Gratwanderung vom Herzogstand (1.731 m) zum Heimgarten (1.791 m).


Publiziert von Gemse , 25. September 2010 um 14:02.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Bayrische Voralpen
Tour Datum: 9 Oktober 1984
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 
Zeitbedarf: 1 Tage 6:00
Aufstieg: 300 m
Abstieg: 750 m
Strecke:Parkplatz Walchensee - Herzogstandhäuer - Herzogstand - Heimgarten - Parkplatz Walchensee (10,3 km)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:München - BAB95 Richtung Garmisch - Ausfahrt Murnau/Kochel - Kochel - Kesselberg - Walchensee - Am Ortseingang von Walchensee rechts Großparkplatz für die Herzogstand-Seilbahn
Unterkunftmöglichkeiten:Hotels und Gasthöfe in Walchensee, Herzogstandhäuser. Keine Übernachtung an der Heimgartenhütte

Wie für so viele Münchner ist auch für mich der Herzogstand in den Walchenseebergen der erste richtige Berg, den ich meist im Frühjahr und zum Herbstausklang besteige, zu Fuß auf dem Reitweg von der Kesselberghöhe, und im Anschluss geht es auf dem Gratweg zum Heimgarten. Auf dem Weg zum Heimgarten begegnet mich meist keine Menschenseele.
Inzwischen hat sich vieles verändert. Schuld daran ist der neue Sessellift, der an schönen Wochenenden von früh bis abends pausenlos besetzt ist. Die Alpenvereinsektion München hat ihre Herzogstandhäuser verkauft. Sie sind auch mehr Ausflugsgaststätte als Bergsteigerstützpunkt. Von dort wälzen sich oft wahre Ströme von Menschen - ich habe darunter schon Leute in Anzug und Krawatte gesehen - zum Herzogstandgipfel. Wie eine bunte Perlenschnur zieht sich die Menschenkolonne die langen Kehren hinauf zum Pavillon auf dem höchsten Punkt des Berges. Weit über die Hälfte stolpern anschließend wieder zurück zur Hütte. Die anderen wagen sich an den luftigen Gratübergang zum Heimgarten. Und das ist zweifellos der Höhepunkt aller Wanderungen im Walchenseegebirge, für mich die schönste Gratwanderung überhaupt: faszinierend der Gegensatz zwischen Flachland und Gebirge - glückliches Schauen weit in die Ferne und schwindelerregende Tiefblicke. Ein gut gemeinter Rat: Unter der Woche ist es am Herzogstand und am Heimgarten viel ruhiger als an Sonntagen oder an Feiertagen.
Auf welche Weise man die Herzogstandhäuser erreicht, bleibt jedem selbst überlassen. Am schnellsten geht es mit dem Sessellift: 11 Minuten vom Parkplatz zur Bergstation und auf einem aussichtsreichen Promenadenweg in gut 5 Minuten zur Hütte. Zu Fuß ist der >Reitweg< angelegt unter König Ludwig II., am bequemsten. Eine Stunde länger braucht man von Schlehdorf auf dem von königlich-bayerischen Pionieren 1887 erschlossenen Pionierweg.
Ich gehe heute mit meiner Mutter (73 Jahre).  Deshalb benutze ich heute den Sessellift: Zu den Herzogstandhäusern muss ich in jedem Fall. Dort präsentiert sich der Herzogstand seinen latschenüberzogenen Gipfelhang, über den der Aufstieg erfolgt. Zunächst muss auf einem Hangweg die Ostflanke des kreuzgeschmückten Martinskopfes traversiert werden. Zu meinen Füßen breitet sich der Wiesenkessel mit der Schlehdorfer Alm aus, die vom >Reitweg< berührt wird. Die Kehren danach sind so geschaffen, dass ich nicht ins Schnaufen komme. Einige Minuten vor dem Gipfel steht rechts draußen auf einer Kanzel ein Kreuz: die erste große Aussicht.
Nach 1/2 Stunde - ab der Hütte – bin ich dann auf dem Herzogstand (1.731 m). Unvergesslich der Blick hinaus in altbayerisches Stammland, auf Seen, Moore und Filze. Im Gegensatz dazu die kalte Riesenpracht von Karwendel und Wetterstein.
Ein Stück unterhalb des Gipfels beginnt der Gratübergang zum Heimgarten. Nur für Trittsichere! Und noch etwas vornweg: Last Euch Zeit! Dieser Grat ist vom ersten bis zum letzten Schritt ein Genuss. Allerdings nichts für einen Hans-guck-in-die-Luft! Es gibt überall geeignete Stellen zum Verweilen.
Gleich zum Auftakt blicke ich linker Hand in wilde, schaurige Felsschluchten. Zehn Minuten später treffe ich auf die ersten Drahtseile, eine willkommene Hilfe auf der schwindelnden Höhe. Tief unten liegt der Kochelsee. Früher einmal reichte der See bis weit über Benediktbeuern hinaus. Das Denkmal des "Schmieds von Kochel" ist zu klein, um es von hier oben ausmachen zu können. Am südlichen See-Ende befindet sich das 1925, fertig gestellte Walchenseekraftwerk. Deutlich sind die sechs mächtigen Rohre zu erkennen, durch welche die Wasser aus dem Walchensee 200 Meter in die Tiefe stürzen und im Krafthaus acht Turbinen antreiben: Höchstleistung 168.000 PS.
Im Vorblick sehe ich auf der ganzen Wanderung den Heimgarten. Er scheint einfach nicht näher kommen zu wollen! Am Beginn des Grats waren auf einer Tafel 1 bis 1 1/2 Stunden für seine Überschreitung angegeben. Wer 1 1/4 Stunden braucht, hat das richtige Tempo gewählt.
Auf und ab geht es über mehr oder weniger ausgeprägte Graterhebungen. Einige werden in ihrer Südseite umgangen. Etwa in der Mitte des Grats befindet sich eine Erhebung mit Kreuz. Dort zu rasten ist keine schlechte Idee, denn der >Verkehr<, die Masse der Leute, läuft nämlich unten vorbei. Keiner sollte versäumen, auch Rückschau zu halten: über den Grathöckern baut sich der Herzogstand auf. Der Walchensee ist nur teilweise zu sehen. Aber ich habe ihn ja noch in bester Erinnerung vom Herzogstand. Er ist einer der schönsten Bergseen. Sein Wasser spiegelt in allen Grünschattierungen; Sagen und Geheimnisse erzählt man sich von seinen Tiefen, die an manchen Stellen fast 200 Meter erreichen.
Immer wieder folgen ausgesetzte Passagen. und schließlich beginnt der Aufstieg durch Latschen zum Heimgarten (1.790 m), dem letzten Aussichtsthron. Hinter dem Gipfel schmiegt sich die kleine Heimgartenhütte an den Hang. (Achtung: die Hütte bietet keine Übernachtungsmöglichkeit) Es ist ein Glücksfall, wenn man drinnen noch einen Platz bekommt. Meistens sind sogar die Bänke vor der Hütte schon besetzt, heute war draußen noch Platz. Plätze für eine Brotzeit gibt es aber auch beim Abstieg, irgendwo abseits des Alpenvereinswegs 445. In 1/2 Stunde bin ich unten im Sattel, in dem links die Ohlstädter Alm liegt. Der folgende Gegenanstieg im Nordosthang des Rotwandkopfes dauert nur 10 Minuten. Als Belohnung erwartet mich ein überraschender Blick auf den Walchensee. Gemütlich spaziere ich durch den urweltähnlichen Hangwald mit imponierenden Wetterfichten. Dazwischen zeigt sich der Grat zwischen Herzogstand und Heimgarten.
Die anschließenden Kehren scheinen kein Ende nehmen zu wollen. Eine halbe Stunde steige ich im steilen, bewaldeten Hang abwärts. Erlösung bringen eine Rastbank und ein breiter Weg. Links weist eine Tafel in die Schlucht des Deiningbachs, dessen Rauschen ich höre. Es dauert nicht mehr lange, bis der Weg an den Bach heranführt. Die Gumpen sind im Hochsommer gesuchte Badeplätze. Beim ersten Haus von Walchensee halte ich mich links, bleibe am Deiningbach und treffe 10 Minuten später wieder beim Parkplatz ein.

Bergsteiger: Monika und Karl

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Tourengänger: Gemse


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Geodaten
 4361.kmz Herzogstand - Heimgarten

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