Via Alta della Verzasca / Etappen 1 & 2


Publiziert von xaendi Pro , 2. März 2010 um 15:04. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:26 Juli 2009
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Madöm Gross   Gruppo Cima di Gagnone   Gruppo Poncione Rosso   Gruppo Cima dell'Uomo 
Zeitbedarf: 7 Tage
Strecke:Vogorno - Alpe Odro - Pizzo di Vogorno - Capanna Borgna - Capanna Cornavosa - Poncione Rosso - Alpe Fümegna - Capanna Efra - Pizzo Cramosino - Alpe Costa - Frasco
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Zürich - cff logo Locarno - Postauto nach cff logo Vogorno (St. Antonio)
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Postauto von cff logo Frasco nach cff logo Locarno - cff logo Zürich
Unterkunftmöglichkeiten:Alpe Odro (bewirtschaftet), Alpe Bardughe (nicht bewirtschaftet), Capanna Borgna (nicht bewirtschaftet), Capanna Cornavosa (nicht bewirtschaftet; noch im Bau), Alpe Fümegna (bewirtschaftet), Capanna Efra (nicht bewirtschaftet), Rifugio Alpe Costa (nicht bewirtschaftet, noch im Bau)
Kartennummer:Quadraconcept - Valle Verzasca (www.quadraconcept.ch)

Uns hatte schon länger mal interessiert, wie sich eine Tour auf einer T6-Route anfühlen würde. Auf der SAC-Wanderskala wird als Beispiel für T6 immer wieder die Via alta della Verzasca (VAV) angegeben. Nach einiger Recherche im Internet beschlossen wir, die Begehung dieser Höhenwanderung zu versuchen.

Tag 1: Anreise, Adrenalin-Kick und Alpe Odro
Mit dem Zug gehts bequem durch den Gotthard nach Locarno. Von dort mit dem Postauto Richtung Verzascatal. Bei der "Diga di Verzasca", der dritthöchsten Staumauer der Schweiz, steigen wir aus und holen uns den Adrenalinkick für die nächsten Tage beim Bungee Jumping.
Weiter gehts per Autostopp und zu Fuss nach Vogorno und zur Alpe Odro. Die schweren Rucksäcke und die (mangelnde?) Kondition machen sich bereits bemerkbar. Nach etwa zwei Stunden Aufstieg durch schöne Wälder (wir sehen viele Eidechsen) erreichen wir die schmucke Alpe Odro, wo wir uns bald frisch geduscht ins Bett legen.

Tag 2: Über den Pizzo di Vogorno zur Capanna Borgna
Nach einem feinen Morgenessen mit Ziegenmilch (ist Geschmacksache) geht es weiter zur Alpe Bardughe (ca. 1h), und von dort auf den Pizzo di Vogorno. Allmählich zieht Nebel auf, die Aussicht zum Lago Maggiore bleibt uns verwehrt.
Beim Abstieg (Richtung Rienza) verlieren wir die Wegspur, und traversieren über Alpenweiden zur Capanna Borgna, welche schon von weitem sichtbar ist.
Dort angekommen, treffen wir auf eine Gruppe der SEV, welche sich ebenfalls auf die VAV begeben will. Die beiden Borgna-Hütten sind bis auf den letzten Platz besetzt.

Tag 3: Etappe 1 (Capanna Borgna - Capanna Cornavosa)
Um 6.30 gehts über die Bocchetta di Cazzane Richtung Bocchetta di Leis, im oberen Talkessel immer etwa die Höhe haltend. Von der Bocchetta di Leis bis zum Poncione di Piotta führen die Markierungen zum ersten Mal auf und knapp unter dem Grat. Da fühlen wir zum ersten Mal dieses 'VAV-Feeling', wie es in anderen Tourenberichten zu lesen war. Auf dem Poncione di Piotta (2439m) machen wir die erste Pause neben dem prächtigen Gipfel-Steinmannli.
Von nun an geht es, immer auf oder kurz unter dem Grat, über grössere und kleinere Blöcke, aber immer wieder durch Haltegriffe entschäft, weiter. Am Cima delle Cengia delle Pecore östlich vorbei, dann wieder auf den Grat, um sogleich den Cima del Picoll etwas unter dem Gipfel westlich zu umgehen. Bei P. 2367 (Sella) wollten wir ursprünglich Mittagessen; weil wir bis anhin jedoch sehr gut vorangekommen sind, beschliessen wir, gleich weiter zu gehen. Die Route führt nun auf einem schmalen Weg, die Höhe haltend, zur Bocchetta del Venn. Von diesem Talkessel eröffnet sich die wunderbare Sicht auf den bisherigen Routenverlauf. Uns verwundert, welch grosse Distanzen man in einem Tag zurücklegen kann. Das Trinkwasser geht uns unterdessen aus, und so müssen wir uns mit Regenpfützen begnügen, welche sich in den Felslöchern beim Gewitter von letzter Nacht angesammelt haben (ist im Nachhinein nicht sehr zu empfehlen...). Von der Bocchetta del Venn ist bereits die Alpe Cornavosa, unser Tagesziel, sichtbar, welches wir wenige Zeit später erreichen. Die Capanna Cornavosa befindet sich zwar noch im Bau; Koch- und Schlafmöglichkeiten sind aber vorhanden.
Das Fazit nach dem ersten Tag VAV: Wir haben es uns schwieriger vorgestellt. Bis jetzt waren alle schwierigen Stellen merklich entschärft. Die Markierungen zu finden, ist bei guter Sicht kein Problem.

Tag 4: Capanna Cornavosa - Poncione Rosso - Alpe Fümegna

Heute machen wir einen Tag Pause, um zu vermeiden, dass wir uns mit grossen Gruppe der SEV nochmals in eine Hütte drängen müssen. So gehts nach gemütlichem Ausschlafen zum P. 2005 und von dort Richtung Alpe Fümegna. Auf halben Weg wählen wir die Abzweigung zur Forcarella di Lodrino (durchgehend markiert). Weiter führt der Weg, immer leicht unter dem Grat, unter den Poncione di Rosso, welcher sich immer majestätischer über uns erhebt. In einfacher Kletterei führt die Route über Platten hoch zum Gipfel (2505m), immer gut markiert. Oben bleiben wir nur kurz, da sich das Wetter allmählich verschlechtert. Zurück VAV-Route auf demselben Weg und von dort weiter zur Alpe Fümegna, die im Sommer bewirtschaftet ist. Dort erwartet uns eine Dusche, ein feines Znacht und ein heimeliges Zweizimmer zum Übernachten. 

Tag 5: Etappe 2 (Alpe Fümegna - Capanna Efra)
Am nächsten Tag geht es weiter auf der eigentlichen VAV-Route. Von der Alpe Fümegna hoch zur Bassa und von dort auf den Cima Lunga, wo wir die prächtige Aussicht geniessen und zum Pocione Rosso zurückblicken. Weiter auf dem grasigen Grat südwestlich zur Bocchetta di Fümegna. Dort verlassen wird den Grat und queren den Kessel unterhalb des Cima di Bri, um dann beim Passo di Bri wieder auf den Grat zu steigen. Die zweite Etappe der VAV präsentiert sich weniger felsig als die erste. Grosse Teile führen über sehr schöne, grasbewachsene Gräte, die bei trockenem Wetter einfach zu begehen sind.
Über den Cima di Rierna den Cima del Rosso erreichen wir den Cima di Gagnone, der schon von weitem sichtbar ist. Nach einem kurzen Rast geht es runter zur Bocchetta dello Scaiee mit der Schlüsselstelle dieser Etappe - einer Felsplatte, die heute jedoch unschwer passierbar ist. Von dort erkennen wir bereits die Capanna Efra, zu welcher wir auf dem markierten Wanderweg hinuntersteigen.

Tag 6: Schlechtes Wetter, gute Laune
Nach einem gemütlichen Abend in der Capanna Efra beschliessen wir heute, aufgrund der Wetterverhältnisse einen Ruhetag einzulegen. Der Nebel hängt tief, es regnet, und wir wollen nichts riskieren. Mit Schach, UNO, Lesen und Kochen verbringen wir den Tag in der Hütte.

Tag 7: Versuch Etappe 3 (bis Pizzo Cramosino) und Abbruch
Obwohl sich das Wetter noch nicht viel verbessert hat, wollen wir es heute versuchen. Wir brechen früh auf und begeben uns auf der VAV-Route Richtung Nordnordosten, immer etwa die Höhe haltend. An einer Steinhütte vorbei, die an die Hungeralpen aus "Die schwarzen Brüder" erinnert, steigt der Pfad nun stetig an. Dani, den wir gestern in der Capanna Efra kennengelernt haben, hat uns überholt. Der Nebel verdichtet sich zunehmends, die Suche nach den weiss-blau-weissen Markierungen wird immer schwieriger. Nur zu dritt schaffen wir es schliesslich, von einer Markierung zur nächsten zu gehen, und auf Sichtdistanz zu bleiben. So erreichen wir den Gipfel des Pizzo Cramosino, der leider nicht aus dem Nebel ragen vermag. Auf 5-6 Stunden Gratkletterei im dichten Nebel haben wir keine Lust, und so beschliessen wir, abzubrechen und ins Tal hinunter zu steigen. Ein Telefonanruf bei Meteoschweiz bestätigt unseren Verdacht: Einige Wolken just über den Gipfel des Valle Verzasca fest - Abwarten hätte wenig gebracht.
So steigen wir auf dem gleichen Weg wieder zur Hungeralp und trennen uns von Dani. Für uns geht es weiter Richtung Alpe Costa. Der Pfad dorthin wird offenbar selten begangen; wir kämpfen uns durch Sträucher und Stauden - immer auf der Suche nach einer Wegspur oder nach einem der verblassten Wegmarkierungen. Die Alpe Costa ist wieder eine dieser typischen Verzasceser Alpen mit den niedrigen, komplett aus Steinplatten gebauten Hütten und Ställen in einer rauhen Umgebung jenseits von Verkehr und Infrastruktur. Unvorstellbar, welche Mühe die Bauern früher auf sich nehmen mussten, um für das tägliche Brot zu kämpfen.
Über das schmucke Rifugio Alpe Coste (wird zur Zeit renoviert) steigen wir auf dem Normalweg nach Frasco ab. Dort müssen wir uns erst mal wieder an den Verkehrslärm und die Touristen gewöhnen - nach 6 Tagen in der einsamen und ruhigen Bergwelt.
Mit dem Postauto fahren wir nach Locarno und nehmen dort den Schnellzug zurück nach Zürich.

Fazit
Eine Fortsetzung wird folgen - das ist klar. Das Fieber der Via Alta della Verzasca hat uns gepackt, und Lust auf mehr gegeben. Diese einsamen, sehr abwechslungsreichen Grate mit einmaligen Tiefenblicken sind wirklich etwas, was ich empfehlen kann. Unsere grösste Sorge - dass wir mit Schwierigkeiten um T5/T6 überfordert sein könnten - erweist sich als unbegründet. Die Route ist bis auf wenige Ausnahmen durchgehend sehr gut markiert. Schwierigere Passagen (besonders in der ersten Etappe) sind oft durch Haltegriffe entschärft. Dies führt mich zur Behauptung, die Via Alta della Verzasca sei, zumindest auf der ersten Etappe, mit T6 eher überbewertet.
[Nachtrag: Trotzdem sollte man die Tour aber nicht unterschätzen. Sicheres Bewegen in steilem Gelände und Schwindelfreiheit werden vorausgesetzt.]
Das Konzept mit den unbewarteten Hütten gefällt mir besonders gut. Die Capanna Borgna, die Capanna Cornavosa und die Capanna Efra sind mit sehr viel Liebe zum Detail hergerichtet und ausgerüstet (durch die SEV mit Freiwilligenarbeit). Und wieder mal am Holzherd zu kochen, macht einfach Freude.

Ausrüstung
Tourenrucksack mit Ersatzwäsche, Toilettenartikel, ein Gstältli und eine Reepschnur für alle Fälle, ein Biwaksack (ebenfalls für alle Fälle), GPS-Logger, Kamera, Handy, und Proviant für 7 Tage (vor allem Pumpernikel, Müesli, Milchpulver und Fertigmenues).
In allen Selbstversorgerhütten sind Lebensmittel wie Spaghetti, Saucen, Suppen sowie Bier und Wein vorhanden (ein Kässeli steht bereit). Hätten wir das gewusst, dann hätten wir nicht so viel schleppen müssen ;-)

Kartenmaterial / Führer


Tourengänger: xaendi, Tina

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Geodaten
 2028.kmz GPS-Route (inkl. VAV-Etappen 1 und 2)

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Kommentare (15)


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TomClancy hat gesagt: Supercoole Tour!
Gesendet am 2. März 2010 um 15:11
Hoi Xaendi, ein toller Bericht. Er ermutigt mich, dieses Projekt auch mal näher anzuschauen. Da ich kein ausgewiesener T6-Spezialist bin, habe ich immer gezaudert, diese Tour in Angriff zu nehmen, dabei bin ich doch ein Heimweh-Brioner! Ich wünsche Euch viel Spass bei der Fortsetzung!

Gruss TC

xaendi Pro hat gesagt: RE:Supercoole Tour!
Gesendet am 17. März 2010 um 11:45
Hallo TomClancy
Danke. Also ich kann die die VAV wärmstens empfehlen. Es sind ja nicht alle Etappen T6 (meistens T4 oder T5), und wie erwähnt - die heiklen Stellen sind gut entschärft. Landschaftlich ist das Valle Verzasca wunderbar; aber das muss ich dir wohl nicht erklären ;-)

Gruss
Alex

Linotti hat gesagt: T6 oder nicht?
Gesendet am 27. Juli 2010 um 17:47
Hallo Xaendi,
ich habe die Tour eben im Alleingang gemacht und habe sie sehr genossen. Ich bin jedoch immer etwas vorsichtig mit dem Herabspielen des Schwierigkeitsgrades, gerade weil es Leute verlockt die Tour zu machen, die vielleicht nicht ganz auf der Höhe sind. Es sind ja nicht allein die technischen Probleme, die die Tour anspruchsvoll machen. Sie stellt hohe Ansprüche an die Kondition und Konzentration. Lässt eines von beiden oder beides nach, kann es sehr gefährlich werden. M. E. sind auch nicht alle Stellen entschärft. Warum man T6 anzweifeln kann ist vielleicht, weil es überall zumindest einen Pfad hat.
Auch sind die Platten nicht zu unterschätzen, vor allem am Morgen wenn das Gras feucht ist, oder noch Dreck an den Sohlen klebt. Ich denke, dass es zu zweit rein psyhologisch auch etwas einfacher ist als wenn man alleine unterwegs ist.
Nichts desto totz eine wunderschöne Tour die in Deinem Bericht sehr gut beschrieben wird.
Gruss Linotti


xaendi Pro hat gesagt: RE:T6 oder nicht?
Gesendet am 28. Juli 2010 um 08:05
Hallo Linotti,
es freut mich, wieder mal etwas von der VAV zu hören. Ich stimme dir zu, die Via alta della Verzasca ist auf keinen Fall zu unterschätzen, gerade wegen der Länge der Etappen und der Abgelegenheit. Wir hatten letztes Jahr super Verhältnisse und gute Sicht (zumindest bis Tag 5) - dies hat viel zum Gelingen beigetragen. Und ja, im Alleingang ist das ganze natürlich schon was anderes. Ich werde im Tourenbericht einen kleinen Nachtrag verfassen, um nicht den Eindruck zu erwecken, die Tour sei eine leichte Wanderung...
Grüsse
xaendi

lobojack hat gesagt: Verzasca-mit oder ohne T6 einfach grandios!
Gesendet am 1. September 2010 um 23:10
Vielen Dank für diesen schönen Bericht! Bisher hat uns die T6 Bewertung eher abgeschreckt, obwohl uns das Valle Verzasca seit langem fasziniert und wir Teilstrecken der VAV bereits erfolgreich begangen haben.

Siehe: www.mountainzones.com

Dein Bericht macht Lust auf mehr....!

Beste Grüße

Bombo hat gesagt:
Gesendet am 27. Juli 2011 um 18:29
Ciao Xaendi

Reichlich spät, aber dennoch soll es gelten - danke für Deinen Bericht, welchen ich gerade zum Vorbereiten für unsere baldige Tour verwendet habe. Jetzt fehlt nur noch das Wetter...

Frage: Würdest Du von der Cap. Borgna nochmals zur Cornavosa gehen und dort übernachten oder gleich weiter bis zur Fümegna? Fümegna hätte den Vorteil, dass man nichts selber machen muss, wäre noch ein wenig näher für Etappe 2, jedoch hört man auch einiges negatives von dieser Hütte. Kommt dazu, dass es ja sicher seinen Grund hatte, dass die SEV die Cornavosa erstellte haben....

Danke Dir für eine kurze Info und Gruss

Bombo

xaendi Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 1. August 2011 um 12:06
Hallo Bombo,
sorry für meine etwas verspätete Antwort. War wieder eine Woche im Tessin wandern, fern von Internet und Email ;-)
Nachdem die Cornavosa vor zwei Jahren noch im Bau war, ist sie nun fertiggestellt. Die Fotos, welche ich von der Hütte gesehen habe, würden mich heute dazu veranlassen, wieder dort zu übernachten. Die zweite Etappe ist ja technisch etwas weniger anspruchsvoll, da mag man gut noch eine oder zwei Stunden länger laufen. Von der Alpe Fümegna kann ich nichts Negatives sagen - wir wurden vorzüglich bewirtet, und es hatte - wenn ich mich richtig erinnere - sogar eine kleine Dusche. Einzig das Schlafzimmer habe ich etwas klein in Erinnerung.
Viel Spass au der VAV!

Alex

mari hat gesagt: RE:
Gesendet am 9. August 2011 um 15:19
hallo, xaendi, haben uns von div. begeisterten berichten anstecken lassen und wollen in 2 wochen los. hier noch einige fragen, für deren beantwortung (gern auch von anderen nutzern) ich sehr dankbar wäre: reicht es aus, hüttenschlafsäcke mitzunehmen? sind töpfe und geschirr da? brauch man helm und seil etc? kann/sollte ich hüttenplätze reservieren? danke & viele grüße, mari

Zaza hat gesagt: RE:
Gesendet am 9. August 2011 um 15:29
Zu deinen Fragen:
1) Ja (Decken sind in allen Hütten vorhanden)
2) Ja (auch Lebensmittel sind in den Hütten zu kaufen)
3a) Nein
3b) Nein (für ganz unerfahrene Gänger ist die Route weniger zu empfehlen)
4a) Ja, zumindest für Gruppen könnte man reservieren.
4b) Nein, ausser für grössere Gruppen (zwischen Sommer- und Herbstferien ist nicht so viel Betrieb)

mari hat gesagt: RE:
Gesendet am 9. August 2011 um 22:57
Hi Zaza, vielen Dank für die hilfreichen Antworten, hoffentlich spielt das Wetter mit, wir sind gespannt...

xaendi Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 9. August 2011 um 23:01
Danke zaza für die Antworten - dem gibt es eigentlich nichts mehr hinzuzufügen ;-) Viel Spass auf der VAV - schleppt nicht zu viel mit (v.a. Essen) und geniesst die einmalige Abgeschiedenheit und Landschaft.

Grüsse
Alex

Bombo hat gesagt: RE:
Gesendet am 13. August 2011 um 23:26
Ciao Mari

Bin soeben gerade zurück von der gesamten VAV - Bericht folgt. Hier noch die aktuellen Antworten:

1. Ja, Hüttenschlafsack (Inlay) reicht (überall genügend Wolldecken)
2. Alle Kochutensilien vorhanden, aber achtung, nicht in allen Hütten hat es ausreichend Nahrungsmittel. Wir hatten für 2 Tage eigenen Food mitgenommen, was gerade aufging, empfehlenswert sind eigener Food für 3 Tage, dann seid Ihr auf der sicheren Seite. Richtig viel Hüttenvorrat hat es in der Cap. Barone.
3. Helm nein (einzige Steinschlaggefahr im Couloir von Madom Gröss), Seil je nach eigenem Sicherheitsbefinden. Ich für mich konnte alles problemlos ohne Seil machen, mein Tourenpartner, nicht erfahren und ängstlich in ausgesetzten Passagen war z.B. im Abstieg vom Madom Gröss froh darum (Etappe 1 ging dann mit viel Zeitaufwand bei ihm ohne Seil).
4. Wir reservierten nichts, viele reservieren jedoch. Vermutlich würde ich ein anderes Mal zur Sicherheit reservieren (was schlussendlich aber eh nichts nützt), finden tust Du die Infos auf http://www.verzasca.com/sev/

Viel Spass - ich hab selten eine so tolle Alpinwanderung gemacht. Wenn Wasser und Sonne vorhanden, könnt ihr in 3 von 5 Hütten warm und in 4 von 5 Hütten kalt duschen :-) Die Hütten sind mehr als nur ein Traum - Ihr werdet positiv überrascht sein.

Wenn weitere Fragen --> pm schreiben.

Gruss
Bombo

mari hat gesagt: RE:
Gesendet am 19. August 2011 um 21:19
Danke, Bombo, noch eine (vielleicht letzte?) Frage: wieviel Geld müssten wir ungefähr umtauschen, kann in den Hütten mit Einzugsermächtigung o.ä. (wie in Norwegen teilweise) gezahlt werden oder nur in bar? Einen schönen Sommer noch allerseits! mari

Bombo hat gesagt:
Gesendet am 19. August 2011 um 23:55
bin gerade unterwegs, deshalb nur kurz: kannst alles mit Einzahlungsschein bezahlen. Gruss

mari hat gesagt: RE:
Gesendet am 2. September 2011 um 12:04
Hurra, wir sind heil zurück und hatten ein paar superschöne Tage.
Unsere Tagesetappen: 1) Bellinzona-Cap. Borgna
2) Borgna- Cornavosa
3) Cornavosa- Fümegna (Mistwetter-Tag, aber gut zum Ausruhen)
4) Fümegna-Cap. Efra
5) Efra- Cap. Cognora
6) Abstieg
Da fast immer wunderbares Wetter war, gab es ständig herrliche Aus-, Fern-, Nah-Sichten auf diesem fast immer ganz oben entlang führenden Weg, wir mussten oft innehalten und schauen, denn der VAV eignet sich ja meistens nicht unbedingt fürs "In- die -Luft-gucken"...
Zur Schwierigkeit: Wie im Panorama-Heft(1/2009) schon völlig richtig geschrieben:" bei Regen, Nebel, Schnee und Eis wird von einer Begehung dringend Abgeraten". Das Gelände kann bei Nässe eklig rutschig werden, sowohl das Gras wie das Gestein. Wir hatten es trocken und es machte großen Spaß, das griffige Gestein oder festen Grasboden unter den Füßen zu haben. Schwindelfrei und trittsicher solte man auch sein, denn der Weg hat immer mal Stellen, bei denen (ich zumindest) erst beim MACHEN merkte, dass es doch alles ganz gut funktioniert. An dieser Stelle ein riesiges Dankeschön all denen, die mit Farbeimern, Pinseln, Bohrmaschine, Eisen, Seilen, Schildern... diesen wunderbaren Weg für uns Otto-Normalwanderer so begehbar machen!!!! Und die Hütten, die einen abends empfangen! Wir waren sehr begeistert. Übrigens haben wir während der ganzen 5 Tage insgesamt 6 Leute auf den Hütten getroffen, gar keinen, der den VAV ging... bisschen schade eigentlich, aber auch herrlich, so eine Traumhütte wie die Cornavosa ganz für sich zu haben... Das ist wirklich ein Juwel, ganz hell und freundlich modernisiert, die Rustici gucken gen Abendsonne..ein Traum. Dort verbrachten wir auch einen Nebel-Hagel-Regen-vormittag, gingen dann nur zur Fümegna weiter (da ist die Sonne+Wärme viel schneller weg, wir waren wieder alleine da, auch keine Bewirtschaftung) und hatten so am nächsten Tag, dem längsten Abschnitt zur C.Efra , etwas weniger zu gehen. Für mich war die Teilstrecke Efra- Cognora am anstrengendsten und schwierigsten und zwar ab dem 2741 m hohen Madom Gröss (ich hoffe, der Name ist richtig??). Danach geht es nämlich äußerst rutschig und geröllig steil abwärts im Schatten, man muss Abstand halten, weil man oft Steine lostritt . Der ganze Berg wirkt irgendwie morsch, aber bald ist auch das geschafft und man kann wieder in der Sonne von Stein zu Stein stapfen. Nach dem P. di Mezzodi geht es dann noch mal furchtbar steil hinab zur C. Cognora, und zwar über ein Geröllfeld mit losen Seinplatten, großen und kleinen, solche Etappen gehören wirklich nicht gerade zu meinen Lieblingsstellen.. Aber, wie gesagt, das waren m.M.n. die unangenehmsten Momente, alles andere ist sehr gut zu schaffen. Teilweise geht man über riesige, meterbreite Steine, die daliegen, als hätte jemand eine Autobahn im Sinn gehabt, ganz weit oben auf dem Grat. Ziegen, Schafe, Murmeltiere sind allgegenwärtig, einmal passierten wir unzählige... naja, jedenfalls viele viele Edelweisse... und immer diese Prominenz, auf hohen, schmalen Graten oder Gipfeln schwebt man über steilen Gründen. Der Weg, auch das Klettern macht Spaß, unbedingt empfehlenswert!
Zum Schluss noch: auf jeden Fall noch ein bisschen im Verzasca-Tal wandern auf dem Rückweg! Baden in herrlichen Gumpen, leckeres Essen, die wunderschön liegenden Hütten und Ortschaften...
Noch mal: nur Mut, wir sind zwar schon mehrmals im Gebirge gewesen, aber erst zum vierten Mal in den Alpen (stammen aus Sachsen und Thüringen und wohnen jetzt in Mecklenburg- soviel zu unserer Berg- Fitness, diverse Beinmuskeln kommen wirklich nur hier zum Einsatz, was jedesmal echt schmerzhaft ist;)) Damit soll nur geschrieben sein: bei gutem Wetter ist der VAV zu schaffen- sogar für Flachländer. Liebe Grüße und Danke nochmal für alle Tipps! Mari


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