Wiessner-Kees am Sass d'Ortiga


Publiziert von Martina , 30. August 2011 um 22:22.

Region: Welt » Italien » Trentino-Südtirol
Tour Datum:11 August 2011
Klettern Schwierigkeit: VI (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zufahrt zum Ausgangspunkt:von San Martino di Castrozza nach Fiera di Primiero und Richtung Passo Cereda abbiegen. Nach einigen Kehren folgt Abzweigung ins Val Canali und bis zum Parkplatz (ca. 1,5km nach Restaurant Cant del Gal - beschildert)
Unterkunftmöglichkeiten:Treviso Hütte sehr empfehlenswert

Nachdem wir von der Schleierkante abgestiegen sind, gings ab ins Val Canali. Zum Abendessen kamen wir gegen 19.30 Uhr noch gerade recht am Rifugio Treviso an. Die Hütte ist in rd 30min vom Parkplatz über einen Wanderweg zu erreichen. Auch auf dieser Hütte war die Verpflegung wieder erstklassig, primi piatti und secondi piatti eben :)

Am nächsten Tag starteten wir nach einem gemütlichen Frühstück, wir rechneten nicht damit, dass viele Leute diese Route klettern, stand doch im Führer das sich dort kaum jemand rauf verirrt, da der Zustieg ziemlich mühsam ist. Von der Hütte weg folgten wir dem markierten Wanderweg Nr. 720 hinauf zur Forcella delle Mughe. In dieser Scharte angekommen, geht es über ein ausgesetztes Band Richtung Sass d'Ortiga (2-3 BH zur möglichen Absicherung vorhanden). Kurz danach folgt man einer glatten und speckigen Rinne mit Hilfe eines Stahlseils hinab, das Steil ist allerdings nicht gespannt und der Abstieg gar nicht so einfach. Unten angekommen geht es gleich wieder mit Hilfe eines Stahlseils hinauf, besonders die erste Passage war sehr anstrengend und ebenfalls nicht einfach. Danach folgt man dem Band unterhalb der Südwestwand bis  zu ihrem Ende bei einem Klemmblock, dort befindet sich der Einstieg. Wir staunten nicht schlecht, als wir mehrere Seilschaften und einiges Durcheinander in der Route entdeckten.

Der Fels ist von der ersten SL an unglaublich griffig. Wir ließen uns beim Klettern Zeit um ja nicht in das Gemenge zu geraten und genossen alle Züge. Selbst wenn es steil wird, tauchen größte Henkel auf, so einen Felsen haben wir noch nie erlebt. Einige Stände sind mit fixen SU-Schlingen ausgestattet, oft sind die Stände nicht eingerichtet, aber man kann problemlos mit Bandschlingen an Monster-Sanduhren Stand beziehen. Die Wegfindung war gar nicht so einfach, weil man eigentlich aufgrund der Griffigkeit überall klettern konnte. Am besten man sucht sich den griffigsten Weg, sollten einmal keine Henkel vorhanden sein, ist man falsch unterwegs. Nach der 7. SL gelangt man auf einen Vorgipfel und über einen Riesen-Klemmblock (ist schon vom Tal aus sichtbar) klettert man dann zum Stand vor der Schlüssel SL. Dort war dann tatsächlich noch Stau, etwa 1 Stunde lang verbrachten wir beim Beobachten von zaghaften Versuchen anderer Seilschaften diese Länge zu bewältigen. Ein Überholen war an dieser Stelle nicht möglich, die Stelle ist mit 2 NH abgesichert und besteht aus einem herzhaften, dynamischen Zug zu einem größeren Griff, im Notfall auch A0 machbar (allerdings an halb zerissener Schlinge). Die restliche SL wird dann nach oben hin leichter.  Und die letzte kurze SL ist unschwierig und führt zum Ausstieg am Vorgipfel. Dort angelangt waren auch die anderen Italiener alle versammelt.

Vom Vorgipfel geht es ein Stück abwärts und wieder hinauf zum Hauptgipfel, ab dort dann rote Markierungen und Steinmänner. Der Abstieg führt über steile Schrofen mit kurzen felsigen Abkletterstellen. Eine kurze Stelle im 3. Grad ist auch über eine ca. 3m hohe Wandstufe zu überwinden, welche für meinen Geschmack leicht überhängend war. Die Griffe waren groß, der Felsen fest, aber trotzdem ausgesetzt und ich musste schon kurz schlucken... Nachdem auch das überwunden war folgte noch eine kleine Verschneidung bis man schließlich schon knapp über der Forcella delle Mughe steht. Dort gibt es bei einem Kamin eine rostige Kette, es gab aber auch NH und eine vorbereitete Abseilschlinge, die netten Italiener hatten das Seil schnell drinnen und so durften wir auch daran abseilen.

Von der Forcella gings dann wieder auf dem markierten Wanderweg in lustiger Plauderei gemeinsam mit den Ialienern hinab zur Hütte. Nach den zwei anstrengenden Tagen entschieden wir uns diesmal ins Tal abzusteigen und es uns dort gutgehen zu lassen um dann anderntags wieder Richtung Cortina zu fahren.

Insgesamt eine Wahnsinnstour, auf so einem griffigen Felsen sind wir noch nie geklettert. Immer steil und unglaublich griffig mit unzähligen Sanduhren. Fazit - unbedingt machen!

Länge ca. 410m, ca. 10-11 SL
Zustieg von der Hütte ca. 2h
Abstieg ca. 2-2,5h vom Gipfel bis zur Hütte
Schwierigkeit: meist im 4-5-, Schlüsselstelle 6 
Topo: hatten wir von Topoguide und dem neuen Buch "4.Grad Westliche Dolomiten 1" von Emiliano Zorzi - dazu gibt es auch eine tolle Homepage mit Wandfotos und Infos - siehe Link:
http://quartogrado.com/volume1_1/relazioni/SASS%20DE%20ORTIGA_spigolo_A.htm 

Tourengänger: Martina

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (1)


Kommentar hinzufügen

geyer hat gesagt: September 2012
Gesendet am 19. September 2012 um 21:59
Die genannte anstrengende Stelle am Drahtseil des Zustiegs ist durch zwei Eisenbügel als Tritte entschärft. Im Abstieg am Normalweg zur Forcella wurden Fixseile installiert (später Drahtseile geplant?), so daß kein Abseilen mehr erforderlich.


Kommentar hinzufügen»