Calanda (2806m) - Auf schmalen Pfaden von Vättis


Publiziert von Schneemann , 1. August 2017 um 22:13.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum: 1 August 2017
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Calanda   CH-GR   CH-SG 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1900 m
Abstieg: 1900 m

Am Schweizer Geburtstag muss eine Tour auf einen der mächtigen Berge her - die Calanda! Der Aufstieg von Vättis steht schon lange auf meiner Agenda, der einzige Versuch im letzten Jahr scheiterte aber an vereistem Schrofengelände kläglich. Die Tour ist steil, anspruchsvoll und lang, zudem wohl sehr selten begangen. Weder heute noch beim letzten Versuch ist mir irgendjemand auf dieser Route begegnet. Dank der Steilheit und Ausgesetztheit gibt's auch weder Alpen noch Vieh, geschweige denn Hütten - man ist hier doch recht abseits der Zivilisation unterwegs. Landschatlich sehr beeindruckend und konditionell  fordernd.

Etwas problematisch an der Tour sind jedoch:
  • es gibt quasi keine Rückzugsräume oder einfacher Alternativabstiege. Einzig kann man natürlich vom Gipfelgrat nach Chur absteigen. Bei Gewitter oder plötzlichen Schlechtwetter (dem ich heute zum Glück entkam) hat man auf den  schmalen, erdigen und ausgesetzten Pfaden vermutlich ein Problem.
  • Die Tour hat einige schattige Steilabschnitte  - daher vereist es hier schnell im Spätsommer/Herbst. Umgekehrt liegt in der Felsschlucht des Schaftäli lange Restschnee. Selbst heute (1. August) war noch ein ordentlicher Schneeblock vorhanden, den man zum Glück passieren konnte. Geht das nicht, kann es hier sehr schwierig werden.
  • Zumindest am heutigen Hitzetag waren alle (leicht zugängigen) Bachläufe ausgetrocknet - kein Nachtanken möglich. Meine 1.5 Liter waren klar zu knapp bemessen.

Tour:
Vorneweg: es gibt eine sehr gute Tourenbeschreibung auf Gipfelbuch, vermutlich von einem Einheimischen? Die hat mir doch sehr geholfen und ist gut bebildert:
http://www.gipfelbuch.ch/tourenfuehrer/routen/id/2553/Alpine_Wanderung/Haldensteiner_Calanda

Die Tour von Vättis aus lässt sich ganz gut in mehrere Abschnitte Aufteilen. Der "geologische Grund" dafür dürfte an den Gletschern liegen. Charakteristisch finde ich nämlich den mehrfachen Wechsel von eher mässig steilen U-Tälern mit sehr steilen vertikalen Abstürzen - typische von Gletschern geformte Landschaft.

(1) Vättis - "Finde den Einstieg" T1

In Vättis ist die durchgehend blau-weisse Route vorbildlich markiert. Man marschiert durch hübsche Strässchen, die am heutigen Feiertag noch bunter dekoriert waren als sonst. Es geht einen Feldweg hoch bis sehr abrupt(!) der schmale Pfad zur Calanda abgeht. Diesen recht zugewachsenen Abzweig kann man leicht verpassen, wenn man noch morgendlich verpeilt ist - so bei mir letztes mal geschehen.

(2) Vättis - Gonscherolaboden T4

Es geht durch einen schönen Nadelwald auf sehr schmalem Pfad steil aufwärts. Das Gelände ist in diesem untersten Abschnitt enorm steil, was die Vegetation zum Glück etwas verdeckt. Hier sind aber an vielen Stellen definitiv keine Stolperer erlaubt. Schaut man sich diese "Wand" von unten an, glaubt man kaum, wie da ein Pfad durchführen kann. Ich hab Respekt vor diesem Abschnitt und hatte im Abstieg etwas Schiss als die dicken Gewitterwolken sich ins Taminatal geschoben haben - zum Glück kam ausser wenigen Tropfen nichts herunter.

(3) Gonscherolaboden - Gonscherolatobel T3+

Wie zuvor führt der schmale Pfad steil und ausgesetzt aufwärs. Die Vegetation wechselt aber zu Legföhren-ähnlichen Bäumchen und der Untergrund wird immer mehr kiesig und sandig anstatt erdig. Gegen Ende wird der Weg dann eher flach und quert bis zur nächsten Steilstufe beim Tobel.

(4) Gonscherolatobel - unteres Schaftäli T4

An dieser Steilstufe muss man in grasigem, teils schrofigem Gelände die Steilstufe überwinden. An sich nicht so schwierig, aber im letzten Jahr musste ich hier aufgeben, weil die Schrofen mit einer Eisschicht überzogen waren. Heute - am heissesten Tag des Jahres bislang - war das erwartungsgemäss nicht der Fall ;) Nach dem Steilhang erreicht man das wunderschöne Haldensteiner Schaftäli - hier sind mir auch Gemsen begegnet, die allerdings extem scheu waren. Offensichtlich bekommen die nur selten Wanderer zu Gesicht...

(5) unteres Schaftäli - mittleres Schaftäli T4/I

Erst gehts mässig steil übers Schaftäli bis man eben wieder eine Steilstufe erreicht. Diese ist nun recht felsig und schrofig. Dank guter Pfadführung und Markierung allerdings recht leicht zu bezwingen - Handeinsatz ist nur stellenweise nötig (I). Man erreicht also das noch schönere mittlere Schaftäli, wo es dann nur noch Gras und Fels hat.

(6) mittlere Schaftäli - obere Schaftäli (durch den Spalt) T4/II

vom mittleren Schaftäli  steuert man (den Pfad hab ich hier stellenweise verloren) auf die eindrucksvolle Schlucht zum oberen Schaftälli zu. Sicherlich das Highlight der Tour und auch die Schlüsselstelle. Man steigt den Spalt hinauf, der sich zunehmend verengt - an den engsten Stellen wohl so 1m breit aber mit hohen Seitenwänden. Heute pfiff noch der Fön durch den Spalt, was das Ambiente noch beeindruckender machte - WOW.

Liegt im Spalt noch ordentlich Restschnee hat man wohl ein Problem - dann brauchts mit Sicherheit Steigeisen und womöglich auch Kletterkünste. Ich hatte Glück, es war zwar noch ein Schneeblock vorhanden, den konnte man aber umgehen. Dennoch finde ich den Part recht anspruchsvoll und durch neue Klemmblöcke kann sich die Schwierigkeit wohl auch schnell mal ändern - ich hatte an einem Block etwas Schwierigkeiten und stufe den Abschnitt daher mit (II) ein.

(7) obere Schaftäli - Südgrat T3

Dieser Abschnitt ist ohne Probleme, allerdings wird die Pfadspur immer schwächer und auf dem Grat hab ich gar keine Spuren mehr gefunden.

(8) Südgrat - "Normalweg von Calandahüte" - Gipfel T3+

Auf dem Südgrat bin ich weglos etwas aufgesteigen und dann auf Schutt bis zum Normalweg gekreutzt. Stellenweise recht rutschigt, aber nicht allzu steil. Ich war froh auf dem Normalweg zu sein, aber hab die vielen Höhenmeter bis zum Gipfel dann doch noch unterschätzt - das ziiiiiieht sich.

Der Gipfelblick von der Calanda ist natürlich eine feine Sache. Allerdings stören im Westen ein wenig die noch höheren Gipfel. Ausserdem war die Sicht sehr dunstig. Mein Lieblingsgifpel wird es nicht werden, allein schon weil ich einfach keine angenehme Sitzposition auf den Felsplatten finden konnte ;)

Abstieg entlang der Aufstiegsroute - stellenweise mit erhöhtem Tempo (und rotem Kopf) um dem befürchteten Gewitter zu entgehen.

Fazit:
Landschaftlich eindrucksvoller Aufstieg auf die Calanda. Zudem sehr einsam und kaum begangen. Für mein Empfinden aber auch deutlich schwieriger als der doch eher monotone Normalweg von Chur über die Calandahütte. Durchaus empfehlenswert, aber eher für konditionsstarke und sichere Geher. Die Tour kann  bei schlechten Verhältnissen sicherlich sehr unangenehm werden - ich empfehle August-September bei stabiler Wetterlage. Steigeisen mögen eine gute Hilfe sein, falls es noch Restschnee im Spalt hat. Ich werds allerdings wohl nicht so bald wiederholen - dafür fand ichs heute doch zu anstrengend ;)


Tourengänger: Schneemann


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Kommentare (7)


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Wanderer82 hat gesagt:
Gesendet am 1. August 2017 um 23:57
Hatte zuerst heute auch daran gedacht, die Tour zu machen. Aber genau wegen der Befürchtung, dass Altschnee noch vorhanden ist und auch wegen der eventuellen Gewitter, ging's ins Unterengadin.

Aber: Ich habe mit dem Touristenbüro von Vättis telefoniert. Die Fraue meinte, dass der markierte Pfad nicht mehr durch diesen Spalt durchgehe... das hat mich ein wenig verwundert. Ich habe aber noch woanders gelesen, dass ein Pfad eine Passage umgeht... vielleicht meinte die Dame diesen.

Gruss
Thomas

Schneemann hat gesagt: neue Wegführung?
Gesendet am 2. August 2017 um 00:10
Hoi Thomas,

ja, ich glaube die Tour war heute etwas heikel - wegen der leichten Gewitterneigung. Hast du sicher gut entschieden.

Die Auskunft aus Vättis find ich interessant. Hab gerade nochmal auf map.geo.admin.ch nachgeschaut - da ist noch der Weg durch den Spalt eingezeichnet. Aber die sind vermutlich nicht immer aktuell. Naja, ich hab im Spalt selbst auch keine weiss-blauen Markierungen gesehn. Allerdings hat's zwei rote Markierungen (eine so hoch an der Wand, dass die wohl bei viel Schnee angebracht wurde).

Möglicherweise meint sie die Umgehung des Spalts, welche in meinem Link (siehe Bericht) dokumentiert wird? Soll wohl auch so um T4 sein. Die Umgehung hab ich mir auch mal von unten kurz angeschaut, aber Markierungen hab ich da keine gesehen. Vielleicht kann das ja mal jemand näher untersuchen bei der nächsten Tour ;)

Gruss
Christian

Wanderer82 hat gesagt: RE:neue Wegführung?
Gesendet am 2. August 2017 um 00:45
Da ich immer sowohl Originalweg als auch markierte Route gehen möchte, werde ich das bestimmt mal beides anschauen. Ob noch dieses Jahr, ist nicht sicher. Sicher aber nicht beide Routen an einem Tag und im gleichen Jahr... man gönnt sich gern etwas Abwechslung ;-)

Greni hat gesagt: devinitiv neue Wegführung
Gesendet am 30. August 2017 um 09:20
Hallo zusammen.

Die (offizielle) Route geht nicht mehr durch den Spalt. Ich bin den Weg am 27.08.2017 gegangen. Noch vor der Geröllhalde, die beim Spalt beginnt, also noch in relativem flachem Gelände, zieht der Weg (markiert mit zwei kleinen Steinmännern) links die Flanke hoch. (Auf ca 2'2230) Er ist sehr gut wbw markiert, steil, T3+. Auf der Höhe von 2'250 wird dann Richtung Süd/Süd Ost gegangen, Querung der Geröllhalde und weiter Richtung P 2633. (Dieser Weg ab Höhe 2'250 ist eingezeichnet auf map.geo.admin.) Da geht's dann wieder auf die Spur der "alten" Route, die von P 2409 her kommt.

Es war ein Traumaufstieg von Vättis, keine Menschenseele gesehen, ruhig, schroff, steil und irgendwie trotzdem sanft. Auf dem Gipfel hat's dann kurz einen Regensprutz gegeben und die, die schon oben waren sind rasch abgestiegen. So genoss ich eine halbe Stunde ganz alleine auf dem HC.

Danach Abstieg zur Calandahütte, da war dann personell doch einiges los, auf dem Weg und bei der Hütte. Weiter ging es Richtung Rossboden - Älplihütte - Taminser Älpli - Kunkelspass - Vättis. Ich habe diese Route gewählt, da das Wetter unsicher war. Ursprünglich wollte ich nach dem HC noch auf den Felsberger Calanda. Wenigstens habe ich ihn so ziemlich 360° gesehen und ich werde ihn noch besuchen. Von der Calandahütte bis zum Kunkelspass alleine unterwegs. Schöne Route mit Aussicht auf Chur.

Reine Gehzeit 9h. (War auf Grund des Wetters aber eher schnell unterwegs). Budgetiert waren deren 10h, und die hätte ich wohl bei besserem Wetter auch gebraucht.

Wanderer82 hat gesagt: RE:devinitiv neue Wegführung
Gesendet am 30. August 2017 um 10:45
Hallo Greni

Besten Dank für diese Aufklärung. Dann ist der Weg auf map.geo.admin also dort komplett falsch.

Und ich denke, du meintest P. 2450, wo man dann auch auf der Karte einen Pfad sieht, nicht P. 2250, oder?

Ist denn diese neue Wegführung jetzt so markiert und durch den Spalt hat es gar keine blau-weissen Markierungen?

Gruss
Thomas

Greni hat gesagt: RE:devinitiv neue Wegführung
Gesendet am 30. August 2017 um 11:12
Hallo Wanderer82

Ja, der ist wohl noch nicht aktualisiert worden auf map.geo.admin.

Danke für den Hinweis ich meinte, P. 2450

Die neue Wegführung ist sehr gut und durchgehend blau-weiss markiert. ABER, wenn man zu sehr auf den Spalt fokussiert ist, kann es passieren, dass man an den zwei kleinen Steinmännern tatsächlich vorbeigeht und dem "alten" Pfad folgt (ist mir beinahe widerfahren). Ich konnte keine blau-weissen Markierungen im Spalt ausmachen.

Gruss Greni

Wanderer82 hat gesagt: RE:devinitiv neue Wegführung
Gesendet am 30. August 2017 um 12:04
Okay, dann muss ich dann wohl 2x da durch, einmal den offiziell markierten und einmal den alten Pfad. Das gehört sich so bei mir... ;-)


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