Nachdem ich den Morgen verschlafen hatte und nichts aus einer richtigen Bergtour wurde, musste ich mich nach reizvollen Alternativen umschauen. Von meinem Wohnort schweifte der Blick in Richtung Fallätsche so dass mein heutiges Tourenziel feststand. Mit ein paar Gewitterwolken im Rücken machte ich mich schnell via Bus auf den Weg zum Bhf. Leimbach.
Dort angekommen wurde die Karte studiert (offenbar nicht gut genug, wie sich im Nachhinein herausstellte) und die Strasse hinaufmarschiert, vorbei am Gemeinschaftszentrum und hinein in den Wald. Erfreulicherweise hatte Petrus ein Einsehen und die Wetterlage präsentierte sich wieder sehr stabil. Ich folgte dem Trampelpfad bis ich nach kurzer Zeit die Felsenkammer erreichte. Als sich der Pfad in einer Kurve kurz nach der Felsenkammer wand, entschied ich mich dem steilen linken Bachbett zu folgen. Ich folgte dem Bachbett immer weiter hinauf, auf den glitschigen Steinen Halt suchend. Als ich den Felsvorsprung am Ende des Bachbetts erblickte und aus der Ferne keine Möglichkeit zu einer vernünftigen Traversierung sah, entschied ich mich hinabzusteigen und dem rechten Bachteil zu folgen. Mit einem leichten Schmunzeln erinnerte ich mich an die Episode, als Roger Schawinski und seine Frau von der Rega aus der Fallätsche evakuiert werden mussten. Nun konnte ich mir doch etwas besser vorstellen, wie man im Kanton Zürich in „Bergnot“ kommen konnte.
Auch am Ende des zweiten Bachbetts stiess ich auf einen brüchigen Felsaufschwung, den ich aufgrund der miesen Felsqualität („Fels“ ist eine schmeichelhafte Bezeichnung) queren musste. An Wurzeln und Grasbüscheln hangelte ich mich weiter hinauf, bis ich nach etwa 10 Minuten plötzlich auf einen Trampelpfad traf. Da ich aber nicht wusste, ob dieser wirklich zur Teehütte führen würde, entschied ich mich einfach weiter die Fallätsche hinaufzusteigen. Kein besonders weiser Entscheid, wie sich herausstellen sollte. Über einen steilen Erdhügel kriechend machte ich Bekanntschaft mit einem Ameisenhaufen, dummerweise mit den Roten Zeitgenossen. Ich denke der Ärger über diese Begegnung beruhte auf Gegenseitigkeit. Ich für meinen Teil durfte mich an einigen Stellen kratzen und die Ameisen mussten einsehen, dass man nirgendwo auf dieser Welt vor Störenfrieden in Wanderschuhen sicher ist.
Als ich mich bereits auf dem "Grat" wähnte (die Teehütte war nun nur noch sekundäres Ziel;), traf ich auf das letzte Hindernis. Einen feuchten, sehr steilen Erdhang mit einem Nagelfluhfelsen als „Krönung“. Ich vertraute weiter auf die Wurzelgriffe und wand mich mit Ach und Krach zum Nagelfluhwändchen empor. Als sich sämtliche Versuchsgriffe in Einzelteile auflösten (typisch Nagelfluh ;) entschied ich mich für die Querung nach rechts. Diese wurde leider zur Rutschpartie, so dass ich mich in Sekundenschnelle wieder ein paar Meter weiter unten befand. Die feuchte Erde liess mir kaum Halt, bis ich den retten Wurzelgriff entdeckte, der mir den Wiederaufstieg ermöglichte und kurze Zeit später durfte ich mich mit dunkelbraunen Jeans und erdverschmiertem Gesicht auf den Grat schwingen. Ich folgte dem komfortablen Wanderweg und bereits nach 50m sah ich eine Holzhütte und kurz danach die Teehütte. Ich stieg hinab und als ich die wunderbare Aussicht von der Terrasse der Teehütte geniessen konnte verflog mein Ärger über die suboptimale Routenwahl in Windeseile. Nach kurzem Halt ging es wieder hinauf auf den Grat und im Eiltempo den Wanderweg via Ruine Manegg hinab, bis ich beim Gemeinschaftszentrum landete. Durstig und hungrig, war ich hocherfreut über die Öffnung des Kaffees, ich hätte mein letztes Hemd für ein Glas Eistee gegeben. Gestärkt folgte ich wieder der Rebenstrasse bis zur Bushaltestelle Bahnhof Leimbach, wo bereits der Bus einfuhr. So durfte ich mich darüber freuen, dass wenigstens die Rückfahrt reibungslos verlief...
P.S: Falls mir erfahrene Fallätsche-Kenner den richtigen Weg weisen möchten, nehme ich gerne Korrekturen an. Bis zur Felsenkammer war mir der Weg klar, danach begann das Fiasko...
Für Fragen und Antworten: datscha@gmx.net








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