Skitour Jalovec übers Kugy-Coloir


Publiziert von Matthias Pilz Pro , 18. April 2016 um 19:09.

Region: Welt » Slowenien » Julische Alpen
Tour Datum:16 April 2016
Hochtouren Schwierigkeit: ZS+
Ski Schwierigkeit: SS
Wegpunkte:
Geo-Tags: SLO 
Zeitbedarf: 8:30
Aufstieg: 1709 m
Abstieg: 1709 m

Der Jalovec ist wohl der formschönste Berg der Julischen Alpen und wegen seiner anspruchsvollen Routen auch einer der großen Klassiker Sloweniens. Eine Besteigung sollte sich also in jedem Fall lohnen, zudem ist beinahe im gesamten restlichen Alpenraum eher schlechtes Wetter angesagt. Die Tour startet bei der berühmten Skiflugschanze in Planica. Der erste Teil des Aufstiegs führt sehr flach und, bei so wenig Schnee wie heuer, zu Fuß zur Tamarhütte. Das Fahrverbot hierher wird von den meisten Einheimischen ignoriert und so hat bald ein slowenischer Bergretter Mitleid mit den im Staub der vorbeibrausenden Autos marschierenden Steirern und nimmt uns mit. Hier sehen wir erstmals das berühmte Kugy-Coloir, welches den Aufstieg zum Gipfel ermöglicht. Das Kar selbst wird gerne als reine Skitour (1200Hm) gemacht, der Weiterweg zum Gipfel erfordert dann etwas mehr alpinistisches Können. Doch bis zum Beginn der eigentlichen Rinne müssen in dem meist mäßig steilen bis steilen Kar fast 1000 Höhenmeter absolviert werden. Im Kugy Coloir kann man bei guten Verhältnissen sehr weit mit Ski aufsteigen (max. 40°). Erst die letzten 40Hm weisen eine Neigung von 40-45° auf. Hier tauchen wir auch schon in den dichten Nebel ein, dank der guten Spur können wir aber problemlos das Skidepot finden.
Der weitere Anstieg ist sehr anspruchsvoll, ein Sturz würde unweigerlich in der mehrere Hundert Meter hohen Südwand enden. Ein schmales Schneeband führt nun durch die Südflanke fast waagrecht nach links. Hier müssen ein paar leichte Felsstellen (I) überwunden werden, bevor es in einer nicht weniger ausgesetzten Querung zurück nach rechts geht. Eine Schneeflanke (45°) führt hinauf zum SW-Grat des Jalovec. Von hier führt ein nicht mehr allzu schwerer kombinierter Grat zum Gipfel. Für diesen Gipfelaufstieg sind neben absolut sicheren Schneeverhältnissen auch noch Steigeisen und zumindest ein Pickel obligat. Deutlich komfortabler ist der Aufstieg mit zwei Pickeln. Auch eine Seilsicherung schadet nicht, allerdings gibt es kaum natürliche Sicherungspunkte und die Mitnahme einiger Keile und Friends wäre nötig. 
Dank des dichten Nebels und dem damit verbundenen Nicht-Tiefblick konnten wir einigermaßen entspannt über diese Route auf- und wieder absteigen. Auch der am Gipfelgrat blasende und von den entgegenkommenden slowenischen Bergsteigern als Sturm bezeichnete Wind würde in Norwegen nur die Einstufung als milde Sommerbrise bekommen. Die Abfahrt durch das Kugy-Coloir war dann nicht allzu schön, der Schnee ist großteils faul, dennoch eine tolle Abfahrt in wirklich einmaliger Kulisse.
Nicht umsonst handelt es sich bei dieser Tour um einen großen Klassiker: Auch wenn das Kugy-Coloir nicht zu den steilsten Rinnen zählt, so gehört es wegen der umgebenden senkrechten Felswände sicher zu den spektakulärsten. Und wer sich noch an den Gipfelaufstieg wagt, wird mit einem alpinen Unternehmen der Superlative belohnt!

AUFSTIEG: Vom großen Parkplatz bei den Sprungschanzen Planica folgt man dem Forstweg oder dem rechten Rodelweg (meist bessere Schneelage) in ca. einer Stunde zur Tamarhütte. Rechts hinter der Hütte folgt man nun dem lichten Laubwald an dessen rechten Rand und erreicht so bald freies Gelände. Nun nach links in das bereits lang sichtbare Kar unter dem Kugy-Coloir. Durch dieses Kar steigt man nun steil hinauf bis zum Beginn der Rinne, hier zweigt die leichtere Skitour zum Kotsattel nach rechts ab. Man steigt nun durch das Kugy-Coloir extrem steil auf, die letzten 40Hm erreichen eine Steilheit von max 45°. An der Schneeschneid endet die Rinne, hier folgt man nun dem Schneegrat rechts aufwärts und quert in einen kleinen Sattel. Hier Skidepot.
Einige Meter aufwärts und bald durch einen sehr steilen Hang nach links queren. Ab hier hat ein Sturz wohl tödliche Folgen. Diese Querung setzt sich nun in die Südwand fort, wobei dem immer steiler werdenden Schneeband fast waagrecht gefolgt wird. Eine kleine Geländekante wird überschritten und so das Ende des Bandes erreicht. Hier folgt man nun den leichten Felsen (I) etwa 10 Meter aufwärts und erreicht ein Stahlseil auf einem waagrechten Band. Diesem Band folgt man nun nach rechts und erreicht knapp nach Ende des Stahlseils einen leicht nach rechts hinaufführenden Hang. Diesen steigt man nun extrem steil (45°) hinauf und erreicht so einen flachen Platz im SW-Grat. Am Felsgrat einfach nach rechts aufsteigen, bis ein Aufschwung den Weiterweg versperrt. Hier wenige Meter nach rechts queren und bald über Schneebänder wieder zurück auf den Grat. Diesem folgt man nun ohne weitere Schwierigkeiten bis zum Gipfel.

ABFAHRT: Abstieg entlang der Aufstiegsroute zum Skidepot. Weitere Abfahrt wie Aufstieg.

SCHNEE/LAWINENGEFAHR: 2, unter ca. 2200m nasse, teils faule Schneedecke. Oberhalb gut gesetzte und verfestigte Altschneedecke.

WETTER: Nebel ober 2300m.

MIT WAR: Tanja

Tour beschrieben von © Matthias Pilz

Tourengänger: Matthias Pilz

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Geodaten
 29683.gpx Track der Tour

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