Nünihorn (Lohner)


Publiziert von Zaza , 28. September 2009 um 07:56.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Frutigland
Tour Datum:26 September 2009
Wandern Schwierigkeit: T6- - schwieriges Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 7:30
Aufstieg: 2200 m
Abstieg: 2350 m
Unterkunftmöglichkeiten:Lohnerhütte, sehr angenehm. Nur blau-weiss markierte Zugänge. Eine der wenigen SAC-Hütten, die im Winter für normale Menschen definitiv und absolut nicht zugänglich ist.
Kartennummer:1267, 1247

Because it's there...

Bei der Beschreibung des Lohnergebietes sind Jürg Müller im SAC-Clubführer einige sehr launige Sätze gelungen. Hier ein paar Beispiele:

"Die Felsqualität ist vielfach schlecht und dämpft den etwa beim dörflichen Bier aufkommenden Übermut." (Einleitung)
"Nur für Liebhaber von Klettereien in abenteuerlich lebendigem Fels. Für Normalverbraucher nicht empfehlenswert." (R. 732)
"Beim Zugang von Bunderchumi empfiehlt sich ungeachtet der Erkenntnis von Mummery, wonach fallende Steine nicht unbedingt auf arglose Bergsteiger zielen, leichter Laufschritt." (R. 742)

Nünihorn und Mittaghorn sind die beiden markanten Türme, die den Lohner-Hauptgipfeln westlich vorgelagert sind. Während das Mittaghorn der am leichtesten erreichbare Gipfel der Lohnergruppe ist, ist das Nünihorn  ein exotischer und vermutlich sehr selten bestiegener Berg. Weder ein Steinmann noch ein Gipfelbuch sind auszumachen. Nun kann man den Aufstieg nicht wirklich rühmen, er ist mühsam und führt durch herbes Abenteuergelände. Aber eben, das Nünihorn ist da und darum erhält es dann und wann auch mal Besuch.

Mein Start erfolgt in Unter dem Birg, bei der Talstation der Engstligenalp-Bahn. Eigentlich wollte ich auf dem Chäligang aufsteigen, den der SAC-Führer als abenteuerliche Route rühmt. Doch bei einer Tafel lese ich, dass da inzwischen ein Klettersteig drin ist und dass ein KS-Set obligatorisch sei. Obwohl die KS-Polizei vermutlich um diese Zeit noch nicht wach ist, nehme ich halt den Normalweg. Über Bündihorn und Luser erreiche ich den Einstieg zur blau-weiss markierten Querung Richtung Lohnerhütte (man könnte von der Engstligenalp auch auf dem direkteren Wanderweg zum Einstieg gelangen). Diese Querung ist nicht schwierig, aber auf lange Strecken ziemlich ausgesetzt. Ein Ausrutscher wäre hier eine schlechte Idee. Bei Regen oder gar Schnee ist die Sache nicht anzuraten (mit feuchtem Boden muss man allerdings im Herbst rechnen).

Bei der Lohnerhütte sehe ich das Hüttenbuch durch...kein einziger Nünihorn-Aspirant hat sich da eingetragen, das kann ja heiter werden. Ansonsten ist es ruhig und ich gehe weiter in die nächste Geländekammer. Hier suche ich anhand der Beschreibung des SAC-Führers nach dem Durchstieg ins obere Tierchumi. Nach etwa einer Stunde vergeblicher Sucherei habe ich die Sache schon fast aufgegeben, als ich den (einen) Durchstieg doch noch finde. Er ist von unten nicht gut sichtbar, die Beschreibung im Führer ist hier nicht hilfreich. Darum hier ein alternativer Versuch:

Bei der Stelle mit 2 Steinmännern, kurz nach der Überquerung eines Bachlaufes (von der Hütte her kommend), geht man über Schutt aufwärts zur Wand. Man erreicht sie etwas links des Tobels, aus dem der genannte Bach kommt (im Tobel liegt lange Schnee). Nun quert man der Wand entlang nach links, bis man eine einladende Rampe (vgl. Foto; von unten kaum zu erkennen) sieht. Man ersteigt sie bis auf eine Ecke. Hier findet sich eine alte Abseilschlinge. Nun überquert man ein kurzes, recht unangenehmes Band (ausgesetzt, Schlüsselstelle, oberhalb alte Abseileinrichtung, Achtung auf brüchige Griffe!), erreicht wieder schuttiges Gelände und quert dann ins obere Tierchumi hinein.

Der Rest ist einfacher: Nun mühe ich mich durchs Tierchumi hinauf, möglichst festere Stellen suchend. Bei der Wand angekommen, geht es links aufwärts, bis ich den Grat in der Nähe von P. 2772 erreiche. Ein kurzer Abstieg führt mich zum eigentlichen Nünihorn (P. 2717), mit eindrucksvollem Tiefblick nach Adelboden. Der Abstieg geht relativ rasch (Geröllsurfen), was auch sinnvoll ist, weil inzwischen immer mehr Quellwolken aufziehen. Vorsichtig klettere ich die Schlüsselstelle wieder ab, erreiche den Hüttenweg und gehe dann auf dem unteren Weg (interessant, mit Ketten und Leitern) zur Alp Schrickmatte und dann auf Wanderwegen runter nach Oey.

Hinweise:

  • Das Gelände ist eher steinschlägig. Man achte auf umherturnende Gämsen. Ausserdem muss man gut darauf achten, keine Steine loszutreten, die auf den Hüttenweg fallen könnten.
  • Wenn man nur das Nünihorn besuchen möchte, sind auch viel kürzere Zustiege möglich. Man kann z.B. mit dem Velo oder Auto bis zu den oberen Alpen fahren. Auch der steile Zustieg vom Laueli sieht interessant aus.

Tourengänger: Zaza

Galerie


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