Gross Windgällen


Published by Zoraya , 21 July 2019, 15h57.

Region: World » Switzerland » Uri
Date of the hike:20 July 2019
Hiking grading: T3 - Difficult Mountain hike
Mountaineering grading: AD
Climbing grading: III (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-UR 
Time: 2 days 8:30
Height gain: 1780 m 5838 ft.
Height loss: 1780 m 5838 ft.

Steinschlag! Ein bekanntes Dilemma am Berg. Man denkt aber nicht unbedingt daran, dass man dann tatsächlich auch einmal getroffen wird. Leider knallte mir tatsächlich vor einigen Wochen einen Stein auf den Unterarm und stellte mich klettertechnisch in die Ecke. Die Verletzung heilt langsam wieder und ich darf zurück an den Fels. Als wäre das nicht genug, wurde am Donnerstag die Seilschaft meiner Mutter von einem Steinschlag getroffen. Und dies ausgerechnet am Gross Windgällen. Die Tour, welche meine Kollegin und ich zwei Tage später im Sinn hatten. Sehr motivierend. Trotzdem, für uns keinen Grund die Tour abzusagen. Denn überall wo Felsen stehen, können auch Steine hinunterfallen. Jeder, der in die Berge geht, weiss das. Man rechnet nur nicht damit.

Am Vortag stiegen wir gemütlich auf zur Windgällenhütte. Mit gemütlich meine ich vor allem den Hüttenzustieg. Dieser ist, selbst mit schwerem Gepäck, sehr angenehm und wenig steil. Die Bewirtschaftung ist top. Die Hüttenwarte geben gut und gerne Auskunft über die Verhältnisse, äusserst freundliche Bedienung und zaubern ein Essen auf den Tisch, dass zu einem übervollen Magen verleitet. Wir übernachteten im Massenlager, welches wir für uns hatten. Ein grosser Vorteil, wenn man von Freitag auf Samstag übernachtet. Um 04.30 Uhr starteten wir unser Frauenpower-Abenteuer. Früh Morgens blies uns mässig starker Wind entgegen. Woher der wohl kam? Von Wind war nie die Rede gem. Wetterbericht. Wir stiegen auf Richtung unteres Furggeli. Beim grossen Steinmann würde der eigentliche Weg nach rechts, Richtung Osten abzweigen (Rote Markierungen). Diese sahen wir in der Dunkelheit aber gar nicht. Die Umgebung hat jedoch noch relativ viel Schnee, sodass ein direkter Aufstieg über die Sandhügel zum Stäfelfirn möglich ist. Dies allerdings auch nicht mehr lange. In einer Steilstufe liegt ein Bach, welcher das Schneefeld langsam zum Einstürzen bringt. 
Auf dem Stäfelfirn seilten wir uns an. Der Gletscher ist zu 90% eingeschneit und zur Zeit ohne Steigeisen begehbar. Sehr guter Trittschnee. In der Steilstufe zum Einstieg können Steigeisen dann von Vorteil sein. Die Schlüsselstelle am Windgällen ist bekannt. Der Bergschrund. Je nach Jahreszeit kann diese Stelle ein unüberwindbares Hindernis sein. Wir kamen noch problemlos über den Schrund. Allerdings gebe ich dem liegenden Schnee höchstens noch zwei Wochen, danach bricht er ein. Die Hitze der kommenden Woche wird dafür sicher sorgen. Nun folgt der Aufstieg in der Ostflanke. Die erste Seillänge im 3er Bereich ist im unteren Teil mit Bergschuhen recht knackig aber sehr gut abgesichert. Verletzungsbedingt übernahm meine Kollegin den Vorstieg. Darüber war ich sehr froh. Danach folgt man weiter einem Fixseil zur ersten Stange. Nun entscheidet wohl jeder selbst wie man weitergeht. Sichern von Stange zu Stange oder parallel am kurzen Seil. Da wir uns beide sehr sicher fühlten entschieden wir uns für Letzteres. Das funktionierte tip top. Jedoch muss man sich bewusst sein, dass der Windgällen wirklich ein Schotterhaufen ist. Jeder Griff kontrollierte ich 7 mal bevor ich daran zog. Auch wenn man noch so Acht gibt, man tretet x Steine los. Die Tour wird bei mehreren Seilschaften gefährlich. Ab und zu erreicht man Gehgelände. Dieses ist so lose und geröllhaltig, dass sich der ganze Hang anfängt zu bewegen. Zur Zeit liegt in der Ostflanke noch etwas Schnee, was den Aufstieg eher erleichtert. Die Route ist gut zu finden, aufgrund vieler Sicherungsstangen. Dazwischen findet sich nur noch selten einen Bohrhaken. Die Kletterei bewegt sich durchgehend im 2er Bereich. Kurz bevor man den NO-Grat erreicht, muss ein ca. 45 Grad steiles Schneefeld überwunden werden. Danach befindet man sich auf dem Grat, welcher einen unglaublichen Tiefblick eröffnet. Über Geröll und einer kurzen, dafür endlich mal griffigen Gipfelkletterei erreicht man den höchsten Punkt des Gross Windgällens. Exakt nach 5 Stunden standen wir auf dem, meiner Meinung nach, imposantesten Gipfel des Kanton Uri's. Ganz alleine. 
Für uns war klar, dass der Abstieg die grössere Herausforderung darstellen wird, als der Aufstieg. Daher verblieben wir nur kurz auf dem Gipfel. Und so war es auch. Mit viel Konzentration und Vorsicht stiegen wir die Ostflanke hinab. Abklettern ist immer mühsam, mit losem Gestein noch viel mühsamer. Auch die Schneefelder waren inzwischen ziemlich aufgeweicht. Die letzten Höhenmeter seilten wir ab, da auch mein Arm langsam die Nase voll hatte vom Abklettern. Wohlbehalten erreichten wir 2 Stunden nach Gipfelaufbruch wieder den Bergschrund. Nun konnten wir den gesamten Gletscher im aufgeweichten Schnee hinunterrutschen. Nach einer Stunde erreichten wir bereits wieder die Windgällenhütte. 

Der majestätische Gross Windgällen war definitiv ein Traumgipfel. Ist er noch immer. Nun hatte ich die Ehre auf ihm zu stehen. Eine sehr abenteuerliche und alpine Hochtour, die doch die eine oder andere Schwierigkeit zu bieten hat. Im nächsten Jahr kommen wir garantiert zurück. Der Windgällen hat noch einige spannende Routen im petto. Bis dann. 




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2 Jun 12
Gross Windgällen · xaendi
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Comments (8)


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Sputnik Pro says: Coolster Urner Gipfel
Sent 21 July 2019, 21h50
Hej Zoraya, da hast dur recht mit wohl dem schönsten Urner Gipfel. Ich bin immer wieder erstaunt wie die Tour ohne Schnee doch nicht ohne ist. Es ist zwar schon etwas her als ich dort solo aufstieg, doch Ende Mai / Anfang Juni wenn die Flanke komplett noch mit Schnee überzogen ist, kannst du einfach mit Pickel und Steigeisen hochlaufen ohne Steinschlaggefahr.

Gruss, Andi

Zoraya says: RE:Coolster Urner Gipfel
Sent 22 July 2019, 17h03
Ja der Windgällen dominiert irgendwie von allen Seiten her. Ich dachte mir schon, dass im Frühling die Tour sicher einfacher ist. Auch stelle ich mir die Ostflanken-Abfahrt grandios vor. Wenn ich dann wirklich hinuntergetrauen würde :D.

Gratuliere dir zur Solo-Begehung.

Grüsse
Sarina

N_Altitude says: Gratulation!
Sent 22 July 2019, 09h53
Hej! Gratuliere ganz herzlich zum Gross Windgällen! Wir wollten einen Tag danach rauf aber das Wetter hat es nicht zugelassen :( Ich hatte mir noch gewünscht, wir wären auch Fr/Sa gegangen... nochmal ganz herzliche Gratulation zur tollen Leistung und danke für den schönen Bericht!
Viele Grüsse, Nick
PS. kann es sein, dass ich Euch oberhalb der Windgällenhütte über den Weg gelaufen bin? Bin so ca. um 13.00/13.30 uhr ohne Rucksach losgelaufen, um den Einstieg zum Stäfelfirn zu erkunden ;)

Zoraya says: RE:Gratulation!
Sent 22 July 2019, 17h07
Hey Nik

Vielen, lieben Dank :-).
Ja klar, wir haben uns kurz vor der Hütte gekreuzt. Schwarz gekleidet oder?
Ach Schade hat es nicht geklappt. Wir wollten eigentlich auch noch eine Nacht bleiben und den Chli Windgällen anhängen. Aber weil das Wetter dann so unsicher war, entschieden wir uns dagegen. Wagst du nochmal einen Versuch oder verschiebt sich das Projekt auf nächstes Jahr?

Liebe Grüsse
Sarina

N_Altitude says: RE:Gratulation!
Sent 22 July 2019, 19h55
Haha, jup, das war ich. Na toll, hätt ich das gewusst... :-D
Ich glaub nicht, dass ich dieses Jahr nochmal kann, denn mein einziger Bergkumpan, mit dem ich mir die Tour derzeit vorstellen kann, hat leider fast nie Zeit :( Denke, es wird nächstes Jahr werden... und dann vermutlich eher früher in der Saison wenn noch mehr Schnee liegt :)

Zoraya says: RE:Gratulation!
Sent 22 July 2019, 20h08
Ja schade...wusste ich natürlich auch nicht. Sonst wäre mehr drin gelegen als nur ein "Hallo" :D. Ja denke die beste Zeit ist hinüber. Schätze die Brücke bricht in weniger als 2 Wochen ein. Die Verhältnisse sind im Frühsommer sicher besser. Ich würde für ein nächstes Mal auch früher gehen.

Felix says:
Sent 23 July 2019, 19h10
grandios - herzliche Gratulation, liebe Sarina :-)

Zoraya says: RE:
Sent 23 July 2019, 20h10
Vielen herzlichen Dank, lieber Felix :-)


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