Val Campo (Valle Maggia) – Val Vergeletto: Passo Pianaccio, 2183m


Publiziert von Seeger Pro , 22. Juli 2009 um 14:24.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:19 Juli 2009
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Pizzo di Madéi   CH-TI   Gruppo Rosso di Ribia 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1600 m
Abstieg: 1300 m
Strecke:Cimalmotto, 1405m - Brücke über di Rovana 1285m - Brücke Alpe di Sfii, 1608m - Lago di Sfii, 1909m - Passo Pianaccio, 2183m - Alpe Cregnell 1862m - Steinbruch im Bosco dei Vitelli - Brücke über den Ribo, 1237m - Capanna Alpe d‘ Arena, 1689m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:öV: Mit der FART von Locarno nach Cevio. Kleinpostauto nach Cimalmotto (Täglich 3 Fahrten: 0805Uhr/1600Uhr/1800Uhr) Auto: Locarno – Valle Maggia – Cevio – im Dorf nach links abzweigen Richtung Val di Campo/Bosco Gurin – nach Cerentino nach links abbiegen – in Cimalmotto hat es Eingangs Dorf links genügend Parkplätze
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Anschluss an „Val Vergeletto – Val Campo (Maggia): Bocchetta di Catögn, 2163m” mit Zwischentag (Hüttenwechsel zur Capanna Ribia) oder: Abstieg nach Vergeletto (Postautohaltestelle)
Unterkunftmöglichkeiten: Cimalmotto: Azienda Munt la Reita (www.muntlareita.ch), Matratzenlager und Verpflegung, sehr persönlich geführt Vergeletto: Capanna Alpe d’Arena SAC, 1689m; Ristorante Fondovalle, Vergeletto (Bei der neuen Brücke über den Ribo, Pt.1110); Capanna Ribia SAC, 1996m
Kartennummer:Bosco Gurin 1291, Comologno 1311

Feinverästelt dringen vom Valle Maggia wilde Nebentäler nach Westen zur Grenze Italien/Schweiz vor: Centovalli – Onsernone – Vergeletto - Val Campo/Bosco – Bavona. Heute besuche ich einen längst vergessenen Alpübergang von der Alpe di Sfii zur Alpe di Cregnell: Der Passo Pianaccio. Auf der neuesten LK (2008) sind noch mehr Wegfragmente eingetragen, als vorhanden. Die Natur erobert ihr Territorium wieder zurück. Pioniergeist ist gefordert!
Von Cimalmotto schlendere ich durchs Dorf mit Walserischen Einschlag. Kornspeicher wie im Wallis mit Mäuseschutz – auf Stelzen und Steinplatten. Etwas links unterhalb geht es auf einer Teerstrasse einen Kilometer weiter nach Malcantone, dann gut bezeichnet und markiert zur Eisenbrücke über die Rovana hinunter. Diesen Frühling fand ich hier eine Masse Schnee vor. Jetzt weht eine würzige Luft. Das Leben ist erwacht. Überall Vogelgezwitscher. Nach der idyllischen Ebene der stutzige Anstieg. Heiss trotz Waldschatten. Das Bildstöcklein auf der Rechten will begrüsst sein. Weiter in sanftem Anstieg gegen die Alpe di Sfii und gut beschildert zur Holzbrücke hinunter. Zwei aufgestellte,  junge Damen mit Hund, welche noch bis zum Lago di Sfii meinen Aufstieg zu einem immer wiederkehrenden Rencontre begleiten, ruhen sich ein bisschen aus. Die Hundedame verteidigt ihre „Herrchen“ mit Knurren und Bellen, jedoch immer mit Schwänzeln. Hin- und hergerissen von Neugierde, Zuneigung und Pflichterfüllung. Mein Appenzeller Bless war genauso. Er fehlt mir.
Beim Aufstieg zum Lago di Sfii überholen mich zwei junge Angler im Eiltempo. Ich mag’s gemütlicher. Dreihundert Höhenmeter pro Stunde. Der Aufstieg ist so vielseitig, dass ich die Zeit vergesse. Nur 45 Minuten und dann…..unbeschreiblich das plötzliche Ausweiten zu einem imposanten Talkessel. Darin liegt der tiefblaue Lago di Sfii, umgeben von Lärchen, Weiden, Felsen, Kuhgeläute und eben die sechs Protagonisten: Zwei Damen mit Hund am Ende des Sees und am Anfang die zwei jungen Angler, der Jüngere laut fluchend über seinen Misserfolg, ché balla, der Ältere hilfreich beistehend, Cousins. Und ich dazwischen: Links dem See herum einen Felsen übersteigend, dann auf einer breiten Treppenanlage(!) wieder hinunter zum See ende. Hier beginnt der Alpweg zum Passo Pianaccio.
Gut sichtbar auf der LK  - und auch in Natura  - steigt er hinter dem See eine Geröllhalde links liegenlassend leicht rechts hinan, macht eine Linkskurve und übersteigt die genannte Geröllhalde nach links. Den klaren Wegspuren folgen vage Pfade, welche sich nach rechts über eine weite Grasmulde empor schlängeln – begleitet von Steinmännchen. In logischer Führung quasi in Direttissima von Mulde zu Mulde zum Grat hinauf, welcher sich vom Pt.2121 zum Passo Pianaccio, Pt.2183, horizontal ausdehnt. Ein kleines Seelein, links unterhalb sichtbar, hilft einem zur Ausmachung der eigenen Position. Die letzten Höhenmeter kraxle ich über die Querbänder leicht auf die Anhöhe und verfolge den flachen Grat auf wiederum klaren und logischen Wegspuren bis zum Pass.
Weit ausgedehnt, am Fusse der Cima di Cregnell, liegt diese grosszügige Ebene mit fettem Gras und ohne Überwucherung. Der Blick schweift nach Westen auf den oberen Felsenzirkel des Val Campo (Maggia) rund um den Lago Gelato – dahinter liegt Italien – und nach Süden zum oberen Abschluss des Val Vergeletto – dahinter liegt auch Italien! Steinmann bauen, dann Mittagessen: Menü 1, Apfel, Tee und Biberli.
Mit dem Abstieg beginnt das „Grosse Suchen“! Dank der LK und spärlichen Wegfragmenten kombiniere ich den Verlauf, vorerst rechts des Baches, dann – unbedingt nicht verfehlen – die Querung nach links auf eine kleine Ebene, etwa auf 2045m. Nun klaren Wegspuren entlang über fette Weiden zum Punkt 1950 leicht absteigen. Etwa einen Kilometer horizontal (Höhenmesser hilfreich) durch Haselnussstauden, Erlenstauden, hohem Gras und Junglärchen hindurch auf den Grat oberhalb der Hütten der Alpe di Cregnell. Hier kommt mir Wilhelm Busch in den Sinn: „Eins, zwei drei, es läuft die Zeit, wir laufen mit“! Unglaublich, wie zeitaufwendig sich dieser Abschnitt gestaltet!
Über den Hütten ganz links ausholen und auf breitem und überwachsenem Weg hinunter stechen. Die Alpe di Cregnell gehört dem Patriziato Onsernone und ist an Jäger „verpachtet“. Privathütte. Kein Zutritt. Trotzdem bereitwillige Auskunft, welche auf Abwimmeln hinausgeht. („Wenn der nur bald wieder geht…!). Falschinformationen noch und noch. Ich komme nicht umhin, mich des Grundes wegen zu hinterfragen…..immerhin bekomme ich das so benötigte Wasser. Guter Natel-Empfang.
Die Jäger haben in verdankender weise den Hüttenweg unterhalten – JEDOCH NICHT DEN OFFIZIELLEN! Der auf der LK 2008 eingezeichnete Weg ist rundweg verschwunden und meine Pläne zum direkten Traversieren zur Capanna Ribia geplatzt. Unterhalb des Pt 1645 sei der Weg durch das Val Quarantéria durch einen Erdrutsch für immer und ewig unpassierbar geworden. Jägerlatein? Ich glaube ihnen (vorerst). Der unterhaltene und sehr gut angelegte Weg ist rechts unterhalb der Hütten zu suchen, führt in den Wald hinein und nützt unüberwachsene Weiden, Wald und Gräte, welche in diversen horizontalen Passagen verbunden sind. Schliesslich erreicht man den Steinbruch im Bosco dei Cavalli. Dann schlurfe ich (mittlerweilen etwas angeschlagen) zum Talweg hinunter, diesem talaufwärts entlang zur Brücke über den Ribo bei Pt.1237.
Nach 8 Stunden Marsch braucht es mentale Stärke, diesen kurzen, steilen Aufstieg zur Alpe d’Arena zu schaffen. Aber was heisst schon steil – nicht ebenaus, oder? Und oben das schützende Dach. Eine sympathische, zusammengewürfelte Wandergesellschaft empfängt mich und lädt an den Tisch. Familie mit 3 Teenagers, Mama und Tochter und eine Einzelgängerin von der allerbesten Sorte. Zusammen besuchen wir den Alphirt in seiner Hütte und besorgen FRISCHE MILCH und ALPKÄSE für das Frühstück. Sehr guter Natel-Empfang ermöglicht Rapport an meine Frau.
Ein eindrücklicher Tag mit vielen kalkulierbaren Risiken. Ein Übernachten im Ristorante Fondovalle hätte mir den Aufstieg auf die Alpe Arena erspart. Das haben die Jäger mit keiner Silbe angedeutet.
 
 

Tourengänger: Seeger

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