Schaukeln verboten - Hängebrücken entlang der Maggia


Publiziert von Henrik , 3. September 2009 um 19:37.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:30 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI 
Zeitbedarf: 3:00
Aufstieg: 50 m
Abstieg: 50 m
Strecke:Someo - Maggia
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Someo
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Maggia
Unterkunftmöglichkeiten: im Text beschrieben

 
...vielleicht liegt es an den alten Kartenausgaben, dass ich bis heute nicht fündig geworden bin. Dies gilt für die ganze CH: ich habe keine neueren Karten als vor 1994 – Leichtsinn? Was die Zwischenzeit angeht, kann ich mich jetzt aus dem Netz bedienen und ggf. ausgedruckt mitnehmen. Die Gilde der Traditionalisten auf hikr. wächst, denn der Entdeckungsgeist mit Karten, auf denen Wege noch eingezeichnet sind, die heute nicht mehr „existieren dürfen“, machen ja die Unternehmungen lohnenswert in mehrfacher Hinsicht, das Tessin ist somit eine Goldgrube, siehe Seeger & Seeger, Zaza und Lorenzo! Und viele andere natürlich auch.
 
Auf meiner Ausgabe Maggia 1 : 25 000 von 1989 ist bei Riveo eine Hängebrücke eingezeichnet – ich habe mir bisher NICHT die Mühe gemacht, von hier zu suchen, aber vorletztes Jahr bin ich die Maggia ab Cascata di Soladino ein grösseres Stück gefolgt und habe keine Hinweise gefunden – 2007 im August war das Bachbett sehr ausgetrocknet, sodass ich spielend vorwärts kam. Eigentlich hoffte ich, zwischenzeitlich wieder etwas mehr dazu zu erfahren – vielleicht liest die hikr-community diese Zeilen und macht auf Nachhilfestunde, Danke!
 
Wir verbrachten die Nacht in Cavergno: das Ostello La Curva Cavergno info@ostello-lacurva.ch hat eine neue Gastgeberin, langjährige Gäste bei Marco in Coglio (Hotel Cristallina) werden sie kennen, es ist Heike Thielbeer, die dort über zwei Jahre im Service gearbeitet hat. Heike baut auf Bestehendem auf und legt wert auf Biologisches – das merkt man am Frühstückstisch. Am Sonntagmorgen ist Heike nicht anwesend. Mit Danièla aus Rosèd werden wir Zeitzeugen ihrer Kindheit: sie erzählt ausführlich über das Leben im Val Bavona. Zeigte uns anhand des vergriffenen Buches, das auch Grundlage aller Beschreibungen von Andreas’ ist, für seine fast halsbrecherischen Erkundungen in den Valli, wie es früher gewesen ist, als der Winter hereinbrach und das ganze Val Bavona „evakuiert“ wurde – man lebte dann in Cavergno!
 
Um zehn nehmen wir den Bus nach Someo: zwei Holländerinnen haben den Chauffeur gebeten, ihnen mitzuteilen, wann sie auszusteigen hätten, um nach Bosco Gurin zu gelangen – jetzt sitzen sie etwas konsterniert und ratlos auf der Holzbank an der Haltestelle in Someo, drehen die noch völlig neue Karte hin und her, wissen nicht wo sie gelandet sind und wirken hilflos. Dass der Bus auch nur jede Stunde fährt, zieht Verwunderung nach sich...ich empfehle ihnen den Wanderweg ab hier, den wir jetzt unter die Füsse nehmen, nach Maggia. Gut gekennzeichnet, da braucht es keine Kartenkenntnisse – wir haben sie nicht überholen sehen!
 
Die Hängebrücke von Someo mit ihren 340 m Länge ist immer wieder ein Erlebnis. Claudia, die mit mir das Tessin schon seit Jahren erkundet, kannte sie nicht – ich ging davon aus, dass wir hier doch schon 1996 vorbeigekommen seien, nein, die von Guimaglio, ja. Man kann hier nicht fehl gehen – es gibt also keine Steigungen und nur natürliches Gefälle. Wir rechneten eigentlich für den strahlenden Sonntag mit Heerscharen – und freuten uns, das dem doch nicht so war. Verschiedene Gruppen Jugendlicher trafen wir an verschiedenen Plätzen an der Maggia an – mit Schlafsäcken und dröhnender Musik, es roch nach Pot! Etwas Woodstock...
 
Die üppige Flora und die vielen Vogelstimmen begeisterten uns, die gleissende Helle und die hohen Erhebungen auf der linken Talseite inspirierten für kommende Streifzüge. Claudia sammelte Eicheln und die kleinen, knallgrünen „Kastanienigel“ – als Dekoration für ihre Heimbewohner. Die umfassend renovierten Rustici entlang der Maggia stören nicht, oft verläuft der breite Pfad beinahe mitten durch die Gärten. Jedenfalls sind die Häuser hier ja für die Eigentümer gut zu erreichen – die PP liegen meist nur wenige hundert Meter davon entfernt. Gegenüber Giumaglio, am Brückenkopf der Hängebrücke, wagten sich Bikini-Nixen ins Wasser – das Gehen auf den Steinen im Bachbett sah aus wie ein Ballett.
 
Nur in Lodano, das wie herausgeputzt wirkte, steigt der Weg ein wenig an. Man kommt an prächtig renovierten Gebäuden vorbei, hört aus dem Grotto Männer am Mittag schon heftig debattieren und bald sind es wieder die kleinen Eidechsen, die den Blick auf anderes richten lassen. Die Sonne heizt auf. Hunger stellt sich ein und auch Durst. Kurz vor Maggia entscheiden wir uns für das Ende unseres vormittäglichen Spaziergangs (mehr ist das nicht). Die dritte Hängebrücke an der Maggia wirkt schon moderner als die von Someo bzw. Guimaglio. Wir freuten uns auf einen kleinen Mittagstisch – doch wir fanden drei Türen verschlossen. Gerade reichte es noch auf den Bus um 13.19, die digitale Zeit-/Temperaturanzeige am PP verhiess 31 Grad.
 
In Ponte Brolla hatte das „Stazione“ geschlossen, die Osteria all' Orrido am Brückenkopf mit dem günstigsten Espresso im Tal serviert um 13.45 keine warmen Mahlzeiten. Ennet der Maggia versuchten wir es dann im „Centovalli“ – die hatten einen Privatanlass! Dann suchten wir das Grotto America, doch das liegt am Südende von Tegna...das „Enzo“ ist nur mit ordentlichem Dresscode aufzusuchen....da meinte ein Spaziergänger, hinter diesem grünen Zaun läge das Ristorante PensionAl Castagneto! Was wir hier vorfanden, erstaunte uns: Charme und Entgegenkommen – eine Bedienung aus Österreich. Wir bekamen ein phantastisches Risotto und hervorragende Ravioli serviert, mundenden Wein und eisgekühltes Wasser. Danach erneut eine Steigerung: das Dessert, das sichtlich wie Samt auf der Zunge verging. Zwischenzeitlich war es halb drei....um kurz vor halb vier stiegen wir ins „Blaue Bähnli“, um 15.45 fährt der Basler Zug ab Locarno. Ab Faido bis Arth Goldau proppenvoll – mit stehenden Fahrgästen!

Tourengänger: Henrik

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