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Eggishorn - Jungfrau - Finsteraarhorn 1972


Published by FJung , 1 May 2017, 12h58.

Region: World » Switzerland » Bern » Jungfraugebiet
Date of the hike:27 July 1972
Waypoints:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 

Diesmal war eine längere Tour geplant, und da mußten wir mit unseren Kräften haushalten. Die Rucksäcke waren gepackt für 1 Woche, so verzichteten wir auf den Aufstieg von Fiesch zum Kühboden und gönnten uns den Luxus der Luftseilbahn. Im mir schon lange bekannten Hotel "Eggishorn" wurde ich von der Familie Imhasly wiedererkannt und wie immer freudig begrüßt und bewirtet, was natürlich auch für Ulrike, meine Begleiterin, galt.
Das Wetter war nicht einladend, Wolken hinter dem Mt. Leone und dem Ofenhorn. Die Wärme in der Gaststube tat uns wohl. 

Freitag, 28.7.72:
Das Wetter war besser besser geworden. An den Trümmern des abgebrannten  Hotels "Jungfrau",  ging es vorbei. Wir wollten über den Tälligrat, der sich vom Eggishorn herabzieht, gehen. Der Weg verlor sich jedoch bei einem Wasserhäuschen, richtigerweise hätten wir erst weiter oben rechts abbiegen müssen. Nachdem wir den richtigen Weg erreicht hatten, sahen wir auch bald den Märjelensee unter uns. Wir füllten unsere Flaschen mit kaltem Wasser und sonnten uns.
Die ersten Schritte auf dem Aletschgletscher. Schon so oft hatte ich ihn gesehen und bestaunt, aber nun führte mich der Weg das erste mal auf ihn, und das machte mich froh. Wir gingen zur Mitte des Gletschers, überquerten die erste Moräne,  folgten der zweiten. Steine lagen auf dem Eis, unter dem das Wasser gluckerte und auf dem Gletscherbäche ihr Spiel trieben.
Das gehen schien kein Ende zu nehmen, und als wir zurückschauten, sahen wir vom Märjelensee Wlken aufsteigen. Bei einem großen Felsen, der auf der Moräne lag, querten wir den Gletscher wieder zu seinem rechten Rand (bergwärts), um auf der Seitenmoräne zur Hütte zu wandern und vor dem drohenden Gewitter geschützt zu sein. Der Gletscher, hier seitlich zwischen den Felsen eingezwängt, hatte keine Seitenmoräne, die Querspalten gingen fast bis an die Felsen. Wir stolperten über Schutthänge, unter denen das Eis schimmerte. Indes, die Konkordia-Hütte, hoch ü ber dem Gletscher errichtet, kam endlich näher, und bald standen wir bei den Leitern, die an den Felsen angebracht waren und den Aufstieg erleichterten. Auch so war es gefährlich genug. Es schneite sogar etwas, die Sprossen waren glitschig und naß. 
Nach der Ruhepause hatten wir Zeit, die Sicht zu genießen. Hinauf sah man zum Jungfraujoch, auf der anderen Seite zur Lötschenlücke und den ganzen Weg hinab bis zum Eggishorn. Besonders reizte uns natürlich die Jungfrau. Von Interlaken aus scheint sie so jungfräulich mit ihren beiden Silberkuppen, hier zeigt sie uns ihr Rückgrat, schmal und steil, ebenfalls eisumpanzert, und  über diesen Rückgrat wollten wir von dem Rottalsattel steigen. 
Am Abend verzogen sich die Wolken, ich studierte noch die Haslerrippe am Aletschhorn, die mich auch reizte. Aber daraus wurde dann leider nichts. Das nächste Ziel war das Jungfraujoch.

Samstag, 29.7.72
Welch ein Wetter! Wir waren in einer Waschküche, abgrundtief und ohne Mauern, wir sahen nichts und vertrösteten uns auf später. Als endlich die ersten Sonnenstrahlen durch die Nebeldecke schienen, keimte auch in uns die Hoffnung auf, weitergehen zu können. eine halbe Stunde später war es so weit: der Nebel riß auf, und wir hatten wieder Postkartenwetter.
Für den Abstieg auf der Leiter seilten wir uns diesmal an, das war doch sicherer.
Der Gletscher war ausgeapert, jede Spalte war zu sehen und ungefährlich. Über ein Gletscherbach war sogar ein Brett gelegt worden, so kamen wir auf den Firn, der uns besser gefiel.
Langsam erkannten wir vor uns die Häuser am Jungfraujoch, aber der Weg war noch weit. Vier große Gletscherspalten mahnten jetzt zur Vorsicht. Endlich erreichten wir den Tunneleingang und das Hotel.

Sonntag, 30.7.72
Um 4 Uhr war der Himmel wolkenlos, es war noch sehr kalt. Es ging erst den Gletscher hinab, dann zweigten wir nach rechts ab. Es ging nun steil bergauf, Eisabbrüche rechts von uns. Die Sonne erhellt den Mönch, aber bald kamen wieder Wolken auf. Würden die Wolken auch den Gipfel erreichen?
Mit den Steigeisen ging es nun weiter. Wegen den Wolken sahen wir nicht viel. Vor uns war ein noch steilerer Aufschwung, wir waren in der Flanke, die zum Rottalsattel führt. Im Eis war eine Kerbe gehauen, über uns, fast senkrecht, der Sattel, Zwei Bergsteiger, die bereits das Hindernis überwunden hatten, ließen ihr  Seil herab, aber trotz dieser Sicherung von oben war es sehr heikel, die Wächte zu überwinden, weil alles vereist war. Der Sattel war sehr schmal, mit einem Bein war man über dem Aletschgletscher, mit dem anderen übe dem Rottal. Zwischen den Wolkenfetzen erblickten wir das Breithorn, den Schwarzen Mönch und Tschingelfirn, und wir konnten nur ahnen, wie schön die Sicht sein muß bei wolkenlosem Himmel.
Das "Rückgrat" der Jungfrau war sehr steil, aber im Es waren große Stufen. Wir gingen Schritt vor Schritt, nur das fast zerfallene Kreuz machte uns daauf aufmerksam, daß es nun nicht höher ging, wir waren auf der Jungfrau in 4158 m Höhe! 
Beim Abstieg ging Ulrike voran, ich sicherte von oben. Auch auf dieser Normalroute hat es schon viele Bergunfälle mit unausweichlicher Todesfolge gegeben, 
Im Sattel hatten wir wieder zwei Helfer, die uns beiden von oben im Steilhang sicherten. Leider haben wir uns dann nicht mehr im Hotel gesehen um uns zu bedanken.
Im Nebel stiegen wir weiter hinab, wir waren müde und  abgekämpft. Das letzte Stück, den Aufstieg zum Joch, gingen wir im Schneckentempo, aber wir waren glücklich.

Montag, 31.7.1972
Das Wetter war leider immer noch nicht besser, und wir beschlossen, über den  Aletschgletscher mit einer anderen Seilschaft wieder abzusteigen. Ein letzter Blick zum Hotel Jungfrau. Einige Wochen später sollte es in Flammen aufgehen. Je tiefer wir kamen, um so schöner wurde das Wetter, und als wir am Konkordiaplatz ankamen, schien die Sonne. Links lockte die Grünhornlücke, dahiner das Finsteraarhorn. Ulrike hatte noch Lust, zur Finsteraarhornhütte zu gehen, was auch mein heimlicher Wunsch war.
Bei der zweiten Seilschaft war ein Belgier, und er schloß sich uns an. Der Weg zur Grünhornlücke (3286 m) war langwierig, und als wir sie erreichten, verdeckten Wolken das Finsteraarhorn, auch das Aletschhorn und die Lötschenlücke waren eingenebelt. Wir suchten die Hütte mit dem Fernglas. Auf einem Felssporn entdeckten wir sie endlich, am Fuße des Finsteraarhornes. 
Jetzt würden wir die Hütte auch im Nebel finden. Das Finsteraarhorn, der höchste Berg des Berner Oberlandes, war schon immer ein Traum von mir, schob un auch die Wolken beiseite. Der Hugisattel, das Agazzisjoch waren erkennbar, der Grat zur Gemslücke ebenfalls. Würden wir morgen auf seinem Gipfel stehen?
Der Abstieg zum Fieschergletscher war abwechselungsreich, mit dem Finsteraarhorn vor uns, und nachdem wir den Gletscher überquert hatten, öffneten wir bald die Türe zur Finsteraarhornhütte. Ulrike hatte sich trotz Schutz einen Sonnenbrand geholt, und sie klagte. Sie wollte am nächsten Tag den Fieschergletscher hinab nach Fiesch gehen. Das wäre Unsinn, wir wären etwa acht Stundn auf dem wilden, zerklüfteten Gletscher gewesen, der Sonnenband wäre nur noch schlimmer geworden. Die letzten Tage waren wohl doch etwas zu viel für sie gewesen. Wir rieten ihr zu einem Tag Ruhe, während George und ich auf das Finsteraarhorn gehen wollte. Ulrike war dieser Gipfel nicht auch noch zuzumuten, zumal sie bis jetzt tolle Kondition bewiesen hatte. 

Dienstag, 1. August 1972
Nationalfeiertag. Wir folgten einer Seilschaft vor uns, 3 Frauen und 1 Mann. George konnte ich vertrauen, er war groß, stark und mit den Bergen vertraut, seine Ausrüstung war auch komplett. Ulrike erholte sich von den Strapazen.
Zum Glück mußten wir nicht erst absteigen. In dem Felsen über der Hütte war ein Weg zu erkennen, und als wir den Gletscher erreichten, sahen wir hier oben die Reste einer alten Hütte.  Hier wäer sie besser plaziert als dort unten, hätten wir heute morgen doch eine halbe Stunde Marsch eingespart. Einige breite Gletscherspalten und Brücken verlangten unsere Aufmerksamkeit, gingen wir doch immer noch ohne Seil. Gerge ging gut, ich folgte ihm. Am Frühstücksplatz machten wir kurze Rast. Vor uns sahen wir die anderen Gruppen steigen gen Hugisattel. Ich wollte nicht in der Fall-Linie der beiden Seilschaften vor uns gehen. 
Der Schnee trug gut. Mir graute auch etwas vor dem Grat, und als ich ein Schneeband sah, fragte ich George, was er davon hielte, wenn wir da direkt hochstiegen. Er war einverstanden und stieg unermüdlich voran, ich hatte Mühe, ihm zu folgen. Im Zickzack legten wir unsere Spur. Obwohl die Flanke sehr steil war, kamen wir gut voran. Endlich erreichten wir die Felsen des Grates (4276 m) oberhalb des Hugisattels. Ssofort waren wir dem Wind ausgesetzt. Auf der Grindelwalder Seite wurden Wolken gegen die Wand geschleudert, hochgetrieben und dzurückgeworfen. Wir wurden schön ducheinandergeschüttelt. Hier, 10 Minuten vor dem Gipfel, holte ich das Seil hervor. Der Schnee war bis dahin wirklich wunderbar zu begehen (Seilfrei zu  gehen empfehle ich aber trotzdem nicht!!!).  Den Wächten kamen wir nicht zu nahe. Ein Handschlag in 4273 m Höhe sagte uns alles, wir waren froh.
Vom Grindelwaldgletscher stiegen die Wolken auf, während die Seite zum Wallis frei war und uns eine herrliche Sicht über die Grünhornlücke hinweg bot. Auf die Jungfrau war wolkenlos, welch eine Sicht müßte man heute von ihrem Gipfel haben! 
Aber der eisige Wind trieb uns bald wieder vm Gipfel, den gleichen Weg stiegen wir wieder hinab, sicherten in der Flanke abwechselnd uns waren bald wieder in der Hütte. Die andeen beiden Seilschaften waren auch schon angekommen, beim Hugisattel machten sie kehrt, weil auf dem Grat der Wind zu schlimm war. So waren wir an diesem Tag die einzigen Besteiger des Finsteraarhornes, und das machte uns noch glücklicher. Am Abend wurden noch einige Rakten in den dunklen Himmel geschossen und ein Feuerwerk entfacht, ansaonsten war es aber ein ruhiges Fest.

2. August, Mittwoch
Ulrike fühlte sich immer noch nicht besser, so daß wir nun schnellstens in die Zivilisation zurückkehren mußten.Wir wollten über den Oberaargletscher den Grimselpaß erreichen. Die anstrengendste Etappe war sofort hinter der Hütte: der Anstieg zur Gemslücke (3342 m). Das letzte Stück war sehr steil und steinschlaggefährdet. 
Vor uns lag der Studerfirn. Bald kamen wir in der Oberaarjochhütte an, die an den F elsen des Oberaarhornes klebt. Hier übernachteten wir noch einmal.

3. August, Donnerstag
Ein anderer Hüttenbesucher gab uns seine Autoschlüssel, wir sollten das Auto bis nach Fiesch fahren, wo er auf unserer zurückgelegten Route hinlaufen wollte. Das Vertrauen ehrte uns, und als wir das Auto nach dem langen Abstieg über dem Oberaargletscher erreichten, mußten wir es zwar erst anschieben, dann brachte es uns aber sicher über den Grimselpaß nach Fiesch, wo wir die Schlüssel wie verabredet bei der Seilbahnstation abgaben. In Martigny verabschiedete George sich von uns, er wollte weiter ins Montblancgebiet.
Ulrike hatte sich auch wieder erholt, und für uns ging 1 Woche im Hochgebirge zu Ende.










Hike partners: FJung


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