Roccia Nera (Schwarzfluh, 4075m) - Castor (4228m)


Publiziert von gero Pro , 17. August 2009 um 14:48.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:14 August 2009
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   I 
Strecke:Seilbahn-Bergstation Klein Matterhorn - Roccia Nare - Bivacco Rossi + Volante - Castor
Kartennummer:LK 284 (Mischabel), 294 (Gressoney)

Eigentlich hatten wir Größeres vor: der Liskamm sollte es werden - aber es ist anders gekommen, leider. Erwin und ich fuhren an diesem strahlend schönen Morgen mit der Seilbahn hinauf zum Kleinen Matterhorn, querten via Breithornpaß den oberen Verragletscher auf einer der zahlreichen Spuren unmittelbar unterhalb des Breithorns, um direkt den Felssporn zu erreichen, jenseits dessen die Biwakschachtel Rossi + Volante in den Felsen liegt.
Nachdem wir dort unser Gepäck deponiert haten, machten wir uns an den Aufstieg zur Roccia Nera. Man steigt den Firnhang geradewegs empor - einige Kehren erleichtern das Steigen im bis zu etwa 40° steilen Gelände. Nach einer guten Stunde hatten wir es geschafft: die Roccia Nera (4075m) ist der östlichste aller Breithorngipfel, eine Firnkuppe über nordseitigen Felsabbrüchen. Man hüte sich vor den nordseitigen Wächten und begnüge sich damit, 1m unter dem höchsten Punkt zu halten, der letzte Meter birgt das Verhängnis in sich!
Wie von allen hohen Wallisern ist auch hier die großartige Aussicht erwähnenswert.

Beim steilen Abstieg ist natürlich Konzentration angesagt - das Gelände ist zwar wenig schwierig, aber ein Stolpern wäre hier sehr unangebracht. Den Rest des Tages verbrachten wir im Bereich der Biwakschachtel. Sie ist mit Decken bestens ausgerüstet, den Schlafsack hatte ich dies Mal nicht mitgenommen, um für die geplante lange Tour des nächsten Tages so wenig Gewicht wie möglich schleppen zu müssen. Problematisch ist die Wasserversorgung auf dem Biwak: im unmittelbaren Umkreis gibt es derzeit keinerlei Schnee und auch kein Wasserrinnsal, mit dem man etwaige Feldflaschen auffüllen könnte. Der Schnee oberhalb der Felsen, in denen das Biwak liegt, ist leider durch Exkremente sehr verschmutzt, und man müßte peinlichst genau ein sauberes Fleckchen Schnee suchen, um es anschließend mit einem Kocher zu verflüssigen.
Dies bedeutet im Klartext: Wasser aus dem Tal in ausreichender Menge mitbringen!

Am nächsten Morgen (15.08.2009) starteten wir um 3:45 Uhr und kletterten die unschwierigen Felsen hinab zum Gletscher - noch im Schein der Stirnlampen. Wir querten hinüber zum Zwillingsjoch (3845m), hier dämmerte es, und der Aufstieg über die Westflanke des Castor begann. Die Spur ist zwar steil, aber problemlios zu gehen - einige Kehren entschärfen die Neigung von bis zu 40°. Die wenigen Spalten der Flanke werden von der Spur gemieden, lediglich der Bergschrund ganz oben ist nicht zu umgehen. Er wird momentan an seinem linken Rand (im Sinne des Aufstieges) überstiegen: hier überbrückt ein Firnstück den eindrucksvoll eisigen, tiefen Schrund. Kurz darauf hat man hinübergequert zum Sattel nördlich unterhalb des Castor (4228m), und es sind noch wenige Minuten hinauf zu dessen Hauptgipfel, auf dem wie immer ausgesetzten Firngrat.

Bis hierher habe ich die Tour schon einmal hier begangen und veröffentlicht. Heute stand eigentlich der Weiterweg zum Liskamm und dessen Überschreitung auf dem Programm - beste Verhältnisse, phantastisches Wetter - also los, weiter, hinüber zum Felikjoch und angepackt! So sah unser Plan aus - doch manchmal kommt es anders, als man denkt! Wenige Schritte unterhalb des Castor-Gipfels plötzlich ein unsympathisches "Kling", ein ungewohntes Gefühl unter dem rechten Fuß, ich sah hinab: dort lag mein zerbrochenes Steigeisen im Schnee. Grad meinte ich, es ginste mich höhnisch an und dagte: "Ätsch - Schluß für heute!". Tja, dies war aber leider die traurige Konsequenz - denn mit nur einem Steigeisen wäre es unmöglich gewesen, die Tour fortzusetzen, hinüber zu meinem Traumberg, dem Liskamm, zu dem ich hinaufschaue, seit ich das Wallis kenne!

Wir stiegen dann wieder ab zum Felikjoch, im Geschwindschritt querte ich den Verragletscher hinüber zum Kleinen Matterhorn - ich wollte mir den Frust aus der Seele rennen. So geht das halt manchmal - aber aufgeschoben ist hoffentlich nicht aufgehoben!

Derzeit herrschen im gesamten Tourengebiet exzellente Verhältnisse. Die Spuren gleichen Autobahnen, der Firn ist bestens begehbar, Blankeis ist noch kein Thema.

Tourengänger: gero

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