Mittagsstöckli - Schijenstock


Publiziert von Delta Pro , 15. Juli 2010 um 12:08.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:10 Juli 2010
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Schilt-Mürtschengruppe 
Zeitbedarf: 2:30
Aufstieg: 810 m

Eine kurze, aber wunderschöne Voralpen-Grattour – endlich hat’s geklappt
 
Prolog: Der Südgrat des Schijenstock war schon seit langem eine Lücke in meinem Tourenbuch der Ostschweizer Voralpen. Vor fünf Jahren anlässlich meines ersten Versuches an dieser Route verliess mich auf dem ersten Gratturm der Mut und ich kehrte um, und hatte seither immer grossen Respekt vor dem Grat. Dies änderte auch nicht als die drei Musketiere 3614adrian, ossi und Alpin_Rise 2008 die Route anpackten. Gemäss ihrer teilweise schon fast haarsträubenden Beschreibung war ich damals gar nicht mal so unglücklich, nicht dabei gewesen zu sein. Irgendwann kommt aber die Zeit, um Pendenzen abzubauen; man ist einfach reif dazu. Und so machte ich mich in der Kühle des frühen Morgens ein weiteres Mal auf, um die Schijenstock zu erkunden.
 
Der Südgrat des Schijenstocks, der das kecke Gipfelchen des Mittagsstöckli einschliesst, ist ein klassischer Voralpengrat mit viel Gras und ausgesetzten Passagen. Er wird bei der Überschreitung vom Nüenchamm gegen den Fronalpstock oft in N-S Richtung, also im Abstieg begangen. Dies ist deutlich schwieriger, da man von oben die Schwachstellen in den Aufschwüngen nicht einfach erkennen kann. Ich empfehle die Fronalpscharte als Ausgangspunkt zu wählen und über den Grat aufzusteigen. Die Schwierigkeiten liegen im klassischen T6-Bereich, gewürzt mit einigen Kletterstellen im knapp dritten Grad. Diese könnten teilweise wohl auch umgangen werden. Einige Stellen sind ganz schön ausgesetzt, bei guten Verhältnissen ist der Grat aber für den erfahrenen Alpin-Wanderer gut zu schaffen.
 
Start auf dem Mullerenberg um 6.00. Aufstieg auf dem Wanderweg, dann über eher mühsame Gras- / Geröllflanken gegen die Fronalpscharte. Stahlseile führen direkt in den tiefsten Punkt der Einsattelung. Ich bin allerdings nicht diesen, sondern einem guten Gemsweg links davon gefolgt. Man findet den Weg, wenn man sich an den Fuss der Felsen links der Scharte hält. Anfangs überwindet das Weglein einige steile Graspassagen und leichte Kraxelstellen (T5), dann wird’s einfacher und man kann direkt links hinauf zu Südgrat des Mittagsstöckli ziehen. Die Stahlseil-Passage bringt kaum Vorteile. Das Gelände erscheint dort steiler, und Wegspuren waren von weitem keine zu erkennen.
Ich habe das Mittagsstöckli nicht wie die Drei Musketiere über die Südflanke angepackt, sondern direkt (wie im Kommentar von ma90in94 angedeutet) an der Gratkante. Dort gibt es zwei felsige Steilstufen zu überwinden, die erste direkt am Grat (II), die zweite wenig rechts davon (III), wahrscheinlich in der Südflanke umgehbar. Und dann steht man schon auf dem Gipfel – ein Miniaturberg. In der Morgensonne über den wunderschönen Wiesenkamm des Mittagstöckli und etwas ausgesetzter in die erste Scharte absteigend (T5+). Die anschliessende, felsige Gratschneide lässt sich einfach auf einem Grasband der Ostflanke umgehen. Dann folgt der wandähnliche Schlussaufstieg zum Vorgipfel des Schijenstocks. Meist steiles, aber griffiges Gras (Pickel hilfreich), eine Felsstufe muss erklettert werden (II-III). Dann folgt die ausgesetzte Überschreitung von zwei grasigen Grattürmen, teils etwas in die Westflanke ausweichend, und schon steht man auf dem Gipfel des Schijenstock. Der Grat ist ein kurzes, aber intensives Vergnügen! Abstieg durch die mit hohem Gras bewachsene Nordflanke (mühsam, man sieht nicht wo man hinsteht) und auf dem ehemaligen Wanderweg im Osthang zur tiefsten Einsattelung vor dem Leiterenstock, von wo ein schmaler Weg durchs hohe Gras zurück auf den Mullerenberg führt.
 

Tourengänger: Delta


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