Monte Perdido (3348m) ueber Faja de Pelay (Valle de Ordesa) und Ref.Goriz


Publiziert von pame , 27. September 2015 um 10:06.

Region: Welt » Spanien » Aragonien » Huesca
Tour Datum:30 August 2015
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: E 
Zeitbedarf: 3 Tage
Aufstieg: 2300 m
Abstieg: 2300 m
Strecke:1.Tag: Pradera - Refugio (T3, +1200Hm, -200Hm, 14km, 6h). 2.Tag: Refugio - Monte Perdido - Refugio (T4, I, +1100Hm, -1100Hm, 9km, 5h). 3.Tag: Refugio - Pradera (T3, +0Hm, -1000Hm, 13km, 4h).
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Torla (1000m) auf der span. Seite der Pyrenaeen. Zufahrt fuer Privat-PKW nach Pradera (1300m) im Ordesa-Tal in der Hochsaison gesperrt. Riesiger Gratisparkplatz am Ortseingang von Torla. Dort auch Informationsservice, Bushalt fuer Pendelbusse nach Pradera. Busse fahren von sehr frueh (vor 8 Uhr) bis spaet (nach 20 Uhr) alle 15-20min., Fahrtdauer ca. 30min. Preis: €4.50 Hin- und Zurueck.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:s.o.
Unterkunftmöglichkeiten:Viele Hotels in Torla, z.B. Hotel "Edelweiss", ca. 40€/Person und Nacht. Refugio Goriz (2195m): www.goriz.es/index.php/en

Monte Perdido (3348m) ist der dritthoechste Berg der Pyrenaeen und sehr populaer. Die Besteigung ist normalerweise unschwierig (T3-T4). Je nach Route gibt es stellenweise leichte Kletterei (I) aber keine Gletscherbegehung. Allerdings sind alle Zustiege sehr lang. Also hab ich die Tour auf drei Tage aufgeteilt, mit Ausgangspunkt Torla/Pradera (1300m) auf der span. Seite und Uebernachtung im Refugio de Goriz (2195m).

Einer der Pluspunkte dieser Route ist, dass man dabei das spektakulaere, canyonartige Tal, Valle de Ordesa durchwandert. Hier hab ich mir fuer den Hinweg die Route ueber die Faja de Pelay ausgesucht. Die Fajas sind Baender und Terassen hoch oben ueber dem Talboden. Und ich wurde nicht enttaeuscht! Ich wuerde fast sagen, dass die Faja de Pelay schon der eigentliche Hoehepunkt der gesamten Dreitagestour war.

Startpunkt ist Pradera (1300m), das im Sommer allerdings nur per Shuttlebus von Torla (1000m) erreicht werden kann. Das ist aber kein Problem, da die Busse wirklich oft fahren und auch - fuer Wanderer ideal - schon sehr frueh am Tag bis spaet am Abend in Betrieb sind. Theoretisch ist die Gesamtzahl der Personen, die sich gleichzeitig im Tal aufhalten duerfen, auf 1800 begrenzt. In Pradera gibt es auch eine Cafeteria und einen Shop.

Der Wetterbericht kuendigte einen sehr sonnigen ersten Tag an (perfekt!) und dann evtl. Gewitter am Abend fuer den zweiten Tag (auch kein Problem, da die Besteigung des Perdido von der Huette aus recht kurz ist (5-6h)).
 
1. Tag: Auto geparkt, Sachen fuer drei Tage in den Rucksack gepackt, und los geht's! An der Bushaltestelle wartet nur eine Handvoll Wanderer. Nach ca. 30min. Busfahrt kommen wir auf der Pradera (1300m) an, und ich bestelle mir erstmal einen Cafe con Leche und ein Schokocroissant (Ich hatte heute morgen im Hotel keine Zeit, auf's span. Fruehstueck bis um 9h00 zu warten.). 

In dem Gewirr an Wegen und Schildern auf der Pradera finde ich endlich die richtige Route zur Faja de Pelay. Die Sonne treibt die Temperaturen schon jetzt ganz ordentlich in die Hoehe. So bin ich froh, dass die 700m Aufstieg auf die Faja komplett im Wald und auf der schattigen S-Seite des Tales verlaufen. Oben auf 1900m angekommen mache ich am tollen Aussichtspunkt Mirador de Calcilarruego (1970m), von wo aus man fast das ganze Valle de Ordesa ueberblickt, kurz Pause .

Die nun folgenden paar Kilometer bis zum Talschluss sind ein einziger Genuss. Bei bestem Wetter und auf perfektem Weg spaziert man mehr oder weniger hoehehaltend hoch oben auf einem breiten Band entlang - immer mit fantastischer Aussicht ins Tal sowie auf die 3000er an der Grenze zu Frankreich. Auch der *Taillon (3144m) und die Breche de Roland (2807m), wo ich vor 2 Tagen gewandert bin, sind gut zu sehen. Da das Tal einen weiten Bogen macht, taucht auch irgendwann das eigentliche Gipfelziel fuer morgen, der Monte Perdido (3348m) auf.

Das einzig Unangenehme ist, dass mir langsam das Wasser ausgeht. Jetzt um die Mittagszeit wird's doch ziemlich heiss hier im windstillen Tal. Zum Glueck finde ich kurz vor dem Punkt, wo der Weg zur Goriz-Huette abzweigt, ein kleines Baechlein, wo ich nicht nur Wasser nachfuelle, sondern auch noch Hut und T-Shirt komplett eintauche, um mich ein bisschen abzukuehlen.

Leider zieht sich der Weg zur Huette noch ueber mehrere km, und es geht auch wieder fast 400Hm aufwaerts. Das Refugio de Goriz (2195m) kommt wirklich erst dann in Sicht, wenn man praktisch davor steht.

Uebernachtung im Refugio de Goriz (2195m): Die Huette ist einer der wenigen Stuetzpunkte im gesamten Ordesa-Gebiet und liegt sehr zentral. Sie ist das ganze Jahr ueber offen und bewartet, und in der Hochsaison im Sommer oft ausgebucht. Ich habe 2-3 Tage vorher angerufen und zum Glueck noch einen Platz fuer 2 Naechte ergattert. Insgesamt gesehen ist die Qualitaet der Huette nicht so toll: Die Einrichtung ist alt und nicht gut durchdacht (z.B. fehlen Ablageplaetze oder Kleiderhaken, so dass bei starker Belegung ueberall Kleider und Material rumliegen). Es wird auf 3 Ebenen geschlafen. Auf der obersten Ebene war es so heiss, dass ich es nicht mal im duennen Huettenschlafsack ausgehalten habe. Die ziemlich versifften Toiletten sind in einem Container aussen angebracht. Dafuer gibt es eine (kalte) Dusche. Das Essen war von unterschiedlicher Qualitaet: Am ersten Abend eher bescheiden, am zweiten Abend sehr gut. Das Fruehstueck: Cornflakes und Brot mit Marmelade - na ja... Das junge Personal ist allerdings aeusserst hilfsbereit (English spoken) und freundlich! Die Gaeste sehr international: Spanier, Deutsche, Englaender, Japaner,..., alles dabei.

2. Tag: Gegen 6h00 (noch im Dunkeln) faengt die uebliche Huettenhektik an. Ich lasse mir noch etwas Zeit bis es hell ist und die Menschenmassen abmarschiert sind. Dann geht's los und ueber gute Wege (T2) Richtung N zum Lago Helado/Etang Glace (2980m). Es ist nicht mehr ganz so sonnig wie gestern aber windstill und ziemlich warm. Unterwegs sind ein paar Gelaendestufen zu ueberwinden (T3, I), und an einer etwas ausgesetzteren, rutschigen Stelle ist eine Kette angebracht. 

Am Lago Helado/Etang Glace (2980m) dreht der Weg nach SO. Eine Tafel warnt "Sendero peligroso". Die Escupidera ( = "Spucknapf") ist eine beruechtigte Schuttrinne unterhalb des Gipfels, die heute aber voellig schnee/eisfrei und damit unproblematisch zu begehen ist. Wegen der Steinschlagsgefahr aufgrund der vielen Leute, die heute unterwegs sind, bin ich aber das erste Stueck ueber einen teilweise recht ausgesetzten Grat mit leichter Kletterei (T4, I, s. Fotos) aufgestiegen, dann hab ich mich immer hart links am Rand der Rinne gehalten.

Kurz unterhalb des Gipfels kommt man auf einen breiten Sattel. Ab hier war's leider stark vernebelt. Fuenf Minuten spaeter stehe ich auf dem Gipfel des Monte Perdido (3348m). Mein GPS zeigt 3348m an, also genau die Hoehe, wie sie auf den span. Karten angegeben ist. Da die Aussicht gleich Null und es doch etwas windig ist, beschliesse ich, etwas weiter unten am Lago Helado/Etang Glace (2980m) Pause zu machen.

Die 200Hm der Escupidera rutsche ich zuegig im Schutt unschwierig ab, wobei ich ein paar Minuten warte, bis oberhalb und unterhalb von mir keine Leute in der direkten Falllinie sind. Nach einer kurzen Rast am Lago Helado/Etang Glace (2980m) gestaltet sich der weitere Rueckweg unproblematisch, und ich bin am fruehen Nachmittag schon wieder an der Huette. Im Prinzip haette ich auch noch genug Zeit gehabt, noch am selben Tag nach Pradera (1300m) abzusteigen. Allerdings haette das dann einen 10h-Tag bedeutet, und am Abend kam tatsaechlich noch ein kurzes Gewitter auf. So war die Entscheidung auf der Huette zu bleiben in Ordnung.

3. Tag: Wieder ein sehr sonniger, aber etwas kuehlerer Tag. Fuer den Abstieg hab ich diesmal den Direktweg durch's Tal gewaehlt. Ab dem Wasserfall Cascada de Caballo (1750m) haette man den Weg (T1) auch mit einem Mountainbike oder Gelaendewagen befahren koennen. Das letzte Stueck war dann wieder angenehm im Schatten.

Fazit:
  • Das klare Highlight der Tour ist die Faja de Pelay und das Ordesa-Tal selbst. Landschaftlich eines der schoensten Taeler, die ich bis jetzt gesehen habe.
  • Die Wege sind ueberall gut angelegt und markiert. Die grobe Uebersichtskarte, die im Refugio kostenlos ausliegt, reicht zur Planung, auch weiterer Touren im Ordesa-Gebiet, vollkommen aus.
  • Wer mehr Zeit hat sollte vielleicht 4-5 Tage einplanen, um weitere Teile des Ordesa/Gavarnie-Gebietes zu erkunden. Man koennte z.B. von der Goriz-Huette auf die franzoes. Seite, z.B. das Ref. de Sarradets ueberwechseln. Ueberhaupt lassen sich recht viele 3000er-Besteigungen im Perdido-Gebiet miteinander kombinieren.
  • Die spektakulaere Faja de las Flores laesst sich sicher auch noch irgendwie einbauen.

Tourengänger: pame


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Kommentare (1)


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lampbarone hat gesagt:
Gesendet am 8. Oktober 2016 um 11:13
Vielen Dank für den Bericht und die Tipps, ohne die ich auf viele Ideen gar nicht gekommen wäre!
Das ganze Gebiet ist ein Traum!
Und die Faja de las Flores toppt die Faja de Pelay noch um einiges! (man sollte allerdings wissen, dass der westliche Abstieg durch die Clavijas de Salarons nicht ohne ist)
Nur beim Essen im Goriz hab ich wohl den ersten Tag erwischt ;)


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