Piz Ot – Piz Crappa Grischa


Publiziert von Delta Pro , 2. August 2010 um 09:48.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Unterengadin
Tour Datum:20 Juli 2010
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettersteig Schwierigkeit: S+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   A 
Zeitbedarf: 5:15
Aufstieg: 1030 m

Vielseitige Tour über Samnaun mit einem genialen „Voralpen“-Grat als Höhepunkt
 
Der Piz Ot ist der Gipfel, der das Samnauner Tal beherrscht. Wie eine Speerspitze sticht er in den Himmel, wenn man ihn von unten betrachtet. Seine durchfurchten Grasflanken auf der Südseite und die jähen, plattigen Fels-Abfälle auf der Nordseite verleihen dem Berg ein majestätsiches Aussehen. Eine Besteigung des Piz Ot ist schon fast imperativ, befindet man sich in Samnaun! Doch es kommt noch besser: Schon der erste Blick zeigt, dass der Piz Ot durch einen Grat mit dem Piz Crappa Grischa verbunden ist – die perkekte Überschreitungstour!? Was meint der SAC-Führer dazu? Nichts. Der Grat scheint nicht begehbar zu sein: (Zitat) „Der Piz Crappa Grischa ist durch einen schwindligen, wild zerrissenen Grat mit dem Piz Ot verbunden“. Was die subjektive Beschreibung „schwindlig“ ist einem SAC-Führer bringen soll, ist mir mehr als schleierhaft…
Auf jeden Fall liess mich der Grat nicht mehr los, nachdem ich ihn das erste Mal gesehen hatte, und ich studierte seine Türme und Aufschwünge immer wieder. Von der Nordseite her gesehen, scheint eine Begehung tatsächlich ein Ding der Unmöglichkeit. Auf der Südseite ziehen sich hingegen steile, oben felsdurchsetzte Grashalden bis an die Grathöhe und ermöglichen damit Umgehungen der Aufschwünge. Ob der Grat von Menschen begangen wird, kann ich nicht beurteilen. Schafe und Gämsen sind aber häufig dort unterwegs. Deshalb ist die Stufung des Geländes auch im sehr steilen Gras immer ausreichend.
 
Piz Ot (T5-)
Vom Alp Trida Sattel auf den Wanderwegen zu den Gipslöchern und dann mit möglichst wenig Höhenverlust auf einem Weglein durch die Geröllhalden am Nordfuss des Piz Ot. Aufstieg durch die steile Geröllrinne in den Sattel westlich des Gipfels (einzelne Steinmänner und Wegspuren). Dann quert man am besten in der Südflanke bis zu einer schwach ausgeprägten Rinne, durch die man auf den Gipfelgrat steigen kann (T5-). Ich folgte direkt dem felsigen Grat. Dabei muss man mehrere Zacken überklettern (T6-). Dann über den First einfach zum höchsten Punkt. Das Gipfelbuch mit Steinmann und Grillplatz befindet sich weiter östlich mit Blick auf Samnaun.
 
Piz Ot – Piz Crappa Grischa (T6)
Vom Sattel grosszügige Umgehung des ersten Turmes in der Südflanke (Schafweg). Dann auf der Gratschneide über die nächsten ca. 3 kleineren Türme (teils etwas Kletterei, ansonsten Umgehung hoch in der Südflanke). Schlüsselstelle der Traverse ist der mittlere, markante Turm und die anschliessenden Aufschwünge. Man steigt wiederum in der Südflanke relativ angenehm bis kurz unter den Gipfel der Kirchturm-ähnlichen Spitze, klettert dann kurz auf dem Sporn gegen Süden ab und steigt in eine steile Rinne ein. In dieser einige Meter ausgesetzt hinab, dann horizontal hinaus in die tief eingeschnittene Scharte. Dann durch sehr steiles, gestuftes Gras immer knapp links der Gratkante hinauf, bis man schliesslich über ein schmales, steil aufsteigendes Grasband unter dem obersten Felsen das Ende dieses grössten Aufschwunges im Grat erreicht. Nun ist Geniessen angesagt. In wunderschöner, teils luftiger Gratwanderung geht es weiter über mehrere Zacken bis zum Gipfel des Piz Crappa Grischa. Auch auf dem letzten Teil der Überschreitung sind einfachere Umgehungen der Schwierigkeiten teils in der Südflanke möglich.
 
Greitspitz Klettersteig (K5)
Abstieg über den Westgrat des Crappa Grischa (T3) zu den Gipslöchern, wo ich Photographin sglider wieder treffe. Weiter auf den Salaaser Kopf und über den langen Kamm vorbei an Massen von Wandervolk zum Greitspitz. Der höchste Punkt wird momentan von einem weiteren Seilbahn-Projekt verschandelt. Der etwas niedrigere, aber schönere Felsgipfel des Greitspitzes auf der österreichischen Seite kann aber auch bestiegen werden (gesicherter Felsweg, T3, grosses Kreuz). In der Nord- und Westwand des Greitspitzes gibt es einen Klettersteig. Ich entschliesse mich, diesen noch schnell im Abstieg mitzunehmen. Anfangs ist der Steig einfach, etwas verwirrt nehme ich bei einer Verzweigung den linken Strang. Bei der nächsten Verzweigung (Ist das üblich bei österreichischen Klettersteigen?) entscheide ich mich für den rechten. Und dieser hat’s in sich. Das Stahlseil führt in eine leicht überhängende, aalglatte Wand. Hier hat man sich zuerst ca. 30m gerade hinunter von einem der relativ spärlichen Eisen zum nächsten zu hangeln und quert nachher von einem Tritt zum nächsten springend wieder aus der Wand hinaus. Alles in allem eine unerwartet athletische und steile Variante des Klettersteiges. Rüber ins Viderjoch und mit den Bergbahnen zurück ins Tal.

Tourengänger: Delta, sglider


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