Lunae Montes - Teil 17 - Wagagai


Published by detlefpalm Pro , 15 June 2019, 08h26.

Region: World » Uganda
Date of the hike: 3 March 1981
Hiking grading: T2 - Mountain hike
Waypoints:
Geo-Tags: EAU   EAK 
Time: 3 days

Eis am Äquator, Viertausender in Afrika. Die von Ptolemäus erwähnten Lunae Montes als große Attraktion. Die Schneemassen der Mondberge speisen die sagenumwobenen Quellläufe des Nil. Die Legenden um Burton, Speke, Emin Pascha, Stanley und Livingstone beflügeln die Phantasie. Entlang des Weges: Kilimanjaro, Mount Meru, die Virunga Vulkane und Mount Elgon. Und alles was dazwischen liegt. Terra incognita, 1980 - 1981

Wagagai

Am Morgen ist das Zelt hart gefroren; den Reißverschluss wärme ich mit den Händen an. Es dauert länger, bis die Außenhaut auftaut, sonst würde sie brechen.

Ich lasse mir Zeit, es sind nur ein paar Kilometer zum Wagagai. Ich nehme noch ein paar Anhöhen mit, steige dann vom Gipfel einige hundert Meter tief zu einem Bächlein in der riesigen Caldera. Mit dem Wasser kann ich noch länger bleiben, ich baue mein Zelt auf, lasse die Seele baumeln, reminisziere.

Die Reise geht allmählich zu Ende. Freue ich mich auf zu Hause? Was wird mich erwarten? Was werde ich vermissen? Wer wird verstehen, dass ich Freude darin finde, mutterseelenallein auf dem Mount Elgon in meinem Zelt zu sitzen, die letzte Suppe zu kochen, während draußen der Regen fällt wie aus Kübeln gegossen?

Wieder ist es weit unter Null; ich bleibe liegen und beobachte wie die Sonne über den Kraterrand steigt; esse meinen letzten Notproviant; höre Stimmen. Die Schmuggler passieren wenige hundert Meter von mir entfernt den Krater, auf ihrem Weg nach Kenia, riesige Lasten auf dem Buckel.

Es läuft sich besser auf dem Schmugglerpfad.

Budadiri

Es dämmert; den Steilabfall vom Dorf herunter will ich lieber bei Tageslicht begehen. Ich habe nichts mehr zu essen, steige über den Zaun eines Gemüsebeetes und bekomme den einzigen Stuhl angeboten. Jemand wird geschickt, Bohnen putzen. Eine lebhafte Unterhaltung beginnt. Dreißig oder vierzig Schaulustige bleiben stehen, viele tragen ihren Bierschlauch wie eine Trophäe mit sich. Jetzt ist es mucksmäuschenstill; Sekunden später, wie auf ein geheimes Kommando, brüllendes Gelächter. Ich esse unter den prüfenden Augen der Zuschauer mein dreigängiges Menü: ndizi, dann Bohnen, dann ndizi mit Bohnen. Ich darf nicht aufhören.

Mit dem Hausherr trinke ich einen Kaffee, selbstangebaut. Er erklärt die Neugier. Seit zehn Jahren war kein Muzungu mehr im Dorf. Alle Kinder jünger als zehn haben noch nie einen Weißen gesehen, schon gar nicht so einen. Der Abend zieht sich hin, ab und zu nicke ich der Menge freundlich zu; jedesmal wird es mit Gekicher und Geschrei quittiert.

Ich muss versprechen morgen zum Frühstück zu kommen; die drei Eier, die mir die Umstehenden zwischenzeitlich geschenkt haben, hält er in Verwahrung. Mein Zelt baue ich direkt am Abgrund auf, beim Schein einer Petroleumleuchte. Tumult bricht los, als ich den Reißverschluss öffne und hineinkrieche. Fast wird mein Nachtlager in Stücke gerissen.
 
Tororo

Vor dem Frühstück noch ein schneller Anstieg auf den Tororo Rock. Er steht 300 Meter über Tororo. Weiter Richtung Grenze.

Die Regenzeit ist da, wir kommen durch einen Termitenschwarm. Der Bus hält, der Fahrer repariert das Schaltgestänge. Alle vertreten sich die Füße. Männer im Anzug, mit Aktentasche, klauben Termiten von Kühlergrill und Windschutzscheibe, Termitenflügel zwischen den Zähnen und im Gesicht.

Auf der kenianischen Seite der Grenze stehen die Zöllner mitten auf der Straße, umgeben von einem Berg Zigaretten und Waschpulver. Jeder Grenzgänger legt etwas dazu, bei mir ist nichts zu holen.

Die Zivilisation hat mich wieder, aber das Bier will nicht schmecken. Die matatus sind lebensgefährlich, es wird gefeilscht und geschummelt. Im La Belle Inn in Naivasha verderbe ich mir den Magen, das erste und einzige Mal auf der Reise.

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