Mont Blanc über Aiguilles Grises


Publiziert von Mandinka , 4. September 2011 um 14:18.

Region: Welt » Frankreich » Massif du Mont Blanc
Tour Datum:26 August 2011
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS-
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: F   I 
Zeitbedarf: 3 Tage
Aufstieg: 3050 m
Strecke:Courmayeur - Gonella Hütte - Aiguille Grises - Dome de Gouter - Gouter Hütte - Mont Blanc
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Bis nach Courmayeurund von dort weiter Richtung MontBlanc-Tunnel ins Val Veny, welches kurz vor dem Tunnel nach links abzweigt.
Unterkunftmöglichkeiten:Campingplätze im Val Veny, Gonella Hütte, Gouter Hütte, Valot Biwak

Was für jedes Kind ein Überraschungsei ist, das dürfte diese Tour für uns gewesen sein. Es sollte eine großartige Tour werden und war ein Abenteuer mit vielen Überraschungen. Und ehrlich gesagt, ich weiß nicht wie ich die hier in Kürze darstellen kann :-)

Den Mont Blanc über die Gouter Hütte anzugehen war für uns von vornherein ausgeschlossen. Dafür gab es zwei bedeutende Gründe: zu viele Menschen auf der einen Seite und zum anderen suchten wir einen etwas anspruchsvolleren Zugang zum Berg. Darum entschieden wir uns für den Weg über die Gonella Hütte von Courmayeur aus, also den italienischen Normalweg. Nur etwa 10 Prozent aller Gipfelaspiranten entscheiden sich für diesen Weg und zu dieser Jahreszeit ist dieser Weg mit Sicherheit keine Option für unerfahrene Begeher und technisch unversierte Bergsteiger.

Unseren ersten Tag versuche ich etwas abzukürzen...wir sind mit dem Auto bis nach Courmayeur gefahren. Dort ging es bis zum Zeltplatz Monte Bianco "La Sorgente", welcher direkt im Val Veny liegt. Val Veny ist das Tal linker Hand am Ende von Courmayeur. Nach einer erholsamen Nacht sind wir noch etwa 10 Minuten weiter in das Tal hineingefahren, bis eine Schranke den Weiterweg verhindert. Frühes Dasein hilft an dieser Schranke auch noch einen Parkplatz zu ergattern! Von hier ging es los:

Der Weg bis zur Gonella Hütte, unser erstes Ziel, ist nicht schwierig. Zuerst sind wir weiter der Straße gefolgt, bis diese sich am Sumpfgebiet "Lago Combal" teilt. Hier hält man sich rechts und ein Weg führt direkt an den Fuß des Miage-Gletschers. Am Rande des Gletschers bewegt man sich erst auf einer gratähnlichen Aufschüttung, bis man sich in die Mitte des Gletschers begibt (von hier ist der Weg mit Steinmännchen und gelben Punkten markiert). Es folgt ein langwährender Weiterweg durch den schuttbedeckten Gletscher. Nach etwa 2h münden rechter Hand der Mont Blanc- und danach der Dome-Gletscher in den Miage-Gletscher. Im Verlauf des Dome-Gletscher befindet sich auf seiner linken Seite, auf etwa halber Höhe die Gonella Hütte. Diese kann man von hier schon sehr gut erkennen. Der Weg zur Hütte folgt aber noch einem Stück dem Miage Gletscher. Dieser ist auf seiner rechten Seit nun sehr zerschlissen und von Spalten durchzogen. Wir haben erst den Fehler gemacht und versucht einen Weg durch das Spaltengewirr zu finden. Aber hoch- und runterpickeln, sowie Sackgassen kosten nur endlos Zeit. Richtigerweise quert man den Gletscher etwas weiter vorne nach links hinüber und quert ihn etwas später wieder nach rechts. Und das alles fast ohne Schwierigkeiten :-)

Hier wird nun der Gletscher verlassen und ein Pfad führt (völlig übermarkiert mit gelben Punkten, die schon aus Kilometern Entfernung sichtbar sind) zuerst in einen etwas grasigen Felsteil. Dieser Weg zieht wieder um den Fels herum, in das Tal des Dome-Gletschers. Immer schön abwechslungsreich und zum Teil mit Seilen versichert geht es am Ende etwas klettersteigmäßig bis zur Gonella Hütte. Wir haben diese nach insgesamt etwa 5h erreicht. Hier beginnt unser Abenteuer:

Der erste Schock: Wir waren die einzigen auf der Hütte!!! Wenige Menschen ist ja etwas tolles...aber bei den Wetteraussichten für das WE sollte doch mehr los sein...was also war los? Der Wirt kam gleich zu uns und meinte er hätte den Weiterweg über den Gletscher gesperrt! Wegen der übermäßigen Schmelze dieses Jahr nicht mehr passierbar im Moment. Wir wußten es gab noch den Weg über die Aiguilles Grises. Aus Führern wußten wir auch, dass man den Zustig bis zum Grat der Aiguilles Grises besser am Tag davor erkundet...da sich der Zustieg bei Dunkelheit als sehr schwierig erweisen soll. Also bin ich zusammen mit Thomas noch einmal los...300 Höhenmeter zusätzlich bis zum Grat. Kurz gesagt...weglos, steinschlaggefährlich, Stellen bis zum III. Grad und kraftraubender Schutt überall. Später haben wir uns mit dem Hüttenwirt zusammengesetzt und die Möglichkeiten erörtert. Denn es gab noch eine andere...bis zum Grat der Aiguille Grises. Dort kann man direkt auf den Bionnassay-Gletscher gehen. Laut unserem Wirt sollte dieser gut zu begehen sein. Diesen bis in Höhe des Col des Aiguilles Grises und dort eine 40 Grad Eiswand nach oben. So sollte es sein, dachten wir uns! Da es die Nacht schneite....verschoben wir unseren Start auf 07:00. Dann sollte es besser werden. 

Mit Sack und Pack gestaltete sich der Weg hoch auf die Aiguilles Grises nicht so einfach. Erschwerend kam der gefrorene Neuschnee dazu. Wobei dieser auch seine guten Seiten zeigte und der Schutt viel fester lag, als er dies ungefroren am Tag davor tat. Nach eineinhalb Stunden Standen wir auf  3382m und es ging auf den Bionnassay-Gletscher linkerhand. Anfangs machte dieser wirklich einen guten Eindruck. Spalten waren gut zu sehen, es gab fast überall Brücken zum Überqueren dieser und alles in allem einfach zu begehen. Nach einer halben Stunde jedoch steilte der Gletscher nach unten immer mehr ab, die Auflage wurde mehr und mehr zu blankem Eis. Zudem droht wohl (vor allem an wärmeren Tagen) von der rechten Seite scheinbar ziemlich massiver Steinschlag. Wir querten deshalb an der ersten ausstehenden Felsrippe wieder in diese hinein. Hier begann wohl der ungemütlichste Teil unserer Tour, auf den man sicher gerne verzichtet hätte.

Die Querung bewegte sich durch etwa 40-50 Grad steiles Gelände in kombinierter Kletterei. Wobei diese eigentlich nicht schwierig gewesen wäre, unter normalen Umständen. Aber wie gesagt...es war fast alles gefroren und zugeschneit. Nachdem zwei Mitgänger in einer Eisquerung abgerutscht waren (dem Seil sei dank ;-) entschlossen wir uns wieder auf die Aiguilles Grises hoch zu steigen. Also suchten wir uns in leichterer Kletterei einen Weg nach oben. Scheiß gefährlich!!! Zwischendurch habe ich im Eis und einem Pickel in der Hand das "Weich den vielen Steinen aus"-Spiel gespielt. Oben angekommen wurde es mir gleich wieder etwas besser im Magen. Es ging in einfacher Kletterei weiter auf dem Grat bis zum Piton des Italiens. Ab hier ging es nur noch auf Firn weiter und es stockte uns ein wenig der Atem beim Anblick des Überganges vom Piton des Italiens zum Dome du Gouter. Der wurde wahrscheinlich schon so lange nicht mehr begangen, dass er so spitz war, wie ein Grat nur sein kann...puhhhh...nun ja, es musste ja weiter gehen. Wir stiegen also weiter und weiter bis wir endlich auf dem Dome du Gouter standen, in 4306m Höhe. Die perfekte Akklimatisation für den morgigen Tag. Dann ging es wieder hinunter in Richtung Gouter Hütte. Weil wir es spannend mögen, verfehlten wir gleich den verwehten Normalweg zur Hütte, gingen viel zu weit in Richtung des Taconnaz-Gletschers. Wieder zurück kam für uns nicht in Frage (verantwortungsvoll wie wir sind) also querten wir einfach wieder herüber über den spaltenreichen Gletscher. Hier durften wir dann auch die wohl unvergesslichste Schrecksekunde erleben...als Ivan sich etwas unfreiwillig entschied einen schnelleren Abstieg zu wählen. Auf einem kurzen Steilstück rutschte er aus und es ging gute 300m auf dem Gletscher abwärts. Dank der Geschwindigkeit ohne Spaltensturz, dank seinem Schutzengel ohne große Plessuren und dank seines Pickels nicht bis ins Tal. Nun gut! Alles überstanden und endlich in der Gouter Hütte angekommen! Wo war das Seil? Es war im Rucksack und das muss auch nicht diskutiert werden.

Wie es nun von hier weiter geht steht in tausenden anderen Berichten, denn es ist das letzte Stück des Normalweges. Mit gefühlten 500 Menschen verbrachten wir die Nacht in der Hütte. Um zwei Uhr wurde geweckt. Habe ich erwähnt, dass ich in der Hütte die Preise für Getränke unverschämt finde?!?! Egal! Wir setzten uns zum Frühstück und liesen die meisten Seilschaften vorneweg ziehen. Wir gingen mit dem letzten Drittel aus dem Haus, kamen allerdings dank unserer guten Akklimatisation als zweite Gruppe am Gipfel an. Wir verzichteten auf ein Seil, wie fast auf dem gesamten Berg. Einfach auch aus dem Grund, dass die Spaltensturzgefahr sehr viel geringer einzuschätzen war...als ein Mitreisser durch den Sturz eines Seilkameraden. Wir hatten super Aussicht, keine Wolken, aber einen höllischen und eisigen Wind! 

Hinunter ging es dann in einem Ritt...nach 3000m Abstieg enschieden wir uns die letzten Höhenmeter mit der Seilbahn (nicht der Zahnradbahn) bis nach Les Houches zu fahren.

Alles in allem...eine ungewöhnliche Tour, mit vielen Überraschungen und ganz und gar nicht der Normalweg :-)

Tourengänger: Mandinka

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Kommentare (2)


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garaventa hat gesagt:
Gesendet am 9. September 2011 um 11:41
zunächst gratuliere ich Euch zu dieser langen Tour, welche tatsächlich auf sehr ungewöhnlicher Route durchgeführt wurde.

Ein Anruf beim Hüttenwirt der Gonellahütte vor Tourenbeginn hätte aber sicher einiges angenehmer und vor allem sicherer für Euch gestalten können.

Ich habe vor 3 Wochen erst diese Tour als Abstiegsvariante hinunter vom MB gewählt und da war die Begehung des Glacier du Dome schon eine sehr heikle Angelegenheit.
Dass der Hüttenwirt die Route inzwischen gesperrt hat, kann ich absolut nachvollziehen.

Daher immer vorab kurz informieren, ob die aktuellen Verhältnisse eine Tour so wie geplant auch zulassen.

Gruss garaventa

Mandinka hat gesagt: RE:
Gesendet am 9. September 2011 um 16:28
DANKE für deinen Kommentar. Habe mir eben deine Tour über den Peuterey-Grat angeschaut...sehr toll! Wir wollen im nächsten Jahr den Brouillard-Grat gehen.

Was das Anrufen angeht...das habe ich getan. Der Hüttenwirt hat aber zwei Tage davor noch gemeint...es wäre nicht mehr so einfach, aber möglich. Aber nichts desto trotz...wir waren auch am überlegen ob wir trotzdem die Gletscherroute nehmen...der Wirt meinte, man würde schon mit der nötigen Ausrüstung rüberkommen und wir hatten ja sämtliche Eisgerätschaften dabei. Naja...so haben wir auch was erlebt und was ich auf jeden Fall gelernt habe...am besten EINEN Tag vorneweg anrufen und nicht zwei :-)


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