Berner Runde


Publiziert von mannvetter , 14. April 2017 um 09:33.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Jungfraugebiet
Tour Datum: 2 April 2017
Hochtouren Schwierigkeit: ZS-
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Ski Schwierigkeit: ZS-
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 
Zeitbedarf: 7 Tage
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem Bähnle hinauf zum Jungfraujoch

Eine Rundtour hat etwas bestechend Einfaches und Logisches. Zum Ausgangspunkt zurückkehren und doch kein Stück Weg zweimal gegangen. Das hat im Berner Oberland nicht so ganz geklappt. So richtig rund war es an mehreren Stellen nicht, vor allem aber beim Zurückkommen zum Auto, das in Lauterbrunnen geblieben war. Wie machen das den andere? Ich hätte erwartet, auf den Hütten viele Leute mit dem gleichen Problem zu treffen, aber die meisten hatten dank Bahnanfahrt (lobenswerterweise) gar nicht dieses Problem.
Für den Beginn mit der Jungfraujochbahn gab es keine Alternative. Aber da auch wieder zurück? Von der Hollandiahütte solch einen Hatscher wieder hoch und nochmal so tief ins Portemonnaie gegriffen? Stattdessen durchs Lötschental abfahren und mit Bus und Bahn weit außen herum zurück zum Auto?
Oder die Variante über den Petersgrat. Warum kannte oder machte das niemand? Nun, wir haben es erfahren!
 
Es war schon der dritte Anlauf! Vor zwei Jahren kam eine Venenentzündung dazwischen, letztes Jahr war das Wetter im Zeitfenster unbrauchbar – jetzt sollte es endlich klappen. Zwar war der Wetterbericht für die Palmwoche auch wieder recht bescheiden, aber wir wagten es diesmal doch. Die Planung stand ja seit zwei Jahren, die Hütten waren reserviert, es konnte losgehen!
 
1. Tag
Für 100 Franken bei völligem White-out aufs Jungfraujoch zu fahren hat etwas ziemlich Frustrierendes. So lange drauf gefreut, zweimal schon verzichtet – hätten wir es wieder canceln sollen? Soll man eine Bergtour bei mäßigen Bedingungen starten oder sie sich lieber „aufsparen“ für bessere Zeiten? Existentielle Gedanken umwölkten mich beim Blick ins Weiße aus dem Fenster. Der Wetterbericht versprach Aufhellungen. Die Spur zur Mönchsjochhütte war selbst im White out nicht zu verfehlen, dort sorgte dann eine Ovo für Aufhellung, aber das Wetter blieb bescheiden.
Das hieß also, das Ewigschneefeld im Blindflug hinunterzufahren. Nicht gefährlich aber sehr lästig, wenn man nicht mal sah, ob man noch fuhr oder schon stand. Kompass mit Marschzahl und GPS, so gelangten wir bis hinunter zum Gletscherbruch, dort sah man wenigstens die Seracs, denen wir auswichen. Solchermaßen hinunter zum Konkordiaplatz und die vielen Leitern hinauf zur Konkordiahütte. Wenigstens ein feines Essen und erholsamer Schlaf.
 
2. Tag
Wir frühstückten um 6 Uhr, draußen war es wolkenlos! Der Ausblick war einfach überwältigend schön! Es hatte 20cm Neuschnee, alles war erdenfern entrückt. Wir stiegen hinauf Richtung Grünhornlücke, wollten zuvor aber noch einen Abstecher zum Grünegghorn machen. Da gab es schon einige Gruppen vor uns, die holten wir am Vorgipfel ein. Der frisch eingeschneite Grat hinüber zum Grünegghorn-Gipfel war schönstes Kraxeln, von dort beeindruckende Sicht zum steil aufragenden Grünhorn.
Eine „runde Sache“ wäre ja hier der Abstieg zur Abseilpiste und dann direkte Abfahrt zur Finsteraarhornhütte. Aber wir hatten zu wenig Informationen darüber. War das für uns machbar, war der erste Ring zu finden? Was war mit dem Neuschnee? Wir verzichteten und fuhren in butterweichem Schnee hinunter zum finalen Anstieg zur Grünhornlücke. Dort dann hinunter zur Finsteraarhornhütte. Auf der Terrasse gesonnt, welch ein Gletscherrund!
 
3. Tag
Der Wetterbericht ließ alle Deutungen zu, wir hatten am Finsteraarhorntag Glück, weil die Wolkenschicht um 4100 Meter lag und unser Gipfel als einziger Berner richtig darüber hinaus ragte. Ziemlich eisig bis zum Früstücksplatz, ab da wäre es ohne Harscheisen kaum weiter gegangen. Am Hugisattel noch eisiger. Leider steht die Sonne ja morgens hinter dem Grat, so dass man meist im Schatten geht. Aber was für ein schöner Grat! Gut eingeschneit, gut zu sichern, welch eine schöne Pyramide.
Die Abfahrt dann leider über weite Strecken im Nebel.
 
4. Tag
Heute wollten wir ja zur Mönchsjochhütte traversieren. Am liebsten über das Fiescherjoch. Es hatte 50cm Neuschnee gegeben, ein Bergführer wühlte sich für seine Gruppe durch den Schnee und heldenhaft an den Seracs vorbei. Mein Versuch, das Spuren auch einmal zu übernehmen und nicht nur Nutznießer zu sein, stieß ins Leere, der Bergführer verschmähte meine Spur.
Am Fieschersattel dann ordentlich Wind. Blick hinunter nach Westen in den Abbruch: das sah wenig einladend aus. Wie war das nochmal: Windverfrachtung, 50cm Neuschnee, 50° Steilheit, war da nicht was? Eigentlich schade, denn das wäre jetzt eine „Runde Sache“ gewesen, ziemlich elegant hinunter aufs Ewigschneefeld und locker bis zur Hütte. Wir entschlossen uns zur Umkehr, wollten aber auf jeden Fall noch zur Mönchsjochhütte kommen. Das hieß also erst einmal Genussabfahrt durch den Neuschnee, dann aber eine sehr strenge Tagesetappe: 2300 positive Höhenmeter und 26km Strecke! Wir kamen um 19.30 Uhr an der Hütte an, völlig entkräftet, mein Kompagnon unfähig, die dargebrachte Suppe zu kosten. Nun ja, Schmerz vergeht, Erinnerung bleibt!
 
5. Tag
Heute hatten wir es nicht eilig. Die Hütte war kaum gefüllt, die Jungfrau-Aspiranten schon weg, wir frühstückten erst um 7 Uhr (sehr gutes Birchermüsli!), genossen den schönen Ausblick, gingen dann zum Südostgrat des Mönch. Die ersten Gipfelbesteiger kamen uns schon entgegen, von der Sphinx her sah man schon eilig die Tagestourengipfelsammler aus der ersten Bahn kommend aufsteigen. Wir hatten wirklich einen Genussgrat vor uns. Der gestrige Neuschnee zwar noch nicht wirklich stabil, dafür gut eingeschneit. Weiter oben zweimal gesichert, dann der finale Gipfelgrat. Es hatte ordentlich Wind, dennoch ging es ohne Sicherung – ein Traum!
Beim Abstieg sicherten wir denn doch „vorschriftsmäßig“, ließen uns Zeit, eine Jause am Grat, welch ein Genuss!
 
6. Tag
Auch heute wieder tolles Wetter, aber: Sturm. Unsere Jungfraupläne hatten wir sowieso schon aufgegeben, das wäre bei dem heutigen Wind aber wohl gar nicht gegangen. So also „bloß“ aufs Louwihorn gestiegen, dort blies einen der Sturm ja schon fast fort. Dann die Abfahrt zum Aletschfirn und Aufstieg zur Hollandiahütte, da waren wir natürlich nicht die einzigen, die das machten. Hätten wir gewusst, dass wir dort so früh sind, hätten wir ja dort gar nicht gebucht, sondern wären in warmer Nachmittagssonne bis Blatten abgefahren, so war es ein langer Hüttennachmittag.
 
7. Tag
Heute sollte sich die Runde vollenden. Angesichts des guten Wetters waren wir tatendurstig und wollten über den Petersgrat wieder zurück ins Lauterbrunnental abfahren.
Gleich früh über die brettharte Lötschenlücke ins Lötschental hinab. Man konnte sich bis zur Fafleralp durchschlagen, dann noch eine Stunde Hatsch bis Blatten. Mit dem Bus bis Wilen, dort mit dem Lift wieder hinauf. Und eine dreistündige Querung nach Osten bis zum Petersgrat, das hat sich ziemlich gezogen mit einigem Auf- und Ab. Dann eine bescheidene Abfahrt bis zur Mutthornhütte: die Spur so wählen, dass man gerade nicht stehenbleibt.
Dort gab es tatsächlich Skispuren, da hatten sich doch wohl wirklich welche mit dem Heli hochfliegen lassen. Allerdings drei Stunden früher, denn jetzt war der Schnee katastrophal. So quälten wir uns den Tschingelfirn hinunter mit bangem Blick, wie weit der Schnee wohl reichen würde. Die Skispuren hörten jedenfalls auf, der Heli hatte die Skifahrer wohl wieder eingesammelt, damit sie sich nicht weiterquälen mussten so wie wir.
Nun, der Schnee ging bis 1600m. Aber gibt es ein ungeeigneteres Abfahrtstal als das obere Lauterbrunnental? Diese vielen Steilabbrüche! Vor einem standen wir dann schließlich, kaum noch Schnee, der Talboden mit dem Sommerweg weit weg. Wir ließen uns schließlich mit dem Seil ab, dann noch ein zweistündiger Hatsch bis Stechelberg. Kein Wunder, dass das außer uns wohl tagelang niemand gemacht hat.

Tourengänger: mannvetter


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Kommentare (1)


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©bergundradlpeter hat gesagt:
Gesendet am 14. April 2017 um 13:08
Was für eine geile Runde - da könnt ich neidisch werden...
Viele Grüße aus Oberbayern
Peter


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