Die Alpenüberquerung zu Fuß von Oberstdorf nach Meran


Publiziert von regine , 19. September 2015 um 00:22.

Region: Welt » Terra Incognita
Tour Datum:30 August 2015
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: A   D   I   Parseiergruppe 
Zeitbedarf: 6 Tage
Aufstieg: 4800 m
Abstieg: 5300 m
Strecke:ca 76 Kilometer Bergwanderung, Transfers ca. 40 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Nach Oberstdorf mit dem Auto oder der Bahn.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Rückreise ab Meran bei organisierten Touren mit dem Bus, ansonsten Bahnrückreise
Unterkunftmöglichkeiten:1. Tag Kemptner Hütte 2. Tag Memminger Hütte, 3. Tag Gasthof in Zams, 4. Tag Braunschweiger Hütte, 5. Tag Gasthof in Vent 6. Tag Gasthof/Hotel in/um Meran

Die Alpenüberquerung war schon etwas Besonderes, obwohl ich schon seit meiner Kindheit des Öfteren im Hochgebirge unterwegs war. Das liegt daran, dass
  • der Weg das Ziel ist: Beginn in Oberstdorf relativ nahe zur Heimat, Überqueren des Alpenhauptkamms zu Fuß, Ziel Meran bereits unter südlicher Sonne
  • die verschiedenen alpinen Bereiche von Nord nach Süd in einem Stück durchquert werden: landschaftlich sehr abwechslungsreich und beeindruckend, grandiose Ausblicke. Wettermäßig war auch alles dabei, von Anstiegen in hochsommerlicher Hitze bis zu Wanderungen durch Neuschnee.
  • man auch nachts mitten in den Bergen, oft in großer Höhe, verbleibt, dort den Sonnenuntergang erlebt und noch bei Dunkelheit oder Tagesanbruch die nächste Etappe beginnt
  • sich entgegen aller Gewohnheit einmal einschränkt, weil alles, was für ein paar Tage gebraucht wird, auf dem Rücken transportiert werden muss und sich das Hüttenleben deutlich von Urlaub im Hotel unterscheidet
Unterschätzen sollte man die Tour nicht. Kein Vergleich mit einzelnen größeren Tagestouren weil
  • jeden Tag eine große Anzahl an Höhenmetern herauf und herunter zu bewältigen ist, ohne Pausentage dazwischen, was man i. d. R. nicht gewohnt ist
  • das Hüttenleben zumindest für die, die es nicht kennen, zusätzlich anstrengend ist (Schlange stehen am Waschraum, Schnarcher als Matratzennachbar,...) und nicht so ideale Regenerationsmöglichkeiten bietet wie ein gemütliches Berghotel
  • Gepäck für mehrere Tage zu tragen ist.
  • Aufgrund der Wegbeschaffenheit die Tour viel Spaß macht, jedoch die meiste Zeit auch sehr konzentriertes Gehen erforderlich ist. "Bequeme" Abschnitte sind selten.  Die technisch anspruchsvollsten Etappen sind die erste Hälfte des Abstiegs von der Seescharte nach Zams sowie der Weg von der Braunschweiger Hütte zum Pitztaler Jöchl (der auch schwarz markiert ist).
Im Internet sind sehr  zahlreiche Beschreibungen zur Alpenüberquerung zu finden, sowohl für Individualwanderer als auch von verschiedenen Anbietern. Die einzelnen Etappen sind immer sehr ähnlich, Tagesziele sind i. d. R die Hütten.

Für die Ausrüstung und das Rucksack-Packen haben mir die ebenso zahlreich zu findenden und sehr nützliche Infos geholfen. Gesamtgewicht  8 kg (inkl. Wasser) ist ideal, schon ein zusätzliches Kilo spürt man. Wer sich für die Hüttenschuhe entscheidet (kaum Gewicht, warme Füße) sollte zusätzlich die Flip-Flops einpacken (auch sehr leicht), sonst gibt es nasse Füsse in den Waschräumen bzw. ein kurzer Spaziergang vor die Hütte wird ungemütlich. Auch der Ohropax-Tipp ist empfehlenswert, ich hatte keine mit und sie sehr vermisst.

Ich habe die Tour geführt gemacht. Was aus meiner Sicht dafür sprach war, dass man sich (außer selbst Wandern) um nichts  zu kümmern braucht (Wegführung, Hüttenreservierung,Wetterbericht, Alternativrouten bei schlechtem Wetter, Nutzung der Materialseilbahnen für den Rucksack bei Hüttenaufstiegen, Kontakt und Gespräche an den Abenden).

Die Tour umfasst 6 Etappen. Bis zum 5. Tag folgt sie dem E5:

In den Nördlichen Kalkalpen (Allgäuer Alpen, Lechtaler Alpen, Inntaler Alpen)
1. Tag Aufstieg von Oberstdorf - Spielmannsau zur Kemptner Hütte durch den Sperrbachtobel (876 Hm).

2. Tag Kemptner Hütte - Mädelejoch (Grenzübertritt nach Österreich), Abstieg durch Höhenbachtal ins Lechtal nach Holzgau. Besonders interessant wenn man den Weg über die längste Hängebrücke Österreichs bei Holzgau wählt (200m lang, in 110 m Höhe). Kurzer Transfer bis Madau, Aufstieg zur Memminger Hütte (1150 Hm Aufstieg, 980 Hm Abstieg).

3. Tag Memminger Hütte - Aufstieg zur Seescharte, von dort Abstieg nach Zams im Inntal (420 Höhenmeter Aufstieg, 1850!! Hm Abstieg (die "Königsetappe").

In den Zentralalpen:
4. Tag Wetterbedingt kurze Pause am Vormittag genutzt zur Besichtigung des Zammer Lochputz,Transfer nach Mittelberg und Aufstieg zur Braunschwieger Hütte (800 Hm).

5. Tag Braunschweiger Hütte - Abstecher auf den Gipfel des Karleskopf - Pitztaler Jöchl - Rettenbachgletscher, kurzer Transfer durch den  Rosi-Mittermeier-Tunnel - Höhenweg nach Vent (Aufsteig 541 Hm, Abstieg 1200 Hm).

Im Übergang zur Alpen-Südseite:
6. Tag Ganz früh Morgens noch bei Dunkelheit Aufstieg zur Martin-Busch-Hütte. Nach einem 2. Frühstück dort weiter Aufstieg zur Similaun-Hütte (liegt auf der Grenze Österreich-Italien). Auf Italienischer Seite Abstieg zum Vernagt-Stausee. (Aufstieg 1000 Hm, Abstieg 1200 Hm.

Der Durchgang durch das letzte Almgatter beim Vernagt Stausee bedeutet, dass man es geschafft hat und ist zugleich das Ende dieser wunderschönen Tour. Bustransfer für die letzten Kilometer nach Meran. 

Tourengänger: regine


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Kommentare (1)


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AlpenChris hat gesagt: Alpenüberquerung via E5
Gesendet am 12. März 2016 um 09:26
Die Alpenüberquerung von Oberstdorf nach Meran ist wirklich ein
einmaliges Erlebnis.
Für tolle Impressionen (Stand 2015) und nützliche Tipps für die
Tour kann ich Euch auch diese Seite sehr empfehlen: www.alpenspaziergang.de
Viel Spaß Euch!
:)


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