Picos de Europa: Torre Cerredo (2650m) von Fuente De (1850m) ueber Ref. de Urriellu (1950m)


Publiziert von pame , 5. Oktober 2015 um 05:30.

Region: Welt » Spanien » Asturias
Tour Datum: 6 September 2015
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: E 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 1350 m
Strecke:1.Tag: Fuente De Bergstation El Cable - Ref. de Urriellu (+650Hm, -500Hm, 9km, T3, I, 4h). 2.Tag: Ref. de Urriellu - Cheminee Torre Cerredo (2537m) - Ref. de Urriellu (+850Hm, -850Hm, 10km, T4, II, 8h)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Santander ueber Unquera - Panes - Potes nach Fuente De Talstation (1000m). Dort grosser Gratisparkplatz.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:s.o.
Unterkunftmöglichkeiten:Viele guenstige Hotels zw. Potes und Fuente De.

Von den Picos de Europa - ganz im Norden Spaniens - gibt es nur relativ wenige Berichte auf hikr.org. Vielleicht weil das gesamte Gebirge eher klein und deswegen nicht so bekannt ist. Es ist sicherlich eines der "schwierigsten" Gebirge Europas. Die Landschaft aehnelt den Dolomiten, und viele Gipfel koennen nur mit Kletterei und Seilsicherung erreicht werden. Es gibt auch kaum mechan. Aufstiegshilfen. Die Strassen der Umgebung reichen gerade mal bis auf 800-900m, waehrend die meisten Gipfel ueber 2500m liegen.

Ich wollte den hoechsten Gipfel, Torre Cerredo (2650m), besteigen. Ich hab es zwar nicht ganz bis zum Gipfel geschafft, aber der Bericht kann vielleicht bei kuenftigen Planungen helfen, da es im Netz einfach zu wenig vernuenftige Informationen zur Besteigung gibt.

Zufahrt: Die Picos de Europa erreicht man ueblicherweise von N. Ab der Autobahn A8/E70 zw. Santander und Gijon sind es ca. 1/2h bis 1h Fahrt bis zu den Talorten. Es gibt im Wesentlichen 3 davon, die sich als Ausgangspunkte eignen, d.h. die man mit dem eigenen Auto erreichen kann (fuer jede Option angegeben sind Hoehenmeter/Distanz vom hoechsten, mit dem Auto oder einer Seilbahn erreichbaren Ort bis zum Gipfel (nur Hinweg)):

  1. Im N: Poncebos (300m, auch noerdlicher Startpunkt der bekannten Ruta del Cares). Von Poncebos Standseilbahn (Funicular de Bulnes) nach Bulnes (700m); mind. 2000Hm/12km.
  2. Im NW: Sotres (1000m); mind. 1900Hm/10km.
  3. Im S: Fuente De (1000m), Seilbahn Fuente De - El Cable (1834m); mind. 1500Hm/14km.

Stuetzpunkt: Auf allen o.g. Routen kommt man am Ref.Urriellu (1950m) vorbei (gross, fast ganzjaehrig bewartet). In Hochsaison oft ausgebucht. Reservierung nur online (reservarefugios.com/booking/index/id/4, verwirrende Menuefuehrung, akzeptiert auslaend. Kreditkarten oft nicht, evtl. span. Steueridentifikationsnummer (DNI/NIE) notwendig).

Helm: Unbedingt! Auch fuer die Wanderwege, z.B. fuer den steilen Abstieg "Los cables" von den Horcados Rojos (T4, I).

Wetterbericht: Meteoblue

Gute Beschreibung: In franzoesisch


Ich habe mich fuer Route 3 entschieden, mit 2 Uebernachtungen im Ref. de Urriellu (1950m). Ich hatte nicht reserviert, aber der Huettenwart war so nett und hat mir am Telefon gesagt, dass es wahrscheinlich Platz geben wuerde (das war dann auch so). Diese Route bietet als Einstieg einen guten Ueberblick ueber die typ. Landschaft der Picos, da man fast das ganze Massiv in S-N-Richtung durchquert.

Von der Bergstation El Cable (1834m) (Seilbahn bis 20h in Betrieb) geht es zuerst auf gutem Weg (T2) hoch zum Pass Horcados Rojos (2344m), dann steigt man eine steile, undeutl. markierte, mit Kabeln gesicherte Flanke 200Hm runter (T4, I), und nach einigen km leichtem Auf und Ab auf gutem Weg (T2, stellenweise T3) erreicht man das Refugio de Urriellu (1950m). Bis zu den Horcados Rojos war sehr viel Betrieb, aber danach war ich praktisch allein.

Das Refugio ist - nun ja - von mittelpraechtiger Qualitaet (sanitaere Einrichtungen dreckig, sonst OK). Es war gerammelt voll (hauptsaechlich Kletterer). Leider hatte ich meine Hochleistungsohrstoepsel vergessen, und auch festgestellt, dass mein neuer Huettenschlafsack viel zu klein fuer mich ist. War aber eh egal, da es im Schlafraum so heiss war, dass ich keine Decke gebraucht habe. Bis etwa 1 Uhr nachts war ein staendiges Kommen und Gehen, danach wurde ordentlich geschnarcht, und ab 5 Uhr ging dann die "Stirnlampendisco" wieder los. Mit anderen Worten: Schlaf gab es kaum. Ach ja, das Fruehstueck bestand aus einem kleinen Korb fuer Jeden, mit Keksen, Zwieback und etwas Marmelade (ich schaetze mal, das sollte fuer den physiologischen Grundumsatz reichen...).

In der Huette habe ich noch zwei Englaender kennengelernt, die wie ich auch oft in Snowdonia wandern. Sie wollten auch auf die Torre Cerredo (2650m). Also haben wir beschlossen, gemeinsam loszuziehen.

Die Schwierigkeit bei der Besteigung der Torre Cerredo (2650m) ist, dass es nur sehr wenige, gute Beschreibungen gibt. Auch sind die meisten Karten unbrauchbar, und bieten allenfalls einen groben Ueberblick. Am Besten sind noch die Karten, die im Refugio aushaengen. Die Wege sind am Boden oft nicht gut sichtbar, oder mehrere Pfade verlaufen in alle moeglichen Richtungen. Auch Steinmaenner sind nicht gerade das, was man zuverlaessige Wegmarkierungen nennen wuerde. Insgesamt ist das Gelaende zwar nicht uebermaessig schwierig, aber sehr unuebersichtlich.

Von der Huette bis zum Fuss der Torre Cerredo muss man im Wesentlichen einen langen, verzweigten Bergruecken, der sich vom Neveron de Urriello (2547m) herunterzieht, umgehen. Das bedeutet viele, kleine Schlenker und Gegenanstiege. Da ausserdem die Torre Cerredo nur unwesentlich hoeher ist als die umliegenden Nachbargipfel, war uns auch bis zuletzt, trotz hervorragender Sicht, nicht ganz klar, welches eigentlich der Gipfel ist. Wegen der vielen Wegspuren und des unuebersichtlichen Gelaendes haben wir oefters mal die falsche Route eingeschlagen und standen nach ein paar Minuten vor einer steilen Platte oder einer Geroellhalde oder aehnlichem, wo es definitiv nicht mehr weiterging.

Nach ca. 4h, bei denen wir nur etwa 5km und 500Hm zurueckgelegt haben, standen wir endlich vor der Torre Cerredo (2650m) auf etwa 2400m Hoehe. Nun galt es, die beste Aufstiegsroute fuer den Gipfelaufschwung zu finden (wir hatten keine Kletterausruestung dabei). Am Besten steigt man entweder ueber einen gut sichtbaren, steilen, mit roetlich-gelbem Geroell bedeckten Pfad (T3) auf, oder ueber die einfachen Felsen direkt rechts vom Pfad (I). Das Wichtigste ist, einen kleinen Kamin (eher eine Rinne), den ich mit Cheminee Torre Cerredo als Wegpunkt markiert habe, zu finden. 

Der Kamin ist nur ein paar Meter lang und wird am oberen Ende von grossen Klemmbloecken versperrt. Hier gibt es mehrere Moeglichkeiten, nach rechts auszusteigen (II), um dann in steilem und ausgesetztem, aber relativ einfachen Gelaende (I) in der O-Flanke des Gipfels weiter aufzusteigen.

Ich bin nicht ganz bis zum Gipfel gekommen. Ich war einfach zu fertig von der schlaflosen Nacht in der Huette, dem unzureichenden Fruehstueck, und dem anstrengenden Anmarsch. Ausserdem war mir das Gelaende dann doch etwas zu heikel: Klettertechnisch zwar nicht sehr schwierig (max. II, solider Fels), aber sehr ausgesetzt und kaum zu sichern, selbst wenn wir entsprechende Ausruestung dabeigehabt haetten.

Ich hab mir's also auf einem schoenen, kleinen Absatz oberhalb des Kamins gemuetlich gemacht, etwas gegessen, und zum erstenmal so richtig die Aussicht genossen (das Wetter war ja perfekt!), waehrend meine zwei Begleiter weiter bis zum Gipfel gestiegen sind.

Als sie wieder zurueckgekommen sind, mussten wir beim weiteren Abstieg am Wandfuss noch den Rucksack suchen, den einer der Englaender dort abgelegt hatte (Merke! Wenn man schon 2 GPS-Geraete dabei hat, sollte man wenigstens einen Wegpunkt anlegen, wenn man irgendwo Ausruestung deponiert.). Der Rueckweg zur Huette war dann problemlos, obwohl wir hier auch hin und wieder vor Stellen standen, wo wir uns gefragt haben, ob wir vorher hier vorbeigekommen sind.

Fazit:
  • Tolle, dolomitenaehliche Landschaft
  • Meistens guter, solider und rauher Kalkfels - ideal zum Klettern
  • Durch Naehe zum Atlantik oft Nebel
  • Unuebersichtliches Gelaende, oft unklare Wegspuren, viel Auf und Ab
  • Picos de Europa gut mit Huetten ausgestattet

Tourengänger: pame


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