Rimpfischhorn (4199m) - bei arktischen Verhältnissen


Publiziert von Linard03 Pro , 7. September 2017 um 07:06.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum: 4 September 2017
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2180 m
Abstieg: 2180 m
Strecke:Sunnegga - Fluhalp - Rimpfischhorn - retour
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Zermatt

Hochtourenmonat August; wo warst Du bloss? Zumindest fand er dieses Jahr ohne mich statt, obwohl teilweise gute Bedingungen herrschten. Alle drei geplanten, grösseren Unternehmungen fielen flach; dies aus unterschiedlichen Gründen: die erste Tour wurde abgesagt infolge 50cm (!) Neuschnee. Die zweite Tour konnte infolge Ausfalls des BF's nicht stattfinden (und kurzfristig liess sich in der Hochsaison kein Ersatz finden). Schliesslich musste ich die dritte Tour selbst absagen, da ich innerhalb von 20 Std. nach China reisen musste ...

Sollte der super-Auftakt vom Juni (Blüemlisalp-Traverse) auch gleich der Schlusspunkt sein? Kurzfristig liess sich aber Anfang September doch noch eine Tour realisieren. Infolge sehr bescheidenem Wetter hielt sich die Begeisterung am Schluss trotzdem in Grenzen ... Diverse Meteoseiten vermeldeten "leichte Bewölkung". Hallo?? Ab ca. 3400m war alles zu: dichter Nebel, Sturmwinde im Gipfelbereich, eisige Temperaturen - von wegen leichte Bewölkung ...!


Aber nun zur eigentlichen Tour: am Bahnhofplatz Zermatt traf ich den BF und gemeinsam fuhren wir mit der Standseilbahn bis Sunnegga (2288m). Natürlich könnte man noch weiter hinauffahren (Blauherd, 2571m), aber ein klein wenig wollten wir doch noch laufen …
 
Via Stellisee wanderten wir gemütlich bis zur Fluhalp (2618m) hoch, einem sehr behaglichen Berggasthaus (keine SAC-Hütte), welches ich nur weiterempfehlen kann. Man fühlt sich sofort zu Hause; die Einrichtung erinnert an „Grossmutter’s Zeiten“, das Essen war ausgezeichnet. Auch wenn die Holzwände dünn wie Papier sind, ist so ein kleines Doppelzimmer nicht zu verachten ... Am Sonntag-Abend war entsprechend wenig los (ca. 15-20 Personen) und zum Rimpfischhorn wollten anderntags ausser uns lediglich 2 weitere Personen.
 
Um ca. 03.35 Uhr zogen wir los, wohlwissend, dass wir eine ganze Weile im Dunkeln laufen würden. Aber erstens erfordert die lange Tour ein zeitiges Aufbrechen, zum andern erlaubt die erste Strecke auch im Dunkeln ein problemloses Laufen auf dem bwb-Wanderweg. Auf diesem hoch bis zum Pass (Pfulwe, 3155m), danach weglos Richtung Osten hinauf zum Sattel, etwas unterhalb des eigentlichen Pfulwe-Gipfels.
 
Nun ging’s in einem Klettersteig-ähnlichen Gelände ziemlich steil hinunter (Fixseile, 2 Eisenstifte). Etwas gewöhnungsbedürftig, wenn es stockdunkel ist und man nicht richtig sieht, wohin es geht … Nun weiter über Geröll und plattige Felsen, bis ein Einstieg auf den Längfluegletscher Sinn macht. Inzwischen ohne Stirnlampe über den Gletscher, welcher kein Problem darstellt.
 
Es war jetzt schon klar, dass wir keine Sicht haben werden; der Gipfel war schon längst vom Nebel umhüllt und auch die Umgebung blieb düster… Als nächstes galt es, den mächtigen Felsriegel zu überwinden. Zumindest im Aufstieg empfand ich denselben als sehr lang – eigentlich als nicht mehr endend wollend …
Auf ca. 4000m betraten wir erneut Gletscher und erreichten den Rimpfischsattel im kompletten Whiteout. Man hätte meinen können, das Gipfelplateau sei erreicht, es gehe nirgends mehr weiter hinauf – natürlich wussten wir es besser … Der Wind legte weiter zu, als wir zum Gipfelaufbau gelangten, wo schemenhaft Felsen zu erkennen waren.
 
(Spuren waren längst keine mehr auszumachen, die Gruppe vom Vortag war wohl umgekehrt. Die 2er-Seilschaft nach uns, welche viel zu spät gestartet und unseren Spuren gefolgt war, hatte den Gipfel wohl ebenfalls nicht erreicht.)
 
Nun das steile Couloir hinauf, welches auf guter Schneeunterlage kein Problem darstellte. Das Frontzacken-Gehen gehört trotzdem nicht zu meiner Lieblingsbeschäftigung, denn nach kurzer Zeit schmerzen jeweils meine Unterschenkel tierisch … (egal ob Auf- oder Abstieg).
 
Zum Schluss wieder über Felsen bis zum Gipfel des Rimpfischhorn, welchen wir um ca. 10.15 Uhr erreichten. Ein, zwei Fotos, dann machten wir uns auch sofort wieder an den Abstieg. Null Sicht, stürmischer Wind, eiskalte Temperaturen luden jedenfalls nicht zum Verweilen ein … Der Wind peitschte waagrecht ins Gesicht, Eiskristalle bildeten sich an der Brille, wodurch auch noch die Sicht eingeschränkt wurde.
 
Abstieg auf demselben Weg, wobei noch ein kleines Missgeschick geschah: aufgrund des garstigen Wetters hatten wir seit Stunden keine Pause mehr gemacht und kurz vor dem Abstieg des grossen Felsriegels geriet ich in eine Hungerrast, welche ich zunächst nicht als solche deutete.
 
So torkelte ich auf dem Gletscher plötzlich etwas unkontrolliert hinter dem BF her; zudem machte sich leichter Schwindel bemerkbar. Als wir vor dem Felsabstieg kurz hielten, um uns zu orientieren, nutzte ich die Gelegenheit, etwas zu trinken und Schokolade zu essen. So richtig gut fühlte ich mich trotzdem nicht. Erst beim Gletscherausstieg hielten wir eine ausgiebige Rast und mir ging’s danach auch sofort wieder besser …
 
Der Rückweg zieht sich bekanntlich ziemlich in die Länge; um 15 Uhr erreichten wir bei leichtem Nieselregen wieder die Fluhalp.

P.S. mein Stock, den ich am Gipfelkreuz verloren hatte, lag am nächsten Tag immer noch da oben und wurde mir freundlicherweise mitgebracht ... ;-))
 
Fazit:
Ich hab's schon eingangs erwähnt; die Begeisterung hielt sich dieses Mal in Grenzen – wetterbedingt. Während der ganzen, ziemlich langen Tour keine Aussicht … „Leichte Bewölkung“ wäre ja ok gewesen – wer aber hätte aufgrund der Prognosen derart garstiges Wetter erwartet?
Trotzdem eine interessante Tour, von welcher man oft hört, sie sei leicht. Mag sein, dass sie technisch nicht derart anspruchsvoll ist. Konditionell ist die Tour jedenfalls fordernd und man muss sich den Gipfel verdienen.
 
Zeiten:
Fluhalp – Gipfel: ca. 5 ¾ Std.
Roundtrip inkl. Pausen (Fluhalp – Gipfel - Fluhalp): 11 ½ Std.

Tourengänger: Linard03

Galerie


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Kommentare (6)


Kommentar hinzufügen

roger_h Pro hat gesagt:
Gesendet am 7. September 2017 um 08:19
Sali Richard

Natürlich gratuliere ich dir zum Gipfel, aber ebenso natürlich muss ich dir noch den Tourenbericht zu meiner damaligen Rimpfischhorn-Tour auf die Nase binden, damit du die Bilder ansehen kannt uns siehst, wie es auf dem Gipfel aussehen kann :-))

*Rimpfischhorn 4199m

Sorry, musste jetzt sein, ich war schliesslich schon ein paar Mal etwas neidisch auf deine Touren ;-)

Liebe Grüsse
Roger

mbjoern hat gesagt: RE:
Gesendet am 7. September 2017 um 12:09
Gratuliere zum Gipfel!!!

Wir waren gestern auf dem Nadelhorn und sahen am Vorabend von der Mischabelütte das Rimpfischhorn, ihr habt das Wetter um 2 Tage verpasst, gestern und auch am Dienstag wäre die Tour bedeutend spassiger gewesen :)

Aber eben, man kann es sich ja nicht immer aussuchen!

Liebe Grüsse
Björn

Linard03 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 7. September 2017 um 12:37
Merci ... - und Gratulation zurück zum Nadelhorn!

Ich weiss, am Vortag sowie auch den beiden nachfolgenden Tagen war das Wetter bedeutend besser; ich hatte tatsächlich den schlechtesten Tag erwischt :-(

Aber wie Du sagst, man kann's sich's nicht aussuchen!

LG, Richard

Linard03 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 7. September 2017 um 12:35
Hoi Roger,

aha, sooo sieht das also aus ...
War ja klar; ich hatte bereits mit solchen Kommentaren gerechnet ... ;-))

Man kann halt nicht immer auf der Sonnenseite stehen, obwohl ich bekennender "Schönwetter-Tourer" bin ... ;-)

Lieber Gruss zurück,
Richard

WoPo1961 Pro hat gesagt:
Gesendet am 8. September 2017 um 06:42
Moin Richard,
auch aus Flachlandhausen einen herzlichen Glückwunsch zu dieser Tour. Beneidet hab ich dich zwar nicht des Wetters wegen, aber über den besonderen Rückhol-Service deines vergessenen Stocks sehr wohl. Diesen Service hätte ich auch schon (leider) mehrfach gut gebrauchen können... gab's aber bisher nirgendwo im Angebot! Von daher würde ich mich über Tips von dir diesbezüglich sehr freuen!

Es grüßt erwartungsvoll der olle
WoPo

Linard03 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 8. September 2017 um 11:32
Lieber WoPo,

Danke für die Glückwünsche – und wegen des Wetter’s: ich hatte natürlich bewusst ganz stark auf die Tränendrüse gedrückt, was mir offensichtlich gelungen ist … ;-))

Die Auflösung des Stock-Rückholservice ist kein Mysterium, sondern einfach erklärbar: mein BF machte am nächsten Tag nochmals dieselbe Tour mit einem anderen Gast. Er war sich sicher, dass er meinen Stock finden würde; beide hatten wir aber nicht das Gipfelkreuz als Verlust-Ort im Verdacht, sondern vielmehr den Abstiegsweg.

Da ausser uns niemand den Gipfel erreicht hatte, war die Chance gross, das Objekt wieder zu finden. So kam jedenfalls der BF in den Genuss einer aussichtsreichen Tour und ich zu meinem Stock ;-).

Gruss,
Richard

P.S. die pingelige Korrektur muss noch sein: den Stock hatte ich nicht vergessen, sondern im Sturm verloren; ist vom Rucksack gerutscht ...


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