Hoher Gleiersch (2491m)


Publiziert von gero Pro , 13. September 2009 um 19:20.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Karwendel
Tour Datum: 9 September 2009
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 9:45
Aufstieg: 1700 m
Abstieg: 1700 m
Strecke:Ab Scharnitz mit dem Radl bis zum Abzweig Ochsenbodenweg. Bluetsgraben - Westgrat rauf, Normalweg am Unteren Rigelkar runter.
Kartennummer:AV-Karte 5/1 (Karwendel - Westl. Blatt); Freytag & Berndt WK 322 (Wetterstein-Karwendel)

Diese schöne Karwendeltour hat nur einen Nachteil, nämlich den sehr langen Anmarschweg: bis es erst einmal losgeht, marschiert man ab Scharnitz etwa 10km auf der Forststraße ins Gleierschtal hinein - und auf dem Rückweg wieder hinaus. Um diese Hatscherei zu entschärfen, entschloß ich mich, diesmal das MTB meiner Tochter zu Hilfe zu nehmen.

Startpunkt meiner Unternehmung war der letzte Parkplatz rechts an der B 2 auf deutscher Seite vor dem Grenzübergang Scharnitz, unmittelbar an der Isar gelegen. Dieser Parkplatz hat den kleinen Vorteil, daß er kostenfrei ist - anders als der Großparkplatz in Scharnitz, von dem aus es direkt in die Karwendeltäler hineingeht (er kostet pro angefangenen Tag 3 Euro). Nachteilig ist, daß der Anmarsch in die Karwendeltäler fast 2km länger ist - zu Fuß sicher ein Argument dagegen, aber mit dem Radl kein Thema.

Abfahrt um 4:30 Uhr, natürlich mit vorschriftsmäßiger Beleuchtung; es ist ja um diese Jahres- und Tageszeit noch bis 6 Uhr dunkel, und die B2 ist schon zu früher Morgenstunde stark befahren, auch von Schwerverkehr. In Scharnitz Einbiegen zum Großparkplatz, an dessen hinterem Ende man sich an Hand einer großen Tafel zu entscheiden hat, wo es hingehen soll: in das Karwendeltal (Richtung Karwendelhaus) oder in das Hinterautal (Richtung Halleranger bzw. Gleirschtal). Ich hatte natürlich der zweitgenannten Richtung zu folgen: auf zunächst geteerter (für den allgemeinen Verkehr gesperrter) Straße bis zum Gasthof Wiesenhof, danach ist die gut befahrbare Piste geschottert.

Es geht mehrfach rauf und runter, nach 30 Minuten Radlzeit zweigt der Weg ins Hinterautal ab, ich radelte weiter durch die Dunkelheit ins Gleierschtal hinein. Ganz dunkel war es allerdings nicht, denn der nahezu volle Mond sorgte für gute Ausleuchtung der nächtlich spannenden Szenerie mit ihrem Gewisper. Gelegentlich mußte ich das Radl schieben - so ganz fit bin ich nicht mit der Treterei, besonders mit Rucksack bei steileren Anstiegen.

Und dann aufgepaßt: will man meinem Anstiegsweg über den Westgrat des Gleiersch folgen, dann gilt es, die erste links aufwärts abzweigende Forststraße des Gleierschtales nicht zu übersehen; dieser Abzweig ist nicht zu übersehen, vor allem bei Beachtung der AV-Karte. Bis hierher brauchte ich radelnder und schiebender Weise knapp 90 Minuten ab Startpunkt. Eine Vielzahl von Wegbeschilderungen macht die Orientierung leicht. Nur besagter Abzweig ist nicht beschildert; allerdings findet sich kurz oberhalb der ersten Kehre unmittelbar am Beginn der Forststraße ein von unten nicht sichtbares Schild "Ochsenbodenweg". Hier kettete ich das MTB an einem Baum an, etwas abseits der Forststraße und nicht unmittelbar sichtbar - ab jetzt hatten mich die Beine zu tragen, auf dem Rückweg würde ich das Radl wieder mitnehmen.

Man hat besagter Forststraße insgesamt 4 Kehren aufwärts zu folgen bis zu ihrem höchsten Punk bei knapp 1500m; in der AV-Karte ist dieser Punkt als "Ob.Grünbichl" bezeichnet. Jenseits führt die Straße noch wenige Minuten 20Hm abwärts und überquert den Bluetsgraben - bis hierher ist die Wegfindung absolut einfach, aber nun beginnt das Abenteuer (7:10 Uhr, im folgenden zeitlicher Bezugspunkt).

Wie im Karwendelführer beschrieben, stieg ich am orographisch linken (also im Sinne des Aufstiegs rechten) Hang des Bluetsgrabens durch Wald an. Es gibt gelegentliche Steigspuren, aber natürlich keine Markierung. Viel falsch machen kann man andererseits auch nicht: einfach unmittelbar neben dem Graben steil aufwärts, so gut es geht. Der Wald lichtet sich, und man erreicht die Latschenzone - nun wird es wieder spannend! Es gilt, den Durchschlupf durch die Latschen zu finden. Es ist dies ein plötzlich erstaunlich guter Steig, der etwas südlich am obersten Ende des Bluetsgrabens (von diesem rund 100 horizontale Meter entfernt) in die Latschen hineinführt. Blick fürs Gelände, aber auch Intuition heißen die Zauberworte, die mich diesen Steig erfreulicherweise sofort finden ließen. Ich brauchte knapp 40 Minuten ab dem Ob.Grünbichl bis zu dieser Stelle.

Mit diesem Steig ist der Weiterweg absolut einfach: er windet sich steil durch die Latschen und leitet an derem oberem Ende zusehends nordwärts über steile Wiesen- und Schrofenhänge aufwärts zum nördlichen Ende des Gleiersch-Westgrates, den ich auf etwa 2050m Höhe erreichte, ungefähr in der Mitte zwischen den Bezeichnungen "Bluetsgrabensenke" und der Kote "2200" der AV-Karte. Im oberen Bereich verfällt der Latschensteig, aber die grobe Richtung liegt längst fest: hinauf zum Westgrat!

Den Westgrat erreichte ich um 8:30 Uhr bei einigen Steindauben, also knapp 1,5 Std. nach dem Ob.Grünbichl. Man hat hier einen tollen Blick in das umgebende Karwendel, das Wetterstein und auch die Stubaier Berge im Alpenhauptkamm. Über einige Kuppen geht es (nun wieder mit Steigspuren bzw. auch ausgeprägtem Steig) immer am Grat aufwärts; das mächtige Gipfelkreuz rückt in Reichweite, doch zuvor ist an den kurzen Aufschwüngen etliche Male Hand anzulegen: einige Kraxeleien würzen die obersten 200 Höhenmeter (I-, sie sind alle harmloser, als es zunächst aussieht, und man bewegt sich immer in der Südseite des Kammes, nie auf der ausgesetzten Nordseite).

Um 9:40 Uhr erreichte ich den Gipfel des Hohen Gleiersch (2491m) und hatte somit ab Startpunkt 5 Std., ab Bezugspunkt Ob.Grünbichl 2 1/2 Std. benötigt. Ich konnte an diesem wunderbaren Tag die Aussicht ganz allein genießen, und sie ist wirklich einmalig: tief drunten die Almböden der Karwendeltäler, gegenüber die eindrucksvollen Flanken des Karwendel-Hauptkammes, das Wetterstein etwas weiter entfernt, und die Dreitausender der Zillertaler und der Stubaier Berge jenseits des Inntales noch weiter weg.

Eine gute Stunde hielt ich mich auf dem Gipfel auf - dann mußte ich an den Abstieg denken. Ich folgte dem Normalweg hinab ins Untere Rigelkar, er ist bestens markiert, die steile Spur hält sich immer an der nördlichen Seite des Südwestgrates und leitet am Oberen Sagkopf (2154m) vorbei zum wenig ausgeprägten Sattel zwischen diesem und dem Unteren Sagkopf (1652m) hinunter. Das Rigelkar wird dabei nicht betreten, doch hat man erstaunliche Einblicke in dessen gerölligen Karboden und den jenseitigen Kamm des Katzenkopfes und der Jägerkarspitzen (es ist dies der hochalpine, ausgesetzte Barthgrat, den 1870 Hermann von Barth erstbeging - seine schwierigste Tour, nach heutigen Maßstäben eine III). Erst während des Abstieges begegneten mir einige wenige Bergsteiger, die sich ebenfalls den Gleiersch zum Ziel gesetzt hatten.

Gegen 12:40 Uhr erreichte ich die Forststraße, die durch das Gleierschtal führt, etwa beim Gasthaus Amtssäge. Eine Stunde wanderte ich von hier talauswärts Richtung Scharnitz, erreichte die Abzweigung des Ochsenbodenweges, wo das Radl auf mich wartete - und dann kam ein Moment, auf den ich mich schon lange gefreut hatte: draufsetzen und (statt ewiger Hatscherei) beschwingt hinausrollen zum Großparkplatz in Scharnitz und weiter zum Startpunkt meiner Unternehmung.


Anmerkungen zum Schluß:
-  Im Karwendelführer und auf den Landkarten heißt es "Gleiersch". Die Schreibweise "Gleirsch" wird aber ebenfalls verwendet.
- Ich habe mich bemüht, hier eine möglichst "exakte" Beschreibung vor allem meines Aufstiegsweges zu vermitteln (incl. meiner Uhrzeiten) und hoffe, dies ist mir gelungen. Andererseits bitte ich, zwischen den Zeilen lesen: die Tour ist technisch unschwierig, verlangt aber neben der üblichen Trittsicherheit durchaus Orientierungsvermögen. Nichts für "unsichtige" Bedingungen, etwa bei Nebel!

Tourengänger: gero

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Kommentare (2)


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felixbavaria Pro hat gesagt:
Gesendet am 13. September 2009 um 21:08
Genialer Berg, der noch auf meine Besteigung wartet - und wie gewohnt ein schöner Tourenbericht mit einer spannenden Aufstiegsvariante.

Viele Grüße, Felix

ju_wi hat gesagt: GPS
Gesendet am 15. September 2009 um 08:32
Hi Georg,
schöne Tour, die ich so nachgehen würde - und ja auch wieder Traumwetter... Das war uns dieses Wochenende nicht beschienen.
Du musst Dir mal - wie versprochen - ein GPS zulegen; bei solchen Touren ist das eine echte Bereicherung (z.B. falls Nebel einzieht).

(Eigentlich denke ich dabei ja rein egoistisch, denn dann gäbe es einen Track zum Nachlaufen :-)

Schöne Herbsttouren noch - vielleicht auch mal zusammen !

Beste Grüße, Jürgen


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