Lenzerhorn (2906 m) - ein Hauch von Winter


Publiziert von marmotta , 11. Oktober 2009 um 23:20.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Lenzerheide
Tour Datum:11 Oktober 2009
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 1450 m
Abstieg: 1450 m
Strecke:Lenzerheide/Lai - Alp Sanaspans - Lenzerhorn - Alp Sanaspans - Lenzerheide/Lai
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Lenzerheide
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Lenzerheide

Herbstliche Tour auf den "wahren" Hausberg von Lenzerheide - fernab des die dortige Region prägenden Bergbahntourismus

War das schon der Abschluss der diesjährigen Sommer-Wandersaison? Wenn man dem Wetterbericht glauben schenken darf, könnte bereits Anfang nächster Woche eine Kaltfront Schnee bis in tiefere Lagen bringen, der dann -zumindest nordseitig- nicht mehr abschmelzen dürfte und weitere (Alpin-)Wanderfreuden vereiteln könnte.

Die Wetterprognosen bestimmten dann auch mein heutiges Ziel. Geplant hatte ich -mal wieder- eine langgehegte Pendenz im "Ländle" zu erledigen. Ich weiss nicht, zum wievielten Mal ich diese Tour nun schon verschiebe...

Der Entscheid fiel erst am frühen Morgen am Bahnsteig am Kreuzlinger Hafen, als ich mich spontan dazu entschloss, meine OSTWIND-Tageskarte noch mit einem Billett nach Lenzerheide aufzupeppen, in der Hoffnung dort von den Restwolken und "letzten Tropfen" verschont zu bleiben, die ich auf der schönen, grünen Landkarte von SF Meteo ausgerechnet im Prättigau und im "Ländle" entdeckt hatte. Für die übrige Schweiz war ja ein ziemlich sonniger Tag prognostiziert.

Erste Bedenken, ob der Entscheid richtig war, das Lenzerhorn (2906 m) als Gipfelziel auszuwählen, kamen dann in Chur auf, als ich die weissen Bergspitzen sah. Noch konnte ich nicht abschätzen, wieviel von der weissen Pracht Frau Holle über Nacht hatte herunterrieseln lassen...

Der Aufstieg von Lenzerheide (1473 m) ist schnell erzählt: Zur Alp Sanaspans (2044 m) führt südlich des Aua da Sanaspans eine Schotterstrasse und nördlich des Bachtobels ein guter und markierter Bergweg. Ich wählte für den Aufstieg den Bergweg (den ich aus unerfindlichen Gründen kurz nach Verlassen der anfänglichen Fahrstrasse verlor, jedoch über verschlungene Waldpfade dann auch wieder erreichte). Nach 1 h traf ich an der Alp Sanaspans ein, die um diese Jahreszeit leider schon geschlossen hat (schade, eine heisse Suppe wäre jetzt fein gewesen...). Von dort führt ein weiss-blau-weiss markierter und ausgeschilderter Steig über die Weideflächen nach Südosten, geradewegs auf die (weiss angezuckerte) Nordflanke des Lenzerhorns zu, das von hier ziemlich unnahbar aussah.

Bei P. 2243 wendet sich der Pfad steil nach Westen und man erreicht bald den felsigen Nordwestgrat des Lenzerhorns. Diesem folgt man auf nicht zu übersehender Wegspur, meist leicht auf der Westseite, bis zu einem ersten Felsaufschwung. Im SAC-Führer war zu lesen, dass "der Weg zwar ausgeprägt, markiert und leicht zu finden ist, jedoch der Gipfelaufschwung einige Gewandtheit im Fels voraussetzt". Na, da war ich aber gespannt, ob ich dieses gewisse Mass an "Gewandtheit" mitbringe... (man ist ja schliesslich keine 20 mehr...) :-)

Die leichte Felskletterei (I) am Gipfelaufschwung, die an einer Stelle zudem durch eine Kette vereinfacht wird, war dann auch nicht das Problem, schon eher die zu einer Art Rauhreif überfrorene Nässe, die für Rutschgefahr sorgte, vor allem an den Stellen, an denen die steile Westflanke auf schmalen, teilweise hängenden, gefrorenen Schuttbändern -mitunter ausgesetzt- gequert werden muss. Ich lief an diesen Stellen wie auf rohen Eiern, es ging dann schlussendlich aber besser, als ich dachte. 

Auf dem Gipfel, den ich nach ca. 2 h 20 min (ab Lenzerheide) erreicht hatte, blieb das erwartete Panorama leider aus, da sich -trotz stahlblauem Himmel und Sonnenschein- eine dicke Nebel- und Wolkenbank südlich des Gipfels ausgebreitet hatte. Eine 4-köpfige Gruppe einheimischer Wanderer, die ich im Aufstieg überholt hatte, erreichte kurz nach mir ebenfalls den Gipfel. Gemäss Gipfelbuch wird das Lenzerhorn sehr häufig bestiegen -  allerdings nur im Sommer, es waren gerade mal 2 Einträge von Winterbesteigungen (mit Ski) zu finden.

Ziemlich durchgefroren trat ich dann den Abstieg an, auf dem vor allem im felsigen Gipfelaufschwung noch einmal volle Konzentration angesagt war, ein Ausrutscher hätte hier fatale Folgen!

Weiter unten hatte die Sonne und die damit einhergehende Wärme zur Mittagszeit bereits ganze Arbeit geleistet - der Boden war nun weicher, die Schneekristalle waren weggetaut und der weitere Abstieg somit angenehm und gefahrlos zu bewältigen.

Leider zog es auf dem Abstieg wieder etwas zu, so dass auch die Rast an der Alphütte der Alp Sanaspans eher kurz ausfiel. Nach zügigem Abstieg auf dem Fahrweg (und diversen Abkürzungen auf steilen Waldpfaden) erreichte ich nach 45 min Lenzerheide, von wo mich das Postauto (Kurse nach Chur immer 23 min ab der vollen Stunde) wieder zurück ins Unterland brachte.

Tour im Alleingang

 


Tourengänger: marmotta

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Kommentare (3)


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Berglurch hat gesagt: Alles richtig gemacht
Gesendet am 12. Oktober 2009 um 15:25
hat marmotta und wurde dafür mit viel Sonne belohnt. Saubere Tour!


Fenek hat gesagt: Belohnung
Gesendet am 14. Oktober 2009 um 08:33
das sind doch die schönsten Tage wenn man anschliessend hoch schauen kann und es geschafft hat, trotz der Unnahbarkeit. Bravo!

marmotta hat gesagt:
Gesendet am 14. Oktober 2009 um 19:11
@Berglurch und Fenek: Herzlichen Dank Euch Beiden! War wirklich eine sehr schöne Tour. Tatsächlich hatte ich eine falsche Schwierigkeitsbewertung im Kopf (soviel zum Thema "Tourenvorbereitung mit hikr.org") und auch die Bemerkung im SAC-Führer hatte mich zweifeln lassen, ob die Besteigung bei den Verhältnissen überhaupt gelingen würde. Umso erleichterter war ich dann, als ich sah, dass es sich um eine unschwierige Alpinwanderung handelt, die sich auch bei diesen Verhältnissen noch problemlos durchführen liess.

Beste Grüsse

marmotta


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