Piz Lagrev 3164,5 m - ein Gletscher und viel, viel Geröll


Publiziert von Ivo66 Pro , 3. September 2011 um 20:55.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberengadin
Tour Datum: 3 September 2011
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS-
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1350 m
Abstieg: 1350 m
Strecke:Julierpassstrasse (ca. 2050 m) - P. 2011 - Lejets da Muttaun - Lej da la Tscheppa - P. 2798 - Vadret Lagrev - P. 3085 - P. 3109 - Nordostgrat - Piz Lagrev
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auf der Engadiner Seite des Julierpasses befindet sich auf etwa 2050 m. ü. M. eine grosse Abstellfläche.
Kartennummer:1:25'000 St. Moritz und Bivio

Der Piz Lagrev ist einer jener Berge, deren Besteigungen wohl zu über 99 % im Winter mit Skis erfolgen. Die Erklärung dazu ist einfach: Die Sommerbesteigung ist lange, sehr lange und verläuft zu einem schönen Teil über weitgehend mühsam zu begehende Moränenschutthalden, Geröll und nochmals Geröll. Der Reiz einer Sommerbesteigung liegt in der Einsamkeit und im gut 1 km langen Schlussgrat, der im Sommer einfach und gefahrlos zu begehen ist, während für die meisten Skitourengänger auf dem Vorgipfel P. 3109 m Schluss sein dürfte. Hinzu kommt ein Auf- und Abstieg über einen ganz ordentlichen Gletscher, der zwar gegenüber unserer ersten Lagrev-Besteigung im Jahre 2003 doch einiges an Ausmass verloren hat.

Und nicht zu vergessen: Die von uns begangene (längere) Route führt über eine prächtige Alpterrasse hoch über dem Oberengadin, die ihren Höhepunkt im traumhaft schönen Lej da la Tscheppa findet, dem für mich schönsten der mir bekannten Bergseen. Dieser See hatte heute eine türkis- bis dunkelblaue Farbe, fast wie das ebenso glasklare Meer in Griechenland, und ist schon für sich alleine ein attraktives Wanderziel.

Der Piz Lagrev bietet ein herrliches Gipfelpanorama, wobei heute die Sicht durch die trübe Luft etwas eingeschränkt war. Der Aufstieg über den Lagrev-Gletscher vermittelt etwas Hochtourenfeeling; bis fast hinauf zu den Gipfelfelsen wartet der Gletscher mit nur wenigen, dafür umso besser sichtbaren Spalten auf, die zudem sehr schmal sind und keine Gefahr darstellen. Ganz oben aber, kurz bevor man den Gletscher zum gerölligen Aufstieg zu P. 3085 m verlässt, präsentiert sich hingegen eine recht tückische Querspalte zunächst offensichtlich und scheint gegen Osten schmaler zu werden. Doch aufgepasst: Sie ist gegen Osten mit einer harten, aber zu dünnen Firnschicht zugedeckt - der Test mit dem Pickel deckte die lauernde Gefahr auf. Also Abstand halten und besser etwas weiter unten queren.

Routenbeschreibung:

Julierpassstrasse - Lej da la Tscheppa (T2)

Entlang der Julierpassstrasse steigt man auf einem schmalen Pfad etwas ab und trifft bald auf die Brücke bei P. 2011 m, wo man auf den markierten Wanderweg trifft, der in den Wald hineinführt. Bald ist die Abzweigung Richtung Lej da la Tscheppa signalisiert. Der Bergweg ist ab und zu etwas ruppig, aber nirgendwo zu verfehlen. Er führt in vielen Kehren hinauf auf eine weite Alpterrasse hoch über dem Oberengadin. In einigem Auf und Ab (das im Abstieg dann sehr lästig wird...) quert man zum wunderschönen Lej da la Tscheppa.

Lej da la Tscheppa - Vadret Lagrev (T3+)

Wir wanderten zum Teil auf Pfadspuren und entlang einiger Steinmänner dem östlichen Seeufer entlang. Hat man das nördliche Seeende erreicht, wendet man sich nach Südwesten, wobei man immer wieder auf Pfadspuren und/oder Steinmänner trifft. Man kann auch auf der markanten Moräne aufsteigen und peilt in jedem Fall P. 2798 an, den wohl am wenigsten unangenehmen Zusteig zum Gletscher. Im Bereich von P. 2798 m wird man die grosse hölzerne Tafel entdecken, die in Richtung des bereits sichtbaren Gletschers steht (eine Tafel, welche das Wildschutzgebiet erklärt).

An dieser Tafel vorbei quert man etwas mühsam geröllige Moränenhänge und traversiert ohne nennenswerten Höhenverlust zum Gletscher, den man an jeder beliebigen Stelle betreten kann.

Aufstieg über den Gletscher zu P. 3085 m (WS-)

Der "Hochtouren-Teil": Der Gletscher ist nicht allzu steil; Steigeisen und Pickel waren sehr angenehm, da der grösste Teil des Gletschers um diese Jahreszeit ausgeapert ist. Man steigt über ihn beliebig auf, und weicht immer wieder Hindernissen wie harmlosen Spalten oder Gletscherbächen aus. Gegen oben wird der Gletscher flacher.

Wir stiegen im mittleren Teil zunächst in einem Bogen nach rechts ausholend auf und traversierten im flacheren Bereich nach Osten, also in Aufstiegsrichtung gesehen nach links. Bald erkennt man die markante Spalte, die besondere Vorsicht erfordert (siehe die Bemerkungen am Anfang des Berichts in der Einleitung).

Am angenehmsten erreicht man den Gipfelbereich, wenn man im oberen Teil des Gletschers gegen Osten hält. Über Schutt und Geröll steigt man zu P. 3085 m auf bzw. lässt diesen links liegen und erreicht den Grat, der zum Wintergipfel weiterführt.  Auf P. 3085 m ist übrigens eine Wetterstation oder so etwas ähnliches platziert. 

Weiter zum Wintergipfel und über den Nordostgrat zum Hauptgipfel (T4)

Über den zum Teil schmalen, aber einfachen Grat steigt man etwas ab und dann zu P. 3109 m auf, dem Wintergipfel. Der Grat ist im Bereich des Wintergipfels eher ein gerölliger Rücken.

Vom Wintergipfel ist der weitere Verlauf offensichtlich: Möglichst immer dem Grat entlang, ab und zu wird man ganz kurz in die Südostflanke ausweichen, an den meisten Stellen ist der Grat aber sehr gut begehbar und nur wenig ausgesetzt.

Wichtiger Hinweis: Wildschutzgebiet

Diese Route darf in der Zeit vom Dezember bis Juni nicht begangen werden (Wildruhezone, Infotafel)

Tourengänger: Ivo66, Lena

Galerie


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Kommentare (2)


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rolf23 hat gesagt: Spalten
Gesendet am 2. September 2016 um 23:13
Von den Spalten habe ich am 1.9.2016 nichts mehr gesehen. Dafür aber wirklich viel Steinschlag von den steilen Hängen. Ich habe mich deshalb auf dem wohl immer kleineren Gletscher ziemlich in der Mitte gehalten.

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:Spalten
Gesendet am 4. September 2016 um 17:24
Ja, die Spalten sind meines Erachtens auf diesem Gletscher ohnehin harmlos; Steine hat's schon sehr viele - der Berg brösmelt weiter vor sich hin...


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