Erkundungstour um Varzo


Publiziert von ABoehlen Pro , 22. Mai 2009 um 17:44.

Region: Welt » Italien » Piemont
Tour Datum:21 Mai 2009
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 850 m
Abstieg: 850 m
Strecke:Iselle Stazione – Chiezzo – Varzo – Alpe Dai – Varzo – Iselle Stazione
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Iselle di Trasquera
Unterkunftmöglichkeiten:Bed&Breakfast «Casa Castelli» in Varzo
Kartennummer:LK275 Valle Antigorio

Angesichts unsicherer Wetterprognosen ist keine grosse Tour geplant, sondern Erkundungen der Umgebung von Varzo. Dazu nehme ich wieder mal den Autozug, der mich ins Val Divedro führt, wo der Himmel, wie schon zu Hause und im Wallis leider bedeckt ist.

Wie bei meiner ersten Tour hier, im letzten November, steige ich von Iselle Stazione den steilen Pfad nach Pianezza hinauf. Er ist teilweise mit Fallholz und umgestürzten Bäumen bedeckt und eher umständlich zu begehen. Der lange Winter mit seinen gerade auf der Alpensüdseite enormen Schneemassen hat seine Spuren hinterlassen!

In Chiezzo (988 m) folge ich dem Strässchen bis zur Kirche SS. Gervasio e Protasio (1040 m), die sehr gut auch vom Talgrund bei Varzo aus zu sehen ist, da sie direkt am Abgrund klebt. Entsprechend schön ist auch der Ausblick in die Tiefe, wohin mich mein Weg nun führt. Auf dieser Strecke verläuft übrigens der Zugang V6 der «gta» (Grande Traversata delle Alpi). Viele Informationen zu diesem «schönsten Fernwanderweg der Alpen» finden sich unter http://www.klingenfuss.org/gta.htm.

Während dem Abstieg verdichten sich die Wolken immer mehr und kurz bevor ich in Bertonio (581 m) die Talstrasse erreiche, beginnt es zu regnen. Ich folge erstmal der Hauptstrasse bis zum Bahnhof von Varzo (532 m), um dort bei einem kleinen Picknick das weitere Vorgehen zu überlegen. Genau wie in Iselle ist auch dieser Bahnhof noch besetzt, obwohl nur sehr wenige Personenzüge hier anhalten.

Das Wetter macht bald eine interessante Wandlung durch. Die Wolken reissen auf und die Sonne bricht zum ersten Mal heute durch die Wolken. Sie verfehlt ihre Wirkung nicht und sorgt zusammen mit der regennassen Luft innert Kürze für tropisch heiss-feuchte Bedingungen. Der Sommer ist da:-)

Für mich heisst das, dass die Tour weitergehen kann. Erstmal hinauf in die Ortsmitte von Varzo. Jetzt, kurz vor Mittag geht es in diesem kleinen Ort zu und her wie in manch grosser italienischen Stadt: Autos, Dreiräder und andere motorisierte Gefährte fahren hupend durch die Strassen und viele Leute haben eben ihre Einkäufe in einem der zahlreichen kleinen Läden getätigt und machen sich jetzt schwer bepackt auf den Heimweg. Das Leben pulsiert!

Über eine steile Treppe erreiche ich vom Dorfzentrum an der Brücke über den Ri di Varzo die monumentale Kirche und folge anschliessend einem Strässchen, welches mich nach Cattagna führt, einem reizvollen Dörfchen mit engen Gässchen und Gärten, wo die Palmen um die Wette gen Himmel wachsen.

Bevor der Weg in die Wälder hinaufsteigt, erreiche ich das Gelände der «Associazione Esign da Varsc», die sich zum Ziel gesetzt hat, die Zucht von Esel in dieser Gegend zu fördern, wie man auf einer Informationstafel erfährt. Schliesslich sei der Esel während langer Zeit ein typisches Nutztier der Bergregionen gewesen. Die hier gehaltenen Tiere gehören einer Rasse an, die ihre Wurzeln in der Murge hat, einer kargen Bergregion Apuliens. Diese Tiere sind daher sehr anspruchslos und kommen mit rauem, steinigem Gelände problemlos zurecht.

Nach einer längeren Pause, deren Zweck darin besteht, den zutraulichen Tieren ihre Streicheleinheiten zu verpassen, beginne ich den Aufstieg in Richtung Alpe Snicc, der mich bald – überraschend – zu einer Weggabelung führt: Links gehts nach Snicc, rechts zur Alpe Dai, ist dem Wegweiser zu entnehmen. Direkt nach Dai ist auf der Karte gar kein Weg eingezeichnet, daher schlage ich neugierig mal diesen ein. Unterwegs gibt es wieder einen Happen des Mittagessens, welches heute verteilt auf mehrere Portionen konsumiert wird.

Der Weg ist im Birken- und Kastanienwald mit viel Holz und Laub am Boden oft nur wenig ausgeprägt, aber dank häufigen roten Punkten an Bäumen und Steinen gut zu verfolgen. Nach ca. 30 Minuten erreiche ich die schön gelegene Wiese mit den Häusern von Dai (850 m). Die Aussicht nach Varzo und über das Tal kann sich sehen lassen! Weniger erfreulich sind die mächtigen Quellwolken, die sich über den Bergen auftürmen; kein Wunder bei diesen Bedingungen.

Zufrieden mit dem Gesehenen beschliesse ich, den Rückweg anzutreten. Ich konnte feststellen, dass die Gegend um Varzo diverse markierte und gute Wege aufweist, die es Wert sind, auf weiter gehenden Touren noch intensiver erkundet zu werden.

Bus fährt noch lange keiner, daher lege ich den Weg nach Iselle zu Fuss auf der Strasse zurück. Das ist zwar nicht besonders spannend, geht aber problemlos, da neben der Fahrbahnbegrenzung ein breiter Asphaltstreifen vorhanden ist und im Tunnel sogar ein Trottoir. Wesentlich reizvoller wäre natürlich eine Fusswegverbindung und tatsächlich zeigt die Karte jenseits des Baches Wegspuren. Anhand von einigen Kunstbauten schliesse ich, dass dort tatsächlich ein Weg vorhanden sein muss. Nur – wie kommt man dorthin? Brücke ist weit und breit keine auszumachen und die Diveria ist ein tosendes Wildwasser; unmöglich zu queren.

Dieser Teil des Tales ist im übrigen eher trostlos. Von den diversen Gebäuden längs der Strasse ist kaum eines noch bewohnbar; eine Ruine folgt der nächsten. Insbesondere die ehemalige Siedlung der Tunnelarbeiter – Balmalonesca – kann man also getrost als Geisterdorf bezeichnen.

Um 15.15 Uhr fährt mich der Autozug zurück nach Brig, zusammen mit einigen anderen Ausflüglern und Radfahrern. Schön, dass diese Verbindung genutzt wird, so kann man davon ausgehen, dass sie uns auch weiterhin erhalten bleibt.

Tourengänger: ABoehlen

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