Uetliberg für Fortgeschrittene


Publiziert von Chääli Pro , 22. September 2008 um 17:02.

Region: Welt » Schweiz » Zürich
Tour Datum:22 September 2008
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Albiskette - Höhronen   CH-ZH 
Zeitbedarf: 2:00
Aufstieg: 350 m
Abstieg: 350 m
Strecke:Triemli - Clarida- Uto Kulm - Gaslämpliweg - Avenue Romande - Triemli
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Tram oder Uetlibergbahn
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Tram oder Uetlibergbahn
Unterkunftmöglichkeiten:Ca. 150 Hotels
Kartennummer:1091 Zürich

Das ist jetzt endlich mal etwas wirklich Exotisches. Kein Nichtzürcher wird je diese Route ablaufen, obwohl es doch ein paar nette Pfade und Wege am Uetliberg hat. Aber eben, wer geht schon in die Stadt, um zu wandern. Weil ich nun schon mal da bin, bin ich relativ häufig am Uetliberg und kenne mittlerweile auch die Routen und Clubhütten, die unzählige Generationen von Bergbegeisterten angelegt haben. Vieles davon ist zerfallen oder mindestens dem Zerfall nahe. Ein Pfad beispielsweise, den ich gerne gehe, bestand vor siebzig Jahren aus vier Holztreppen und zwei Eisenleitern. Davon ist nur noch die eine Leiter aus Stahl erhalten geblieben. Den Rest muss man sich zusammenreimen.

Start beim Triemli-Spital. Nichzürcher kommen dorthin via Hauptbahnhof und Tram, ich wohne glücklicherweise in der Nähe. Zunächst geht es auf Wanderautobahnen den Berg hinauf, dann auf den alten Weg, der früher zum Clubhaus Gelbe Wand führte, der aber nur noch schwer auffindbar ist. Wer sich dafür interessiert, muss selber suchen oder mich fragen. Der Weg oder was man davon noch erahnen kann zieht sich in schönen Kehren den Berg hinauf. Eine Felsstufe wird mit einer Stahlleiter überwunden. Anschliessend fehlt eine Leiter (sie liegt mehrere hundert Meter tiefer unten, wahrscheinlich diente sie einmal Kindern zum Hüttenbau).

Weiter gehts unterhalb der Gelben Wand quer auf einem Weg, auf dem man bis durch die Fallätschen gehen könnte (für Nichtzürcher: Die Fallätsche ist ein Erosionstrichter, der bei Jugendlichen als Kletterparadies berühmt ist. Es sind aber auch schon  berühmte Zeitgenossen festgesessen, sodass sie mit Feuerwehr und Rega gerettet werden mussten.

Überhaupt darf man diesen Zürcher Hausberg oder -hügel nicht unterschätzen. Der Erstbesteiger des Tödi, Friedrich Dürler, ist nämlich am Uetliberg tödlich abgestürzt. "Er stürzte hinab und starb", steht auf seinem Denkmal, das sich oben am Gratweg befindet.

Wir nehmen nun einen Pfad, der direkt zur Clubhütte Clarida führt. Von diesen Hütten gibt es Dutzende am Uetliberg, meist von Bergverrückten vor rund hundert Jahren errichtet. Hier traf man sich, um Touren zu besprechen oder einfach, um gemütlich zusammenzusitzen. Viele dieser einstigen Bergclubs, resp. deren Mitglieder, sind leider am Aussterben. Nur noch ganz wenige der Hütten werden gebraucht, z.B. das Teehüsli "Zur Steilen Wand", dem Roman Koch auf seiner grossartigen Homepage einige Informationen widmet.

Von der Clarida-Hütte gibt es mehrere Wege zum Gipfel. Der eine führt direkt gerade hinauf, etwas weiter auf dem Weg kommt man zum berühmten Denzler-Weg, der in unzähligen Treppenstufen nach oben führt. Wir gehen noch ein Stück weiter und kommen zu einem Pfad, der direkt unterhalb der Aussichtskanzel von Uto Kulm endet. Unterwegs kommt man zum Denzlerplätzli, das nett aussieht, aber wohl kaum je genutzt wird: vier Betonpfosten um einen Eisentisch - nicht sehr einladend.

Zuoberst ist das Reich des Uetlibergfürsten Giusep Fry, der seine Bauten ohne entsprechende Bewilligung erweitert hat und nun ganz staubig reagiert, dass er einiges davon wieder wegmachen soll. Aber wie es Alternativen zu den Austiegsrouten gibt, so gibt es auch Alternativen zu Fry, zum Beispiel den Jurablick, eine wunderschöne alte Clubhütte, die am Wochenende auch ein Restaurant ist.


nb: Auf vielfältigen Wunsch habe ich noch eine Karte eingefügt. Trotzdem ist der Weg vom Triemli her nicht ganz einfach zu finden. Früher ging er direkt vom Döltschihof in die Höhe. Das geht heute wegen der Viehweide nicht mehr so leicht. Also den Umweg über den Hohensteinweg nehmen, aber nur bis zum ersten Rastplatz, dann links bis zum Brunnen, rel. weglos hoch bis zum Strässchen und dann auf einem Weg, der nur die ersten zehn Meter gut als solcher zu erkennen ist. Über einen vermoosten Baumstrunk, dann etwas rechts halten und immer hoch.  Dann kommen ein paar ältere umgestürzte Bäume, eine zusammengestürzte Hütte mit der Stahlleiter im Hintergrund. Jetzt geht es etwas links hinauf (auf meinen Stufen!!!) und im Bogen zur Rippe mit dem Seil und dann den alten Drahtseilen nach über die Eisenleiter. Beim ersten Querweg dann wieder links und weiter bis zur grossen Wiese. Jetzt sollte nichts mehr schiefgehen. Viel Glück! Für Rückmeldungen wäre ich natürlich sehr dankbar.

Tourengänger: Chääli

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Kommentare (5)


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ABoehlen Pro hat gesagt:
Gesendet am 2. Oktober 2008 um 14:45
>Überhaupt darf man diesen Zürcher Hausberg oder -hügel nicht unterschätzen.

Allerdings! Wenn ich mir das Kartenbild anschaue, kann ich nur staunen, wie steil und kantig es dort zu und her geht! Da ist unser Berner Hausberg Gurten im Vergleich wirklich nur ein Hügel (obwohl gleich hoch, aber was heisst das schon...).
Der Bericht motiviert richtig dazu, mal in der Grossstadt Zürich Bergwandern zu gehen, so seltsam das auch klingen mag!

Besten Dank und lieben Gruss
Adrian

Dubs hat gesagt: Kein Nichtzürcher wird je diese Route ablaufen
Gesendet am 31. August 2009 um 13:48
Gestern alles "nachgewandert".
Hat bestens geklappt. Vielen Dank

uetliberg hat gesagt: Gfunde!
Gesendet am 9. Dezember 2009 um 12:27
Hoi Chääli,
Herzliche Dank! Dur Dich hani de Weg wider gfunde, woni vor Jahre, woni in ZH na noi gsi bin, e mal gloffe bin (z.T.) und nüme gfunde han... So bald i me Zit han als susch probier i Dini Route us! So wird i de Berg na chli besser käne lehre, wo mer erlaubt, in dere Schtadt z'überläbe. Vil Schpass bi Dine nächschte Usflüg! Üetliberg :-)

Consti hat gesagt: Schleichwege am Üetliberg
Gesendet am 18. Juni 2011 um 13:55
Am Üetliberg versagt selbst die Swisstopo 1:25000 - und das in einer Stadtregion, die eigentlich bestens vermessen sein müsste ;-) Besten Dank für die wertvollen Tipps! Ich bin selber ein grosser Fan vom Üetliberg, aber zwei der hier beschriebenen Stellen kenne ich noch nicht - werde sie bald ausprobieren! Bedenken hätte ich, zu viele solcher "Insidertipps" an die Öffentlichkeit weiterzugeben, denn bei grösserem Andrang würden viele der schmalen Pfade zur Schlammpiste werden. Ich denke da besonders an den Pfad durch diese grossartige Feuchtwiese, die das Herz eines jeden Pflanzenliebhabers höher schlagen lässt. A propos nicht zu unterschätzen: Beim Cross-Dauerlauf am Üetliberg vor vier Tagen habe ich mir den Fuß verstaucht, bin aber glücklicherweise nicht abgestürzt und bald wieder zu neuen Abenteurn vor der Haustüre bereit ;-) Grüsse, Constantin

gottardop hat gesagt: Trampelpfad Ost usw.
Gesendet am 23. März 2014 um 20:00
Schöner Bericht, den ich erst heute entdeckt habe, nachdem ich in den letzen Jahren so ziemlich alle Wege dort erlaufen habe. Hab gerade heute einen Blogpost dazu gemacht http://gottardop.wordpress.com/2014/03/22/unbekannter-uetliberg und auch auf dich verlinkt. Aber Consti hat recht, vielleicht sollten wir nicht allzusehr dafür werben ...


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