Der Teufelsgrat - ein "Tanz" auf der Schneide zwischen dem gr. Hundsstallkopf und dem Hochwanner


Published by algi , 5 October 2011, 17h55.

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Wetterstein-Gebirge und Mieminger Kette
Date of the hike: 3 October 2011
Hiking grading: T6 - Difficult High-level Alpine hike
Climbing grading: III (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: A   D 
Time: 10:00
Height gain: 1700 m 5576 ft.
Height loss: 1700 m 5576 ft.
Access to start point:Nach Leutasch-Klamm und weiter ins Gaistal. Parkplatz P2 kurz hinter der Mautstelle auf der linken Seite ( großes Hinweisschild Wettersteinhütte und Wangalm ).
Accommodation:Wettersteinhütte oder Wangalm

Ausrüstung:
Kombi-Schuh geeignet für Klettern und Schrofen, evt. eine kleine Kletterausrüstung

Tourenbericht:
Wie viele andere Freizeitsportler habe ich auch darüber nachgedacht, wie ich das traumhafte Wetter nochmals optimal ausnutzen kann, ehe der Herbst endgültig das Regiment übernimmt.
Letztendlich entschied ich mich dann für den Teufelsgrat im südlichen Wetterstein. Nachdem die Beschreibung im AV-Führer recht knapp ausfällt, habe ich noch versucht, ein paar zusätzliche Infos über das WEB zu erhalten. Leider absolute Fehlanzeige, es steht mir also wieder ein kleines Abenteuer bevor.

Eckdaten zur Tour:

der Teufelsgrat verbindet den großen Hundsstallkopf ( westlich des Oberreintalschrofens ) mit dem Hochwanner
Luftlinie zwischen beiden Gipfeln: ca. 3 km
Höhenmeter: ca. 1700
Kletterschwierigkeit bis III
Felsqualität: eher brüchig

Um 6:30 Uhr gehe ich, äh tapse ich, vom Parkplatz los, denn es ist noch fast stockdunkel. Der Forstweg erweist sich in diesem Fall als Vorteil, da stolpert man nicht so leicht. Nach 15 - 20 Min. geht der Forstweg in einer wurzeligen Wanderweg über, der sich in vielen flachen Kehren zur Wettersteinhütte hochschraubt. Von Leutasch aus, gibt auch einen direkter Zugang zu den Hütten, aber die Abzweigung habe ich in der Dunkelheit wohl verpaßt. Nach ca. 1 Stunde komme ich an der Wangalm vorbei, und mache die ersten Fotos im sanften Morgenlicht. Nun wandert man leicht ansteigend in das, mit großen Blöcken übersäte, Scharnitztal hinein. Schließlich teilt sich der Weg, nach rechts zum Scharnitzjoch und nach links zum Roßbergsattel. Man verfolgt den Weg linkerhand weiter bis zum Sattel, hier oben führt er geradeaus zur Rotmoosalm,  ich dagegen wende mich auf dem grasigen, nun weglosen, Rücken nach rechts, um den westl. Wandfuß des Oberreintalschrofens zu erreichen.

Lt. AV-Führer läuft man nun ( abfallend ) nach rechts zu einem großen geröllgefüllten Trichter, an dessem linken Rand der Weg zur Oberreintalscharte führt. Auf diesen weitläufigen Schlenker ist mir momentan jedoch nicht zumute, also gehe ich ca. 20 m nach links, und verfolge die Rinne oberhalb ( I, evt. eine Stelle II ) bis zu den darüberliegenden Schrofenfeldern. Nun leicht linkshaltend nach oben zum Grat, den ich westlich vom Teufelskopf erreiche. Nun auf dem Grat, unter Umgehung von einigen kleinen Türmen, westlich weiter bis zum gr. Hundsstallkopf. Gegen 8:45 Uhr erreiche ich den Startpunkt des Teufelsgrats, fertig machen fürs Klettern, und Leinen los.

Alle Details zu beschreiben würde viel zu weit führen, darum zusammenfassend meine Eindrücke:

da der Teufelsgrat relativ ebenmäßig verläuft, kommt er eher auf "leisen Sohlen" daher. Auf die ganz spektakulären Passagen wird man vergeblich warten, es müssen weder schwindelerregende Türme überklettert, noch in abgrundtiefe Seitenwände hinausgequert werden.
Am lohnensten ist der Weg, wenn man ihn, soweit möglich, immer direkt am Grat entlang verfolgt. Dies liegt einfach daran, dass die Felsqualität direkt am Grat, und dort meistens auf der Nordseite, mit Abstand am Besten ist. Unterhalb des Grates dominieren abwärtsgeschichtete, geröllbedeckte Felsschrofen, so ein Gelände das ich überhaupt nicht ausstehen kann. Der Grat ist in einigen Abschnitten stark zerrissen, von 200 m Entfernung sieht es wie eine glatter Gratübergang aus, vor Ort müssen dann zig Türmchen und kleine Scharten überklettert werden.

Der große, gelbbrüchige Klotz im ersten Abschnitt, wird über eine von rechts nach links ziehende Rinne erklommen. Leider versteckt sich die Rinne hinter einer Kante auf der Nordseite, und ist zunächst nicht sichtbar ( ich habe erstmal vergeblich auf der Südseite gesucht ). Auf Höhe der brüchigen Türmchen, unmittelbar vor dem Klotz, befindet sich in der nordseitigen Kante eine kleine Scharte ( mit Steinmann ). In diese Scharte muss über abschüssiges Gelände hinübergequert werden, der Rest ist dann nur noch Formsache.

Das Abklettern eines Turmes ist, wie so oft, die schwierigste und eine ernste Stelle in der Überschreitung. Der Turm befindet sich im ersten Abschnitt, noch vor dem Hinterreintalschrofen. Auf dem Turm befindet sich eine Abseilstelle, wenn man ein 30 m Seil dabei hat, kann man es sich hier einfach machen.

Die eigentlichen Highlights des Teufelsgrates sind die teilweise sehr scharfen und ausgesetzten Schneiden, die sich vor allem im zweiten Abschnitt ( hinter dem Hintereintalschrofen, im Bereich des Jungfernkares ) über mehrere hundert Meter entlang ziehen. Wenn man keine Angst und sich daran gewöhnt hat, dann macht es riesigen Spaß. Nur die Aufmerksamkeit darf keinesfalls nachlassen, vor allem die nordseitigen Abstürzen ziehen mehrere hundert Meter senkrecht nach unten. Es gibt verschiedene Techniken zur Überwindung der Schneiden: rittlings - da wird die Hose aber gar nicht geschont; Entengang - Hockstellung, ein Fuss rechts, ein Fuss links knapp unterhalb der Schneide, immer in der Hoffnung, dass man nicht wegrutscht und somit die Weichteile nicht in Mitleidenschaft gezogen werden; Piazen, usw..

Die Kletterei ist wirklich ewig lang, ein Türmchen, eine Scharte und ein Aufschwung reiht sich an den Anderen. Es nimmt einfach kein Ende. Zuletzt war ich schon ein wenig froh, als ich nach Erreichen des Vorgipfel des Hochwanners wieder die aufrechte Haltung einnehmen konnte.

Gegen 14:00 Uhr hatte ich den Gipfel des Hochwanners erreicht, war glücklich aber auch groggy.

Den Abstieg sollte man auch nicht unterschätzen, da fallen nochmal an die 2 1/2 Stunden an. Bin über den Sattel des Predigtstuhls abgestiegen. Die Forststraße zieht sich ganz schön hin, schont aber dafür die Knie.

Gruss Albert




Hike partners: algi


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Comments (7)


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ADI says:
Sent 5 October 2011, 22h23
Klasse-Unternehmung mit vielen, tollen Bildern!
Ich gratuliere Dir!
War noch nicht dort, macht aber nach Deinem Bericht große Laune....

VLG, ADI

kardirk says:
Sent 6 October 2011, 09h09
Gratulation,

solche Berichte wünsche ich mir mehr.Supertour, erste Sahne.

Beste GRüße
Dirk

AIi says:
Sent 8 November 2015, 17h13
Servus Albert,
gestern haben wir auch den Teufelsgrat gemacht.
Danke dir für den guten Bericht, der war vor und während der Tour eine wertvolle Hilfe.

Unser Bericht folgt...
Gruß Ali

algi says: RE:
Sent 13 November 2015, 06h25
Servus Ali,

schön zu lesen, dass euch der Bericht eine Hilfe war.

Ich hoffe der Grat hat euch genauso viel Freude gemacht wie mir.

Viele Grüße
Albert

Chiemgauer says: Vergleich zu Blassengrat?
Sent 12 August 2018, 22h09
Servus Albert, beide Touren von dir sind ja schon "ewig" her, aber vielleicht hast du es noch vage im Hinterkopf. Wie viel schwerer (nehme mal stark an dem ist so) würdest du den Teuflesgrat im Vergleich zum Blassengrat einstufen?
Gruß Hans

algi says: RE:Vergleich zu Blassengrat?
Sent 13 August 2018, 16h55
Servus Hans,

von den Einzelschwierigkeiten her gesehen gibt es bestimmt keinen wesentlichen Unterschiede. Mir kam es so vor als ob die Schwierigkeiten am Teufelsgrat länger anhalten. Der Teufelsgrat ist eben deutlich länger als der Blassengrat und die lange intensive Konzentration ( wenn man am Grat klettert ) wirkt auf die Dauer recht ermüdend ( zumindest ist es mir so gegangen ). Meines Erachtens in erster Linie ein Ausdauerproblem, aber davon hast du ja mehr als genug.

Wünsch dir viel Spaß und Erfolg bei der Tour.

Liebe Grüße aus der fränkischen Schweiz
Albert

Chiemgauer says: RE:Vergleich zu Blassengrat?
Sent 13 August 2018, 20h31
Danke für deine Einschätzung Albert!


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