Punta Casana, Piz Casana, Piz Saliente


Publiziert von LorenzZH , 12. August 2017 um 21:15.

Region: Welt » Italien » Lombardei
Tour Datum:27 Juli 2017
Wandern Schwierigkeit: T6- - schwieriges Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   I 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1520 m
Abstieg: 1520 m
Strecke:Ristorante La Calcheira bei Pkt. 1859 am Anfang des Valle di Federia - Pkt. 2804 m - Punta Casana 3007 m - Grat-Punkt 2896 m - Piz Casana/Piz Chaschauna 3070 m - Punta Tropione 2941 m - Passo Tropione/Fuorcla Trupchun 2779 m - Monte od. Piz Saliente 3048 m - Passo Tropione/Fuorcla Trupchun 2779 m - Baitèl da la Sáscia 2420 m - Ristorante La Calcheira
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Velo
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Velo
Unterkunftmöglichkeiten:Unterwegs keine
Kartennummer:1238 (CH-Landeskarte 1:25'000), 96 (Kompass-Karte Bormio, Livigno, Alta Valtellina 1:50'000)

Zuerst gab es eine kurze Velofahrt von Livigno, Ortsteil San Rocco, zum Startpunkt der Tour beim kleinen Ristorante La Calcheira, das einige Meter oberhalb des Verzweigungspunktes Pkt. 1859 am Anfang des Valle di Federia liegt. Dort startete ich die Tour. Es galt dann, die auf der Kompass-Karte angegebene Route Nr. 174 zu finden. Am Startpunkt ist von dieser Nummer noch nichts zu sehen, da folgt man zunächst der Nr. 175, die man weiter oben verlässt, um Richtung Valle di Federia weiterzugehen (muss wohl Nr. 173 gewesen sein). Erst weiter oben trifft man dann auf eine Abzweigung 174. Auf der Schweizer Online-Landeskarte map.schweizmobil.ch ist da nur der Anfang zu sehen. Man muss auf ca. 2270 m nach Norden abzweigen. Der Weg wird ab da etwas weniger gut sichtbar. Man umgeht den Vorgipfel-Punkt 2804 östlich. Man sollte dabei (während man noch auf dem tiefen Abschnitt ist, der nach Norden geht) nicht den Weg nehmen, den man weit links oben zu sehen glaubt, sondern auf dem unteren bleiben, der weniger stark ansteigt. Erst später geht es dann mal ein kürzeres Stück nach Westen (ziemlich in der Falllinie des Hangs) und danach wieder nach N / NW, und man muss etwas aufmerksam sein, damit man diesen Verlauf erkennen kann. Im weiteren macht man quasi einen Halbkreis um den Pkt 2804 herum und gelangt auf den Grat zwischen diesem Pkt. und der Punta Casana. Die Schwierigkeit ist etwa T3, das Stück auf den Grat hinauf vielleicht etwas mehr (ich war östlicher auf den Grat aufgestiegen (T4), weil ich den Weg nicht mehr gesehen hatte). Auf dem Grat angekommen, folgt man dann der offensichtlichen Linie über den Gratrücken bis auf die Punta Casana, wobei besonders am Schluss wieder deutlich ein Weg sichtbar ist. Die Schwierigkeiten nehmen zuletzt etwas zu, um auf den allerletzten Metern vor dem Gipfel umgefähr T5- zu erreichen.
Die Wettersituation war so, dass ein Wolkendeckel bestand, der Anfangs bis unter 3000 m reichte und dann etwas anstieg, so dass zuerst der nahe gelegene Piz Casana verhüllt war, später dann aber frei wurde.
Das erste kurze Stück des Abstiegs ist dasselbe wie der Aufstieg, danach aber bog ich in den Nordwestgrat (auch mit Wegspur) ein, bis zum Punkt 2896. In meiner Erinnerung ist das zwar nicht ein simpler Wanderweg, aber mehr als T4 habe ich da nicht im Gedächtnis. Der Aufstieg von da auf den Piz Casana / Piz Chaschauna ist nun erstaunlicherweise fast der einfachste Abschnitt der ganzen Tour, er übersteigt kaum T2 und hat Wegspuren, darum könnte man es fast paradox finden, dass da auf der Kompass-Karte kein Weg zu sehen ist!
Nach einer Rast ging es weiter auf dem Ost-Nordost-Grat auf den Piz Trupchun / Punta Tropione. Viele Berge und Pässe haben hier offenbar einen italienischen und einen anderen Namen, besonders wenn sie auf der Landesgrenze sind. Der Grat ist anfangs sehr einfach, aber dann gibt es eine ganz kurze T5+ Stelle, kurz vor dem Piz Trupchun.
Nun dachte ich zuerst, den N-NO-Grat hinunter zur Fuorcla Trupchun zu gehen, hatte aber die Idee, dass im unteren Teil recht schwierige Stellen kommen könnten. (Ich war am Tag vorher schon mal in diesem Gebiet und hatte den Grat von unten gesehen). Somit wählte ich den O-SO-Grat bis in den Bereich 2750 - 2770 m und bog dann in die Ostflanke, wobei der Anfang etwas heikel ist, aber danach kann man auf einer (nicht immer gut sichtbaren) Wegspur ohne nennenswerte Probleme bis unterhalb der Fuorcla Trupchun gelangen, und das letzte Stück hinauf noch auf dem Wanderweg zurücklegen.
Danach kam der spannendste Teil des ganzen Tages, der Piz Saliente (Kompass-Karte) bzw. Monte Saliente (CH-Landeskarte). Dazu möchte ich einige Bemerkungen machen, beginnend mit folgenden Stichwörtern: Wild, steil, schwierig, rutschig, bröselig, vielleicht steinschlagträchtig, und Rückweg-verirrungsgefährdend (was für ein Wort!). Aber was macht der Mensch nicht alles, wenn er ein Ziel erreichen will, das seiner Ehre zu schmeicheln vermag?
Ich habe mich schon beim Aufstieg um das Wiederfinden des Rückwegs gekümmert, denn ich hatte in dieser Hinsicht schon mal unangenehme (wenn auch nicht lebensbedrohliche) Erfahrungen machen müssen. Es gab bereits einzelne Steinmänner. Das gab mir etwas Vertrauen, dass ich da nicht völlig daneben lag mit meiner Routenwahl. Einige sind aber eingestürzt, und die habe ich wieder aufgerichtet, und habe noch zusätzliche aufgestellt an mir entscheidend scheinenden Punkten. Auch ein Zurückschauen kann nützlich sein, so dass man sich schon mal den Anblick, wie er beim Abstieg erscheinen sollte, einprägen kann.
Durch die vielen kleinräumigen Abschnitte und Biegungen ist der Routenverlauf etwas schwer in Worte zu fassen. Meist liegt man mit der Intuition richtig. Auf der Karte gibt es einen Punkt 2908. Dort oben kann man allenfalls einen besseren Ueberblick gewinnen, aber ansonsten würde man ihn eher östlich umgehen. Es war mir hier nicht klar, welches der "richtige" nächste Routenabschnitt ist. Ich entschied mich für ein grosses auffälliges Couloir in der Mitte (auf einem Bild). Es könnte aber durchaus sein, dass man über den "Pass" etwas nördlich von Pkt.2908 gehen kann und dann in der Westflanke des Berges den weiteren Aufstieg machen kann, aber etwas Definitives kann ich da nicht sagen. Sondern nur, dass ich im besagten Couloir keine Steinmänner gesehen habe. Aber die Route hat zumindest "funktioniert", und das war mir die Hauptsache. Gegen Ende des Couloirs hält man etwas links und kommt auf eine kleine Einschartung. Von da geht es wieder in einigermassen logischer Richtung rechts hinauf. Danach kommt man bald an einen Punkt, wo links und rechts zwei ungefähr gleich hohe Erhebungen aufragten und ich dachte, eine davon müsste eigentlich der Gipfel sein. Ich entschied mich für rechts (d.h. der östlichere), und bald darauf sah ich das Gipfelkreuz nicht mehr weit von mir. Und als klar wurde, dass das letzte Stück auch nicht mehr schwieriger sein würde als das bisher erlebte, war das Glücksgefühl ziemlich gross, dies auch deshalb, da ich am Anfang sehr unsicher war, ob ich es überhaupt bis zum Gipfel schaffen würde.
Ein bisschen dachte ich nun schon an den Abstieg, hatte aber eigentlich kein schlechtes Gefühl. Dies wegen meiner Rückweg-Vorbereitungen und den nicht allzu extremen Schwierigkeiten. Na ja, ich habe ja nicht T6 angegeben, sondern "nur" T6-, weil mir schien, dass das eher angemessen sei. Aber darüber lässt sich streiten...
Ich überlegte mir als Alternative, über den Ostgrat auf die Bocchetta del Cantone abzusteigen. Diese Route scheint ähnlichen Charakter zu haben wie die Route von der Fuorcla Trupchun, aber da ich nicht wusste, was da noch alles kommen könnte, liess ich es bleiben und entschloss mich, wieder über die Aufstiegsroute abzusteigen.
Nach einer Gipfelrast dachte ich, auch noch den anderen Gipfel (der westliche), der ein paar Meter niedriger ist, zu besteigen. Auch dieser ist innerhalb von T6- (oder sogar nur T5+) machbar.
Der Abstieg ging dann beinahe problemloser als erwartet, worüber ich natürlich froh war.
Hinweis: Die Bilder der Aufstiegsroute machte ich während des Abstieges, also erscheinen sie hier in Abstiegsreihenfolge.
Auf der Fuorcla Trupchun angekommen, geht die normale Route nach Osten (oder Ost-Südost). Ab dem Punkt "Baitèl da la Sáscia" 2420 m (oder Kartenpunkt 2411 m, der unten beim Bach ist) geht es dann mehr oder weniger nach Süden. Ich würde diesen letzten Abschnitt mit T4 bewerten, da der Weg in steile Böschungen hineingehauen und z.T. ziemlich schmal ist. Aber nach dem Piz Saliente ist das fast eine Erholung.
So kam ich wieder an den Velo-Abstellplatz zurück, wo die Tour den Abschluss fand.
 
Es sei hier noch eine Anmerkung gemacht. Wenn man mit möglichst geringen Schwierigkeiten zumindest einen der 3000er dieser Tour machen will, dann wählt man am besten den Piz Casana 3070 m. Für dieses Ziel kann man den Ostgrat der Punta Casana weglassen, und stattdessen nördlich davon einfach im Talkessel direkt zum Einsattelungspunkt 2896 zwischen Punta Casana und Piz Casana zusteuern. Da soll laut Kompasskarte ebenfalls eine Route sein, und zwar ist dies die Nr.174, während diejenige, die über den Ostgrat der Punta Casana verläuft, Nr.174.1 ist. Vom Einsattelungspunkt bis zum Gipfel ist es wie schon gesagt sehr leicht (kaum mehr als T2), und die gesamte Route ist wohl kaum mehr als T3.

Tourengänger: LorenzZH

Galerie


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