Piz Surgonda - Piz Jenatsch - Piz Bever - Piz Suvretta


Published by Delta Pro , 1 June 2019, 20h41.

Region: World » Switzerland » Grisons » Oberengadin
Date of the hike: 1 June 2019
Mountaineering grading: PD
Ski grading: AD
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GR 
Time: 7:30
Height gain: 3020 m 9906 ft.

Grosse Rundtour im Err-Gebiet mit fünf 3000ern bei traumhaften Bedingungen

Vor etwas mehr als einem Jahr hatte ich schon eine fünf-3000er Tour im Err-Gebiet unternommen. Damals waren die bekannten Gipfel dran (Piz d'Err, Piz Picuogl etc.). Doch meine Sammlung hat noch einige Lücken: die abgelegenen Gipfel von Piz Jenatsch, Piz Bever und Piz Suvretta - alle drei noch ohne Hikr-Skitouren-Eintrag. Der Plan diese in eine lange Rundtour zu kombinieren kam mir anfangs etwas dreist vor. Je mehr ich drüber nachdachte, desto plastischer wurde die Idee. Angesichts der fantastischen Schneebedingungen für einen Juni und dem angekündigten Kaiserwetter konnte ich diese Traum-Tour heute verwirklichen. Die Runde hat insgesamt fünf Aufstiege, 3000 Höhenmeter und mit über 30 km auch eine beträchtliche Distanz. Klar, dass angesichts der tageszeitlichen Erwärmung ein sehr zeitiger Start, ein enger Zeitplan und schnelles Gehen unverzichtbar waren.

Um halb vier geht's bei der Alp Güglia los. Es liegt noch Schnee bis an die Passstrasse. In sehr angenehmem Aufstieg wandere ich unter der Milchstrasse das oft recht flache Tal hinein in die Dämmerung. Erst oben wird das Gelände allmählich steiler und in der Traverse von Pt 3160 des Piz Surgonda muss ich die Harscheisen montieren. Etwas nach fünf bin ich auf dem ersten Gipfel (Piz Surgonda). Um diese Zeit hat man hier noch seine Ruhe... Es hat deutlich mehr Schnee als im April 2018 und so kann ich ohne Probleme über den Grat auf den kleinen Gletscher abfahren. Dort die ersten Jauchzer des Tages - die harte Abfahrt im Dämmerlicht ist einfach genial. Über gefrorene Flächen rausche ich zur Jenatsch-Hütte, wo man zu dieser Jahreszeit komplett alleine ist (keine Spur zu sehen). Ich folge nun der Normalroute gegen den Piz d'Err und biege auf 2900 m.ü.M. nach rechts ab. Flacher geht es zum Einstieg ins Südcouloir des Piz Jenatsch. Schnell ist klar, dass dieses mit den Ski nicht fahrbar ist - Lawinen haben allen Neuschnee komplett ausgeräumt. Ich mache Skidepot und montiere die Steigeisen, mit denen man auf der pickelharten, aber griffigen Oberfläche, die nach den Lawinen zurückblieb, effizient aufsteigen kann.  Im Ausstieg wird das Gelände recht steil (ca. 45°) und die Kruste trägt leider nicht mehr - sehr kraft- und zeitraubend. Die letzten Schritte in der Morgensonne zum Gipfel des Piz Jenatsch sind dann aber wieder wunderschön.

Nach einer weiteren schnellen Abfahrt auf der harten Oberfläche quere ich die Höhe haltend als Tal unterhalb des Vadret Traunter Ovas und felle zu dritten Mal an für den relativ langen Anstieg zum Piz Bever. Absolute Einsamkeit und Stille - wow. Ich hole etwas weiter als nötig nach Süden aus und nähere mich dann über Ebenen der steilen Aufstiegs-Flanke (Stellen bis 40°). Diese ist - aufgrund West-Exposition kaum anders zu erwarten - pickelhart. Mit Harscheisen arbeite ich mich hinauf. Eine Unaufmerksamkeit bei einer Spitzkehre im unteren Teil führt zu einem Ausrutscher, den ich zum Glück schnell stabilisieren kann; ein Stock geht dabei aber in Brüche, was die verbleibenden Aufstiege nicht vereinfacht... Die letzten Meter zum Gipfel des Piz Bever lege ich zu Fuss zurück - ein einsamer Berg mit sehr schönem Panorama. Die Abfahrt ist kratzig, aber eigentlich durchaus nett.

Der Aufstieg zur Fuorcla Suvretta spielt sich dann endlich in der Sonne ab. Und nach dem Pass finde - wer hätt's noch geglaubt - endlich eine teils aufgefirnte Schneeoberfläche vor. Mit Ski steige ich über einen schönen Hang an den Fuss des felsigen Südgrats. Dieser ist schon schneefrei und kann in leichter, aber schöner Kraxelei begangen werden (T5 gemäss Hikr Berichten, ich fand's eher einfacher). Anschliessend über eine aussichtsreiche Hochebene zum Piz Survretta. Die Abfahrt an den Fuss der Fuorcla Chamuotsch ist perfekt aufgefirnt. Im letzten Anstieg zum Corn Chamuotsch haut die Hitze voll rein und ich spüre die 3000 Höhenmeter in den Beinen. Den letzten 3000er heute erreiche ich offenbar nur kurz nach Kollegen Djenoun. Die Abfahrt ins Val Güglia ist dann nochmals ein Traum, meist Firn, teils auch noch hart. Erst die letzten 100 Höhenmeter sind weich und klebrig. Und so was im Juni! Um 11 Uhr - genau in meinem Zeitplan - bin ich wieder am Ausgangspunkt der Rundtour.

Durchgangszeiten:
Alp Güglia: 3.30
Piz Surgona: 5.05
Piz Jenatsch: 6.40
Piz Bever: 8.55
Piz Suvretta: 10.00
Alp Güglia (inkl Corn Chamuotsch): 11.05

Hike partners: Delta


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Comments (2)


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Djenoun says: Gratuliere!
Sent 2 June 2019, 14h50
Eine beeindruckende Tour!

Gruss Dje

Sent 2 June 2019, 21h53
Hübscher Morgenspaziergang ;-)

Gratuliere!


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