Best of Oberalp, Superpazolabadusrossbodenstock!


Publiziert von danski , 22. November 2014 um 14:44.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:20 November 2014
Ski Schwierigkeit: S
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR   CH-GR 
Zeitbedarf: 8:15
Aufstieg: 2200 m
Abstieg: 2700 m
Strecke:Oberalppass - Pazolastock - P. 2743m; Abfahrt Nurschalas Grondas; Lai da Tuma - Piz Badus; Abfahrt NW-Couloir; Six Madun Egg - Rossboden Alpetli - Rossbodenstock; Abfahrt Gipfelkreuz Couloirs - Alp Rossboden - Andermatt
Zufahrt zum Ausgangspunkt:erster Zug 07:27 von Andermatt nach Oberalppass

Wenn ich die Essenz der Region um den Oberalppass in einem einzigen Gipfel zusammenfassen müsste, dann hiesse dieser Superpazolabadusrossbodenstock. Nun, da es sich hier offensichtlich um ein fiktives geografisches Gebilde handelt, bleibt einem nichts anderes übrig, als diese drei Gipfel in einer einzigen Tour zusammenzufassen. Das Zeitfenster für diese "Mission" ist äusserst kurz, nämlich genau zwischen dem 1. Mai und dem 30. November, aber dazu später. Ganz zu schweigen von den Verhältnissen, die für diese Tour in jeglicher Hinsicht perfekt sein müssen. Am 20.11.2014 versprachen alle Vorzeichen genau diese Konstellation.

Pazolastock, 2740m - Tumslli, 2743m; Abfahrt Nurschalas Grondas
  
Früh müssen wir los, um alle Gipfel mitsamt den erträumten Abfahrten an diesem kurzen Novembertag bei Tageslicht zu schaffen. Der erste Zug um 07:27 von Andermatt auf den Oberalppass deswegen ein absolutes Muss. Ruckelnd gewinnt die rote Bahn schnell an Höhe und gibt uns die willkommene Möglichkeit, unsere späteren Abfahrten vom Badus und Rossbodenstock zu studieren. Unglaublich weiss und vor Schnee nur so strotzend präsentieren sich uns die sonst recht steinigen Flanken und Rinnen. Das sollte ein Fest werden! Auf dem Oberalppass verlassen neben uns nur noch einige Angestellte der Bergbahnen den Zug. Langsam schafft es die Sonne über den gebirgigen Horizont, während wir auf einer guten und angenehmen Spur rasch Höhe gewinnen. Eine fast makellose Schneelandschaft liegt in den ersten Sonnenstrahlen vor uns und sorgt für weitere Motivationsschübe. Nach etwas mehr als einer Stunde haben wir den unspektakulären Pazolastock, 2640m, erreicht. Wir drehen gleich wieder um und peilen die verlockenden und jungfräulichen Hänge unter dem P. 2043 an. Wo in vorangegangenen Wintern die Skis normalerweise kurz getragen werden mussten, liegt jetzt eine durchgehende Skispur. Und dann endlich starte ich um 09:30 in die Skisaison 2014! Der perfekte Pulverteppich flitzt mir entgegen und es fühlt sich so an, als hätte ich den Sommer nichts anderes gemacht als skigefahren. Keine Spur trübt den perfekten Eindruck der Osthänge der Nurschalas Grondas. Leider haben sich unterhalb 2300m gewaltige Grundlawinen gelöst, die den Fahrspass natürlich nicht unwesentlich schmälern, obwohl gerade hier 30cm feinster Pulver liegen. Wir nehmen es gelassen, erwarten uns doch weitere 2200HM Abfahrt. Doch diese müssen hart verdient werden und so steht bald der zweite und längste Aufstieg des Tages an.

Piz Badus, 2928m; Abfahrt via NW-Couloir

Das Val Maighels breitet sich in seiner ganzen Pracht und Ruhe vor uns aus und wir geniessen das Privileg, die erste Spur legen zu dürfen. Bald biegen wir rechts ab und spuren in tiefem, schon etwas feuchtem Schnee hoch zum Lai da Tuma. Zwischenzeitlich haben sich hohe Wolkenfelder zwischen die Sonne und uns geschoben, was uns nicht ungelegen kommt, denn es ist auch ohne noch genug warm. Wir spuren zu hoch hinauf und realisieren unser Missgeschick erst als, wir ca. 20m tief zum Lai da Tuma hinunter blicken. Etwas weiter unten finden wir den Durchschlupf. Die Bachschlucht des jungen Rheins ist ein wahrhaftiges Schneeloch, welches wir uns nun hochwühlen müssen. Statt den Lai da Tuma zu überqueren, was uns als zu riskant erscheint, folgten wir seinem südlichen Ufer und ziehen bald hoch Richtung Badus. Es ist kein Zuckerschlecken für den Vordermann, der eine Spur durch den sehr tiefen Schnee bahnen muss. Unser Tempo ist zwar verhältnismässig immer noch recht hoch, doch der Piz Badus scheint uns trotzdem nicht näher zun kommen. Nach rund 2 Stunden erreichen wir das Skidepot, das für uns keines ist, denn die Skis müssen mit uns über den Berg zum Südsattel des Badus. Nur kurz müssen wir die Skis abschnallen, bevor wir den höchsten Punkt unserer Reise auf 2928m erreichen. Ein weiteres untrügliches Indiz, dass bereits weit überdurchschnittlich viel Schnee liegt. Dieser Eindruck bestätigt sich natürlich erst recht, wenn man südwärts blickt. Eine allzu lange Pause können wir uns auch hier auf dem schönen und aussichtsreichen Badus nicht gönnen, wollen wir im Zeitplan bleiben. Die Skis gehören nun aufgebunden und wir balancieren über den blockigen Badus S-Grat. Der viele Schnee ist noch nicht genügend verfestigt. Wir sacken immer mal wieder zwischen die Blöcke ein. Nach einer kurzen, etwas exponierten Traverse klicken wir in die Bindungen und suchen uns vorsichtig den Weg zum Einstieg des NW-Couloirs. Nicht besonders steil, aber recht spektakulär kanalisiert es den Blick ins Unteralptal. Die Wildruhezone, welche man mit dieser Abfahrt betritt, ist der zeitlich limitierende Faktor dieser Tour. Laut http://www.wildruhezonen.ch/ ist diese jeweils vom 1.12 bis 30.4 rechtskräftig, eine Befahrung deshalb nur ausserhalb dieser Zeit in Betracht zu ziehen. Guten Gewissens lassen wir es laufen. Es könnte nicht besser sein! Tiefer, lockerer Pulver erlaubt über 450HM Abfahrtsspass in einem Zug, vorausgesetzt die Skifahrerbeine sind schon in entsprechender Form. Natürlich ist der Spass viel zu schnell vorüber und ein weiterer Anstieg steht an.

Rossbodenstock, 2836m; Abfahrt via Gipfelkreuz-Couloirs

Bevor wir den Rossbodenstock in Angriff nehmen können, gilt es das Six Madun Egg zu überwinden. Ziemlich steil, SW-exponiert und bereits mit einem Gletischschneeanriss versehen, ist dies alles andere als ein Ort zum Verweilen. Rasch binden wir die Skis auf und ackern uns mühevoll durch den tiefen und schweren Schnee hoch. Glücklicherweise verdecken Wolken die Sonne und bremsen damit etwas die Erwärmung. Nach 100HM leitet eine kurze Abfahrt zum Rossbodealpetli über. Nur noch etwas mehr als 400HM trennen uns vom Rossbodenstock. So gut es geht, versuche ich meine Akkus etwas zu laden, denn in der Nachmittagshitze würden wir abermals so manche Kalorie bis zum Gipfel verbrennen. Nach der Hälfte des Aufstiegs bilden sich Stollen an den Fellen und ich falle in ein Motivationstief. Kopf ausschalten geht leider nicht und so beginne ich, zwischen den Spitzkehren Schritte zu zählen. Damit ist der Kopf etwas abgelenkt und der Rossbodenstock, 2836m, in vernünftiger Zeit erreicht. Von einem letzten Power-Gel erhoffe ich mir die nötige Energie, um die 1400m Abfahrt in Angriff zu nehmen. Und natürlich wollen wir dies nicht auf der Normalroute tun. Dafür sehen die Couloirs direkt unterhalb des Gipfelkreuzes viel zu einladend aus. Ich mache den Anfang, ziehe ein paar schnelle Kurven und halte bei der nächsten sicheren Insel. Leider haben nicht alle so viel Glück mit den versteckten Steinen... Der Sturz meines Kollegen geht glimpflich aus, obwohl er einen ziemlichen Abflug macht und vom Lockerschnee ein Stück mitgerissen wird. Nach einer längeren Zwangspause setzen wir die Abfahrt fort. Diese ist noch einmal fantastisch, wären nur die Beine schon in einer etwas besseren Form... Kurz begutachten wir unsere Linien und folgen dann weiteren Abfahrtsspuren via Rossboden - Laucheren nach Andermatt. Ein letzter Härtetest für die Beine, denn der feuchte Schnee hat schon wieder leicht angezogen. Ziemlich erschöpft, hungrig und durstig trotteten wir nach mehr als 8 Stunden durch das noch ruhige Andermatt. Doch es war geschafft und dies gleich als Saisonauftakt! Gehts eigentlich noch besser? Ich glaube nicht! :)




 

Tourengänger: danski

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