Val d’Ambra – Val Rierna – Val d’Agro: Von Personico nach Lavertezzo


Publiziert von Seeger Pro , 18. Juli 2009 um 01:42.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum:15 Juli 2009
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Madöm Gross   Gruppo Poncione Rosso   CH-TI   Gruppo Cima di Gagnone 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1650 m
Abstieg: 1770 m
Strecke:Bacino Val d’Ambra Parkplatz 650m - Capanna Tecc Stevan 1010m - Bocchetta di Rierna 2295m - Alpe Lignasc 1839 m - Agro 1273m - Lavertezzo 536 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Ö.V.: Postauto von Biasca nach Personico. Aufstieg über rot/weiss markierter Wanderweg (1 ½ Std.)
Zufahrt zum Ankunftspunkt: Ö.V.: Postauto von Lavertezzo nach Locarno
Unterkunftmöglichkeiten:Capanna Tecc Stevan 1010m, Patriziato di Pesonico Lavertezzo: Albergo della Posta,Tel 091 746 16 67 (unbedingt reservieren)
Kartennummer:Osogna 1293

Das Val d’Ambra (Seitental der Leventina) und das Val d’Agro (Seitental des Val Verzasca) verbindet ein Übergang: Die Bocchetta di Rierna. Sie kreuzt auf satten 2295m Höhe die Via Alta Verzasca auf der Etappe zwischen Rifugio Fümegna und Capanna d’Efra.
Die knifflige Aufgabe besteht darin, im wilden, steilen und verlassenen Val Rierna durch die Stufen der Vegetation den Weg nie zu verlieren und im weiten und langen Val d’Agro unter den vielen Schafwegen den richtigen zu wählen. Beide Täler haben eines gemeinsam: Sie sind kartentechnisch nicht einfach. Bei Nebel könnte dies kritisch werden.
Nach einer angenehmen Nacht in der vom Patriziato von Personico neu erstellten und vor 14 Tagen eigeweihten Selbstversorgerhütte Tecc Stevan strecke ich mit Chris und Anna, Eltern von einer sympathischen Familie mit zwei aufgestellten Mädchen, den Kopf zur Tür hinaus und beschliesse, den Morgen ohne die tobenden Gewitter zu verbringen. Ich tue dies schlafenderweise, Papi liest vor oder die Familie spielt Karten. Mittags entschliessen wir uns aufzubrechen. Das heisst: Die Familie über den Gagnone-Pass in die Efra-Hütte und ich ins Val Rierna hinein. Und tschüss, und nochmals tschüss und winken, zu zweit. Die Mädchen stimmen mich fröhlich. Vielleicht ein bisschen Melancholie? …..aber der Wagen, der rollt….
Der Weg führt nun entlang des markierten Weges aufwärts zur Brücke unterhalb Gallina, mittels deren der Ri di Rierna überquert wird. An Galina vorbei in den Wald. Hier rauer und steiler Weg. Das Wetter lässt zu wünschen übrig. Auf 1120m, auf der LK gut sichtbar, zweigt ein unscheinbarer Weg nach links ab, überwindet weitere hundert Meter, indem er sich dem Ri di Rierna zuwendet. Ich muss einige gestürzte Bäume, ja ganze Baumgruppen grossräumig umgehen und bekunde Mühe, jeweils wieder zum „normalen“ Weg zurückzufinden. Steinmänner aller façons helfen da und dort, den exakten Verlauf auszumachen. Speziell im hohen Gras brauche ich einige Fantasie, das Vorgefundene als Weg zu deklarieren. Ich triefe vor Nässe.
Auf 1320m führt der Weg zu einem wilden Wasserfall des Ri di Rierna, um in einer 300°-Kurve in die Gegenrichtung weiterzusteigen. Der umgangene Felsriegel wird seinerseits auf 1420m nach einer scharfen Linkskehre überschritten. So erreiche ich nach einer steilen Etappe Stabiello, eine liebliche Weide mit traumhafter Aussicht in den oberen Talkessel.
Mittels Höhenmesser und präziser Konsultation der LK finde ich den Durchgang durch die dichten Erlenkomplexe auf 1750 bis 1780m. Vor dem Ri di Rierna befindet sich eine Spitzkehre gegen Canva Vecchia, 1806m, welche man in riesigen Sauerampferfeldern im letzten Moment entdeckt. Diese Hütte ist in sehr gutem Zustande und mit einer Stahltüre bewehrt. Eintritt verboten.
Der Weg durch die starke Überwucherung braucht etwas Fantasie. Die LK hilft dank der genauen Führung dem Interpolieren des einmal dagewesenen Weges. Erst unterhalb der Felswand erscheint eine Wegspur, welche sicher durch die Erlen unterhalb Cassina Nova, 2044m, hindurch und gegen sie hinauf führt. Auch hier entdecke ich die Hütte im letzten Moment. Sie ist offen und dem Zerfall geweiht. Achtung Einsturzgefahr! Der Kessi-Galgen ist noch da. Hier wurde einst Käse hergestellt. Nun habe ich auch diesen Fixpunkt erreicht, ohne mich verlaufen zu haben.
Die Cima di Rierna, 2461m, thront über dem 400m hohen Amphitheater. Altschneefelder liegen wie Bettlaken eingebettet in Runsen und Mulden. Ich traversiere den ganzen Hang nach links beinahe alles auf Schnee. Dann ersteige ich oberhalb den Ruinen von Stabbio di cima, 2117m, einen Einschnitt, bis ich die rechts liegengelassenen Felsbänder überschreiten kann. Im Zick-Zack erklimme ich die nächste Felsstufe und stehe unverhofft vor einer etwa 50 m hohen Felswand: Am tiefsten Punkt, links zweier Grathöcker, ist die Bocchetta di Rierna, 2295m, zu suchen.
Bei näherem Betrachten sehe ich die Möglichkeit, von links her ein Grasband nach rechts leicht anzusteigen. Dann auf dem nächsten wieder nach links. Ich wähle das einfachste Kamin und klettere unschwierig (II) auf den Grat.
Ich bin recht erstaunt, auf der andern Seite eine weiträumige Weide anzutreffen, welche direkt an den Grat anschliesst. Aha – die blauweissen Markierungen der Via Alta Verzasca! Unterhalb der Bocchetta befindet sich ein grosser Steinmann. Dort beginnt ein mit roten Streifen markierter Weg bis hinunter in die Alpe Lignasc, 1839m, welche mit Schafen bestossen ist. Kurz vor der Alp erschreckt mich ein Fuchs, welcher unter einem Stein hervor jagt. Das Schaf muss ihm gut bekommen sein.
Den Anschluss vor und nach den Alphütten zu finden erfordert ein Blick auf die LK. Ich erreiche auf beschädigten und mit Altschnee belegten Wegen sehr mühsam Fümègn, dann Costa di Wanza und schliesslich Agro, 1273m. Unterhalb Agro bestaune ich die neue Brücke, über welche Auto fahren könnten, wenn nicht oberhalb und unterhalb sich die Wege auf einen Meter verengen würden. Gut so, finde ich.
Ein breiter, aber rauher Weg führt durch den Wald hinunter zur Brücke über den Fluss, welcher vom Val d’Agro herunter tost. Mit einer Gegensteigung (dass Treppen so deftig einfahren können?) geht’s nach Forno, später Cognera. Unterhalb dieses Weilers steht eine alte Mühle mit eingravierter Jahreszahl 17??. Kurz nachher zweigt links ein Weg zur Strasse (Parkplatz) ab. Achtung! Der schönere Weg (ursprünglich) geradeaus geht angenehm (ohne Teerstrasse) Richtung Lavertezzo hinunter. Bei den ersten Häusern hat man den ersten Natel-Kontakt seit dem Bacino di Val d’Ambra !
Alte Treppenanlagen, begleitet von Bildstöckchen, führen direkt zur Kirche hinunter. Leicht rechts befindet sich die Haltestelle.
Da ich erst mittags aufbrechen konnte, holt mich im letzten Abschnitt die Nacht ein. Stirnlampe sei Dank! Der nette Wirt vom Ristorante jenseits der Brücke (talwärts) besorgt dem in Not geratenen Berggänger eine Logie bei einem Kollegen in Brione. Er selber ist ausgebucht. Mit seinem PW werde ich nach Brione chauffiert. Grazie tanto e a presto.

Tourengänger: Seeger

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (2)


Kommentar hinzufügen

UpTheHill hat gesagt: Komplimente
Gesendet am 24. Juli 2009 um 16:29
Wunderschöne Ausfluge: ich bin neidisch :-)

Seeger Pro hat gesagt: RE:Komplimente
Gesendet am 24. Juli 2009 um 17:04
Grazie Nano.
Il piano d'origine era di salire Val Rierna e scendere Val Bri in due giornate. Ma ci sono due Fümegn !! E cosi, mi sono sbagliato della valle. Finalmente sono sceso tutto il lungo Val d'Agro (in tutto 10 ore) invece arrivare al Rifugio Alpe Fümegna (in 3 ore). Dopo la seconda giornata al Rifugio. La terza temporale. Era da piangere. E la machina al Val'Ambra :-(( Cosi la vità. L'angelo era la mia figlia, che mi ha portato alla mia machina.
Per questo no devi essere deluso!
Il tuoi
Andreas


Kommentar hinzufügen»