Piz Lagrev, 3165m


Publiziert von Linard03 Pro , 29. Juli 2017 um 20:01.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberengadin
Tour Datum:27 Juli 2017
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS-
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1090 m
Abstieg: 1090 m
Strecke:Alp Güglia - P.2371 - Gianda Lagrev - Vadret Lagrev - P.3085 - P.3109 - Piz Lagrev - retour (ca. 12 km)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PP am Beginn der langen Geraden, vor der Passhöhe (von Silvaplana her kommend)

Und noch ein beliebter Ski-Gipfel, welcher im Sommer kaum besucht wird: Piz Lagrev. Die meisten geben sich denn auch mit dem Skigipfel (3109m) zufrieden und wohl die wenigsten nehmen im Winter noch den langen Gipfelgrat in Angriff.
 
Ich fuhr mit dem Auto gemütlich den Julierpass hoch bis auf die Höhe Alp Güglia (ca. 2200m). Hier gibt’s einen relativ grossen Parkplatz, der selbstredend leer war. Ich startete geradewegs in südlicher Richtung und steuerte die erste Felsstufe (P.2372) an. Es gibt zwar keine offizielle Markierung, das ausgetretene Weglein ist jedoch gut ersichtlich.
 
Nach Durchqueren einer kleine Ebene beginnt auch schon ein eher unangenehmer Teil: die Gianda Polaschin, eine Steilstufe auf mehr oder weniger losem Geröll, welcher auch noch die Gefahr von Steinschlag aus der NW-Wand des Piz Polaschin birgt.
 
Ich hielt mich deshalb rechts (also westlich) entlang der Felsbegrenzung, um nicht direkt in der Falllinie der Steine ausgesetzt zu sein. Ist diese Passage überwunden, wird es wieder etwas angenehmer. Im Aufstieg blieb ich vorläufig auf der linken Seite des Baches, wogegen ich im Abstieg den Steinmännern folgte, welche auf der anderen Seite des Baches den Weg zeigen.
 
Vor der letzten Stufe unterhalb des See’s bemerkte ich denn auch ein Steinmann, weshalb ich die Bachseite wechselte und westseitig aufstieg (jedenfalls angenehmer als ostseitig auf eher feinem Geröll …). Ein frischer Wind wehte auf Höhe des Lej Lagrev (2719m) und es war jetzt schon klar, dass es auch heute schwierig würde mit etwelcher Sicht auf dem Gipfel, trotz zwischenzeitlichem Sonnenschein …
 
Den See ostseitig umrundend und weiterhin den Steinmännern folgend erreichte ich den Gletscher-Einstieg (ca. 2850m). Während ich die Steigeisen montierte, polterten andauern Steine hinunter von ca. P.2963; ziemlich unangenehm. Ich querte deshalb möglichst schnell den untersten Gletscherabschnitt nach rechts (westlich), um dann in einem grossen Linksbogen auf dem Gletscher aufzusteigen.
 
Obwohl man auch hier von einem „Gletscher-Rest“ spricht, hatte ich das Ganze etwas unterschätzt: er ist viel steiler als erwartet und der Aufstieg auf dem Gletscher dauerte ebenfalls länger als erwartet. Für den Ausstieg suchte ich mir eine geeignete Stelle, was auch nicht ganz leicht war, denn auch hier wird überall mit Steinen geworfen; zudem war das Ausziehen der Steigeisen auf losem Geröll auch nicht das Angenehmste.
 
Weiter ging’s hinauf zu P.3084, wobei ich bei mittlerweile sehr schlechter Sicht erst mal die Wetterstation anpeilte. Hier war ich denn auch nicht ganz sicher wo’s jetzt weitergehen sollte. Die eher anregende Grat-Kletterei konnte es nicht sein, was ein Blick auf das GPS bestätigte – dies hätte in Richtung Piz Mez geführt.
 
Also etwas zurück und dann Richtung NW abbiegen; ein Verbindungsgrat zwischen P.3084 und P.3109. Ab hier war die Wegfindung trotz Nebel wieder klar; einfach dem langen Grat entlang. Und er ist wirklich lang, der Grat: immer wieder tauchte ein Gipfel aus dem Nebel heraus, aber es war mal für mal nicht der Piz Lagrev ... Schliesslich ging’s aber nicht mehr weiter und ich erreichte ein schäbiger Holzpfahl als Gipfelzeichen des Piz Lagrev (3165m).
 
Leider auch heute null Sicht … Ich wollte nicht 30 Min. oder länger zuwarten, ob sich der Nebel ev. doch noch etwas lichten würde und machte mich sofort wieder an den Abstieg – auch weil ein unangenehmer Wind ging und es dazu leicht aus dem Nebel heraus nieselte.
Während ich mich noch auf dem langen Grat befand, drang die Sonne doch noch zaghaft durch und gab kurze Blicke auf den Silsersee(südseitig) und den Leg Grevasalvas und die Julierpassstrasse im Norden frei.
 
Der Gipfel des Piz Lagrev blieb jedoch von Wolken umhüllt, wie übrigens auch der Piz Julier, welcher den ganzen Tag einen Hut trug. Kurz nach dem Einstieg auf den Gletscher schlitterte ein grösserer Felsbrocken unweit von meiner Position vorbei, weshalb ich mich beim Abstieg beeilte. Den Ausstieg suchte ich etwas weiter unten, weil nach wie vor Steine herunterpurzelten. Wiederum beeilte ich mich in der Querung, zog die Steigeisen aus und konnte erst aufatmen, als ich die Nähe des See’s erreichte.
 
Am Lej Lagrev legte ich eine längere Pause ein, während sich die Sonne mehr und mehr zeigte und nun auch die Sicht auf weitere Gipfel freigab. Anschliessend stieg ich gemütlich weiter ab, nun konsequent den Steinmännern folgend. In der etwas heiklen, steilen Geröllhalde (Gianda Polaschin), nahm ich das „offizielle“ Zick-Zack-Weglein, wobei ich mich in dieser Passage ebenfalls beeilte.
 
Den restlichen Abstieg konnte ich wieder gemütlich angehen und erreichte bei mittlerweile schönstem Wetter wieder den Ausgangspunkt. Während der ganzen Tour keinen einzigen Menschen gesehen.
 
Fazit:
eine absolut einsame Tour in wilder, schöner Landschaft. Leider hat auch heute die ansonsten sicherlich schöne Aussicht gefehlt. Der einzige negative Aspekt: Steinschlag ist allgegenwärtig; die Steine purzeln andauernd von verschiedenen Hängen hinunter …

Tourengänger: Linard03

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Geodaten
 36282.gpx Piz Lagrev

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