist flache Grasbänder, die die ganze, von unten betrachtet scheinbar unbezwingbare Felswand durchziehen. Der Wechsel von einem zum nächsten, höher liegenden Band stellt dann die jeweils etwas anspruchsvollere Klettersteigpassage dar. Aber keine Angst, es gibt immer vorbildliche Sicherungen, viele Tritt- und Griffstifte , auch viele Leitern. So kommt nie ein mulmiges Kribbeln im Magen auf. Gleich am Einstieg, nach der ersten Leiter die Querung einer luftigen Platte auf Stiften ist wohl die schwierigste Stelle, weiter oben beim 'Turm', der Spreizschritt von der einen zur anderen Leiter hinüber - hat was; kurz danach gelangt man in eine hohe Wandpartie, in der drei Leitern jeweils durch ausgesetzte Querungen miteinander verbunden sind -knackig, wenig später ist eine letzte sehr ausgesetzte Stelle zu überwinden. Dennoch eine wahre Genußtour, die auch ihre landschaftlichen Reize hat. Der Blick nach Süden hinüber zu den weiten Gletscherfeldern von Stein- und Triftgletscher und ihren darüberliegenden Dreitausendern. Markant jedoch die vergletscherten Gipfelzacken der Fünffingerstöcke - das Bergbild der Tour schlechthin. Ordentlich zupacken darf man dann noch auf den vielen Leitern des Schlußanstieges bis der Steig auf einem flachen, schottrigen Grat ausläuft.
Es ist kein Gipfel an dem der Steig endet, eher eine Senke zwischen 2 Gipfeln, auf der das 'Gipfel'zeichen steht. Rasten, Ruhen, Verpflegen und natürlich das gewaltige Ost-Süd-West-Panorama-genießen ist angesagt.

Der Abstieg zum Engstlensee beginnt unangenehm. Übles, loses grobsteiniges Geröll in steilem Gelände. Jeder Schritt/Tritt will wohl überlegt sein- meine Treckingstöcke- verhindern so manchen ungewollten Ausrutscher/Sturz. Oben ist der Weg ganz gut zu finden (Weiß-blaue markierungen/Stöcke/'Stofffetzen'), später kommt man auf eine karstige, flache Hochfläche, wo es nicht so einfach ist. Wer zum Engstlensee will darf sich zumindest nicht links halten. Geradeaus und wenig rechts - hin und wieder ein Steinmann, eine plötzlich auftauchende Markierung. Dann eine Scharte im Fels, durch diese hinunter und schon bald ist das Geröll Vergangenheit - Gras und Strauchwerk gewinnt die Oberhand. Endlich der langersehnte Wegweiser: links zur Tällihütte / Sätteli (das nächste Mal), rechts Engstlensee. Der Weg ist noch weit aber nicht mehr zur verfehlen.

Resume: der Tälli ist ein nicht sonderlich schwieriger Klettersteig und immer bestens gesichert. Irgendwie bleiben bei mir die Passagen auf den flachen Grasbändern in Erinnerung, die steilen und luftigen Felspassagen treten in den Hintergrund. Dennoch erfüllte mich am Schluß der Tour höchste Zufriedenheit in so einer herrlichen Gebirgslandschaft unterwegs gewesen zu sein - ich werde ich sicherlich wiederkommen.





Tourengänger: Jackthepot

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Kommentare (3)


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alpstein Pro hat gesagt: Großartig!!!!!
Gesendet am 11. Februar 2012 um 21:45
Hallo Harald,

super Bilder. Meine Liste der Bergziele wird so immer länger.

Wär's nur schon wieder so sommerlich ;-)

Beste Grüße
Hanspeter

Felix Pro hat gesagt: toll, toll!
Gesendet am 13. Februar 2012 um 20:25
Genauso wie Hanspeter - vermelde ich eine weitere Projekttour ...

Fantastisch gemacht, beschrieben und bebildert - herzlichen Dank, Harald!

lg Felix

Jackthepot hat gesagt: RE:toll, toll!
Gesendet am 21. März 2012 um 21:11
Hi Felix,
Ich komm einfach nicht mehr rum mich zu bedanken, oder mich sonst wie zu mal melden...du bist ja fast 'tagtäglich' unterwegs >>Neid<< Hab' von dir schon fast alles immer durchgeklickt, sammle auch fleißig Anregungen für meinen nächsten (aber wahrscheinlich sehr fernen) Schweizurlaub.
Grias di Harald


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