Skiabfahrt vom Schwarzchopf (1949m)


Publiziert von mde , 7. Januar 2010 um 23:29.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum: 7 Januar 2010
Ski Schwierigkeit: SS
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-SG 
Zeitbedarf: 4:15
Aufstieg: 1350 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Unterwasser - Chüebode P.1032

Nicht lange, nachdem ich als Kommentar zu diesem Foto die Skiabfahrt vom Schwarzchopf zum Projekt erklärt hatte, trifft ein SMS von Reto ein: "Gutes Wetter am DO. Kommst Du auf eine Skitour zwischen Lütispitz und Stoss?".  Da war der Plan natürlich schnell gemacht. Wie sich dann sogar herausstellte, war Reto zwei Jahre zuvor mangels mitgeführter Alpinausrüstung bereits einmal abgeblitzt am Schwarzchopf, und zeigte daher selbst höchstes Interesse an dessen Begehung.

Unsere Tour startet um 9.15 Uhr beim Chüeboden, P. 1032 ob Unterwasser (Zufahrt im Winter nur bis hierher erlaubt, gebührenpflichtiger Parkplatz). Der Strasse entlang nach NNE zu P.1069, wo man links, ebenfalls der Strasse entlang, ins Oberlaui aufsteigt. Via Altstofel P.1297 und Mutteli P.1564 ins Kar zwischen Schattenwand P.1851 und Unghüür P.1817 und hinauf, auf sportlich-steiler, halb zugewehter Spur, Richtung Schwarzchopf.

An dessen Fuss angelangt, gibt es mehrere Möglichkeiten, den Gipfel zu erklimmen. Am bequemsten schien uns die marmotta-Route, welche durch eine schwach ausgeprägte, ca. 20hm lange und 45-50 Grad steile Rinne, den ESE-Grat auf ca. 1880m erreicht. Da eng, zwang die Rinne uns zum Abschnallen der Skis. Dank ganz ordentlich trittigem, und genügend Schnee waren aber heute weder Steigeisen noch Pickel nötig. Das kann aber mit Sicherheit auch anders sein, somit empfehle ich jedem Anwärter, diese mitzuführen.

Der ESE-Grat bricht nordseitig jäh ab, lässt sich aber ohne grössere Schwierigkeiten verfolgen. Während Reto zu Fuss in der noch gut sichtbaren Spur von marmotta weiterging, zog ich wieder die Skis an. Kurz vor dem Gipfel wartet ein steiler Aufschwung. Man kann hier weiter zu Fuss dem schmalen Grat folgen (Reto), eine Umgehung in der Südflanke ist auch möglich. Die dortige Rinne ist auf rund 20hm nochmals 45-50 Grad steil und zwang mich zu einer kurzen Portage. Danach in wenigen Schritten zum Gipfel, den wir fast gleichzeitig erreichten (11.00 Uhr).

Nach gemütlicher Gipfelrast ging es an die Abfahrt. Wir schnallten die Skis direkt auf dem Gipfel an. Kurzes Aufwärmen mit zwei, drei gemässigten Schwüngen, dann folgt als erster Prüfstein die obere Rinne. Der Mittelteil am Grat bietet dann fast Genuss-Skifahren, bevor die Rinne vom Grat hinunter nochmals Präzision erfordert. Danach erst in etwas krustigem Schnee zum Sattel hinter dem Unghüür, und in stiebendem Powder rasch weiter zur Alp Mutteli P.1567.

Weil so schön war, die jungfräulichen SE-Hänge lockten, und um den heutigen Tag mit einem zweiten Gipfel plus einigen zusätzlichen Höhenmetern zu krönen, klebten wir erneut die Felle auf und starteten Richtung Schafwis (11.50 Uhr), und erreichten den Gipfel, auf einer erneut sportlich-steil angelegten Spur, in gerade 30 Minuten.

Nochmals genossen wir die fast uneingeschränkte Weitsicht bei strahlend blauem Himmel, um dann über die SE-Hänge, nördlich der Schattenwand ungefähr dem Sommerweg entlang, in die Tiefe zu stechen. Vorsicht, diese Variante ist steil, verlangt Einschätzungsvermögen und ein Gespür für die richtige Linie, dafür bot sie allerbesten, gesetzten Pulverschnee.

An den Hängen unterhalb Mutteli war die Kruste inzwischen getaut, so dass in feuchtem Pulver rassige Schwünge gezogen werden konnten. Rund um Altstofel liegt nicht allzuviel Schnee, doch dank einigermassen kompakter Unterlage lassen sich die Steine problemlos und ohne Kontakt umkurven. Zuletzt wieder mehr Schnee, und dem Waldrand entlang erst noch schöner Pulver, zu P.1069, und zurück nach Chüebode (13.30 Uhr).

Fazit, Einstufung, Kommentare und Ergänzugen

Die Ersteigung des Schwarzchopfs und auch die Abfahrt von dessen Gipfel boten weniger Schwierigkeiten, als ich dies im Vornhinein erwartet hatte. Zwei kurze Stellen sind 45-50 Grad steil, jedoch nur mässig exponiert. Der Mittelteil dem Grat entlang ist deutlich flacher, und obwohl der Grat nach Norden fast senkrecht abfällt, eigentlich harmlos.

Es bleibt anzufügen, dass der Schnee heute optimal war für unser Unterfangen. Leicht krustig, kompakt, aber doch genügend weich. Eine Unsicherheit, z.B. ein Absitzen auf den Hintern bei einem Schwung im Steilgelände, hätte es heute überall leiden mögen, ohne dass gerade ein Absturz gedroht hätte. Bei Hartschnee ist dies sicher nicht der Fall.

Die von Delta gewählte Route direkt durch die Südflanke ist steiler und wohl schwieriger. Sie empfiehlt sich allenfalls dann, wenn man nicht mit den Ski vom Gipfel abfahren will, da gegenüber dem Beginn der Schwierigkeiten auf der marmotta-Route noch rund 50hm in problemlosem Skigelände aufgestiegen werden kann.

Für die Abfahrt vom Gipfel ist die marmotta-Route sicher der einfachste Weg. Es liegt jedoch genügend Schnee, um auch direkte, deutlich steilere Linien vom Gipfel runter zu fahren. Man braucht einfach das entsprechende Können dazu...





 


Tourengänger: mde

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Kommentare (6)


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adlerhorst hat gesagt:
Gesendet am 8. Januar 2010 um 12:13
?T=346416089 OK
Ich möchte Dich bitten mit deinen Berichten etwas zurückhaltung zu üben.
A man steigt nicht so einCouloir hoch wenn schon dann mit Ski am Rucksack.+ mit Pickel
B Schau Deine Spur am Grat nächstes Mal bricht vieleicht die Wächte. Mein Kommentar etwas stümmperhaft.

Berglurch hat gesagt: Das sagt euch der (Adler)horst
Gesendet am 8. Januar 2010 um 17:11
Ich möchte Adlerhorst absolut Recht geben - völlig stümperhaft ;-)
Nein, Spass, schade, lieber mde , dass ich da nicht dabei sein konnte - die Pendenz liegt seit dem Bericht von Delta letztes Jahr in meiner Schublade. Super Tour, gratuliere! Schöne Bilder - der Schnee scheint ja geradezu ideal gewesen zu sein!

Grüsse

mde hat gesagt: Ergänzung
Gesendet am 11. Januar 2010 um 13:16
Na ja, jedem seine Meinung...

Grundsätzlich bin ich in solchem Gelände eine richtige Steigeisenmemme, d.h. die Eisen kommen bei mir sehr schnell an die Füsse. Wenn hier nun also steht, es gehe ohne, so werden das die meisten routinierten Tourengänger wohl auch so empfinden.

Hinzufügen möchte ich noch, dass ich den Schwarzchopf wirklich eine sehr lohnende Skitour mit einer gelungenen, einfachen Kletterei auf den Gipfel halte. Eigentlich ideal für Leute, die sich neu in solches Gelände vorwagen wollen. Die Kletterei ist nämlich recht kurz, nicht allzu schwierig und auch der Zustieg aus dem Tal nicht überaus lang. Zudem ist die Absturzgefahr für solches Gelände als vergleichsweise gering zu betrachten.

Eigentlich alle Skitouren, die vergleichbar mit winterlichen Klettereien kombiniert werden, um nun mit dem Fulen (Mürtschen), Bächistock (Glärnisch), Bristen, Gross Spannort, Bifertenstock, Bortelhorn, Vanil Noir, ... nur mal einige wenige Beispiele quer durch die Schweiz zu nennen, fand ich deutlich anspruchsvoller.

Bombo hat gesagt:
Gesendet am 8. Januar 2010 um 15:22
Hola mde

Gratuliere Euch zu dieser Tour, vorallem bei dem Traumwetter! Als ich die Bilder und vorallem auch den hervorragenden Tourenbeschrieb gelesen habe, dachte ich, das wäre genau eine Tour nach meinem Geschmack. (@ Berglurch: jetzt hätten wir doch noch ein Alpstein-Ziel :-)

Weiterhin so tolle Touren!

Saludos, D.


Berglurch hat gesagt: Schönheiten des Alpsteins
Gesendet am 8. Januar 2010 um 17:07
Und endlich kommt Bombo auch auf den Geschmack ;-)
Wann gehen wir wohin?
Grüsse

mde hat gesagt: RE:Schönheiten des Alpsteins
Gesendet am 11. Januar 2010 um 13:20
Ich wünsche Euch viel Vergnügen, falls Ihr bald mal da unterwegs seid.

@ Berglurch und alle anderen, die schon im Vorfeld ihr Interesse bekundet haben: die Gelegenheit kam bei mir viel schneller, als ich mir je erdacht hatte, und so reichte es gar nicht, um mit Euch gemeinsame Pläne zu machen. Da es ja aber noch Unzähliges zu tun gibt, gerne mal auf einer anderen Tour!


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