Wenn es nicht geht, wie ich will


Published by rojosuiza , 28 September 2023, 22h38.

Region: World » Switzerland » Valais » Oberwallis
Date of the hike:12 September 2023
Waypoints:
Geo-Tags: CH-VS 

Wenn es nicht geht, wie ich will, will ich so, wie es geht. –  Eine billige und gute Philosophie.
 
Am Anfang geht alles leicht, und es geht leicht ungeplant. Man hoppelt in mittelhohen Schuhen dahin, den Berg hinauf. Man passiert Schallberg, steigt durch Wald und Wiesen immer weiter hinan, bis man Rosswald erreicht hat. Dort ist man dann reichlich erschöpft und lässt sich gern zum Cappuccino nieder. Seichtes Gedudel bringt die Nerven etwas zum Zittern. Da kann hernach nur erneutes Marschieren helfen. Also hoppelt das empfindliche Seelchen bald darauf wieder zu Tal, die gereizten Nerven schnell wieder entspannend. Er will via die Saltina-Schlucht, die er aber irgendwie verpasst. Schliesslich  gelingt es via Lingwurm-City.

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Die Wetterverhältnisse sind nicht besonders gut. Der neue, zweite Versuch könnte ebenfalls leicht scheitern, am Wetter dieses Mal. Immer wieder schielt das Auge in alle Richtungen. – Wird es Regen geben? Der Motor läuft leise und langsam, nach Ried-Brig, steil den Wald hinauf Richtung Rosswald. Nach dem Saflisch-Wald wird das Wandererlein immer langsamer, der Gang immer holpernder. Man hat hochnäsig auf die Seilbahn verzichtet – man will vom Grund aus den Gipfel erreichen! – dafür ist jetzt auf 2000m der Ofen aus. Man setzt sich kurz nieder, in einer Rille im Gelände, isst etwas Kleines. Über mir befindet sich laut der Karte ein Bergrestaurant. Die Cappuccino-Quelle als Trost? Zurücklaufen will ich nicht, ist da meine Rille zu einem wilden Aufstieg geeignet? – Wunderbar geht das Steigen hier, ab und zu ein Wildwechsel, sonst gute Tritte, sichtbare oder im Gras unsichtbare. Schon bald ist rojosuiza oben im Bergrestaurant am doppelten Cappuccino. Er ist der erste Kunde heute! Danach läuft er selig wieder ins Tal hinunter, zu seinem Feriendomizil Glis.
 
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Auf ein drittes! – Das Wetter ist wieder wechselhaft: in der Gegend bleiben, oder Ziele im Norden suchen? Der Wetterfrosch entscheidet, es erneut hier zu versuchen, aber dieses Mal die Seilbahn zu benützen. Zur Talstation fährt ein Postauto, das lässt rojosuiza an sich vorbeifahren. Hätte es ihn  denn nicht an der Bahn warten lassen? Kann der Meisterplaner denn nicht in einer Stunde direkt von seiner Haustür aus zur Bahn gelangen? – Tja, es hätte wohl geklappt, wenn es denn geklappt hätte. Doch statt genau den wirklich ganz richtigen Weg zu wählen, vertut der Meister sich um etwas: die Bahn geht ohne den Meisterwanderer, wegen drei Minuten! Normalerweise rührte sich jetzt das trotzige Kind: dann eben nicht! Aber dieses Mal wartet der Bergheld, brav und geduldig, er braucht die 800 Höhenmeter, sonst gelingt die Wanderung wieder nicht.
 
Schon ist der Wanderer oben, auf 1800 Metern.  Er besucht die alte Kapelle, wo er auf die Sterbekärtchen trifft: mancher wird nicht einmal sechzehn! Was für eine Tragödie hat sich hier abgespielt? – Danach geht es ein Stück durch den Saflisch-Wald. Die Rille, wo er das letzte Mal vom guten Pfad abwich, sie ist erreicht. Man quert und quert eine geraume Weile, die ganze Flanke des Folluhorns. Danach steigt der Weg im Zickzack. Die Fingerlein wollen abfrieren, fast braucht es die Handschuhe. Dann ist der Gipfel des Folluhorns erreicht. rojosuiza erscheint sich selber im wallenden Nebel unter ihm, mit einem gewaltigen Heiligenschein. – Zum ersten Male erkennt die Natur, was rojosuiza selber schon so lange weiss…
 
Nur wenig geht es nach dem Gipfelkreuz des Folluhorns hinab, schon folgt der erneute Aufstieg: zum Fülhorn. Kurz vor dem Gipfel wird es felsiger, rojosuiza braucht einmalig die Hände, ein Pfeil weist nach oben, da ist auch dieser Gipfel gemeistert. Während es auf der Anstiegsseite allseits mild und gesittet zugeht, ist es auf der anderen Seite des Fülhorns durchaus wilder. Man muss der Versuchung  widerstehen, dort weiterzugehen und nach einem eigenen Hinabweg mit weniger Höhenverlust zum Endziel zu suchen – unklug, wie nachher der Rückblick ganz eindeutig zeigt.
 
Zum Hauptziel dann führt kein Weg mehr. Über die begraste Flanke muss man aufsteigen, sich selber den Weg suchen. Langsam arbeitet man sich höher. Ist man schliesslich auf dem Chline Huwetz, kann man über die Kanten hinabblicken in ein wildes Felsgewirr. Am Rande des Abbruchs verläuft jetzt sogar wieder ein Weg, fast immer gut sichtbar, bis zum Gipfelkreuz des Grossen Huwetz.
 
Eine kurze Pause, ein Blick ins Land. Um mich ist es trocken und sonnig. Sonst wallen die Nebel, ziehen die Wolken. – Wie sehr sind im Süden die Gletscher geschwunden, die früher die Berge dort wie selbstverständlich geschmückt haben. Nur noch die Viertausender im Westen sind noch weiss. Wird dieses Weiss auch noch verschwinden zu meiner Lebenszeit?
 
Die Wanderung endet auch dieses Mal in der Cappuccino-Quelle oberhalb von Rosswald. Wie der Wirt hört, wo ich jetzt hinwill, darf ich als Stammgast mit ihm hinabfahren. Erste über Stock und Stein – der Weg ist ein besseres Flussbett! – dann über das schmale Strässchen hinab nach Ried-Brig. Hier wird pure Walliser Autofahrerkunst zelebriert. Was stellt sich heraus, auf der Fahrt? – Der Auslandchweizer-Walliser und der Echt-Walliser teilen sich zwar nicht den Geburtsgrund – aber den Heimatort Simplon haben sie sehr wohl gemeinsam.

Hike partners: rojosuiza


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